Charu Majumdar: “Was ist die Quelle des spontanen revolutionären Ausbruchs in Indien?”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

WAS IST DIE QUELLE DES SPONTANEN REVOLUTIONÄREN AUSBRUCHS IN INDIEN?

Charu Majumdar
09.04.1965

Historische Acht DokumenteÜbersetzt und reproduziert von
Die Rote Fahne

WAS IST DIE QUELLE DES SPONTANEN REVOLUTIONÄREN AUSBRUCHS IN INDIEN?

Kameraden!

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg ereigneten sich in der Welt zwei Ereignisse. Einerseits wurde die nackte Form der Niederlage der sogenannten faschistischen Mächte vor dem Volk blossgestellt, andererseits schuf das sozialistische Staatssystem der Welt unter der Führung des Kameraden Stalin Vertrauen in den Köpfen der Menschen. Infolgedessen kam es in der ganzen Welt zu einem spontanen revolutionären Ausbruch. Vor allem der Erfolg der chinesischen Revolution im Jahre 1949, ohne den Krieg selbst, bewirkte inmitten dieses spontanen Ausbruchs eine neue revolutionäre Flut, über die die Kommunistische Partei Indiens niemals eine richtige Einschätzung vornehmen konnte. Infolgedessen wurde die revolutionäre Veränderung in ganz Asien, Afrika und Lateinamerika, die durch diese grosse Revolution herbeigeführt wurde, von uns nie wahrgenommen. Daher konnten wir die Bedeutung dieser kühnen revolutionären Losung, des klaren Rufs der 650‘000‘000 revolutionären Menschen, nicht verstehen: „Seht, wir haben uns selbst auf den Weg des Sozialismus gebracht. Nein, selbst der USA-Imperialismus konnte die gewaltige Bewegung unserer unwiderstehlichen revolutionären Strömung nicht aufhalten.“

Aber das kämpfende Volk machte nicht den Fehler. Dieser revolutionäre Funke griff auf Vietnam, Kuba, jedes Land in ganz Lateinamerika über.

Das indische Volk antwortete auf diesen Ruf. Wir sahen den Ausdruck davon in der spontanen demokratischen Revolution von 1949, die von uns getrübt wurde, indem wir versuchten, sie in die engen Grenzen der sozialistischen Revolution einzugrenzen. Nicht nur das, es wurde versucht, die Bedeutung der gesamten chinesischen Revolution zu negieren, indem die Quelle dieser spontanen Bewegung, die grosse chinesische Revolution und ihr Führer Vorsitzender Mao Tsetung, offen kritisiert wurde. Vor allem wurde später als Folge der Leugnung dieser Chinesischen Revolution innerhalb der Partei die Losung erhoben, dass die Revolution nicht über den chinesischen Weg, sondern nur über einen wahrhaft indischen Weg erreicht werden wird. Und von hier aus wurde auch der heutige Revisionismus geboren. Wegen dieses linken Sektierertums von damals waren wir nicht in der Lage, diese Bewegung auf den richtigen Weg zu führen.

Aber, nein, Kameraden! Die Flut jener revolutionären Bewegung von 1949 konnte nicht verebben, weil kein Imperialismus die chinesische Revolution, die rote Fahne der Hoffnung der Stadt Peking, auslöschen konnte.

Wir sahen erneut, wie sich diese verebbende Bewegung 1951 während des Koreakrieges in eine riesige Flut verwandelte. Es ist eine volle Blüte davon, die wir in spontanen Versammlungen, Umzügen, bei der Begrüssung des von China und Korea gemeinsam geführten Gegenangriffs sahen. Es war die objektive Form davon, die wir im grossen Sieg der Kommunistischen Partei bei den Wahlen 1951 erlebten.

Und es war die kämpferische Form davon, die wir in der spontanen Errichtung von Barrikaden durch die kämpfenden Massen in den Jahren 1953-54 sahen.

Wir konnten das nicht verstehen. Aber die Bourgeoisie konnte verstehen, konnte die Form der kämpfenden Massen erkennen, konnte ihren Kurs kennen. Sie erkannte, dass diese grosse Revolution nicht mehr ignoriert werden konnte, und um das Volk zu täuschen, wandte sie ihr Gesicht dem sozialistischen Staat, der grossen chinesischen Revolution zu. Deshalb nahm er an Panch Sheel, an der Konferenz von Bandung teil.

Der dekadente Imperialismus erkannte auch, dass es nicht möglich war, mit der alten Methode weiterzumachen. Also nahm er eine neue Form an, führte eine neue Methode der Ausbeutung ein, indem er Dollars verschenkte. Der Neokolonialismus begann.

Als der Imperialismus und alle Reaktionäre der Welt nach einem Ausweg suchten, um sich zu retten, trat die revisionistische Politik des Verräters Kruschtschow 1956 mit einem Licht der neuen Hoffnung vor sie. Die reaktionäre Regierung Indiens fand einen Weg, um eine Illusion über Kruschtschows unabhängigen kapitalistischen Weg zu schaffen. Aber die reaktionäre Regierung wusste, dass es unpraktisch, illusorisch war. Deshalb schloss die reaktionäre Regierung der indischen Bourgeoisie 1958 einen geheimen Pakt mit dem USA-Imperialismus.

Deshalb startete sie 1959 einerseits einen Angriff auf die Demokratie, indem sie die Verfassung in Kerala ausser Kraft setzte, und andererseits begann sie, die Quelle der spontanen Bewegung, die grosse chinesische Volksrepublik, zu verleumden. Sie gewährte dem imperialistischen Agenten Tibets, dem Dalai Lama, Unterschlupf. Aber als das Volk trotzdem spontan den Weg des Kampfes einschlug, erschoss die Bourgeoisie ohne jede Verzögerung 80 Menschen. Damit endete die letzte Möglichkeit des friedlichen Übergangs zum Sozialismus.

Aber, nein, Kameraden, auch damals stand das Volk nicht still vor der Macht der Regierung. Der spontane Streik von 1960 breitete sich massenhaft über ganz Indien aus, weil das Licht der chinesischen Revolution, das Gefäss einer Kraft, die hundertmal, tausendmal stärker ist als diese Kraft, ihnen den Weg zeigt. Das ist der Grund, Kameraden, warum das Volk auch ohne die Kommunistische Partei den Weg des Kampfes eingeschlagen hat.

Als die kämpfenden Menschen dieses spontanen Kampfes, die mit den Waffen besiegt wurden, an einen noch härteren Kampf dachten, konnte die Parole der alternativen Regierung von 1962 keine revolutionäre Begeisterung in ihren Köpfen erzeugen. Denn sie wollten eine Antwort auf die Frage — was wird geschehen, wenn sich die Episode von Kerala in Bengalen wiederholt? Wir konnten keine korrekte Antwort auf diese Frage geben. Wir konnten diese richtige und kühne Losung damals nicht vorbringen — im Falle einer Wiederholung der Kerala-Episode in Bengalen wäre der bewaffnete Kampf der einzige Weg, die Regierung zu stürzen.

Aber die Bourgeoisie machte keinen Fehler, als sie das Bild der kämpferischen Massen bemerkte. Deshalb griff die von Panik ergriffene indische Regierung 1962 die Quelle des Kampfes der kämpfenden Massen an, sie griff die grosse chinesische Demokratie an. Aber es traten zwei Ereignisse ein, in deren Folge die Bourgeoisie selbst ihr Grab schaufelte. Erstens wurde durch die Niederlage der bewaffneten Kräfte der Bourgeoisie die nackte Form der Schwäche dieser Regierung vor den kämpfenden Massen sonnenklar. Die kämpfenden Massen fanden ein neues Licht des Kampfes. Zweitens konnte aufgrund des einseitigen Rückzugs der chinesischen Truppen aus den indischen Gebieten der giftige Einfluss des pervertierten Nationalismus die Bauern nicht berühren. Die Bourgeoisie geriet in Panik; sie sperrte die Kommunisten ein.

Aber sie konnte den spontanen Kampf nicht aufhalten. In Bombay wurde die Arbeit eingestellt. Der „Dum Dum Dawai“ wurde begonnen. Um aus dieser schrecklichen Situation herauszukommen, liess die Bourgeoisie die Kommunisten frei und versuchte, ihre internen Konflikte auszunutzen. Aber der berüchtigte Brief von Dange, dem Laufhund des Imperialismus, verdarb ihre Hoffnung. Eine neue revolutionäre Partei wurde gegründet, Kruschtschow fiel von der Macht, der Weltrevisionismus erhielt einen gewaltigen Schlag. Die Säule, auf die sich die Bourgeoisie bei ihren Angriffen gegen China gestützt hatte, begann in Vietnam zu wackeln. Die Bourgeoisie erkannte die Gefahr und sah sich, mit dem Rücken zur Wand, nicht in der Lage, einen Rückzug anzutreten. Also griff sie an und verhaftete zweitausend Kommunisten. Aber die kämpfenden Massen gaben in Kerala ihr Urteil ab, die Regierung sah den Ausbruch der spontanen Bewegung. Sie riss die letzte Maske der Demokratie herunter.

Aber nein, diese spontane Bewegung kann nicht verhindert werden, selbst wenn man Hunderte und Tausende von Kommunisten inhaftiert und zu tausend Methoden der Unterdrückung greift. Denn die chinesische Revolution kann nicht zerstört werden. Kein stürmischer Wind kann das Licht dieser Revolution auslöschen. Die delirierende Bourgeoisie weiss das, deshalb hat sie begonnen, über ihre eigenen Schwachstellen zu schwärmen. Sie zittert und stellt sich vor, dass sich innerhalb des Militärs eine Organisation bildet. Sie hat begonnen, das Gespenst von Telengana zu sehen.

Ja, Kameraden, heute müssen wir mutig und mit fester Stimme vor dem Volk aussprechen, dass die gebietsweise Machtergreifung unser Weg ist. Wir müssen die Bourgeoisie zum Zittern bringen, indem wir sie an ihren schwächsten Stellen am härtesten treffen. Wir müssen mit kühner Stimme vor dem Volk sprechen — siehe, wie das arme, rückständige China innerhalb von sechzehn Jahren mit Hilfe der sozialistischen Struktur seine Wirtschaft stark und solide gemacht hat. Auf der anderen Seite müssen wir diese verräterische Regierung entlarven, die Indien innerhalb von siebzehn Jahren in einen Spielplatz der imperialistischen Ausbeutung verwandelt hat. Sie hat das gesamte indische Volk in eine Nation von Bettlern für die Ausländer verwandelt. Kommt, Kameraden, lasst alle werktätigen Menschen sich vereint auf den bewaffneten Kampf gegen diese Regierung vorbereiten, unter der Führung der Arbeiterklasse, auf der Grundlage des Programms der Agrarrevolution. Auf der anderen Seite lasst uns das Fundament des Neuen Demokratischen Volksindiens legen, indem wir durch Bauernaufstände befreite bäuerliche Gebiete aufbauen.

Lasst uns gemeinsam, Schulter an Schulter, brüllen:

ES LEBE DIE EINHEIT DER ARBEITER, BAUERN UND WERKTÄTIGEN MASSEN!

ES LEBE DER BEVORSTEHENDE BEWAFFNETE KAMPF INDIENS!