Mao Tse-tung: “Brief zur Frage des Studiums des Romans ‘Der Traum der roten Kammer'”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

BRIEF ZUR FRAGE DES STUDIUMS DES ROMANS „DER TRAUM DER ROTEN KAMMER“

Mao Tse-tung
16.10.1954

Ausgewählte Werke
Band 5
Reproduziert von
Die Rote Fahne

BRIEF ZUR FRAGE DES STUDIUMS DES ROMANS „DER TRAUM DER ROTEN KAMMER“

Ein Brief vom Vorsitzenden Mao Tse-tung an die Kameraden des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und andre zuständige Kameraden.

Beiliegend zwei Artikel zur Wiederlegung Yü Ping-bos. Bitte seht sie durch. Es ist seit über dreissig Jahren das erste Mal, dass auf die falschen Ansichten einer sogenannten Autorität auf dem Gebiet des Studiums des Romans Der Traum der roten Kammer ernsthaft das Feuer eröffnet wird. Die Autoren sind zwei Mitglieder des Jugendverbandes. Zuerst schrieben sie an die Wenyi Bao (Literaturzeitschrift) und fragten an, ob man Yü Ping-bo kritisieren dürfe oder nicht. Doch ihre Anfrage wurde ignoriert. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als an ihre Lehrer in ihrer früheren Hochschule, der Schantung-Universität, zu schreiben. Von da erhielten sie Unterstützung und ihr Artickel zur Wiederlegung der „Kurzern Abhandlung über denTraum der roten Kammer“wurde in der Universitätszeitschrift Literatur, Geschichte und Philosophie veröffentlicht. Dann tauchte die Frage wieder in Peking auf. Man forderte, diesen Artickel in der Renmin Ribao abzudrucken in der Hoffnung, dass damit eine Diskussion ins Leben gerufen und dass Kritik geübt werden könne. Auch diese Forderung wurde von gewissen Leuten unter Anführung von allerlei Gründen (Hauptsächlich, weil „dieser Artikel von unbedeutenden Leuten geschrieben worden“ und „das Parteiorgan nicht der Platz für eine Freie Debatte“ sei) zurückgewiesen und desshalb nicht erfüllt. Schliesslich wurde ein Kompromiss geschlossen: Man erlaubte, das dieser Artickel in der Wenyi Bao abgedruckt werde. Späterhin wurde in der Zeitung Guangming Ribao unter der Rubrik „Literarisches Erbe“ ein weiterer Artickel dieser beiden Jugendlichen gebracht, in dem Yü Ping-bos Buch Studien über den „Traum der Roten Kammer“ wiederlegt wurde. Es scheint möglich, das nun ein Kampf gegen den bourgeoisen Idealismus in der Schule Hu Schis, der die Jugend seit Mehr als 30 Jahren auf dem Gebiet der klasischen Literatur verdorben hat, in Gang kommt. Due ganze Sache ist von zwei „unbedeutenden Leuten“ ins Rollen gebracht worden, während die „wichtigen Personen“ sich im Allgemeinen nicht um sie kümmerten, ja sie sogar sehr behinderten. Zusammen mit bourgeoisen Schriftstellern bilden sie eine Einheitsfront hinsichtlich des Idealismus und sind willige Gefangene der Bourgeoisie. Es ist fast dasselbe wie bei der Aufführung der Filme Die geheime Hofgeschichte der Tjing-Dynastie1und Das Leben Wu Hsüns. Nach siner Vorführung im ganzen Land ist der als patriotisch bezeichnete, aber in Wirklichkeit den Landesverrat preisende Film Die geheime Hofgeschichte der Tjing-Dynastie bis heute immernoch nicht kritisiert worden. Das Leben Wu Hsüns ist zwar kritisiert worden, man hat daraus jedoch bis heute noch keine Lehre gezogen. Und mehr noch, es hat sich nun die Merkwürdige Situation ergeben, dass man den Idealismus Yü Ping-bos duldet und gleichzeitig die lebendigen kritischen Artikel von «unbedeutenden Leuten» unterdrückt. Dem sollten wir Beachtung schenken.

Gegenüber derartigen bourgeoisen Intellektuellen wie Yü Ping-bo sollten wir selbstverständlich die Haltung einnehmen, uns mit ihnen zusammenzuschliessen. Aber wir müssen ihre falschen Ansichten, mit denen sie die Jugend vergiften, kritisieren und dürfen nicht vor ihnen kapitulieren.

1Die geheime Hofgeschichte der Djin-Dynastie war ein reaktionärer Film, der die patriotische Yihotuan-Bewegung von 1900 verunglimpfte und die Kapitulation vor dem Imperialismus propagierte. Liu Schao-tschi jedoch pries diesen Film des Landesverrates als „patriotisch“.