Mao Tse-tung: “Der Kampf im Djinggang-Gebirge”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

DER KAMPF IM DJINGGANG-GEBIRGE

Mao Tse-tung
25.11.1928

Ausgewählte Werke
Band 1
Reproduziert von
Die Rote Fahne

DER KAMPF IM DJINGGANG-GEBIRGE

Bericht des Vorsitzenden Mao Tse-tung an das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas.

1. DIE SELBSTÄNDIGE MACHT IM GRENZGEBIET HUNAN-KIANGSI UND DIE AUGUSTNIEDERLAGE

Die Situation, dass in einem Land ein oder mehrere kleine Gebiete der roten Macht inmitten des weissen Regimes entstanden sind, ist in der heutigen Welt allein in China zu beobachten. Eine der Ursachen hierfür sind, wie unsere Analyse ergibt, die in China nicht aufhörenden Zwistigkeiten und Kriege innerhalb der Klassen der Kompradoren und Feudalherren. Solange die Zwistigkeiten und Kriege innerhalb dieser Klassen andauern, kann auch die bewaffnete selbständige Macht der Arbeiter und Bauern weiter bestehen und sich entwickeln. Ausserdem sind für das Bestehen und für die Entwicklung dieser Macht noch folgende Bedingungen erforderlich: 1. aktive Volksmassen; 2. eine feste Parteiorganisation; 3. eine genügend starke Rote Armee; 4. für militärische Operationen geeignete Geländeverhältnisse und 5. für die Versorgung ausreichende ökonomische Hilfsquellen.

Die Gebiete der selbständigen Macht müssen ihre Strategie gegenüber den herrschenden Klassen in den umliegenden Gebieten je nachdem ändern, ob es sich um eine Periode der zeitweiligen Stabilisierung der Macht der herrschenden Klassen oder um eine Periode der Spaltung ihrer Reihen handelt. In Perioden, da die Reihen der herrschenden Klassen gespalten sind, wie zum Beispiel während des Krieges zwischen Li Dsung-jen und Tang Scheng-dschi in den Provinzen Hupeh und Hunan1 oder während des Krieges zwischen Dschang Fa-kui und Li Dji-schen in der Provinz Kuangtung,2 können wir uns in unserer Strategie auf ein stürmischeres Vorstossen einstellen; die Erweiterung des Gebiets unserer selbständigen Macht durch Einsatz bewaffneter Kräfte kann relativ gross sein. Aber dennoch müssen wir darauf achten, dass in den zentralen Gebieten eine feste Basis geschaffen wird, damit wir uns auf sie stützen können und uns dann nicht zu fürchten brauchen, wenn der weisse Terror einbricht. In Perioden der relativen Stabilisierung der Macht der herrschenden Klassen dagegen, wie das beispielsweise in den südlichen Provinzen nach dem April dieses Jahres der Fall war, müssen wir uns in unserer Strategie auf ein allmähliches Vorgehen einstellen. In solchen Perioden muss man sich bei militärischen Operationen vor allem vor der Auflockerung der Streitkräfte zu abenteuerlichen Vorstössen hüten, und auf dem Gebiet der örtlichen Arbeit (Aufteilung des Bodens, Schaffung der politischen Macht, Erweiterung der Parteiorganisation und Aufstellung örtlicher bewaffneter Kräfte) muss man vor allem eine Zersplitterung der Kräfte und die Vernachlässigung der Aufgabe zur Schaffung einer festen Basis in den zentralen Gebieten verhüten. Die Niederlagen, die viele kleine rote Gebiete erlitten, waren entweder auf das Fehlen objektiver Voraussetzungen oder auf subjektive taktische Fehler zurückzuführen. Die Taktik war einzig und allein deshalb falsch, weil man keinen klaren Unterschied zwischen den beiden Arten von Perioden gemacht hat: der Periode der zeitweiligen Stabilisierung der Macht der herrschenden Klassen und der Periode der Spaltung ihrer Reihen. Manche Kameraden waren auch in der Periode der zeitweiligen Stabilisierung der Macht der herrschenden Klassen für eine Auflockerung der Streitkräfte zu abenteuerlichen Vorstössen und sogar dafür, die Verteidigung grosser Gebiete allein den Kräften der Roten Garde zu überlassen, als wäre ihnen überhaupt nicht bekannt gewesen, dass der Feind neben den Hofwehren der Grundherren auch reguläre Truppeneinheiten zu Vorstössen zusammenziehen konnte. Auf dem Gebiet der örtlichen Arbeit jedoch missachteten diese Kameraden völlig die Aufgabe, eine feste Basis in den zentralen Gebieten zu schaffen, und – ohne die subjektiven Möglichkeiten zu berücksichtigen trachteten nur danach, die Gebiete unbegrenzt zu erweitern. Sie stempelten jeden zum „Konservativen“, der dafür eintrat, bei militärischen Operationen die Taktik eines schrittweisen Vorrückens einzuschlagen und in der örtlichen Arbeit die Kräfte auf die Schaffung einer festen Basis in den zentralen Gebieten zu konzentrieren, um

sich gegen die Möglichkeit einer Niederlage zu sichern. Diese irrigen Ansichten waren die Grundursache für die im August dieses Jahres im Grenzgebiet Hunan-Kiangsi erlittene Niederlage sowie für die gleichzeitige Niederlage des 4. Korps der Roten Armee in Südhunan.

Die Arbeit im Grenzgebiet Hunan-Kiangsi begann im Oktober vorigen Jahres. Anfangs waren in den Kreisen überhaupt keine Parteiorganisationen übriggeblieben. Die örtlichen bewaffneten Kräfte bestanden nur aus den Abteilungen von Yüan Wen-tsai und Wang Dsuo in der Nähe des Djinggang-Gebirges, die jeweils mit 60 abgenutzten Gewehren ausgerüstet waren; in vier Kreisen — Yunghsin, Liänhua, Tschaling und Linghsiän — hatte die Feudalherrenklasse den bäuerlichen Selbstschutzabteilungen ihre gesamten Waffen fortgenommen; die revolutionären Stimmungen der Volksmassen waren unterdrückt worden. Aber bereits im Februar dieses Jahres waren in den Kreisen Ninggang, Yunghsin, Tschaling und Suitschuan Kreisparteikomitees und in Linghsiän ein Sonderdistriktskomitee geschaffen worden, während man in Liänhua zunächst eine Parteiorganisation gegründet und die Verbindung mit dem Kreisparteikomitee in Wan-an hergestellt hatte. In allen Kreisen, ausser Linghsiän, waren kleine örtliche bewaffnete Abteilungen entstanden. In den Kreisen Ninggang, Tschaling, Suitschuan und Yunghsin, vor allem in den beiden letzteren, wurden zahlreiche Guerillaaufstände zum Sturz der Feudalherren und zur Aufrüttelung der Volksmassen durchgeführt, und all diese Aufstände waren ziemlich erfolgreich ausgegangen. In dieser Periode war die Agrarrevolution noch nicht in die Tiefe gedrungen. Die Machtorgane trugen die Bezeichnung „Regierungen der Arbeiter, Bauern und Soldaten“. In der Armee wurden Soldatenkomitees3 gebildet. Wenn die Truppen getrennt operierten, wurden zu ihrer Anleitung Aktionskomitees geschaffen. Das leitende Parteiorgan in jener Periode war das Frontkomitee (Sekretär dieses Komitees war Mao Tse-tung), das vom Hunaner Provinzparteikomitee während des Herbsternte-Aufstands eingesetzt worden war. In der ersten Dekade des Monats März wurde dieses Frontkomitee auf Verlangen des Südhunaner Sonderparteikomitees zu einem Divisionskomitee umgebildet (Sekretär des Komitees wurde Ho Ting-ying), zu einem Parteiorgan, das lediglich die Parteiorganisationen der Armee anleitete und keine Befugnis hinsichtlich der Arbeit der örtlichen Parteiorganisationen hatte. Gleichzeitig wurden die Truppenteile, die unter dem Befehl Mao Tse-tungs standen, auf Verlangen des Südhunaner Sonderparteikomitees nach Südhunan verlegt; infolgedessen wurde das Grenzgebiet vom Feind besetzt und befand sich länger als einen Monat in seinen Händen. Ende März kam es zu der Niederlage in Südhunan, und im April zogen sich die Einheiten Tschu Tehs und Mao Tse-tungs sowie die Bauernabteilungen Südhunans in den Kreis Ninggang zurück und gingen daran, die selbständige Macht im Hunan-Kiangsi-Grenzgebiet wiederherzustellen.

Die seit April erfolgte Schaffung der selbständigen Macht im Hunan-Kiangsi-Grenzgebiet fiel in die Periode einer zeitweiligen Stabilisierung der herrschenden Kräfte im Süden; die reaktionären Truppen, die aus den Provinzen Hunan und Kiangsi zu „Ausrottungsfeldzügen“ gegen uns entsandt wurden, zählten mindestens acht bis neun Regimenter und zuweilen auch bis zu achtzehn Regimenter. Wir kämpften jedoch mit einer Streitmacht, die nicht einmal vier Regimenter zählte, gute vier Monate lang gegen den Feind, wobei wir von Tag zu Tag das Gebiet unserer selbständigen Macht erweiterten, die Agrarrevolution vertieften, die politische Macht der Volksmassen verbreiterten sowie die Rote Armee und die Rote Garde zahlenmässig vergrösserten. All das war das Ergebnis der richtigen Politik der Parteiorganisationen (der örtlichen und der Armeeorganisationen) im Hunan-Kiangsi-Grenzgebiet. Die Politik des Sonderparteikomitees des Grenzgebiets (Sekretär Mao Tse-tung) und des Korpskomitees der Partei (Sekretär Tschen Yi) bestand damals in folgendem: gegen die Feinde entschlossen kämpfen, die politische Macht im zentralen Teil des Luohsiao-Gebirges schaffen und die Fluchtmentalität bekämpfen; die Agrarrevolution im Gebiet unserer selbständigen Macht vertiefen; durch die Armeeparteiorganisationen den örtlichen Parteiorganisationen bei ihrem Wachstum helfen und durch die regulären Truppen bei der Entfaltung der örtlichen bewaffneten Kräfte behilflich sein; gegenüber der Provinz Hunan, wo die herrschenden Kräfte relativ stark sind, eine defensive Taktik und gegenüber der Provinz Kiangsi, wo ihre Kräfte schwächer sind, eine offensive Taktik einschlagen; mit aller Macht das Gebiet von Yunghsin aufbauen, dort die selbständige Macht der Volksmassen schaffen und Vorbereitungen für einen langwierigen Kampf treffen; die Einheiten der Roten Armee konzentrieren, um im geeigneten Augenblick dem angreifenden Feind Schläge zu versetzen; gegen die Auflockerung der Truppen kämpfen, um nicht vom Feind einzeln geschlagen zu werden; zur Erweiterung des Gebiets der selbständigen Macht die Taktik des wellenförmigen Vorrückens anwenden und die Taktik des abenteuerlichen Vorstossens ablehnen. Nur die Richtigkeit dieser taktischen Massnahmen in Verbindung mit den für den Kampf günstigen Geländeverhältnissen des Grenzgebiets und dem Fehlen eines reibungslosen Zusammenwirkens bei den aus den Provinzen Hunan und Kiangsi angreifenden Truppen des Feindes gewährleistete uns innerhalb von vier Monaten — April bis Juli — eine Reihe militärischer Siege und die Ausweitung der selbständigen Macht der Volksmassen. Obwohl die Kräfte des Feindes unsere Kräfte zahlenmässig um ein Mehrfaches übertrafen, konnte er diese selbständige Macht nicht vernichten, mehr noch, er konnte nicht einmal ihre weitere Ausdehnung verhindern. Es bestand damals vielmehr die Tendenz, dass sich der Einfluss dieser Macht auf die Provinzen Hunan und Kiangsi von Tag zu Tag ausdehnte. Die einzige Ursache für die Augustniederlage war: Manche Kameraden hatten nicht begriffen, dass sich damals das Lager der herrschenden Klassen in einer Periode der zeitweiligen Stabilisierung befand, sie führten eine Politik durch, die für die Perioden der Spaltung in den Reihen der herrschenden Klassen gilt, und unternahmen mit aufgelockerten Kräften einen abenteuerlichen Vorstoss nach Südhunan; das führte zu einer Niederlage sowohl im Grenzgebiet als auch in Südhunan. Der Vertreter des Hunaner Provinzparteikomitees, Du Hsiu-djing, und der Sekretär des Sonderparteikomitees des Grenzgebiets, Yang Kai-ming, der vom Hunaner Provinzparteikomitee eingesetzt worden war, nutzten die Gelegenheit aus, dass Mao Tse-tung, Wan Hsi-hsiän und andere Kameraden, die energisch einen anderen Standpunkt vertraten, sich zu dieser Zeit weit weg, in Yunghsin, befanden. Ohne gründliche Kenntnis der damaligen Lage und unter Ignorierung des Beschlusses der gemeinsamen Sitzung des Korpskomitees, des Sonderkomitees und des Yunghsiner Kreisparteikomitees, der die Meinung des Hunaner Provinzparteikomitees missbilligte, wussten Du Hsiu-djing und Yang Kai-ming nur die Direktive des Hunaner Provinzparteikomitees mechanisch auszuführen, nach Südhunan vorzugehen, und gaben der Stimmung des 29. Regiments der Roten Armee nach (dieses Regiment bestand aus Bauern des Kreises Yidschang), dem Kampf auszuweichen und in die heimatlichen Gebiete zurückzukehren. Das hat zur Niederlage sowohl im Grenzgebiet als auch in Südhunan geführt.

Ursprünglich, etwa Mitte Juli, fiel das 8. Korps der Hunaner Truppen des Feindes unter dem Befehl von Wu Schang in den Kreis Ninggang ein und rückte sodann in den Kreis Yunghsin vor. Da es aber vergeblich Gefechtsberührung mit uns suchte (damals rückten unsere Truppen auf Umwegen vor und verfehlten den Gegner) und die Volksmassen unseres Gebiets fürchtete, zog es sich eiligst über Liänhua nach Tschaling zurück. Indessen rückte die Hauptmasse der Roten Armee aus Ninggang zum Angriff auf die Kreise Linghsiän und Tschaling vor, änderte in Linghsiän ihren Plan und marschierte nach Südhunan, während fünf Regimenter des 3. Korps der Kiangsi Truppen des Feindes unter dem Befehl von Wang Djün und Djin Han-ding sowie sechs Regimenter des 6. Korps unter dem Befehl von Hu Wen-dou gemeinsam zu einem Angriff gegen Yunghsin antraten. Zu dieser Zeit hatten wir in Yunghsin nur ein einziges Regiment, das — von den breiten Massen gedeckt — durch Anwendung der Guerillamethode des Angriffs von allen Seiten diese elf Regimenter des Feindes 25 Tage lang in einem Umkreis von 30Liirings um die Kreisstadt Yunghsin fesselte. Erst nach einem erbitterten gegnerischen Ansturm fielen schliesslich Yunghsin und später auch Liänhua und Ninggang. Zu dieser Zeit brachen unter den Kiangsi-Truppen des Feindes plötzlich innere Zwistigkeiten aus, das 6. Korps Hu Wen-dous zog sich eilig zurück und geriet kurz darauf bei Dschangschu in ein Gefecht mit dem 3. Korps Wang Djüns. Die zurückgebliebenen fünf Kiangsi-Regimenter zogen sich ebenfalls eilig in die Stadt Yunghsin zurück. Wäre die Hauptmasse unserer Armee nicht nach Südhunan marschiert, hätten wir durchaus die Möglichkeit gehabt, diesen Gegner zu zerschlagen und das Gebiet der selbständigen Macht auf die Kreise Dji-an, Anfu und Pinghsiang auszudehnen und mit den Kreisen Pingdjiang und Liuyang zu vereinigen. Aber die Hauptmasse unserer Armee war nicht mehr da, überdies war das einzige uns verbliebene Regiment äusserst erschöpft, und deshalb wurde beschlossen, einen Teil des Regiments zusammen mit den beiden Abteilungen Yüan Wen-tsais und Wang Dsuos zur Verteidigung des Djinggang-Gebirges zurückzulassen, während ich mich mit dem anderen Teil nach dem Kreis Guidung begeben sollte, um dort die Hauptmasse unserer Arrnee zu treffen und sie zurückzuführen. Zu dieser zeit zog sich diese Hauptmasse bereits aus Südhunan nach Guidung zurück, und am 23. August vereinigten wir uns mit ihr in Guidung.

Bereits Mitte Juli, als die Hauptmasse der Roten Armee eben Erst in Linghsiän eingetroffen war, verweigerten Offiziere und Soldaten des 29. Regiments den Gehorsam — sie waren politisch wankend geworden und forderten die Rückkehr in ihre Heimat nach Südhunan; das 28. Regiment war dagegen, nach Südhunan zu gehen, und wollte nach Südkiangsi marschieren, aber auch nicht nach Yunghsin zurückkehren. Du Hsiu-djing bestärkte das 29. Regiment in seinen irrigen Ansichten, und auch das Korpskomitee der Partei konnte das Regiment nicht davon abbringen, so trat die Hauptmasse der Roten Armee am 17. Juli von Linghsiän aus den Marsch in Richtung auf Tschendschou an. Am 24. Juli geriet sie bei Tschendschou in ein Gefecht mit den feindlichen Truppen Fan Schi-schengs. Sie begann dieses Gefecht erfolgreich, erlitt am Ende aber eine Niederlage und musste sich aus dem Gefecht zurückziehen. Danach handelte das 29. Regiment auf eigene Faust und zog eilig nach seinem Heimatort Yidschang; die Folge war, dass ein Teil des Regiments bei Lotschang durch Banditen unter Hu Feng-dschang vernichtet wurde und der andere Teil sich in den Kreisen Tschendschou und Yidschang zerstreute; das weitere Schicksal dieses Teils bleibt seither unbekannt; an diesem Tag konnten nicht mehr als hundert Mann wieder gesammelt werden. Glücklicherweise hatte das 28. Regiment, das unsere Hauptkraft bildete, keine grossen Verluste erlitten und besetzte am 18. August Guidung. Am 23. August vereinigte sich dieses Regiment mit den Einheiten, die aus dem Djinggang-Gebirge eingetroffen waren, und es wurde beschlossen, über Tschungyi und Schangyu wieder nach dem Djinggang-Gebirge zurückzukehren. Nach der Ankunft in Tschungyi übte der Bataillonskommandeur Yüan Tschung-tjüan an uns Verrat und führte eine Infanteriekompanie und eine Artilleriebatterie mit sich fort; und wenn wir auch die beiden Einheiten einholten und zur Rückkehr bewogen, fiel dabei doch der Regimentskommandeur Wang Örl-dschuo. Am 30. August machten sich zwei feindliche Truppenteile aus Hunan und Kiangsi den Augenblick, da sich unsere Truppen bereits auf dem Rückweg befanden, aber noch nicht eingetroffen waren, zunutze und überfielen das Djinggang-Gebirge. Unsere Verteidigungstruppen, die weniger als ein Bataillon stark waren, leisteten ihnen unter Ausnutzung des schwer passierbaren Geländes Widerstand, schlugen den Gegner in die Flucht und behaupteten dadurch dieses Stützpunktgebiet.

Die Augustniederlage wurde durch folgende Ursachen hervorgerufen: 1. Die Offiziere und Soldaten eines Truppenteils waren wankend geworden und litten unter Heimweh, büssten daher ihre Kampffähigkeit ein; im anderen Truppenteil mangelte es den Offizieren und Soldaten, die nicht nach Südhunan gehen wollten, an Enthusiasmus; 2. unsere Kämpfer waren infolge des langen Marsches bei stärkster Sommerhitze erschöpft; 3. unsere Truppen waren isoliert, weil sie von Linghsiän aus einen abenteuerlichen Vorstoss über Hunderte von Li gewagt und dabei die Verbindung mit dem Grenzgebiet verloren hatten; 4. diese Operation erwies sich als rein militärisches Abenteuer, da sich die Volksmassen in Südhunan noch nicht erhoben hatten; 5. Informationen über die Lage des Gegners fehlten; 6. die Vorbereitungen waren unzulänglich, die Offiziere und Soldaten begriffen nicht die Bedeutung der Operation.

2. DIE GEGENWÄRTIGE LAGE IM GEBIET DER SELBSTÄNDIGEN MACHT

Seit April dieses Jahres haben sich die roten Gebiete nach und nach erweitert. Nachdem wir am 23. Juni in der Schlacht bei Lungiüankou (an der Grenze der Kreise Yunghsin und Ninggang) die Kiangsi-Truppen des Feindes zum vierten Male geschlagen hatten, gehörten zu unserem Gebiet drei ganze Kreise — Ninggang, Yunghsin und Liänhua — zwei kleinere Teile der Kreise Dji-an und Anfu sowie der Nordteil des Kreises Suitschuan und der Südostteil des Kreises Linghsiän; damit brach für das Grenzgebiet die grösste Blütezeit an. Der grössere Teil des Bodens in den roten Gebieten war bereits aufgeteilt, und die Aufteilung des übrigen Bodens war im Gange. Überall waren Machtorgane der Distrikte und Gemeinden geschaffen. In den Kreisen Ninggang, Yunghsin, Liänhua und Suischuan gab es Kreis-Machtorgane, und die Regierung des Grenzgebiets war auch gebildet worden. Überall in den Dörfern waren Abteilungen er aufständischen Arbeiter und Bauern und auf der Ebene der Distrikte und Kreise Abteilungen der Roten Garde organisiert worden. Im Juli begann die Offensive der Kiangsi-Truppen des Feindes, und im August griffen die Hunan- und Kiangsi-Truppen mit vereinten Kräften das Djinggang-Gebirge an. Die Kreisstädte und die in der Ebene gelegenen Teile aller Kreise des Grenzgebiets wurden gänzlich vom Feind besetzt. Die Sicherheitsabteilungen und die Hofwehren der Grundherren, die dem Feind Häscherdienste leisteten, wüteten hemmungslos; in den Städten und Dörfern herrschte der weisse Terror. Die meisten Parteiorganisationen und Machtorgane erlagen diesem Terror. Die Grossbauern und die Karrieristen in der Partei gingen einer nach dem anderen auf die Seite des Feindes über: Die Hunan-Truppen des Feindes zogen sich erst nach der Schlacht im Djinggang-Gebirge am 30. August auf Linghsiän zurück, die Kiangsi-Truppen dagegen hielten nach wie vor die Kreisstädte und die meisten Dörfer besetzt. Aber die Gebirgsgegenden zu erobern, gelang dem Feind niemals, und in unseren Händen verblieben der westliche und der nördliche Distrikt des Kreises Ninggang, der Distrikt Tiänlung im Norden, der Distrikt Hsiaohsidjiang im Westen und der Distrikt Wanniänschan im Süden des Kreises Yunghsin, der Distrikt Schanghsi im Kreis Liänhua, der Distrikt Djinggangschan im Kreis Suitschuan die Distrikte Tjingschigang und Dayüan im Kreis Linghsiän. Im Juli und August lieferte ein Regiment der Roten Armee im Zusammenwirken mit den Kreisabteilungen der Roten Garde dem Feind Dutzende grössere und kleinere Schlachten, verlor dabei nur dreissig Gewehre und zog sich schliesslich ins Gebirge zurück.

Als unsere Einheiten über die Kreise Tschungyi und Schangyu nach dem Djinggang-Gebirge zurückkehrten, verfolgten uns feindliche Truppen aus Südkiangsi — die 7. selbständige Division Liu Schi-yis — bis in den Kreis Suitschuan. Am 13. September besetzten unsere Truppen, nachdem sie Liu Schi-yi geschlagen und einige hundert Gewehre erbeutet hatten, Suitschuan und trafen am 26. September wieder im Djinggang-Gebirge ein. Am 1. Oktober errangen wir in der Schlacht bei Ninggang den Sieg über eine der Brigaden unter Befehl Hsiung Schi-huis, die Brigade Dschou Hun-yüans, und eroberten den ganzen Kreis Ninggang zurück. Zu diesem Zeitpunkt gingen von dem Truppenteil Yän Dschung-jus, der den Hunan-Truppen des Feindes angehörte und im Kreis Guidung stationiert war, 126 Mann auf unsere Seite über; aus ihnen wurde ein Wachbataillon aufgestellt, zu dessen Kommandeur Bi Dschan-yün ernannt wurde. Am 9. November zerschlugen unsere Truppen in der Nähe der Kreisstadt Ninggang und bei Lungyüankou ein Regiment aus der Brigade Dschou Hun-yüans. Am nächsten Tag rückten wir vor und besetzten Yunghsin, zogen uns aber kurz darauf wieder nach Ninggang zurück. Gegenwärtig bildet unser Gebiet ein zusammenhängendes Territorium, das sich als schmaler Streifen von Süden nach Norden erstreckt, von den Südhängen des Djinggang-Gebirges im Kreis Suitschuan bis zur Grenze des Kreises Liänhua, einschliesslich des ganzen Kreises Ninggang und je eines Teils der Kreise Suitschuan Linghsiän und Yunghsin. Der Distrikt Schanghsi des Kreises Liänhua und die Distrikte Tiänlung und Wanniänschan des Kreises Yunghsin sind aber nicht fest genug mit dem Hauptterritorium verbunden. Der Feind versucht, unser Stützpunktgebiet durch militärische Angriffe und eine ökonomische Blockade zu vernichten, wir aber bereiten uns darauf vor, seine Angriffe zu zerschlagen.

3. MILITÄRISCHE FRAGEN

Der Kampf im Grenzgebiet ist ein rein militärischer Kampf, und die Partei und die Massen müssen sich völlig auf den Krieg einstellen. Die Frage, wie man mit dem Feind fertig wird, wie man den Krieg führt, ist zur zentralen Frage unseres Alltagslebens geworden. Eine selbständige Macht muss eine bewaffnete Macht sein. Wo das Gebiet dieser Macht auch liegen mag, es wird sofort vom Feind erobert, wenn es dort keine oder nicht genug bewaffnete Kräfte gibt, oder wenn im Kampf mit dem Feind eine falsche Taktik angewandt wird. Dieser Kampf verschärft sich von Tag zu Tag, und die vor uns stehenden Fragen sind äusserst verwickelt und ernst geworden.

Die Rote Armee des Grenzgebiets hat sich gebildet: 1. aus den alten Einheiten Yä Tings und Ho Lungs in Tschaodschou und Swatou4; 2. aus dem ehemaligen Wachregiment der Nationalregierung in Wutschang5; 3. aus Bauern der Kreise Pingdjiang und Liuyang6; 4. aus Bauern von Südhunan7 und aus Arbeitern von Schuikouschan8; 5. aus gefangenen Soldaten der Einheiten von Hsü Kö-hsiang, Tang cheng-dschi, Bai Tschung-hsi, Dschu Pe-dö, Wu Schang, Hsiung chi-hui; und 6. aus Bauern verschiedener Kreise des Grenzgebiets. Über nach über einem Jahr Kampf war von den alten Einheiten Yä ings und Ho Lungs, vom Wachregiment und von den Bauernabteilungen aus den Kreisen Pingdjiang und Liuyang nur ein Drittel des ursprünglichen Bestandes übriggeblieben. Die Verluste an Toten und Verwundeten sind unter den Bauern aus Südhunan ebenfalls hoch. obwohl also die ersten vier Kategorien bis heute das Rückgrat des 4. Korps der Roten Armee bilden, stehen sie doch zahlenmässig stark hinter den beiden letzten Kategorien zurück. Von diesen beiden Kategorien bilden wiederum die gefangenen Soldaten des Gegners Die Mehrheit; gäbe es nicht diese Ergänzung, dann wäre die Frage es Mannschaftsbestands bei uns sehr brennend geworden. Trotzdem steht ein Missverhältnis zwischen dem Anwachsen des Bestands an Menschen und dem an Gewehren: Ein Verlust an Gewehren kommt sehr selten vor, während der Menschenbestand sehr leicht Verluste an Verwundeten, Toten, Kranken und Deserteuren erleiden kann. das Hunaner Provinzparteikomitee hat versprochen, uns Arbeiter aus Anyüan9 zu schicken, und wir hoffen sehr, dass es sein Versprechen einlöst.

Die Rote Armee setzt sich zum Teil aus Arbeitern und Bauern zusammen sowie zum Teil aus vagierenden Proletariern. Das Vorhandensein zu vieler vagierender Elemente in der Roten Armee ist natürlich nicht gut. Aber diese Menschen verstehen zu kämpfen, und da wir täglich im Kampf stehen und immer wieder bedeutende Verluste an Toten und Verwundeten haben, ist es für uns nicht einmal leicht, selbst unter ihnen Ergänzung zu finden. Der einzige Ausweg unter diesen Umständen besteht darin, die politische Schulung zu verstärken.

Die meisten Soldaten der Roten Armee kamen aus Söldnertruppen, aber mit dem Eintritt in die Rote Armee ändert sich sofort ihr Charakter. Vor allem die Abschaffung des Söldnersystems in der Roten Armee weckt in den Soldaten das Bewusstsein, dass sie nicht für andere, sondern für sich selbst, für das Volk kämpfen. In der Roten Armee gibt es bis jetzt keine reguläre Auszahlung von Sold, es werden nur Getreide, Geld für Speiseöl, Salz, Brennholz und Gemüse sowie eine geringe Summe als Taschengeld gewährt. Alle Offiziere und Soldaten der Roten Armee, die im Grenzgebiet ansässig sind, haben Boden zugeteilt erhalten; viele Schwierigkeiten gibt es nur mit der Bodenzuteilung für diejenigen, die aus entfernten Gebieten kommen.

Dank der politischen Erziehung besitzen alle Soldaten der Roten Armee Klassenbewusstsein, haben sie Grundkenntnisse erworben über die Bodenaufteilung, die Schaffung der politischen Macht, die Bewaffnung der Arbeiter und Bauern usw. und wissen sie alle, dass sie für sich selbst, für die Arbeiterklasse und die Bauernschaft den Krieg führen. Deshalb können sie ohne Murren alle Härten des Kampfes durchstehen. Jede Kompanie, jedes Bataillon und jedes Regiment hat ein Soldatenkomitee, das die Interessen der Mannschaften vertritt und politische Arbeit sowie Massenarbeit leistet.

Die Einrichtung der Parteivertreter10 darf man, wie die Erfahrung gezeigt hat, nicht abschaffen. Vor allem auf der Ebene der Kompanien spielt der Parteivertreter eine besonders wichtige Rolle, da die Parteizelle auf der Ebene der Kompanie organisiert wird. Er muss das Soldatenkomitee zur Durchführung der politischen Schulung anhalten, die Massenbewegungen anleiten und gleichzeitig als Sekretär der Parteizelle fungieren. Wie die Tatsachen beweisen, ist dort, wo der Parteivertreter der Kompanie besser ist, auch die Kompanietüchtiger. Dem Kompanieführer dagegen würde es nicht leichtfallen, in politischer Hinsicht eine solch wichtige Rolle zu spielen. Da die Verluste an unteren Kadern sehr hoch sind, muss man häufig ehemalige gefangene Soldaten des Gegners, die erst kürzlich in unsere Armee eingetreten sind, zu Zug- und Kompanieführern ernennen; einige der im Februar und März dieses Jahres gefangengenommenen Soldaten sind jetzt bereits Bataillonskommandeure. Oberflächlich gesehen, könnte es scheinen, dass wir, wenn wir uns schon Rote Armee nennen, auch ohne Parteivertreter auskommen könnten. Aber das ist grundfalsch. Im 28. Regiment wurde seinerzeit, als es sich in Südhunan befand, die Einrichtung der Parteivertreter abgeschafft, aber dann hat man sie wieder eingeführt. Die Parteivertreter in Instrukteure umbenennen hiesse Anlass bieten, sie mit den Kuomintang Instrukteuren zu verwechseln, und diese Bezeichnung wird von den gefangenen Soldaten verabscheut. Ausserdem ändert sich nichts am Wesen des Systems, wenn man die Bezeichnung ändert. Deshalb beschlossen wir, keine Umbenennung vorzunehmen. Mit Rücksicht darauf, dass die Verluste an Toten und Verwundeten unter den Parteivertretern sehr hoch sind, haben wir aus eigener Kraft Kurse zur Ausbildung von Parteivertretern geschaffen, um die Lücken auszufüllen. Aber gleichzeitig erwarten wir vom Zentralkomitee und von den beiden Provinzparteikomitees, dass sie uns mindestens 30 Kameraden schicken, die man als Parteivertreter einsetzen könnte.

Ein gewöhnlicher Soldat kann erst kämpfen, wenn er ein halbes oder ein ganzes Jahr ausgebildet worden ist; unser Soldat dagegen, der erst gestern in die Truppe eingereiht worden ist, muss heute schon in den Kampf ziehen, buchstäblich ohne jegliche Ausbildung. In der militärischen Technik ungeübt, sind unsere Soldaten im Kampf nur auf ihre Tapferkeit angewiesen. Eine längere Feuerpause für Erholung und Ausbildung kommt nicht in Frage; es bleibt daher nichts anderes übrig, als zu versuchen, einigen Kämpfen auszuweichen, soweit es möglich ist, um Zeit für die Ausbildung zu gewinnen. Zur Ausbildung von unteren Offizieren wurde jetzt ein Ausbildungskorps mit 150 Mann geschaffen; wir haben die Absicht, diesen Kurs als eine ständige Einrichtung zu behalten. Wir erwarten vom Zentralkomitee und von den beiden Provinzparteikomitees, dass sie uns mehr Offiziere vom Rang des Zug- und Kompanieführers und aufwärts schicken.

Das Hunaner Provinzparteikomitee forderte, wir sollten den materiellen Lebensbedingungen der Soldaten Beachtung schenken und danach streben, dass ihr Lebensstandard wenigstens etwas über dem Lebensstandard der einfachen Arbeiter und Bauern liege. Im Augenblick ist gerade das Gegenteil der Fall: Ausser der Getreideration entfallen auf jeden Mann alles in allem 5 Fen pro Tag für Speiseöl, Salz, Brennholz und Gemüse, aber auch selbst diese Norm ist schwer weiterhin einzuhalten. Allein zur Auszahlung des Geldes für diese Posten brauchen wir über 10‘000 Yüan in Silber monatlich, die wir ausschliesslich aus den Tuhao herauspressen müssen.11 Was die Versorgung der gesamten 5‘000 Mann starken Armee mit Winteruniformen anbelangt, so haben wir zwar Watte, aber es fehlt noch an Stoffen. Obwohl bereits Fröste eingesetzt haben, tragen viele Soldaten immer noch lediglich zwei ungefütterte dünne Kleider übereinander. Zum Glück sind wir an Entbehrungen gewöhnt. Mehr noch : Wir haben alle die gleichen Entbehrungen zu ertragen; auf Reden, vom Korpskommandeur bis zum Koch, kommen als Ergänzung zur Getreideration 5 Fen für Zukost; wenn Taschengeld ausgezahlt wird, erhalten alle die gleiche Summe, seien es 20, seien es 40 Fen.12 Deshalb murren die Soldaten über niemanden.
Nach jedem Gefecht gibt es Verwundete. Infolge Unterernährung, Kälte und aus anderen Gründen erkranken viele Offiziere und Soldaten. Die Lazarette der Roten Armee liegen in den Bergen, man behandelt dort nach den Regeln der chinesischen und der europäischen Medizin, aber es fehlt sowohl an Ärzten als auch an Medikamenten. Gegenwärtig befinden sich in den Lazaretten über 800 Menschen in Behandlung. Das Hunaner Provinzparteikomitee versprach, uns Medikamente zu verschaffen, hat sie aber bisher nicht geschickt. Wir bitten das Zentralkomitee und die beiden Provinzparteikomitees erneut, uns einige Ärzte zu schicken, die mit der europäischen Medizin vertraut sind, und uns eine gewisse Menge Jod in Tablettenform zu liefern.

Die Rote Armee vermochte trotz solcher dürftigen materiellen Lebensbedingungen und so häufiger Kämpfe deshalb durchzuhalten, weil abgesehen von der Rolle, die die Partei spielt, in ihren Reihen die Demokratie verwirklicht wurde. Die Offiziere misshandeln nicht die Soldaten; Offiziere und Mannschaften geniessen gleiche Behandlung; die Soldaten haben das Recht, Versammlungen abzuhalten und ihre Meinung auszusprechen, mit den lästigen Ehrenbezeigungen wurde Schluss gemacht; die Wirtschaftsführung ist öffentlich. Die Soldaten regeln selbst ihre Verpflegung und bringen es fertig, von den täglich ausgezahlten 5 Fen für Speiseöl, Salz, Brennholz und Gemüse noch etwas Geld für kleine Ausgaben einzusparen; diese Einsparung wird „Rest der Verpflegungsgelder“ genannt und macht pro Mann rund 60 bis 70 Wän täglich aus. Das alles gefällt den Soldaten sehr. Insbesondere die Neulinge aus den Reihen der Gefangenen fühlen, dass die Kuomintang-Armee und unsere Truppen zwei verschiedene Welten sind. Zwar sehen sie, dass die materiellen Lebensbedingungen in der Roten Armee schlechter sind als in der weissen, aber dafür fühlen sie sich hier geistig befreit. Derselbe Soldat, der gestern auf Seiten des Feindes noch keine Tapferkeit gezeigt hat, kämpft heute in den Reihen der Roten Armee heldenmütig, und daraus lässt sich der Einfluss der Demokratie ersehen. Die Rote Armee gleicht einem Schmelztiegel, in dem die gefangenen Soldaten sofort umgeschmolzen werden. In China braucht nicht nur das Volk die Demokratie, sondern ebenso die Armee. Die demokratische Ordnung innerhalb der Armee ist eine wichtige Waffe für die Untergrabung der feudalen Söldnerarmee.13

Heute gibt es in der Parteiorganisation vier Ebenen: Kompaniezellen, Bataillonskomitees, Regimentskomitees und das Korpskomitee. In der Kompanie wird eine Zelle, in jeder Gruppe aber eine Parteigruppe gebildet. Ein wichtiger Grund, warum die Rote Armee so harte Kämpfe durchfechten konnte, ohne auseinanderzufallen, liegt darin, dass „die Zelle der Partei auf Kompanieebene aufgebaut“ ist. Vor zwei Jahren hatten unsere Parteiorganisationen in der Kuomintang-Armee unter den Soldatenmassen überhaupt nicht Wurzel gefasst; selbst in den Einheiten Yä Tings14 bestand erst in jedem Regiment eine einzige Zelle. Deshalb waren solche Einheiten ausserstande, sich bei einer ernsten Prüfung zu bewähren. Gegenwärtig ist das zahlenmässige Verhältnis zwischen Parteimitgliedern und Parteilosen in der Roten Armee etwa 1:3, das heisst, im Durchschnitt ist von je vier Mann einer Mitglied der Partei. Kürzlich wurde der Beschluss gefasst, die Anzahl der Parteimitglieder unter den kämpfenden Mannschaften so zu erhöhen, dass diese zur Hälfte aus Parteimitgliedern und zur Hälfte aus Parteilosen bestehen.15 Augenblicklich fehlen uns gute Sekretäre der Kompaniezellen, und wir bitten das Zentralkomitee, uns für diese Arbeit mehrere Leute aus den Reihen der Parteiaktivisten zu schicken, für die es gefährlich ist, dort zu verbleiben, wo sie jetzt tätig sind. Fast alle Funktionäre, die aus Südhunan zu uns gekommen sind, leisten Parteiarbeit in der Armee. Aber im August ist während des Rückzugs ein Teil dieser Leute in Südhunan auseinandergelaufen, und jetzt haben wir niemanden, den wir einsetzen könnten.

Unsere örtlichen bewaffneten Kräfte bestehen aus Abteilungen der Roten Garde und Abteilungen der aufständischen Arbeiter und Bauern. Die Abteilungen der Aufständischen sind mit Lanzen und Schrotflinten bewaffnet. In organisatorischer Hinsicht ist die Einheit die Gemeinde, in jeder Gemeinde gibt es eine Abteilung, deren Stärke von der Grösse der Gemeinde abhängt. Die Aufgabe dieser Abteilungen ist die Unterdrückung der Konterrevolution, der Schutz der Machtorgane der Gemeinde und beim Auftauchen des Feindes die Unterstützung der Einheiten der Roten Armee sowie der Abteilungen der Roten Garde im Kampf. Die Abteilungen der Aufständischen wurden zuerst in Yunghsin geschaffen, zunächst als eine geheime und nach der Eroberung der Macht im ganzen Kreis als eine offene Organisation. Diese Organisation wurde jetzt auf alle Kreise des Grenzgebiets ausgedehnt, wobei ihre Bezeichnung unverändert erhalten geblieben ist. Die Abteilungen der Roten Garde sind im wesentlichen mit Magazingewehren für fünf Schuss bewaffnet, aber sie besitzen auch Magazingewehre für neun Schuss und Einlader. Die Anzahl der Gewehre beträgt nach Kreisen: Kreis Ninggang — 140, Yunghsin — 220, Liänhua — 43, Tschaling — 50, Linghsiän — 90, Suitschuan — 130, Wan-an — 10; insgesamt — 683. Den grösseren Teil dieser Gewehre hat die Rote Armee unter sie verteilt, den kleineren haben sie selbst vom Feind erbeutet. Da die meisten Abteilungen der Roten Garde aller Kreise in ständigen Kämpfen mit den Sicherheitsabteilungen und Hofwehren der Feudalherren stehen, wächst die Kampffähigkeit der Roten Garde von Tag zu Tag. Vor den Ereignissen des 21. Mai bestanden in allen Kreisen bäuerliche Selbstschutzabteilungen. Sie hatten an Gewehren: Yuhsiän — 300, Tschaling — 300, Linghsiän — 60, Suitschuan — 50, Yunghsin — 80, Liänhua — 60, Ninggang — 60 (Abteilungen Yüan Wen-tsais), Djinggangschan — 60 (Abteilungen Wang Dsuos); insgesamt — 970. Nach den Ereignissen des 21. Mai16 blieben aber — abgesehen von den Abteilungen Yüan Wen-tsais und Wang Dsuos, die keine Verluste an Waffen zu beklagen hatten — nur sechs Gewehre im Kreis Suitschuan und nur ein Gewehr im Kreis Liänhua übrig, während alle übrigen Waffen von den Feudalherren weggenommen worden waren. Dass die bäuerlichen Selbstschutzabteilungen dermassen unfähig waren, ihre Waffen zu behalten, ist eine Folge der opportunistischen Linie. Jetzt leiden die Abteilungen der Roten Garde in den Kreisen immer noch einen akuten Mangel an Gewehren, sie haben weniger Gewehre als die Feudalherren, deshalb muss die Rote Armee nach wie vor den Abteilungen der Roten Garde mit Waffen aushelfen. Die Rote Armee muss sich in höchstem Mass anstrengen, bei der Bewaffnung des Volkes zu helfen, soweit ihre eigene Kampfkraft dadurch nicht gemindert wird. Nach einer von uns festgelegten Bestimmung besteht jedes Bataillon der Roten Armee aus vier Kompanien mit je 75 Gewehren; auf jedes Regiment entfallen insgesamt 1‘075 Gewehre die Gewehre der Wachkompanie, der Maschinengewehr- und der Granatwerferkompanie sowie des Regimentsstabs und der drei Bataillonsstäbe mit eingerechnet. Die im Kampf erbeuteten Gewehre müssen nach Möglichkeit für die Bewaffnung örtlicher Abteilungen abgegeben werden. Zu Kommandeuren der Roten Garde werden solche Leute ernannt, die von den Kreisen in die von der Roten Armee organisierten Ausbildungskorps geschickt und dort geschult worden sind. Man muss die Anzahl derjenigen, die aus weit entfernten Gebieten stammen und von der Roten Armee als Kommandeure in die örtlichen Abteilungen geschickt werden, allmählich verringern. Dschu Pe-dö seinerseits bewaffnet seine Sicherheitsabteilungen und Hofwehren; die zahlenmässige Stärke und die Kampfkraft der bewaffneten Kräfte der Feudalherren in allen Kreisen des Grenzgebiets sind ziemlich beachtlich, und um so weniger duldet die Vergrösserung unserer örtlichen roten bewaffneten Kräfte auch nur den geringsten Aufschub.

Das Prinzip der Roten Armee ist die Konzentration der Kräfte, das Prinzip der Roten Garde dagegen die Auflockerung der Kräfte. In der gegenwärtigen Periode der zeitweiligen Stabilisierung der reaktionären Macht, da der Feind in der Lage ist, bedeutende Streitkräfte zusammenzuziehen und gegen die Rote Armee einzusetzen, wäre eine Auflockerung der Kräfte der Roten Armee von Nachteil. Unsere Erfahrung besagt, dass eine Auflockerung der Kräfte fast ausnahmslos Niederlagen zur Folge hatte, während eine Konzentration der Kräfte gegen einen Gegner, der über weniger, gleiche oder etwas mehr Kräfte als wir verfügte, sehr oft zum Siege führte. Das Gebiet, das wir auf Anweisung des Zentralkomitees durch Guerillaoperationen zu erfassen haben, erstreckt sich über viele tausend Quadrat-Li und ist für uns zu gross; eine solche Anweisung erklärt sich wahrscheinlich aus einer Überschätzung unserer Kräfte. Für die Abteilungen der Roten Garde dagegen ist es vorteilhafter, die Kräfte aufzulockern, und jetzt wenden sie in allen Kreisen das Verfahren an, Operationen mit aufgelockerten Kräften durchzuführen.

Als die wirksamsten Methoden unserer Propaganda gegenüber den feindlichen Truppen haben sich die Freilassung von Gefangenen und die ärztliche Behandlung der Verwundeten erwiesen. Sobald Soldaten, Bataillonskommandeure, Kompanie- und Zugführer des Feindes in unsere Gefangenschaft geraten sind, nehmen wir unter ihnen die Propagandaarbeit auf. Dabei teilen wir sie in zwei Gruppen: In die eine kommen jene, die zu bleiben, in die andere jene, die zu gehen wünschen. Die letzteren entlassen wir, nachdem wir sie mit Reisespesen versehen haben. Das zerstört mit einem Schlag die Lügenpropaganda des Feindes, dass die „kommunistischen Banditen unterschiedslos alle töten“. Über unsere Handlungsweise stiess das Blatt Zehntage-Rundschau der g. Division Yang Tschi-schengs den Ausruf aus: „Welche Arglist!“ Die Soldaten der Roten Armee umsorgen die Gefangenen und verabschieden sie aufs wärmste, während die fortgehenden gefangenen Soldaten auf “Versammlungen zur Verabschiedung der neuen Brüder” in ihren Reden ihren heissen Dank zum Ausdruck bringen. Die ärztliche Behandlung der verwundeten Soldaten des Feindes ist ebenfalls eine sehr wirksame Massnahme. Die Klügeren beim Gegner, wie Li Wen-bin, begannen in der letzten Zeit uns nachzuahmen: Sie hörten auf, Gefangene zu töten, und liessen die in Gefangenschaft geratenen Verwundeten ärztlich behandeln. Trotzdem kam es vor, dass in späteren Gefechten unsere Leute unter Mitnahme von Waffen zurückkehrten; solche Fälle wurden bereits zweimal festgestellt. Ausserdem verwenden wir nach Möglichkeit die schriftliche Propaganda, zum Beispiel das Malen von Losungen usw. Wo immer wir hinkommen, werden die Mauern über und über mit unseren Losungen bedeckt. Aber es fehlt uns an Menschen, die Bildpropaganda machen können, und wir bitten das Zentralkomitee und die beiden Provinzparteikomitees, uns einige solche zu schicken.

Militärstützpunkte. Der erste Stützpunkt ist das Djinggang Gebirge, das an der Grenze liegt, wo die vier Kreise Ninggang, Linghsiän, Suitschuan und Yunghsin zusammenstossen. Am Nordhang dieses Gebirges liegt Maoping, Kreis Ninggang, am Südhang Huang-ao, Kreis Suitschuan; die Entfernung zwischen diesen Ortschaften beträgt 90 Li. Am Osthang befindet sich Naschan, Kreis Yunghsin, am Westhang Schuikou, Kreis Linghsiän; die Entfernung zwischen diesen beiden Ortschaften beträgt 80 Li. Der Umfang des Stützpunkts von Naschan über Lungyüankou (beide im Kreis Yunghsin), Hsintscheng, Maoping, Dalung (alle drei im Kreis Ninggang), Schidu, Schuikou, Hsiatsun (alle drei im Kreis Linghsiän), Yingpanhsü, Daidjiapu, Dafen, Duidsitjiän, Huang-ao, Wudoudjiang, Tschöao (alle sieben im Kreis Suitschuan) bis Naschan beträgt 550 Li. In den Bergen, in Dadjing, Hsiaodjing, Schangdjing, Dschungdjing, Hsiadjing, Tsiping, Hsiadschuang, Hsingdschou, Tsaoping, Bainihu und Luofu gibt es Reisfelder und Dörfer. Hier hausten früher Räuber und Deserteure; jetzt ist dieses Gebiet unser Militärstützpunkt. Aber die Bevölkerung hier zählt nicht einmal 2‘000 Menschen, und die jährliche Ernte von ungeschältem Reis beträgt weniger als 10‘000 Dan; deshalb hängt die Versorgung der Armee mit Getreide gänzlich von den Lieferungen aus den Kreisen Ninggang, Yunghsin und Suitschuan ab. An allen strategisch wichtigen Pässen in den Bergen wurden Befestigungen errichtet. Hier befinden sich unsere Lazarette, unsere Bekleidungswerkstätten, unsere Feldzeugmeisterei und die Hinterlandsabteilungen der Regimenter. Gegenwärtig wird Getreide aus dem Kreis Ninggang in die Berge geschafft. Wenn die Versorgung ausreichend gesichert ist, wird sich der Feind hierher nicht durchschlagen. Der zweite Stützpunkt ist das Djiulung-Gebirge an den Grenzen der Kreise Ninggang, Yunghsin, Liänhua und Tschaling. Es ist nicht so bedeutend wie das Djinggang-Gebirge, aber es ist der am weitesten im Hinterland liegende Stützpunkt der örtlichen bewaffneten Kräfte der erwähnten vier Kreise, und hier wurden ebenfalls Befestigungen erbaut. Für die inmitten des weissen Regimes stehende selbständige rote Macht ist es notwendig, die schwer zugänglichen Gebirgsgegenden auszunutzen.

4. DIE AGRARFRAGE

Bodenverhältnisse im Grenzgebiet. Grob gerechnet, befinden sich über 60% des gesamten Bodens in den Händen der Grundherren und weniger als 40% in den Händen der Bauern. In der Provinz Kiangsi ist die stärkste Konzentration des Grundbesitzes im Kreis Suitschuan zu beobachten, wo den Grundherren etwa 80% des Bodens gehören. Ihm folgt der Kreis Yunghsin, wo in den Händen der Grundherren etwa 70% des Bodens konzentriert sind. In den Kreisen Wan-an, Ninggang und Liänhua gibt es relativ mehr Bauern auf Eigenland, aber auch hier gehört den Grundherren immer noch der grössere Teil des Bodens — etwa 60%, den Bauern aber gehören nur 40%. In den Kreisen Tschaling und Linghsiän der Provinz Hunan befinden sich in den Händen der Grundherren rund 70% des Bodens.

Über die Zwischenklassen. Bei solchen Bodenverhältnissen könnte eine bedeutende Mehrheit der Bevölkerung die Beschlagnahme und die Neuverteilung des ganzen Bodens17 unterstützen. Aber die Bevölkerung des Dorfes teilt sich etwa in drei Gruppen von Klassen, und zwar: die Klassen der grossen und mittleren Grundherren, die Zwischenklassen der kleinen Grundherren und der Grossbauern sowie die Klassen der Mittelbauern und der armen Bauern. Die Interessen der Grossbauern sind oft mit den Interessen der kleinen Grundherren verbunden. Der Boden der Grossbauern macht einen geringen Teil des gesamten Bodens aus, aber zusammen mit dem Boden der kleinen Grundherren ergibt sich ziemlich viel. Ähnlich sieht es wahrscheinlich im ganzen Lande aus. Im Grenzgebiet wird die Politik der vollständigen Beschlagnahme und der gründlichen Neuverteilung des Bodens durchgeführt, deshalb richtet sich der Schlag hier sowohl gegen die Feudalherrenklasse als auch gegen die Zwischenklassen. Das ist unsere Politik, aber ihre praktische Durchführung stösst auf ernste Hindernisse von Seiten der Zwischenklassen. In der Anfangsperiode der Revolution kapitulierten die Zwischenklassen nur zum Schein vor der Klasse der armen Bauern, tatsächlich aber nutzten sie ihre althergebrachte gesellschaftliche Stellung und die Sippenmacht aus, um die armen Bauern einzuschüchtern und die Aufteilung des Bodens hinauszuschieben. Wenn aber ein Aufschub nicht mehr möglich war, verheimlichten sie die wahren Ausmasse ihres Grundbesitzes oder behielten den fruchtbaren Boden für sich und gaben den mageren ab. In dieser Periode liessen sich die armen Bauern, die lange Zeit mit Füssen getreten worden waren und den Sieg der Revolution nicht für gesichert hielten, häufig von den Zwischenklassen überreden und wagten kein aktives Vorgehen. Ein aktives Vorgehen gegen die Zwischenklassen im Dorf begann erst mit dem Aufschwung der Revolution, zum Beispiel nach der Eroberung der Macht in einem Kreis oder in mehreren Kreisen, nach mehrfachen Niederlagen der Truppen der Reaktion und nach mehrfacher Demonstration der Stärke der Roten Armee. Im Südteil des Kreises Yunghsin zum Beispiel, wo die Zwischenklassen zahlenmässig am stärksten sind, kam es auch am häufigsten vor, dass die Bodenaufteilung hinausgeschoben und die Grösse des Grundbesitzes verheimlicht wurde. Die Aufteilung begann hier tatsächlich erst, nachdem die Rote Armee am 23. Juni den grossen Sieg bei Lungyüankou errungen und das Machtorgan des Distriktes einige Leute bestraft hatte, die die Aufteilung des Bodens verzögerten. In allen Kreisen herrscht jedoch das feudale Sippschaftssystem vor; oft trägt die Bevölkerung eines ganzen Dorfes oder sogar einiger Dörfer den gleichen Familiennamen, und es wird ziemlich lange dauern, bis im Dorf der Prozess einer bewussten Abgrenzung der Klassenkräfte vollzogen und die Sippenmacht besiegt worden ist.

Der Verrat der Zwischenklassen unter dem weissen Terror. Die Zwischenklassen, die in der Periode des Aufschwungs der Revolution Schlägen ausgesetzt waren, gingen mit dem Einbruch des weissen Terrors sofort auf die Seite des Feindes über. In den Kreisen Yunghsin und Ninggang waren es gerade die kleinen Grundherren und die Grossbauern, die die reaktionären Truppen beim Niederbrennen der Häuser revolutionärer Bauern anführten. Auf Anweisung der Reaktionäre steckten sie Häuser in Brand und nahmen Verhaftungen vor, wobei sie ungewöhnlich dreist auftraten. Als die Rote Armee in das Gebiet von Ninggang, Hsintscheng, Gutscheng und Lungschi zurückkehrte, flüchteten einige tausend Bauern, die auf die Agitation der Reaktionäre, die behaupteten, die Kommunisten würden sie niedermachen, hereingefallen waren, zusammen mit den Reaktionären nach Yunghsin. Und als wir in unserer Propaganda erklärt hatten, dass wir „keine zum Feind übergelaufenen Bauern töten“ und dass wir „die Rückkehr der zum Feind übergelaufenen Bauern zur Einbringung der Ernte begrüssen“ würden, kehrte ein gewisser Teil der Bauern nach und nach zurück.

In der Periode des Abflauens der Revolution im ganzen Land besteht in den Gebieten der selbständigen Macht das schwierigste Problem darin, die Zwischenklassen in Schach zu halten. Die Hauptursache für ihren Übergang zum Feind besteht darin, dass ihnen von der Revolution zu schwere Schläge versetzt wurden. Wenn aber das ganze Land einen revolutionären Aufschwung erlebt, wird die arme Bauernschaft, da sie nun eine Stütze hinter sich weiss, kühner handeln, während die Zwischenklassen aus Angst keine Ausschreitungen wagen. Als der Krieg zwischen Li Dsung-jen und Tang Scheng-dschi auf Hunan übergriff, richteten die kleinen Grundherren des Kreises Tschaling an die Bauern ein Friedensangebot, manche beschenkten die Bauern zu Neujahr sogar mit Schweinefleisch (obwohl sich die Rote Armee zu diesem Zeitpunkt bereits aus Tschaling nach Suitschuan zurückgezogen hatte). Aber nach Beendigung des Krieges zwischen Li Dsung-jen und Tang Scheng-dschi waren solche Dinge nicht mehr zu beobachten. Heute, da sich im ganzen Land die Welle der Konterrevolution erhebt, hängen die Zwischenklassen, die schweren Schlägen ausgesetzt waren, in den weissen Gebieten fast restlos der Feudalherrenklasse an, und die arme Bauernschaft ist isoliert. Das ist tatsächlich eine sehr ernste Frage.18

Der Verrat der Zwischenklassen unter dem Druck materieller Entbehrungen im Alltagsleben. Die miteinander kämpfenden roten und weissen Gebiete stellen gleichsam zwei feindliche Staaten dar. Infolge der vom Feind durchgeführten harten Blockade und unserer fehlerhaften Behandlung der Kleinbourgeoisies hat der Handel zwischen diesen Gebieten fast gänzlich aufgehört. Es mangelt an Gegenständen des täglichen Bedarfs, wie an Salz, Baumwollstoffen und Medikamenten, und sie sind überdies teuer; die Ausfuhr von Erzeugnissen der bäuerlichen Wirtschaft wie Holz, Tee und Öl wurde unmöglich, den Bauern fliesst kein Geld mehr zu, und das alles wirkt sich auf die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit aus. Die arme Bauernschaft kann solche Härten noch eher ertragen, aber die Mittelschichten kapitulieren vor der Feudalherrenklasse, wenn sie es nicht mehr aushalten können. Wenn im Lager der Feudalherren und Militärmachthaber die Zwistigkeiten und Kriege nicht weitergehen, wenn sich die revolutionäre Situation im ganzen Land nicht weiter entwickelt, werden die kleinen Gebiete der selbständigen roten Macht unter einem äusserst starken wirtschaftlichen Druck leiden, und die Möglichkeit ihres längeren Bestehens wird fraglich werden. Denn ein solcher ökonomischer Druck ist nicht nur für die Mittelschichten unerträglich, es besteht sogar die Möglichkeit, dass eines Tages auch die Arbeiter, die armen Bauern und die Rote Armee diesem Druck nicht standhalten können. In den Kreisen Yunghsin und Ninggang gab es kein Salz, ganz verschwunden waren Baumwollstoffe und Medikamente, von allem übrigen gar nicht erst zu reden. Jetzt gibt es wohl Salz im Verkauf, aber es ist äusserst teuer; Baumwollgewebe und Medikamente fehlen nach wie vor. Die Ausfuhr von Holz, Tee und Öl ist immer noch unmöglich, das heisst die Ausfuhr von Produkten, die es im Kreis Ninggang, im Westteil des Kreises Yunghsin und im Nordteil des Kreises Suitschuan (alle diese Gebiete gehören jetzt zum Gebiet der selbständigen Macht) in Hülle und Fülle gibt.19

Kriterium für die Aufteilung des Bodens. Bei der Aufteilung des Bodens galt die Gemeinde als eine Einheit. In Gegenden, wo es mehr gebirgiges Land als Ackerboden gibt, wie beispielsweise im Distrikt Hsiaodjiang, Kreis Yunghsin, galten manchmal drei bis vier Gemeinden als eine Einheit; allerdings gab es sehr wenige solcher Fälle. Der Boden wurde zu gleichen Teilen allen Einwohnern eines jeden Dorfes — Männern und Frauen, alt und jung — zugeteilt. Jetzt haben wir entsprechend den Richtlinien des Zentralkomitees die Arbeitsfähigkeit als Massstab genommen: Arbeitsfähige erhalten doppelt soviel Boden wie Arbeitsunfähige.20

Die Frage der Zugeständnisse an Bauern auf Eigenland. Diese Frage wurde noch nicht eingehend erörtert. Die Grossbauern unter den Bauern auf Eigenland haben von sich aus gefordert, dass für die Aufteilung des Bodens die Produktionskapazität als Massstab diene, das heisst, diejenigen, die mehr Arbeitskraft und Kapital (landwirtschaftliche Geräte usw.) besitzen, sollten mehr Boden erhalten. Die Grossbauern fühlen, dass eine Aufteilung des Bodens zu gleichen Teilen oder nach der Anzahl der Arbeitsfähigen für sie Gleicherweise ungünstig ist. Sie gaben zu verstehen, dass sie höhere Ernten einbringen könnten, da sie gewillt seien, mehr Fleiss aufzubieten und ausserdem das Gewicht ihres Kapitals in die Waagschale zu werfen. Deshalb wollten sie nichts davon wissen, wenn ihnen ebenso viel Boden wie allen anderen zugeteilt würde und ihr besonderer Fleiss und ihre Kapitalüberschüsse unbeachtet (ungenutzt) blieben. Hier halten wir uns bei der Aufteilung des Bodens weiterhin an die Richtlinien, die vom Zentralkomitee herausgegeben wurden. Aber diese Frage bedarf dennoch einer Erörterung, über deren Ergebnisse wir berichten werden, wenn wir bestimmte Schlussfolgerungen gezogen haben.

Bodensteuer. Die Bodensteuer, die im Kreis Ninggang erhoben wird, macht 20 Prozent der Ernte aus, was die vom Zentralkomitee festgelegte Norm um 5% übersteigt. Jetzt, da die Steuereinhebung bereits im Gange ist, wären Änderungen nicht ratsam; allerdings wird die Norm im kommenden Jahr gesenkt. Ausserdem gehört je ein Teil der Kreise Suitschuan, Linghsiän und Yunghsin zum Gebiet der selbständigen Macht, alle diese Teile sind in gebirgigen Gegenden gelegen, dort leben die Bauern in solcher Not, dass man davon absehen muss, von ihnen noch Steuern zu holen. Die zur Deckung der Ausgaben der Regierung und der Roten Garde benötigten Mittel pressen wir aus den Tuhao in den weissen Gebieten heraus. Was die Verpflegung der Roten Armee anbelangt, so kann man den Reis vorläufig dem Bodensteueraufkommen im Kreis Ninggang entnehmen, das Geld aber muss man gänzlich aus den Tuhao herauspressen. Im Oktober haben wir während unserer Guerillaoperationen im Kreis Suitschuan mehr als 10‘000 Yüan beschafft. Eine gewisse Zeit lang reicht dieses Geld, dann wird man weitersehen.

5. DIE FRAGE DER POLITISCHEN MACHT

Die Organe der politischen Macht der Volksmassen in den Kreisen, Distrikten und Gemeinden sind überall geschaffen, aber die Bezeichnung entspricht nicht ihrem Wesen. An vielen Orten gibt es keine Deputiertenräte der Arbeiter, Bauern und Soldaten. Die Exekutivkomitees der Machtorgane der Gemeinden, der Distrikte und sogar der Kreise werden alle auf einer Art Massenkundgebung gewählt. Solche Massenkundgebungen, die aus einer momentanen Betriebsamkeit Zustandekommen, machen eine Erörterung der Fragen unmöglich und tragen zur politischen Schulung der Massen nicht bei; ausserdem sind solche Kundgebungen sehr geeignet, von Intellektuellen oder Karrieristen manipuliert zu werden. An einigen Orten existieren die Deputiertenräte, die aber lediglich als zeitweilige Organe zur Wahl der Exekutivkomitees angesehen werden; nach den Wahlen konzentriert sich die ganze Macht in den Komitees, und an die Räte denkt keiner mehr. Nicht, dass wir überhaupt keine Deputiertenräte der Arbeiter, Bauern und Soldaten hätten, die ihrer Bezeichnung entsprächen; es gibt solche, aber es sind nur sehr wenige. Das erklärt sich eben aus dem Mangel an Propaganda und Aufklärung über diese neue politische Einrichtung — den Deputiertenrat. Die üblen Praktiken der Diktatur und Willkür aus der Feudalepoche haben sich den Volksmassen und sogar den einfachen Parteimitgliedern so tief ins Bewusstsein eingeprägt, dass sie nicht von heute auf morgen beseitigt werden können; beim Auftauchen von Fragen pflegen die Menschen zu ihrer Lösung den bequemsten Weg zu wählen und haben kein Gefallen an dem umständlichen demokratischen System. Das System des demokratischen Zentralismus wird sich in den Massenorganisationen erst dann überall und richtig einbürgern, wenn es seine Wirksamkeit im revolutionären Kampf an den Tag gelegt und die Massen zu der Einsicht gebracht hat, dass es die Kräfte der Volksmassen am besten mobilisiert und ihrem Kampf am meisten förderlich ist. Wir arbeiten jetzt ein ausführliches organisatorisches Statut über die Deputiertenräte aller Stufen aus (gemäss den allgemeinen Richtlinien des Zentralkomitees), um die Fehler der Vergangenheit allmählich zu korrigieren. In der Roten Armee sind wir jetzt im Begriff, die Deputiertenräte der Soldaten aller Stufen ebenfalls als regelmässig funktionierende Organe zu errichten, um den früheren Fehler zu korrigieren, der darin bestand, dass es nur Soldatenkomitees, aber keine Deputiertenräte der Soldaten gab.

Unter der im Volk jetzt allgemein bekannten Bezeichnung „Regierung der Arbeiter, Bauern und Soldaten“ wird das Exekutivkomitee verstanden, weil die Menschen die Macht der Deputiertenräte noch nicht kennen und glauben, nur die Exekutivkomitees seien die wahre Macht. Ein Exekutivkomitee, das sich nicht auf einen Deputiertenrat stützt, entscheidet häufig die Angelegenheiten, ohne Rücksicht auf die Meinungen der Massen zu nehmen, und überall sind Fälle festzustellen, in denen die Exekutivkomitees Unschlüssigkeit und Kompromisslertum in Fragen der Beschlagnahme und der Aufteilung des Bodens zeigen, ihre Fonds verschwenden bzw. unterschlagen, aus Angst vor den weissen Kräften zurückweichen oder sich nur unentschlossen auf den Kampf mit ihnen einlassen. Überdies treten die Exekutivkomitees nur selten zu Vollversammlungen zusammen, und alle Angelegenheiten werden von den ständigen Ausschüssen entschieden. In den Machtorganen der Distrikte und Gemeinden treten auch die ständigen Ausschüsse selten zusammen, und die Angelegenheiten werden je nachdem getrennt vom Vorsitzenden, vom Sekretär, vom Kassierer bzw. vom Kommandeur der Abteilung der Roten Garde (oder der Abteilung der Aufständischen) geregelt und entschieden; diese vier arbeiten auch ständig im Büro des Komitees. So ist das Prinzip des demokratischen Zentralismus nicht einmal in der Arbeit der Machtorgane üblich geworden.

Anfänglich rissen sich die kleinen Grundherren und die Grossbauern darum, in die Exekutivkomitees, insbesondere in die der Gemeinden, einzudringen. Indem sie rote Binden anlegten und einen ungewöhnlichen Enthusiasmus vortäuschten, brachten sie es durch Betrug fertig, sich in die Exekutivkomitees einzuschleichen und alles unter ihre Kontrolle zu stellen, wobei sie die Mitglieder der Komitees aus der armen Bauernschaft in einfache Statisten verwandelten. Und die Beseitigung solcher Menschen aus den Komitees gelingt nur, wenn man ihnen im Verlauf des Kampfes die lügnerische Maske herunterreisst und die arme Bauernschaft ihre Macht zur Geltung bringt. Derartige Erscheinungen wurden schon an vielen Orten festgestellt, wenn auch nicht überall.

Die Partei erfreut sich unter den Massen einer gewaltigen Autorität, während die Machtorgane viel weniger Autorität geniessen. Das kommt daher, dass die Partei aus Bequemlichkeit viele Fragen selbst, über die Köpfe der Machtorgane hinweg, entscheidet. Solche Fälle kommen sehr häufig vor. Parteigruppen der leitenden Funktionäre in den Machtorganen gibt es mancherorts noch nicht, und dort, wo es solche gibt, werden sie unzureichend ausgenutzt. Von nun an muss die Partei die Aufgabe erfüllen, die Machtorgane anzuleiten; Vorschläge und Empfehlungen der Partei — nicht aber die Propaganda — müssen durch die Machtorgane durchgeführt werden. Man muss die verwerfliche Praxis der Kuomintang, ihre Befehle unmittelbar den Regierungsorganen zu diktieren, vermeiden.

6. FRAGEN DER PARTEIORGANISATION

Der Verlauf des Kampfes gegen den Opportunismus. Man kann sagen, dass vor und nach den Ereignissen des 21. Mai die Parteiorganisationen in den Kreisen des Grenzgebiets in den Händen der Opportunisten waren. In dem Augenblick, als die Konterrevolution zuschlug, wurde in seltenen Fällen der entschlossene Kampf gegen sie aufgenommen. Im Oktober vorigen Jahres, als die Rote Armee (das 1. Regiment der 1. Division des 1. Korps der Revolutionären Arbeiter- und Bauernarmee) in die Kreise des Grenzgebiets kam, gab es dort nur noch einige wenige Parteimitglieder, die sich vor den Verfolgungen versteckt hielten, während die Parteiorganisationen restlos vom Feind zerschlagen waren. Die Zeit von November vorigen Jahres bis April dieses Jahres war eine Periode des Wiederaufbaus der Parteiorganisationen, und ab Mai setzte die Periode ihres stürmischen Wachstums ein. Seit einem Jahr sind noch überall in der Partei Erscheinungen des Opportunismus zu beobachten: Ein Teil der Parteimitglieder zeigte keine Entschlossenheit zum Kampf und versteckte sich beim Nahen des Feindes tief in die Berge, was „sich in den Hinterhalt legen“ genannt wurde; andere dagegen glitten in ihrem Aktivitätsdrang auf den Weg des blinden Putschismus ab. Alles das sind Äusserungen kleinbourgeoiser Ideologie. Nach einer längeren Zeit der Stählung im Kampf und der innerparteilichen Erziehung sind allmählich immer weniger derartige Erscheinungen zu verzeichnen. Diese kleinbourgeoise Ideologie fand sich zur gleichen Zeit auch in der Roten Armee. Beim Angriff des Feindes wurde vorgeschlagen, entweder einen rücksichtslosen Kampf aufzunehmen oder die Flucht zu ergreifen. Häufig war es der Fall, dass bei der Erörterung von Fragen der Kampfoperationen die beiden Meinungen von ein und derselben Person geäussert wurden. Erst im Verlauf eines langwierigen innerparteilichen Kampfes und durch Lehren, die aus objektiven Tatsachen gezogen wurden — wenn beispielsweise ein rücksichtsloser Kampf zu Verlusten und die Flucht zur Niederlage geführt hat — besserte sich allmählich die Lage.

Lokale Beschränktheit. Die Wirtschaft des Grenzgebiets ist eine Agrarwirtschaft, die hier und da noch in dem Stadium des Mörsers und Stössels zurückgeblieben ist (in den Berggebieten wendet man zum Schälen von Reis im wesentlichen Mörser und Stössel an, in den Ebenen gibt es hingegen viele Stampfvorrichtungen mit Fussbetrieb). Die Einheit der sozialen Organisation ist überall die Sippe, deren Angehörige denselben Familiennamen tragen. Die Parteiorganisationen in den Dörfern sind mit Rücksicht auf den Wohnsitz ihrer Mitglieder aufgebaut worden, daher stellt es sich häufig heraus, dass die Parteizelle aus Menschen mit dem gleichen Familiennamen besteht und dass die Versammlung der Parteizelle einfach eine Sippenversammlung darstellt. Unter diesen Umständen ist es wirklich äusserst schwierig, eine „kämpferische bolschewistische Partei“ zu schaffen. Wenn den Menschen gesagt wird, dass es für die Kommunistische Partei keine Staats- und Provinzgrenzen gibt, können sie sich das kaum vorstellen; ebenso ist es ihnen ziemlich unklar, dass es für sie weder Kreis- noch Distrikts- und Gemeindegrenzen gibt. Die lokale Beschränktheit äussert sich sehr stark in den Beziehungen zwischen den Kreisen. Sie macht sich auch in starkem Masse in den Beziehungen zwischen den Distrikten und sogar zwischen den Gemeinden ein und desselben Kreises bemerkbar. Bei der Überwindung der lokalen Beschränktheit können Auseinandersetzungen bestenfalls nur sehr geringe Ergebnisse zeitigen; wesentlich aber hilft uns dabei objektiv der Druck der weissen Kräfte, der keinerlei lokale Beschränktheit kennt. So haben beispielsweise die „vereinten Ausrottungsfeldzüge“ der konterrevolutionären Kräfte zweier Provinzen bewirkt, dass sich die Volksmassen im Kampf gegen sie ihrer gemeinsamen Interessen bewusst wurden, und nur auf diese Weise konnte ihre lokale Beschränktheit nach und nach liquidiert werden. Dank einer ganzen Reihe derartiger Lehren sind die Erscheinungen der lokalen Beschränktheit seltener geworden.

Die Frage der eingesessenen und der zugewanderten Bevölkerung. In den Kreisen des Grenzgebiets gibt es noch eine besondere Erscheinung: das ist die Kluft zwischen der eingesessenen und der zugewanderten Bevölkerung. zwischen der örtlichen Stammbevölkerung und den Nachkommen der Einwanderer, die vor einigen hundert Jahren aus dem Norden zugewandert sind, besteht eine tiefe Kluft, herrscht eine starke traditionelle Feindschaft, die zuweilen in einen erbitterten Kampf ausartet. Diese zugewanderte Bevölkerung, die sich von der Grenze zwischen den Provinzen Fukien und Kuangtung entlang der Grenze zwischen den Provinzen Hunan und Kiangsi bis zum Südteil der Provinz Hupeh angesiedelt hat, zählt einige Millionen. Die Zugewanderten, die sich in den Bergen niedergelassen hatten, wurden von der Stammbevölkerung, die die Ebenen besiedelte, unterdrückt und waren immer politisch rechtlos. Die nationale Revolution der letzten beiden Jahre wurde von der zugewanderten Bevölkerung freudig begrüsst, in der Annahme, dass nun die Zeit anbrechen würde, da sie ihren Kopf hochhalten könnten. Aber zu ihrer Enttäuschung erlitt die Revolution eine Niederlage, und die zugewanderten werden nach wie vor von der Stammbevölkerung unterdrückt. In unserem Gebiet, in den Kreisen Ninggang, Suitschuan, Linghsiän und Tschaling, stösst man überall auf die Frage der Beziehungen zwischen der Stammbevölkerung und der zugewanderten Bevölkerung, wobei diese Frage im Kreis Ninggang ausserordentlich schwerwiegend ist. 1926-27 stürzte der revolutionär gesinnte Teil der Stammbevölkerung des Kreises Ninggang, nachdem er sich mit der zugewanderten Bevölkerung vereinigt hatte, unter Führung der Kommunistischen Partei die Macht der eingesessenen Feudalherren und bemächtigte sich des ganzen Kreises. Im Juni vorigen Jahres wandte sich die Regierung der Provinz Kiangsi unter Dschu Pe-dö gegen die Revolution, im September führten die Feudalherren die Truppen Dschu Pe-dös zum „Ausrottungsfeldzug“ nach Ninggang und schürten erneut den Konflikt zwischen der Stammbevölkerung und der zugewanderten Bevölkerung. Theoretisch sollte eigentlich eine solche Kluft zwischen Ortsansässigen und Zugewanderten nicht in die ausgebeuteten Klassen der Arbeiter und Bauern hineinreichen, erst recht nicht in die Kommunistische Partei. Aber in der Tat besteht diese Kluft als Erbübel aus vielen Jahren weiter. Hier ein Beispiel: Nach unserer Augustniederlage kehrten die Feudalherren aus der Stammbevölkerung mit reaktionären Truppen nach Ninggang zurück und verbreiteten das Gerücht, die zugewanderte Bevölkerung werde die Stammbevölkerung niedermetzeln; die meisten Bauern aus der Stammbevölkerung gingen auf die Seite des Feindes über, legten weisse Binden an und dienten den weissen Truppen bei den Brand-stiftungen und Razzien in den Bergen als Wegweiser. Als aber die Rote Armee im Oktober und November die Weissen in die Flucht schlug, flohen die Bauern der Stammbevölkerung zusammen mit den Reaktionären, und nun waren es die Bauern der zugewanderten Bevölkerung, die das Eigentum der Geflüchteten beschlagnahmten. Diese Sachlage, die ihre Widerspiegelung innerhalb der Partei findet, führt oft zu sinnlosen Konflikten. Unsere Methode zur Lösung dieser Frage läuft auf folgendes hinaus: Einerseits erklären wir in unserer Aufklärungspropaganda, dass „die zum Feind übergelaufenen Bauern nicht getötet werden“ und dass „ein übergelaufener Bauer, falls er zurückkehrt, ebenso wie die anderen Boden erhält“; auf diese Weise helfen wir den übergelaufenen Bauern, sich von dem Einfluss der Feudalherren frei zu machen und beruhigt nach Hause zurückzukehren. Andererseits sollen die Machtorgane der Kreise die Bauern der zugewanderten Bevölkerung verpflichten, den früheren Besitzern ihr Eigentum zurückzugeben, und eine Bekanntmachung herausgeben, wonach die Bauern der Stammbevölkerung unter Schutz genommen würden. In der Partei aber verstärken wir die Erziehungsarbeit, um unbedingt den Zusammenschluss der Parteimitglieder, die den beiden Gruppen angehören, zu erzielen.

Der Verrat der Karrieristen. In der Periode des Aufschwungs der Revolution (Juni) schlichen sich viele Karrieristen unter Ausnutzung der offenen Werbung von Parteimitgliedern in die Partei ein, so dass die Anzahl der Parteimitglieder im Grenzgebiet bald über zehntausend hinausging. Die leitenden Funktionäre der Zellen und der Distriktskomitees waren überwiegend neue Parteimitglieder, und deshalb konnte eine gute innerparteiliche Erziehung nicht zustande kommen. Mit Einbruch des weissen Terrors verrieten uns die Karrieristen und dienten den Reaktionären als Führer bei der Verfolgung unserer Kameraden, mit dem Ergebnis, dass der grösste Teil der Parteiorganisationen in den weissen Gebieten aufflog. Nach dem September gingen wir tatkräftig daran, die Partei zu säubern, und legten strenge Massstäbe für die Zugehörigkeit zur Partei fest. In den Kreisen Yunghsin und Ninggang wurden die Parteiorganisationen völlig aufgelöst, und es wurde eine Neuregistrierung durchgeführt. Die Anzahl der Parteimitglieder ging stark zurück, dafür aber wuchs die Kampfkraft der Parteiorganisationen. In der Vergangenheit waren alle Parteiorganisationen offen gewesen, aber nach dem September wurden Geheimorganisationen geschaffen, die selbst nach dem Einfall reaktionärer Kräfte ihre Tätigkeit fortsetzen können. Gleichzeitig haben wir uns bemüht, auf allen möglichen Wegen in die weissen Gebiete einzudringen, um im Lager des Feindes selbst unsere Tätigkeit zu entfalten. Allein in den nahegelegenen Städten ist noch keine Grundlage für den Parteiaufbau vorhanden, weil erstens der Feind in den Städten relativ stark ist und weil zweitens unsere Truppen während der Besetzung dieser Städte zu sehr die Interessen der Bourgeoisie verletzt haben, so dass es unseren Parteimitgliedern schwerfällt, dort Fuss zu fassen. Jetzt korrigieren wir diese Fehler und machen die grössten Anstrengungen, in den Städten unsere Organisationen zu schaffen, haben jedoch vorläufig noch nicht viel erreicht.

Die leitenden Parteiorgane. Die Büros der Zellen sind in Komitees umbenannt worden. Über der Zelle steht das Distriktskomitee und über dem Distriktskomitee das Kreiskomitee. Unter besonderen Umständen werden Sonderdistriktskomitees als Zwischenglied zwischen den Distrikts- und Kreiskomitees geschaffen; das sind zum Beispiel das Nord-Sonderdistriktskomitee und das Südost-Sonderdistriktskomitee des Kreises Yunghsin. Insgesamt gibt es im Grenzgebiet fünf Kreiskomitees: in Ninggang, Yunghsin, Liänhua, Suitschuan und Linghsiän. Ein Kreiskomitee bestand früher auch in Tschaling, aber da die Arbeit dort nicht Wurzel fassen konnte, wurde der grössere Teil der im vergangenen Winter und in diesem Frühjahr geschaffenen Organisationen von den weissen Kräften zerschlagen, und im letzten halben Jahr vermochten wir nur in den Berggebieten zu arbeiten, die an die Kreise Ninggang und Yunghsin angrenzen; deshalb wurde das Kreiskomitee in Tschaling in ein Sonderdistriktskomitee umgewandelt. In die Kreise Yuhsiän und Anjen gelangt man nur über Tschaling. Wir schickten Menschen dahin, aber sie kehrten unverrichteterdinge zurück. Das Kreiskomitee von Wan-an hat mit uns im Januar dieses Jahres eine gemeinsame Sitzung in Suitschuan abgehalten, danach war es durch die weissen Kräfte über ein halbes Jahr lang von uns abgeschnitten, und erst im September, als Einheiten der Roten Armee während ihrer Guerillaaktionen in den Kreis Wan-an einzogen, gelang es uns, ein zweites Mal mit ihm Verbindung aufzunehmen. Zusammen mit unseren Einheiten gingen von dort 80 revolutionäre Bauern nach dem Djinggang Gebirge, und aus ihnen ist die Abteilung der Roten Garde von Wan-an geschaffen worden. Im Kreis Anfu gibt es keine Parteiorganisationen. Das Parteikomitee des Kreises Dji-an, der dem Kreis Yunghsin benachbart ist, hat nur zweimal Verbindung mit uns aufgenommen und uns keinerlei Hilfe geleistet. Das ist in höchstem Masse sonderbar. Im Gebiet von Schatiän, Kreis Guidung, wurde die Aufteilung des Bodens zweimal — im März und im August durchgeführt, es wurden Parteiorganisationen geschaffen, die dem Südhunaner Sonderkomitee mit dem Zentrum in Lunghsischidung unterstellt sind. Die Kreiskomitees des Grenzgebiets Hunan-Kiangsi sind dem Sonderkomitee dieses Gebiets unterstellt. Am 20. Mai wurde in Maoping, Kreis Ninggang, der 1. Parteitag des Grenzgebiets durchgeführt, der zum erstenmal dieses Sonderkomitee, bestehend aus 23 Kameraden mit Mao Tse-tung als Sekretär, wählte. Im Juli wurde vom Hunaner Provinzparteikomitee Yang Kai-ming geschickt, der als kommissarischer Sekretär eingesetzt wurde. Im September erkrankte Yang Kai-ming, und an seine Stelle trat Tan Dschen-lin. Im August, als die Hauptmasse der Roten Armee nach Südhunan abgerückt war und die weissen Kräfte einen starken Druck auf das Grenzgebiet ausübten, führten wir in Yunghsin eine ausserordentliche Beratung durch. Als dann die Rote Armee im Oktober nach Ninggang zurückgekehrt war, wurde in Maoping der 2. Parteitag des Grenzgebiets einberufen. Auf diesem Parteitag, der am 14. Oktober eröffnet wurde und drei Tage dauerte, wurden die Resolution „Die politischen Fragen und die Aufgaben der Parteiorganisation des Grenzgebiets“ und andere Beschlüsse angenommen sowie folgende 19 Kameraden in das neue Sonderkomitee des Grenzgebietes gewählt: Tan Dschen-lin, Tschu Teh, Tschen Yi, Lung Tschao-tjing, Dschu Tschang-djiä, Liu Tiän-tjiän, Yüan Pan-dschu, Tan Si-tsung, Tan Bing, Li Hsi-fe, Sung Yi-yüä, Yüan Wen-tsai, Wang Dsuo-nung, Tschen Dscheng-jen, Mao Tse-tung, Wan Hsi-hsiän, Wang Dsuo, Yang Kai-ming und Ho Ting-ying. In den ständigen Ausschuss wurden fünf Kameraden mit Tan Dschen-lin (Arbeiter) als Sekretär und Tschen Dscheng-jen (Intellektueller) als stellvertretendem Sekretär gewählt. Am 14. November trat der 6. Parteitag des 4. Korps der Roten Armee zusammen, auf dem das Korpskomitee, bestehend aus 23 Kameraden, und der ständige Ausschuss, bestehend aus 5 Kameraden mit Tschu Teh als Sekretär, gewählt wurden. Das Sonderkomitee des Grenzgebiets und das Korpskomitee unterstehen dem Frontkomitee. Dem Frontkomitee, das am 6. November reorganisiert wurde, gehören laut Weisung des Zentralkomitees der Partei folgende 5 Kameraden an: Mao Tse-tung, Tschu Teh, der Sekretär der örtlichen Parteiorganisation (Tan Dschen-lin), ein Kamerad aus den Reihen der Arbeiter (Sung Tjiao-scheng) und ein Kamerad aus den Reihen der Bauern (Mao Kö-wen), mit Mao Tse-tung als Sekretär. Im Frontkomitee wurden provisorisch eingerichtet: das Sekretariat, die Propagandaabteilung, die Organisationsabteilung, eine Kommission für die Gewerkschaftsbewegung und eine Militärkommission. Das Frontkomitee leitet die örtlichen Parteiorganisationen. Die Existenz des Sonderparteikomitees des Grenzgebiets bleibt trotzdem notwendig, da das Frontkomitee zuweilen mit den Truppen unterwegs sein muss. Wir sind uns bewusst, dass die Frage der führenden Rolle der proletarischen Ideologie äusserst wichtig ist. Die Parteiorganisationen in den Kreisen des Grenzgebiets bestehen fast ausschliesslich aus Bauern, und ohne die proletarische ideologische Führung werden sie eine falsche Richtung einschlagen. Abgesehen davon, dass man der Gewerkschaftsbewegung in den Kreisstädten und in grossen Marktflecken starke Beachtung schenken muss, ist die Anzahl der Arbeitervertreter in den Machtorganen zu erhöhen. Ebenso ist es notwendig, den Anteil der Arbeiter und der armen Bauern in den leitenden Parteiorganen auf allen Ebenen zu vergrössern.

7. DIE FRAGE DES CHARAKTERS DER REVOLUTION

Wir sind mit der Resolution der Kommunistischen Internationale über die chinesische Frage voll und ganz einverstanden. Gegenwärtig durchlebt China tatsächlich noch das Stadium der bourgeois-demokratischen Revolution. Das Programm der konsequenten demokratischen Revolution in China schliesst ein: auf aussenpolitischem Gebiet — Sturz des Imperialismus und damit vollständige nationale Befreiung; auf innenpolitischem Gebiet — Liquidierung der Macht der Kompradorenklasse in der Stadt, Vollendung der Agrarrevolution zur Vernichtung der Feudalverhältnisse im Dorf und Sturz der Regierung der Militärmachthaber. Nur durch eine solche demokratische Revolution kann die wahre Grundlage für den Übergang zum Sozialismus geschaffen werden. Während wir seit einem Jahr die verschiedensten Gebiete kämpfend durchziehen, spüren wir zutiefst das Abebben der revolutionären Flut im ganzen Land. Einerseits besteht in wenigen kleinen Gebieten die rote Macht; andererseits geniesst das Volk in seiner Gesamtheit noch nicht die üblichen demokratischen Rechte, die Arbeiter, die Bauern und sogar die demokratischen Kreise der Bourgeoisie besitzen keine Rede- und Versammlungsfreiheit, die Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei gilt als schwerstes Verbrechen. Wohin auch die Rote Armee kommt, überall verhalten sich die Massen teilnahmslos und passiv, und erst nachdem eine Agitationsarbeit geleistet worden ist, treten sie nach und nach in Aktion. Auf welche Teile des Gegners wir auch stossen, wir müssen einen erbitterten Kampf mit ihnen ausfechten; Fälle des Überlaufens auf unsere Seite oder Aufstände innerhalb der gegnerischen Armee gibt es nicht. So steht es sogar auch um das 6. Korps des Gegners, das nach den Ereignissen des 21. Mai die meisten „Aufrührer“ angeworben hat. Wir fühlen uns stark isoliert und sehnen uns die ganze Zeit nach dem Ende dieses Zustands. Doch der Weg zum stürmischen Aufschwung der Revolution im ganzen Land verläuft unbedingt über die Entfaltung des politischen und ökonomischen Kampfes für die Demokratie unter Einbeziehung der städtischen Kleinbourgeoisies in diesen Kampf.

Die Politik gegenüber der Kleinbourgeoisie wurde von uns bis Februar dieses Jahres verhältnismässig richtig durchgeführt. Im März kam ein Vertreter des Südhunaner Sonderkomitees nach Ninggang, der uns kritisierte, weil wir angeblich zu weit nach rechts abgewichen seien, weil wir zu wenig niederbrannten und töteten und nicht die sogenannte Politik durchführten, „die Kleinbourgeois in Proletarier umzuwandeln und sie dann zum Anschluss an die Revolution zu zwingen“. Infolgedessen wurde die Leitung des Frontkomitees umbesetzt und unsere Politik geändert. Im April, als das ganze Korps in das Grenzgebiet kam, wurde zwar auch weiterhin wenig niedergebrannt und getötet, aber mit ausserordentlicher Härte wurden die Beschlagnahme des Vermögens der mittleren Kaufleute in den Städten und die Zwangsbesteuerung der kleinen Grundherren und der Grossbauern in den Dörfern durchgeführt. Die Losung des Südhunaner Sonderkomitees „Alle Betriebe den Arbeitern!“ wurde ebenfalls weit und breit propagiert. Diese linksradikale Politik, die gegen die Kleinbourgeois gerichtet war, drängte die meisten von ihnen auf die Seite der Feudalherren und trieb sie dazu, weisse Binden anzulegen und den Kampf gegen uns aufzunehmen. In der letzten Zeit jedoch hat sich die Lage infolge der allmählichen Änderung dieser Politik etwas gebessert. Besonders im Kreis Suitschuan wurden gute Ergebnisse erzielt, die Kaufleute in der Kreisstadt und in den Marktflecken meiden uns nicht mehr aus Angst, und es gibt recht viele von ihnen, die sogar Gutes von der Roten Armee zu erzählen wissen. In Tsaolinhsü (wo alle drei Tage mittags ein Markt abgehalten wird) kommen bis zu 20‘000 Menschen auf dem Marktplatz zusammen, was früher nie vorgekommen ist. Diese Tatsache zeugt davon, dass wir die richtige Politik eingeschlagen haben. Die Steuern und Abgaben, die die Feudalherren der Bevölkerung auferlegt hatten, waren sehr drückend; auf der 70 Li langen Landstrasse zwischen Huang-ao und Tsaolin wurde vom Suitschuaner Befriedungskorps21 fünfmal Zoll erhoben, und kein landwirtschaftliches Erzeugnis blieb davon verschont. Wir zerschlugen dieses Befriedungskorps, hoben den Zoll auf und erwarben damit die Unterstützung aller Bauern, der mittleren und der kleinen Händler.

Das Zentralkomitee hat uns aufgefordert, ein politisches Programm zu veröffentlichen, das auch den Interessen der Kleinbourgeoisies Rechnung trägt, und wir schlagen unsererseits dem Zentralkomitee vor, als Richtlinie für die örtlichen Organisationen ein politisches Programm für die gesamte demokratische Revolution auszuarbeiten, das die Interessen der Arbeiter, die Agrarrevolution und die nationale Befreiung in Betracht zieht.

Ein besonderes Merkmal der Revolution in China, das in der Hauptsache ein Agrarland ist, besteht darin, dass man Aufstände mit militärischen Kräften entwickelt. Wir machen den Vorschlag, das Zentralkomitee möge sich energisch mit der militärischen Tätigkeit befassen.

8. DIE FRAGE DER GEBIETE DER SELBSTÄNDIGEN MACHT

Das Gebiet, das sich vom Nordteil der Provinz Kuangtung entlang der Grenze der Provinzen Hunan und Kiangsi bis zum Südteil der Provinz Hupeh erstreckt, liegt gänzlich im Bereich der Luohsiao Gebirgskette. Wir haben das ganze Luohsiao-Gebirgsland durchstreift, und wenn man seine verschiedenen Teile miteinander vergleicht, so ist sein mittlerer Teil mit dem Zentrum in Ninggang am günstigsten geeignet für unsere bewaffnete selbständige Macht. Der Nordteil der Gebirgskette ist mit dem zentralen Teil nicht zu vergleichen, dessen Geländeverhältnisse sowohl für Angriff als auch für Verteidigung günstig sind; ausserdem liegt der Nordteil zu nahe bei den grossen politischen Zentren, und wenn uns keine Pläne für die rasche Eroberung von Tschangscha oder Wuhan vorliegen, ist die Unterbringung des grösseren Teils unserer militärischen Kräfte im Gebiet der Kreise Liuyang, Liling, Pinghsiang und Tunggu äusserst riskant. Im Südteil der Gebirgskette sind die Geländeverhältnisse für uns günstiger als im Nordteil, aber die Massenbasis ist hier schwächer als im Zentralteil, und die politischen Einflüsse, die von hier aus auf die Provinzen Hunan und Kiangsi ausgeübt werden können, sind beschränkter als im Zentralteil, wo wir bei unseren Operationen mit jedem Zug die am Unterlauf des Hsiang-Flusses bzw., des Gan-Flusses gelegenen Teile der beiden Provinzen beeinflussen können. Vorzüge des zentralen Teils der Luohsiao-Gebirgskette: 1. Es gibt da eine Massenbasis, an der wir über ein Jahr gearbeitet haben; 2. die Parteiorganisationen stützen sich auf eine relativ feste Grundlage; 3. es bestehen örtliche bewaffnete Kräfte, die im Verlauf von mehr als einem Jahr geschaffen wurden und über reiche Kampferfahrungen verfügen — ein Erfolg, wie wir ihn nur selten erzielen konnten; diese Kräfte bilden, unterstützt von dem 4. Korps der Roten Armee, eine Macht, die kein Feind zu vernichten vermag; 5. hier befindet sich ein vortrefflicher militärischer Stützpunkt — das Djinggang-Gebirge, und Stützpunkte der örtlichen bewaffneten Kräfte sind in allen Kreisen vorhanden; 6. es ist möglich, Einfluss auf die beiden Provinzen und die Gebiete am Unterlauf ihrer Flüsse auszuüben; im Vergleich zu Südhunan oder Südkiangsi, von wo aus man jeweils nur auf eine Provinz, und zwar nur auf die Gebiete am Oberlauf der Flüsse und auf entlegene Gebiete der jeweiligen Provinz Einfluss ausüben kann, ist das Gebiet des zentralen Teils der Luohsiao-Gebirgskette von unvergleichlich grösserer politischer Bedeutung. Nachteile dieses Teils bestehen in ausserordentlichen ökonomischen Schwierigkeiten, besonders im Hinblick auf Bargeld, weil er bereits lange Zeit unter der selbständigen Macht gestanden hat und ringsum starke Kräfte des Feindes zu „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzügen“ konzentriert sind.

Im Laufe weniger Wochen des Juni und des Juli änderte das Hunaner Provinzparteikomitee dreimal seine Stellung zu dem Aktionsplan im Grenzgebiet. Das erstemal kam Yüan Dö-scheng zu uns und billigte den Plan, die Macht im zentralen Teil der Luohsiao Gebirgskette zu schaffen. Das zweitemal kamen Du Hsiu-djing und Yang Kai-ming mit der Anweisung, die Rote Armee solle, ohne auch nur im geringsten zu zögern, den Vormarsch nach Südhunan antreten und nur einen Truppenteil mit Zoo Gewehren zurücklassen, der zusammen mit den Abteilungen der Roten Garde das Grenzgebiet schützen sollte, und sie erklärten, das sei der „absolut richtige“ Kurs. Das drittemal, nur zehn Tage später, kam erneut Yüan Dö-scheng. Diesmal wurde uns in einem Schreiben, in dem wir mit Beschimpfungen überschüttet wurden, die Anweisung gegeben, die Rote Armee nach Osthunan in Marsch zu setzen, wobei wiederum betont wurde, das sei der “absolut richtige” Kurs und wir sollten handeln, „ohne auch nur im geringsten zu zögern“. Als wir solche kategorischen Anweisungen erhielten, gerieten wir tatsächlich in ein Dilemma: Sich nicht fügen grenzte an Gehorsamverweigerung, sich fügen bedeutete eine ganz sichere Niederlage herbeiführen. Nach Erhalt des zweiten Briefes wurde eine gemeinsame Sitzung des Korpskomitees, des Sonderkomitees und des Yunghsiner Kreiskomitees einberufen. Diese Sitzung betrachtete den Marsch nach Südhunan als gefährlich und beschloss, die Direktive des Provinzparteikomitees nicht auszuführen. Einige Tage später verleiteten Du Hsiu-djing und Yang Kai-ming, die sich auf den Standpunkt des Provinzparteikomitees versteiften, unter Ausnutzung der Heimwehstimmungen im 29. Regiment, die Rote Armee zu einem Angriff auf Tschendschou; das Resultat war, dass sowohl das Grenzgebiet als auch die Rote Armee eine Niederlage erlitten. Die Rote Armee verlor rund die Hälfte ihres Bestands. Im Grenzgebiet wurden unzählige Häuser niedergebrannt und zahllose Menschen niedergemetzelt, die Kreise fielen einer nach dem anderen dem Feind in die Hand, und es ist uns bis jetzt noch nicht gelungen, sie alle zurückzuerobern. Was den Marsch nach Osthunan betrifft, darf man – solange das Regime der Feudalherren der Provinzen Hunan, Hupeh und Kiangsi noch nicht gespalten ist – die Hauptkräfte der Roten Armee unter keinen Umständen dorthin schicken. Wäre der Julifeldzug nach Südhunan nicht unternommen worden, so wäre es uns gelungen, nicht nur die Augustniederlage im Grenzgebiet zu vermeiden, sondern auch die Rauferei zwischen dem 6. Korps der Kuomintang und den Truppen Wang Djüns bei Dschangschu in der Provinz Kiangsi auszunutzen, um die Truppenteile des Feindes in Yunghsin zu zerschlagen und die Kreise Dji-an und Anfu aufzurollen; da hätte unsere Vorhut Pinghsiang erreichen und die Verbindung mit dem 5. Korps der Roten Armee herstellen können, das im Nordteil der Gebirgskette operierte. Aber selbst in diesem Fall hätte man Ninggang als Hauptstützpunkt behalten müssen und nach Osthunan nur Guerillaeinheiten schicken dürfen. Da es im Lager der Feudalherren noch nicht zum Krieg gekommen ist und sich noch starke Truppenteile des Feindes in den Kreisen Pinghsiang, Tschaling und Yuhsiän an der Grenze der Provinz Hunan befinden, wäre die Verlegung unserer Hauptkräfte nach Norden unweigerlich vom Feind ausgenutzt worden. Das Zentralkomitee gab uns die Anweisung, ein Vorrücken nach Ost- oder Südhunan zu überlegen, aber die Verwirklichung dieses Planes wäre in beiden Fällen sehr gefährlich gewesen. zwar haben wir nicht versucht, die Osthunan-Variante zu verwirklichen, dafür erwies sich die Erfahrung der Südhunan-Variante als überzeugend genug. An diese bittere Lehre sollten wir stets denken.

Gegenwärtig befinden wir uns in einer Periode, wo das Regime der Feudalherrenklasse noch nicht gespalten ist, und die „Ausrottungs“-Truppen des Feindes, die das Grenzgebiet eingeschlossen haben, zählen immer noch über zehn Regimenter. Aber wenn es uns gelingt, auch künftig Wege zur Beschaffung von Bargeld ausfindig zu machen (Lebensmittel und Kleidung sind für uns kein brennendes Problem mehr), dann werden wir, gestützt auf die von uns im Grenzgebiet geschaffene Grundlage, imstande sein, mit diesen und sogar noch grösseren Kräften des Feindes fertig zu werden. Was das Grenzgebiet betrifft, wird es sofort erneut solchen Verwüstungen, wie sie im August waren, ausgesetzt sein, falls die Rote Armee abzieht. Wenn auch die Abteilungen der Roten Garde nicht völlig vernichtet sein werden, so würden doch die Basis der Parteiorganisationen und unsere Basis unter den Massen stark zerstört werden, und abgesehen von einigen Gebieten der selbständigen Macht in den Bergen, die verschont bleiben können, würden wir alle in den Ebenen genau so wie im August und September in die Illegalität gehen müssen. Rückt jedoch die Rote Armee nicht ab, dann kann man, gestützt auf die von uns bereits geschaffene Grundlage, allmählich das Territorium unseres Gebiets nach allen Richtungen erweitern, und die Perspektiven in dieser Hinsicht sind überaus vielversprechend. Wenn wir die Rote Armee vergrössern wollen, müssen wir in der Umgebung des Djinggang-Gebirges, nämlich in den Kreisen Ninggang, Yunghsin, Linghsiän und Suitschuan, wo wir eine Massenbasis haben, einen langwierigen Kampf gegen den Feind führen, wobei wir den Umstand ausnutzen müssen, dass die Interessen der feindlichen Kräfte Hunans und Kiangsis auseinandergehen, diese Gruppen sich daher gegen Angriffe von allen Seiten sichern müssen und ausserstande sind, ihre Kräfte zu konzentrieren. Bei Anwendung einer richtigen Taktik das heisst: wir kämpfen nur, wenn wir des Sieges sicher sind und unbedingt Gefangene und Beute machen werden, sonst lassen wir uns überhaupt auf keinen Kampf ein — können wir die Rote Armee nach und nach erweitern. Zieht man die Vorbereitungsarbeiten in Betracht, die unter den Volksmassen des Grenzgebiets in der Periode von April bis Juli getroffen wurden, so ist nicht daran zu zweifeln, dass sich die Rote Armee im August vergrössert hätte, wenn die Hauptmasse der Roten Armee nicht nach Südhunan abgerückt wäre. Trotz dieses Fehlers ist die Rote Armee wieder in das Grenzgebiet zurückgekehrt, das sowohl hinsichtlich der geographischen Bedingungen als auch der Stimmung der Massen für uns günstig ist, und unsere Perspektiven sind auch heute nicht schlecht. Nur wenn die Rote Armee sich fest für den Kampf in solchen Gebieten wie dem Grenzgebiet entschliesst und den Mut aufbringt, beharrlich langwierige Kämpfe zu führen, kann sie ihre Bewaffnung verstärken und gute Kämpfer heranbilden. Schon seit einem Jahr weht über dem Grenzgebiet die rote Fahne; sie ruft bei der Feudalherrenklasse der Provinzen Hunan, Hupeh und Kiangsi, ja sogar des ganzen Landes Hass hervor; gleichzeitig erweckt sie aber allmählich Hoffnungen bei den Arbeitern, Bauern und Soldaten in den nahegelegenen Provinzen. Nehmen wir die Soldaten als Beispiel. Da die Militärmachthaber den “Ausrottungsfeldzügen gegen Banditen” im Grenzgebiet grosse Bedeutung beimessen und solche Erklärungen abgeben wie etwa: „Wir haben für die über ein Jahr lang währenden Ausrottungsfeldzüge gegen die Banditen eine Million Yüan hinausgeworfen“ (Lu Di-ping) und „Sie sollen eine Stärke von 20‘000 Mann mit 5‘000 Gewehren haben“ (Wang Djün), wird allmählich die Aufmerksamkeit der Soldaten und der keinen Ausweg sehenden unteren Offiziere der feindlichen Truppen auf uns gelenkt, wird die Zahl jener, die freiwillig dem Feind den Rücken kehren und zu uns überlaufen, von Tag zu Tag wachsen, und das wird eine weitere Quelle für die Ergänzung der Roten Armee sein. Ferner zeugt die Tatsache, dass die rote Fahne des Grenzgebiets niemals eingezogen wurde, nicht nur von der Kraft der Kommunistischen Partei, sondern auch vom Bankrott der herrschenden Klassen, und das ist für die politische Lage im ganzen Land von grosser Bedeutung. Deshalb vertreten wir nach wie vor die Meinung, dass es absolut notwendig und absolut richtig ist, im zentralen Teil der Luohsiao-Gebirgskette die rote Macht zu schaffen und auszudehnen.

1Dieser Krieg fand im Oktober 1927 statt.

2Dieser Krieg fand im November-Dezember 1927 statt.

3Das System der Deputiertenräte der Soldaten und der Soldatenkomitees in der Roten Armee wurde später abgeschafft. Im Jahre 1947 wurde in der Volksbefreiungsarmee das System der Konferenzen der Militärangehörigen und der Soldatenkomitees neu eingeführt; sowohl die Konferenzen wie die Komitees wurden von Funktionären geleitet.

4Hier sind die Truppen gemeint, die früher unter dem Befehl der Kameraden Yä Ting und Ho Lung standen und sich am 1. August 1927 in Nantschang zum Aufstand erhoben hatten (über die Truppen Yä Tings siehe Anmerkung 14). Nach der Niederlage dieser Truppen bei ihrem Vormarsch auf Tschaodschou und Swatou zog sich ein Teil unter dem Befehl der Kameraden Tschu Teh, Lin Biao und Tschen Yi aus Kuangtung über Kiangsi nach dem Südteil von Hunan zurück, um dort den Guerillakrieg aufzunehmen. Im April 1928 trafen diese Einheiten im Djinggang-Gebirge ein und vereinigten sich mit den Einheiten des Vorsitzenden Mao Tse-tung.

5Der Kaderbestand des Wachregiments der Nationalregierung in Wutschang setzte sich in den Tagen der Revolution im Jahre 1927 in seiner Mehrheit aus Kommunisten zusammen. Nachdem Wang Djing-we und seinesgleichen die Revolution verraten hatten, verliess dieses Wachregiment Ende Juli 1927 Wutschang in der Absicht, sich mit den aufständischen Einheiten in Nantschang zu vereinigen. Als das Regiment auf halbem Weg erfuhr, dass die aufständischen Einheiten aus Nantschang nach dem Süden gezogen waren, wandte sich dieses Regiment nach dem Kreis Hsiuschui, wo es sich mit den Bauernabteilungen aus den Kreisen Pingdjiang und Liuyang vereinigte.

6Im Frühjahr 1927 hatten sich im Gebiet der Kreise Pingdjiang und Liuyang in der Provinz Hunan ziemlich starke bewaffnete Bauernabteilungen gebildet. Am 21. Mai 1927 entfesselte Hsü Kö-hsiang den konterrevolutionären Handstreich in Tschangscha (Ereignisse des 21. Mai) und richtete ein Blutbad unter den revolutionären Massen an. Am 31. Mai traten die Bauernabteilungen aus dem Gebiet der Kreise Pingdjiang und Liuyang den Vormarsch gegen Tschangscha an, um den Konterrevolutionären eine Abfuhr zu erteilen, aber ihr Vormarsch wurde von dem Opportunisten Tschen Du-hsiu aufgehalten, und sie kehrten um. Aus einem Teil der Bauernabteilungen wurde kurz darauf ein selbständiges Regiment gebildet, das den Guerillakrieg aufnahm. Nach dem Nantschang-Aufstand am 1. August vereinigten sich die Bauernabteilungen aus Pingdjiang und Liuyang im Gebiet der Kreise Hsiuschui, Tunggu, Pingdjiang und Liuyang mit dem ehemaligen Wachregiment der Nationalregierung in Wutschang und führten gemeinsam mit den bewaffneten Bergarbeitern der Pinghsianger Kohlengruben den Herbsternte-Aufstand durch. Im Oktober trafen diese Abteilungen der Aufständischen unter dem Befehl des Vorsitzenden Mao Tse-tung im Djinggang-Gebirge ein.

7Anfang 1928, als Kamerad Tschu Teh die revolutionären Guerillaaktionen in Südhunan leitete, wurden in den Kreisen Yidschang, Tschendschou, Leyang, Yunghsing und Dsihsing, wo die Bauernbewegung bereits eine Grundlage hatte, Bauernabteilungen aufgestellt. Später trafen diese Bauernabteilungen unter dem Befehl des Kameraden Tschu Teh im Djinggang-Gebirge ein und vereinigten sich mit den Einheiten des Vorsitzenden Mao Tse-tung.

8Schuikouschan — im Kreis Tschangning in der Provinz Hunan, wichtig wegen der Bleierzvorkommen. Die Bergarbeiter von Schuikouschan hatten bereits im Jahre 1922 unter Führung der Kommunistischen Partei eine Gewerkschaft gegründet und führten einige Jahre lang den Kampf gegen die Konterrevolution. Nach dem Herbsternte-Aufstand von 1927 traten viele Bergarbeiter in die Rote Armee ein.

9Die Kohlengruben von Anyüan im Kreis Pinghsiang, Provinz Kiangsi, gehörten zum Hüttenkombinat von Hanyäping. In dieser Periode arbeiteten in Anyüan 12‘000 Bergarbeiter. Seit 1921 schickte das Hunaner Provinzkomitee der Kommunistischen Partei Chinas zur Arbeit unter den Bergarbeitern Kameraden nach Anyüan, die dort eine Partei- und eine Gewerkschaftsorganisation gründeten.

10Seit 1929 wurden die Parteivertreter in der Roten Armee als Politkommissare bezeichnet, während im Jahre 1931 die Politkommissare der Kompanien in Politleiter umbenannt wurden.

11Die Methode, für den Unterhalt der Truppen durch Geldstrafen „Geld aus den Tuhao herauszupressen“, konnte das Problem nur vorübergehend und teilweise lösen. Als die Armee grösser wurde und das Territorium sich erweiterte, wurde es notwendig und auch möglich, zur Methode der Steuereinziehung überzugehen, um Mittel für den Unterhalt der Armee zu erhalten.

12Eine solche Regelung bestand in der Roten Armee sehr lange und war damals notwendig; später wurden geringe Unterschiede entsprechend der Dienststellung eingeführt.

13Der Vorsitzende Mao Tse-tung betont hier besonders die Notwendigkeit des demokratischen Lebens in einem bestimmten Umfang innerhalb der revolutionären Truppen, da es in der Anfangsperiode der Schaffung der Roten Armee ohne eine beharrliche Durchsetzung der demokratischen Prinzipien unmöglich gewesen wäre, die revolutionäre Aktivität der neu in die Armee eingetretenen Bauern und gefangengenommenen Soldaten der weissen Armee zu heben; es wäre unmöglich gewesen, die von den reaktionären Truppen in die Reihen unseres Kaderbestands hineingetragenen Manieren des Militärmachthabertums auszurotten. Natürlich ist das demokratische Leben in den Truppen nur im Rahmen der militärischen Disziplin annehmbar und soll darauf gerichtet sein, die Disziplin zu festigen, nicht aber sie zu schwächen; deshalb muss man bei der Förderung der notwendigen Demokratie in den Truppen zugleich den Kampf gegen die Disziplinlosigkeit führen, die aus der Tendenz zur extremen Demokratisierung stammt. Diese Erscheinungen stellten in der Anfangsperiode zeitweilig ein ernstes Problem für die Rote Armee dar. Siehe die Arbeit des Vorsitzenden Mao Tse-tung „Über die Berichtigung falscher Ansichten in der Partei“ (vorliegender Band, S. 119 ff.), in der sein Kampf gegen die extreme Demokratisierung in der Armee zum Ausdruck kommt.

14Die Einheiten des Kameraden Yä Ting, die in der Periode des Nordfeldzugs im Jahre 1926 ein selbständiges Regiment bildeten, dessen Kern aus Kommunisten bestand, machten sich in den Schlachten des Nordfeldzugs einen Namen. Nach der Einnahme Wutschangs durch die Revolutionäre Armee wurde das Regiment zur 24. Division und nach dem Nantschang-Aufstand zum 11. Korps erweitert.

15Faktisch hat es sich als angemessen erwiesen, wenn in der Roten Armee etwa ein Drittel des gesamten Armeebestands aus Parteimitgliedern besteht; später ist es in der Roten Armee und in der Volksbefreiungsarmee im grossen und ganzen bei diesem Verhältnis geblieben.

16Am 21. Mai 1927 unternahmen die konterrevolutionären Hunaner Kuomintang Kommandeure Hsü Kö-hsiang, Ho Djiän und andere auf Betreiben Tschiang Kai-scheks und Wang Djing-wes in der Stadt Tschangscha einen Überfall auf den Hunaner Provinzrat der Gewerkschaften, das Provinzkomitee der Bauernvereinigungen und auf alle anderen revolutionären Organisationen, wobei sie unter den Kommunisten und den revolutionären Massen der Arbeiter und Bauern Verhaftungen vornahmen und ein Blutbad anrichteten. Diese Ereignisse, die als Ereignisse des 21. Mai bekannt sind, waren das Signal zum offenen Paktieren der von Wang Djing-we geführten Kuomintang-Konterrevolutionäre in Wuhan mit den Konterrevolutionären in Nanking, an deren Spitze Tschiang Kai-schek stand.

17Gemeint ist eine der Bestimmungen des Bodengesetzes, das im Grenzgebiet Hunan-Kiangsi im Jahre 1928 ausgearbeitet wurde. Der Vorsitzende Mao Tse-tung wies später darauf hin, dass die Beschlagnahme des gesamten Bodens und nicht nur des Bodens der Grundherren ein Fehler war, der sich aus dem damaligen Mangel an Erfahrungen im Kampf um Boden erklärte. Im April 1924 wurde in dem Bodengesetz des Kreises Hsingguo die Formulierung „Beschlagnahme des gesamten Grund und Bodens“ durch die Formulierung ersetzt: „Beschlagnahme des öffentlichen Grund und Bodens sowie des Grund und Bodens der Grundherren“.

18In Anbetracht der Wichtigkeit, die Zwischenklassen des Dorfes zu gewinnen, korrigierte der Vorsitzende Mao Tse-tung bald die falsche Politik, wonach den Zwischenklassen allzu schwere Schläge versetzt worden waren. Die Einstellung des Vorsitzenden Mao Tse-tung zur Politik gegenüber den Zwischenklassen ist — abgesehen vom vorliegenden Artikel — ersichtlich aus seinem Antrag an den im November 1928 durchgeführten 4. Parteitag des 4. Korps der Roten Armee (in dem es solche Punkte gab wie „Verbot sinnloser Brandstiftungen und Tötungen“, „Schutz der Interessen der mittleren und kleinen Händler“ usw.), aus der Bekanntmachung des 4. Korps der Roten Armee im Januar 1929 (in der es unter anderem hiess: „Die städtischen Kaufleute, die nach und nach einiges Vermögen angehäuft haben, dürfen ihren Geschäften nachgehen, solange sie uns gehorchen“), sowie aus dem Bodengesetz des Kreises Hsingguo vom April 1929 (siehe Anmerkung 17), usw.

19Mit der Entwicklung des revolutionären Krieges und mit der Erweiterung der Stützpunktgebiete sowie durch die Politik der revolutionären Regierung zum Schutz von Industrie und Handel war es möglich, die geschilderte Lage zu ändern, und sie wurde dann auch geändert. Das Entscheidende war hier der entschlossene Schutz der nationalen Industrie und des nationalen Handels, der Kampf gegen linksradikale Richtlinien.

20Die Methode der Bodenverteilung nach dem Prinzip der Arbeitsfähigkeit war unangebracht. Faktisch bestand auf dem Territorium der roten Gebiete lange Zeit das Prinzip der ausgleichenden Pro-Kopf-Verteilung des Bodens.

21Befriedungskorps — örtliche konterrevolutionäre bewaffnete Kräfte.

iLi (Längenmass) = 0,5 km