Mao Tse-tung: “Der Platz der Kommunistischen Partei Chinas im nationalen Krieg”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

DER PLATZ DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS IM NATIONALEN KRIEG

Mao Tse-tung
Oktober 1938

Ausgewählte Werke
Band 2
Reproduziert von
„Die Rote Fahne“

DER PLATZ DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS IM NATIONALEN KRIEG

Referat des Vorsitzenden Mao Tse-tung auf dem 6. Plenum des auf dem 6. Parteitag gewählten Zentralkomitees. Dieses Plenum billigte die Linie des von Vorsitzenden Mao Tse-tung geführten Politbüros des Zentralkomitees der Partei und war ein Plenum von grosser Bedeutung. Vorsitzender Mao Tse-tung stellte in seinem Referat die Frage nach dem „Platz der Kommunistischen Partei Chinas im nationalen Krieg“, damit alle Parteimitglieder die grosse historische Verantwortung unserer Partei als Führerin im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression klar verstünden und gewissenhaft trügen. Das Plenum legte die Linie fest, auf der antijapanischen Einheitsfront zu beharren, wies zugleich darauf hin, dass es in der Einheitsfront sowohl Zusammenschluss als auch Kampf gebe und die Formel „Alles durch die Einheitsfront“ den Verhältnissen in China nicht entspreche, womit der Fehler des Nachgebens in der Frage der Einheitsfront kritisiert wurde; diesem Problem war auch der „Die Frage der Unabhängigkeit und Selbständigkeit in der Einheitsfront“ betitelte Teil des Schlusswortes von Vorsitzenden Mao Tse-tung gewidmet. Gleichzeitig betonte das Plenum, es sei von ausserordentlicher Bedeutung, dass sich die ganze Partei mit der Organisierung des bewaffneten Volkswiderstands gegen die japanischen Aggressoren befasse; es legte als das Haupttätigkeitsgebiet der Partei die Frontgebiete und das feindliche Hinterland fest und kritisierte die falschen Ansichten jener, die alle ihre Hoffnungen auf den Sieg über die japanischen Eindringlinge an die Kuomintang-Truppen knüpften und die Geschicke des Volkes den legalen Bewegungen unter der reaktionären Kuomintang-Herrschaft anvertrauen wollten; diesem Problem widmete Vorsitzender Mao Tse-tung jenen Abschnitt seines Schlusswortes, der die Überschrift „Probleme des Krieges und der Strategie“ trägt.

Kameraden! Eine strahlende Zukunft liegt vor uns; wir müssen den japanischen Imperialismus besiegen, wir müssen ein neues China aufbauen, und wir werden diese Ziele ganz gewiss erreichen. Doch zwischen der Gegenwart und jener strahlenden Zukunft liegt ein Weg voller Schwierigkeiten. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) und das ganze chinesische Volk müssen in ihrem Ringen um ein lichtvolles China einen planmässigen Kampf gegen die japanischen Eindringlinge führen; und diese können erst nach einem langwierigen Krieg besiegt werden. Über die mannigfaltigen Probleme dieses Krieges haben wir bereits recht viel gesprochen. Wir haben die seit Beginn des Widerstandskriegs gemachten Erfahrungen zusammengefasst; wir haben eine Einschätzung der gegenwärtigen Lage gegeben; wir haben die dringenden Aufgaben, vor denen die ganze Nation steht, formuliert; wir haben klargestellt, warum man mit Hilfe einer dauerhaften antijapanischen nationalen Einheitsfront einen langwierigen Krieg durchhalten muss, und erklärt, wie dies zu geschehen hat; und wir haben auch die internationale Situation analysiert. Welche Fragen sind also noch offen geblieben? Es gibt da noch eine Frage, Kameraden, nämlich: Welchen Platz nimmt die KPCh im nationalen Krieg ein, oder wie sollen die Kommunisten ihre Rolle auffassen, ihre Kräfte stärken und ihre Reihen zusammenschliessen, um diesen Krieg zum Sieg führen zu können, nicht aber zu einer Niederlage?

1. PATRIOTISMUS UND INTERNATIONALISMUS

Kann ein Kommunist als Internationalist gleichzeitig auch ein Patriot sein? Wir sind der Meinung, dass er das nicht nur kann, sondern auch muss. Der konkrete Inhalt des Patriotismus wird durch die historischen Bedingungen bestimmt. Es gibt einen „Patriotismus“ der japanischen Aggressoren und Hitlers, und es gibt unseren Patriotismus. Den sogenannten „Patriotismus“ der japanischen Aggressoren und Hitlers müssen die Kommunisten entschieden bekämpfen. Die japanischen und die deutschen Kommunisten sind hinsichtlich der Kriege, die ihre Länder führen, Defätisten. Es liegt im Interesse sowohl des japanischen wie des deutschen Volkes, mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, dass die Kriege der japanischen Aggressoren und Hitlers mit einer Niederlage enden, und je gründlicher deren Niederlage sein wird, desto besser. In dieser Richtung müssen die Kommunisten Japans und Deutschlands arbeiten, und gerade das tun sie auch. Denn die von den japanischen Aggressoren und Hitler geführten Kriege sind unheilvoll nicht nur für die Völker der Welt, sondern auch für die Völker Japans und Deutschlands. China befindet sich in einer anderen Lage, denn es ist Opfer einer Aggression. Deshalb müssen die chinesischen Kommunisten den Patriotismus mit dem Internationalismus verbinden. Wir sind Internationalisten, und wir sind auch Patrioten; unsere Losung lautet: Kampf zur Verteidigung des Vaterlands gegen die Aggressoren! Für uns ist Defätismus ein Verbrechen, die Erringung des Sieges im Widerstandskrieg aber eine unabweisliche Pflicht. Denn nur durch den Kampf zur Verteidigung des Vaterlands können wir die Aggressoren besiegen und die nationale Befreiung erreichen. Und nur wenn die Nation befreit ist, kann die Befreiung des Proletariats, des ganzen werktätigen Volkes herbeigeführt werden. Der Sieg Chinas und die Zerschlagung der Imperialisten, die China überfallen haben, werden auch eine Hilfe für die Völker der anderen Länder sein. Deshalb ist der Patriotismus die Verwirklichung des Internationalismus im nationalen Befreiungskrieg. Das ist der Grund, warum jeder Kommunist höchste Aktivität entfalten, tapfer und entschlossen auf das Schlachtfeld des nationalen Befreiungskriegs ziehen und das Gewehr auf die japanischen Aggressoren anlegen muss. Das ist der Grund, warum unsere Partei gleich nach den Ereignissen des 18. September aufgerufen hat, mit einem nationalen Selbstschutz-Krieg den japanischen Aggressoren Widerstand entgegenzusetzen, warum sie später die Bildung einer antijapanischen nationalen Einheitsfront vorgeschlagen hat, warum sie der Roten Armee befohlen hat, sich zur antijapanischen Nationalrevolutionären Armee zu reorganisieren und an die Front zu marschieren, warum sie ihre Mitglieder angewiesen hat, ihren Platz in den vordersten Linien des Widerstandskriegs gegen Japan einzunehmen, um das Vaterland bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Alle diese patriotischen Handlungen sind richtig und stellen, weit davon entfernt, dem Internationalismus auch nur im mindesten zuwiderzulaufen, gerade seine Verwirklichung in China dar. Nur politische Wirrköpfe oder Leute, die Hintergedanken haben, können davon schwatzen, dass wir falsch gehandelt und den Internationalismus preisgegeben hätten.

2. DIE ROLLE DER KOMMUNISTEN ALS VORBILD IM NATIONALEN KRIEG

Aus den dargelegten Gründen müssen die Kommunisten im nationalen Krieg ihre hohe Aktivität bekunden; sie müssen das konkret auf allen Gebieten tun, das heisst, sie müssen in jeder Hinsicht ihre Rolle als Vorhut und Vorbild zur Geltung bringen. Unser Krieg verläuft unter schwierigen Umständen. Die breiten Volksmassen haben noch nicht genug Nationalbewusstsein, nicht genug nationale Selbstachtung und nationales Selbstvertrauen; sie sind in ihrer grossen Mehrheit unorganisiert; unsere militärischen Kräfte sind nicht stark, unsere Wirtschaft ist rückständig, unsere politische Ordnung ist undemokratisch; im Land existieren Fäulniserscheinungen und pessimistische Stimmungen; innerhalb der Einheitsfront mangelt es an Geschlossenheit und Festigkeit. Das alles und noch anderes ergeben diese schwierigen Umstände. Infolgedessen müssen die Kommunisten bewusst die schwere Verantwortung auf sich nehmen, das ganze Volk zur Überwindung der verschiedenen Übelstände zusammenzuschliessen. Hierbei ist die Rolle der Kommunisten als Vorhut und Vorbild von grösster Bedeutung. Die Kommunisten in der 8. Route-Armee und in der Neuen 4. Armee müssen ein Vorbild an Tapferkeit im Kampf und ein Vorbild bei der Ausführung der Befehle sein, sie müssen vorbildlich Disziplin halten und politische Arbeit leisten, und sie müssen auch bei der Wahrung der inneren Einheit und Geschlossenheit als Vorbild dienen. Wenn sie mit den befreundeten Parteien und Armeen in Berührung kommen, müssen sie auf dem Standpunkt des Zusammenschlusses zum Widerstand gegen Japan beharren, an dem Programm der Einheitsfront festhalten und als Vorbild dienen bei der Durchführung der vom Widerstandskrieg gestellten Aufgaben; sie müssen ihr Wort halten, und ihre Taten müssen entschlossen sein; sie müssen frei von Hochmut sein, offenherzig und geradsinnig mit den befreundeten Parteien und Armeen beratschlagen und zusammenarbeiten und als Vorbild dienen in den gegenseitigen Beziehungen zwischen den in der Einheitsfront zusammengeschlossenen Parteien. Ein in Regierungsdiensten stehender Kommunist muss ein Vorbild an absoluter Integrität sein, muss darin, dass es keine Vetternwirtschaft betreibt, hart arbeitet, aber ein geringes Entgelt bezieht, als Vorbild dienen. Ein in den Massenbewegungen tätiger Kommunist muss ein Freund der Volksmassen sein und darf sich nicht als ihr Vorgesetzter aufspielen; er muss als ihr unermüdlicher Lehrer auftreten, nicht aber als bürokratischer Politiker. Niemals und nirgends darf ein Kommunist seine persönlichen Interessen an die erste Stelle setzen; er muss sie den Interessen der Nation und der Volksmassen unterordnen. Deshalb sind Selbstsucht, Passivität und Lässigkeit, Bestechlichkeit, Geltungsdrang usw. höchst verächtlich; dagegen sind Selbstlosigkeit, Aktivität und Eifer, Selbstaufopferung für das Gemeinwohl und zähe, harte Arbeit achtunggebietend. Die Kommunisten müssen sich gemeinsam mit allen nicht der Partei angehörenden fortschrittlichen Menschen einträchtig darum bemühen, dass sich das ganze Volk zur Überwindung der verschiedenen Übelstände zusammenschliesst. Man muss begreifen, dass die Kommunisten nur einen kleinen Teil der Nation bilden und dass es ausserhalb der Partei breite Kreise von fortschrittlichen Menschen und Aktivisten gibt, mit denen wir zusammenarbeiten müssen. Es wäre grundfalsch zu glauben, dass nur wir allein zu etwas gut wären, alle anderen aber zu nichts taugten. Die Kommunisten dürfen rückständige Menschen nicht geringschätzig oder verächtlich behandeln, sie müssen sich vielmehr ihnen annähern und sich mit ihnen zusammenschliessen, sie überzeugen und sie ermutigen, vorwärtszuschreiten. Die Kommunisten dürfen jene Menschen, die in ihrer Arbeit Fehler begangen haben — mit Ausnahme unverbesserlicher Elemente — nicht von sich stossen, sondern sie müssen durch Überzeugung auf sie einwirken, damit sie sich von Grund auf zum Besseren wandeln, das Alte ablegen und von neuem beginnen. Der Kommunist muss ein Vorbild sowohl an Realitätssinn wie an Weitblick sein. Denn nur wenn man die Wahrheit in den Tatsachen sucht, kann man die gestellten Aufgaben lösen; und nur wenn man weit vorausschauen kann, verliert man beim Vorwärtsschreiten nicht die Orientierung. Deshalb müssen die Kommunisten auch beim Lernen ein Vorbild sein; sie sollten zu jeder Zeit sowohl die Lehrer der Massen als auch ihre Schüler sein. Nur wenn man von den Massen, aus den aktuellen Umständen und bei den befreundeten Parteien und Armeen lernt und sie gut kennt, kann man Realitätssinn in der Arbeit und Weitblick für die Zukunft bekunden. In einem langwierigen Krieg und unter schwierigen Umständen können nur dann, wenn die Kommunisten mit den befreundeten Parteien und Armeen sowie mit allen fortschrittlichen Menschen unter den Volksmassen zusammenarbeiten und ihre Rolle als Vorhut und Vorbild in höchstem Masse zur Geltung bringen, alle lebendigen Kräfte der Nation zum Kampf für die Überwindung der Schwierigkeiten, für den Sieg über den Feind und für den Aufbau eines neuen China mobilisiert werden.

3. DIE GANZE NATION ZUSAMMENSCHLIESSEN UND GEGEN DIE FEINDLICHEN AGENTEN IN IHRER MITTE KÄMPFEN

Um die Schwierigkeiten zu überwinden, den Feind zu besiegen und ein neues China aufzubauen, gibt es nur einen einzigen Weg: Festigung und Erweiterung der antijapanischen nationalen Einheitsfront und Mobilisierung aller lebendigen Kräfte der Nation. In den Reihen unserer nationalen Einheitsfront gibt es jedoch bereits feindliche Agenten, die eine Wühltätigkeit betreiben, nämlich Landesverräter, Trotzkisten und projapanische Elemente. Die Kommunisten müssen vor diesen Agenten stets auf der Hut sein, mit authentischen Beweisen ihre Verbrechen entlarven und das Volk davor warnen, ihnen auf den Leim zu gehen. Die Kommunisten müssen ihre politische Wachsamkeit gegenüber den feindlichen Agenten innerhalb der Nation erhöhen. Die Kommunisten müssen verstehen, dass die Erweiterung und Festigung der nationalen Einheitsfront untrennbar mit der Entlarvung und Liquidierung der Agenten verbunden ist. Es wäre völlig falsch, nur auf die eine Seite zu achten, die andere aber zu vergessen.

4. DIE REIHEN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI ERWEITERN UND DAS EINDRINGEN FEINDLICHER AGENTEN VERHINDERN

Um die Schwierigkeiten zu überwinden, den Feind zu besiegen und ein neues China aufzubauen, muss sich die Kommunistische Partei organisatorisch stärken, muss sie allen jenen unter den breiten Massen der Arbeiter, der Bauern und der Jugendaktivisten, die wahrhaft revolutionär sind, an die Lehren der Partei glauben, ihre Politik unterstützen und willens sind, die Parteidisziplin einzuhalten und eifrig mitzuarbeiten, ihre Tore öffnen und damit zu einer grossen Massenpartei werden. Hierbei kann eine Tendenz zur Politik der verschlossenen Tür nicht zugelassen werden. Gleichzeitig aber darf die Wachsamkeit gegenüber dem Eindringen feindlicher Agenten keineswegs fehlen. Der Geheimdienst des japanischen Imperialismus versucht stets, unsere Partei zu unterwühlen und versteckte Landesverräter, Trotzkisten, projapanische Elemente, korrumpierte Leute und Karrieristen unter der Maske von Aktivisten in die Partei einzuschleusen. Solchen Elementen gegenüber dürfen wir nicht einen Augenblick lang in unserer Wachsamkeit nachlassen und die gebotenen Vorsichtsmassregeln lockern. Wir dürfen nicht aus Furcht vor feindlichen Agenten die Tore unserer Partei verschliessen; die Reihen unserer Partei kühn zu erweitern, das ist unsere festgelegte Linie. Wir dürfen aber bei der kühnen Erweiterung unserer Reihen auch nicht Sorglosigkeit an den Tag legen und feindlichen Agenten sowie Karrieristen Gelegenheit geben, in die Parteireihen einzudringen. Wenn man nur auf die eine Seite achtet, die andere aber vergisst, wird man Fehler begehen. Die richtige Politik kann nur lauten: „Die Reihen der Partei kühn erweitern, aber kein einziges schlechtes Element in sie eindringen lassen!“

5. SOWOHL AUF DER EINHEITSFRONT ALS AUCH AUF DER UNABHÄNGIGKEIT DER PARTEI BEHARREN

Dass man nur durch das Festhalten an der nationalen Einheitsfront die Schwierigkeiten überwinden, den Feind besiegen und ein neues China aufbauen kann, steht ausser jedem Zweifel. Gleichzeitig muss jedoch die Unabhängigkeit aller in der Einheitsfront zusammengefassten Parteien und Gruppen auf ideologischem, politischem und organisatorischem Gebiet gewahrt bleiben; das gilt in gleichem Masse sowohl für die Kuomintang als auch für die Kommunistische Partei oder eine beliebige andere Partei bzw. Gruppe. Das Prinzip der Demokratie — eines der Drei Volksprinzipien — besagt hinsichtlich der Parteien und Gruppen, dass diese Bündnisse untereinander eingehen, aber dabei auch unabhängig voneinander existieren dürfen. Nur von der Einheit reden und die Unabhängigkeit verneinen heisst sich von dem Prinzip der Demokratie lossagen, womit weder unsere Kommunistische Partei noch irgendeine andere Partei einverstanden sein kann. Es ist gar keine Frage, dass die Unabhängigkeit innerhalb der Einheitsfront nur eine relative und nicht eine absolute sein kann; wenn man sie als absolut betrachtet, so kann das dem allgemeinen Kurs auf den Zusammenschluss gegen den Feind Abbruch tun. Diese relative Unabhängigkeit darf man jedoch keineswegs verleugnen, und jede Partei muss — sei es in ideologischer, sei es in politischer, sei es in organisatorischer Hinsicht — ihre relative Unabhängigkeit, d. h. das Recht auf relative Freiheit besitzen. Wird dieses Recht verweigert, oder verzichtet man freiwillig auf es, dann kann das ebenfalls dem allgemeinen Kurs auf den Zusammenschluss gegen den Feind Abbruch tun. Das muss jeder Kommunist und ebenso auch jedes Mitglied einer befreundeten Partei verstehen.

Das gleiche gilt für die Beziehungen zwischen Klassenkampf und nationalem Kampf. Es ist ein festgelegter Grundsatz, dass im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression alles den Interessen des Krieges untergeordnet sein muss. Deswegen müssen die Interessen des Klassenkampfes den Interessen des Widerstandskriegs untergeordnet sein, dürfen ihnen nicht widersprechen. Doch die Existenz der Klassen und des Klassenkampfes ist eine Tatsache; manche bestreiten diese Tatsache, leugnen die Existenz des Klassenkampfes, und das ist falsch. Die Theorien, die das Bestehen des Klassenkampfes abzustreiten versuchen, sind grundfalsch. Wir leugnen nicht den Klassenkampf, sondern regulieren ihn. Die Politik der gegenseitigen Hilfe und der gegenseitigen Zugeständnisse, für die wir eintreten, ist nicht nur auf die Parteienbeziehungen, sondern auch auf die Klassenbeziehungen anwendbar. Im Interesse des Zusammenschlusses zum Widerstand gegen Japan muss man eine geeignete Politik durchführen, bei der die Wechselbeziehungen zwischen den Klassen so reguliert werden, dass einerseits die breiten Massen der Werktätigen in politischer und materieller Hinsicht nicht schutzlos sind und andererseits auch die Interessen der Reichen Berücksichtigung finden; auf diese Weise wird man der Forderung nach Zusammenschluss gegen den Feind gerecht. Wenn man nur die eine Seite berücksichtigt, die andere Seite aber ausser acht lässt, schadet man dem Widerstandskampf.

6. DAS GANZE IM AUGE BEHALTEN, AUF DIE MEHRHEIT RÜCKSICHT NEHMEN UND MIT DEN VERBÜNDETEN ZUSAMMENARBEITEN

Bei der Führung der Volksmassen im Kampf gegen den Feind müssen die Kommunisten das Ganze im Auge behalten, auf die Mehrheit Rücksicht nehmen und mit den Verbündeten zusammenarbeiten. Die Kommunisten müssen das Prinzip begreifen, dass die Erfordernisse eines Teils den Erfordernissen des Ganzen unterzuordnen sind. Wenn irgendein Vorschlag vom Standpunkt eines Teils ausführbar, aber vom Standpunkt des Ganzen unausführbar ist, muss sich der Teil dem Ganzen fügen. Ebenso verhält es sich im umgekehrten Fall: Wenn er für den Teil unausführbar, für das Ganze aber ausführbar ist, auch da muss sich der Teil dem Ganzen fügen. Das bedeutet, das Ganze im Auge zu behalten. Die Kommunisten dürfen sich niemals von der Mehrheit der Volksmassen loslösen, sie dürfen niemals vorschnell eine fortgeschrittene Minderheit abgesondert vorwärtsführen, ohne auf den Zustand der Mehrheit Rücksicht zu nehmen; sie müssen vielmehr dafür sorgen, dass zwischen den fortgeschrittenen Menschen und den breiten Massen eine enge Verbindung hergestellt wird. Das eben heisst auf die Mehrheit Rücksicht nehmen. Wo immer es demokratische Parteien oder demokratisch eingestellte Persönlichkeiten gibt, die zur Zusammenarbeit mit uns bereit sind, müssen die Kommunisten mit ihnen Rat pflegen und zusammenarbeiten. Es wäre falsch, nur nach eigenem Ermessen zu handeln, ohne die Verbündeten in Betracht zu ziehen. Ein guter Kommunist muss es verstehen, das Ganze im Auge zu behalten, auf die Mehrheit Rücksicht zu nehmen und mit den Verbündeten zusammenzuarbeiten. In dieser Hinsicht gab es bei uns in der Vergangenheit sehr grosse Mängel, und wir müssen darauf achten, dass wir es jetzt besser machen.

7. DIE KADERPOLITIK

Die KPCh ist eine Partei, die inmitten einer grossen, Hunderte Millionen zählenden Nation die Führung in einem grossen revolutionären Kampf innehat; sie kann ihre historische Aufgabe nicht erfüllen, wenn sie nicht über eine grosse Zahl sowohl fachlich wie politisch qualifizierter führender Kader verfügt. In den letzten 17 Jahren hat unsere Partei nicht wenig führende Kräfte herangebildet, und auf militärischem, politischem und kulturellem Gebiet sowie in den Parteiangelegenheiten und Massenbewegungen haben wir bereits einen Stamm von Funktionären, was nicht nur der Partei, sondern auch der ganzen Nation zur Ehre gereicht. Aber dieses Kadergerüst, das uns jetzt zur Verfügung steht, reicht noch nicht aus, um das gewaltige Gebäude unseres Kampfes zu tragen, und wir müssen noch in breitem Umfang neue Kader heranbilden. Aus dem grossen Kampf des chinesischen Volkes sind bereits zahlreiche Aktivisten hervorgegangen und werden weitere hervorgehen; es ist unsere Pflicht, sie zu organisieren, zu schulen, zu umsorgen und zweckdienlich einzusetzen. Nachdem die politische Linie festgelegt worden ist, werden die Kader zum entscheidenden Faktor.1 Deshalb ist die planmässige Heranbildung zahlreicher neuer Kader unsere Kampfaufgabe.

Nicht nur um die Kader, die Parteimitglieder sind, sondern auch um die nicht der Partei angehörenden Kader muss man sich kümmern. Ausserhalb der Partei gibt es viele fähige Leute, und die Kommunistische Partei darf sie nicht ignorieren. Jeder Kommunist hat die Pflicht, die hochmütigen Allüren einer Exklusivität abzulegen, die Fähigkeit zur guten Zusammenarbeit mit den Kadern, die nicht der Partei angehören, zu entwickeln, ihnen aufrichtig an die Hand zu gehen, ein herzliches Kameradschaftsverhältnis zu ihnen zu pflegen und ihre Aktivität auf die grosse Sache des Widerstandskriegs und des Aufbaus des Landes zu lenken.

Man muss die Kader einzuschätzen verstehen. Ein Funktionär darf nicht nur danach beurteilt werden, was er zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einer bestimmten Angelegenheit getan hat, sondern man muss auch seine ganze Vergangenheit, seine gesamte Tätigkeit prüfen. Das ist die Hauptmethode bei der Beurteilung eines Funktionärs.

Man muss die Kader einzusetzen verstehen. Die Pflichten des Leiters laufen in der Hauptsache auf zwei Aufgaben hinaus: Ideen zu entwickeln und die Kader einzusetzen. Zum Begriff „Ideen entwickeln“ gehören die Ausarbeitung von Plänen und Resolutionen, die Erteilung von Anordnungen und Hinweisen u. a. Um dies alles in die Tat umzusetzen, muss man die Kader zusammenschliessen und sie zur Durchführung der Arbeit in Bewegung bringen; das gehört zum Begriff „Kader einsetzen“. In der Frage des Kadereinsatzes gab es in der Geschichte unserer Nation seit jeher zwei einander entgegengesetzte Linien: „Betraue den Geeigneten“ lautet die eine, „Betraue den Günstling“ die zweite. Die erstere ist eine ehrliche und die letztere eine unehrliche Linie. In der Kaderpolitik der Kommunistischen Partei müssen folgende Kriterien gelten: entschlossene Durchführung der Parteilinie, Einhaltung der Parteidisziplin, enge Verbundenheit mit den Massen, Fähigkeit zu selbständiger Arbeit, Arbeitseifer und Uneigennützigkeit; das eben ist die Linie „Betraue den Geeigneten“. Im Gegensatz dazu stand die Kaderpolitik Dschang Guo-taos. Indem er sich an die Linie „Betraue den Günstling“ hielt, sammelte er seine persönlichen Favoriten um sich und organisierte ein Fraktionsgrüppchen; am Ende gar verriet er die Partei und lief zum Feind über. Das ist eine grosse Lehre für uns. In Anbetracht dieser Lehre und ähnlicher historischer Lehren ist es eine ernste Pflicht des Zentralkomitees und der leitenden Kameraden auf allen Ebenen, in der Frage der Kaderpolitik einen ehrlichen und gerechten Stil zu pflegen und ein unehrliches und ungerechtes Verhalten zu bekämpfen, damit die Einheit und Geschlossenheit der Partei gefestigt wird.

Man muss die Kader zu umsorgen verstehen. Die Sorge um die Kader umschliesst folgende Massregeln: Erstens, sie anleiten. Das heisst, man lässt ihnen freie Hand bei ihrer Arbeit, damit sie Mut zur Verantwortung haben; zugleich aber gibt man ihnen rechtzeitig Hinweise, damit sie, geleitet von der politischen Linie der Partei, ihre schöpferischen Fähigkeiten entfalten können. Zweitens, ihr Niveau heben. Das heisst, man gibt ihnen die Möglichkeit zu lernen und erzieht sie, damit sie ihr theoretisches Wissen vermehren und ihre Leistungsfähigkeit steigern. Drittens, man kontrolliert ihre Arbeit und hilft ihnen ihre Erfahrungen zusammenfassen, ihre Erfolge vergrössern und ihre Fehler korrigieren. Wenn man einen Auftrag erteilt, dessen Durchführung aber nicht kontrolliert, sondern erst dann aufmerksam wird, wenn ernste Fehler begangen worden sind, so ist das keine richtige Massnahme der Sorge für die Kader. Viertens, man muss jenen Funktionären gegenüber, die Fehler begangen haben, in der Regel die Methode der Überzeugung anwenden und ihnen bei der Korrektur der Fehler helfen. Die Methode des Kampfes ist nur gegenüber Leuten anzuwenden, die ernste Fehler begangen haben und sich nicht anleiten lassen wollen. Hier ist Geduld nötig; es wäre falsch, Menschen leichthin als „Opportunisten“ abzustempeln und unbesonnen die Methode der „Kampfentfaltung“ anzuwenden. Fünftens, man kümmert sich fürsorglich um ihre Nöte. Wenn ein Funktionär erkrankt, oder wenn er materielle Sorgen, familiäre Probleme oder andere Schwierigkeiten hat, muss man ihm im Rahmen des Möglichen aufmerksame Fürsorge angedeihen lassen. Das sind die Massnahmen der Sorge für die Kader.

8. DIE PARTEIDISZIPLIN

In Anbetracht der schweren Verstösse gegen die Parteidisziplin, die sich Dschang Guo-tao zuschulden kommen liess, müssen wir die Regeln der Parteidisziplin erneut bekräftigen:

1. Unterordnung des Einzelnen unter die Organisation;

2. Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit;

3. Unterordnung der unteren Instanzen unter die oberen;

4. Unterordnung der gesamten Partei unter das Zentralkomitee.

Wer gegen diese Regeln verstösst, der untergräbt die Einheit der Partei. Die Erfahrung lehrt: Manche Personen verstossen gegen die Disziplin, weil sie nicht wissen, was Parteidisziplin heisst, während andere, wie z. B. Dschang Guo-tao, vorsätzlich die Disziplin brechen und die Unwissenheit vieler Mitglieder für ihre bösen Absichten ausnutzen. Deshalb muss man die Parteimitglieder zur Parteidisziplin erziehen, damit die einfachen Mitglieder Disziplin halten und ferner darüber wachen können, dass die führenden Persönlichkeiten der Partei ebenfalls Disziplin halten, und so wird verhütet werden, dass sich Fälle wie der mit Dschang Guo-tao wiederholen. Um zu gewährleisten, dass sich die innerparteilichen Beziehungen in den richtigen Bahnen bewegen, müssen wir, zusätzlich zu den erwähnten vier wichtigsten Regeln der Disziplin, ausführlichere Parteiregeln ausarbeiten, die die Tätigkeit der Parteileitungen aller Ebenen vereinheitlichen sollen.

9. DIE INNERPARTEILICHE DEMOKRATIE

Angesichts des gegenwärtigen grossen Kampfes fordert die KPCh, dass alle Leitungen sowie alle Mitglieder und Funktionäre ihre Aktivität in vollem Masse entfalten; nur dadurch kann der Sieg gesichert werden. Diese Aktivität muss konkret darin zum Ausdruck kommen, dass die Leitungen, die Funktionäre und die Mitglieder Schöpferkraft, Verantwortungsbewusstsein und Arbeitselan zeigen, dass sie den Mut haben und es verstehen, Fragen aufzuwerfen, Meinungen zu äussern, Mängel zu kritisieren sowie aus kameradschaftlicher Sorge die Tätigkeit der Leitungen und der führenden Funktionäre zu kontrollieren. Andernfalls wird die Aktivität, von der hier die Rede ist, zu einem leeren Wort. Die Entfaltung dieser Aktivität hängt aber von der Demokratisierung des Parteilebens ab. Wenn es an einem demokratischen Leben in der Partei mangelt, bleibt die Entfaltung der Aktivität ein unerreichbares Ziel. Es ist auch nur in einer Atmosphäre der Demokratie möglich, zahlreiche fähige Menschen heranzubilden. In unserem Land herrscht das patriarchalische System der Kleinproduktion vor, und es gibt im gesamtstaatlichen Massstab bis jetzt noch keine Demokratie; diese Umstände spiegeln sich infolgedessen in unserer Partei durch ein ungenügendes demokratisches Leben wider. Solche Erscheinung verhindert in der ganzen Partei die volle Entfaltung der Aktivität. Sie wirkt sich zugleich auch in einer ungenügenden Entwicklung der Demokratie innerhalb der Einheitsfront und der Massenbewegungen aus. Deshalb müssen wir uns in der Partei mit der Erziehung zur Demokratie befassen, damit die Parteimitglieder begreifen, was ein demokratisches Leben bedeutet, welcher Zusammenhang zwischen Demokratie und Zentralismus besteht und wie der demokratische Zentralismus zu verwirklichen ist. Nur so kann man einerseits die innerparteiliche Demokratie tatsächlich erweitern und andererseits eine extreme Demokratisierung, ein die Disziplin untergrabendes Treibenlassen vermeiden.

Auch die Parteiorganisationen in unserer Armee müssen die Demokratie in notwendigem Masse erweitern, um die Aktivität der Parteimitglieder zu erhöhen und die Kampfkraft der Armee zu stärken. Doch soll in diesen Organisationen das Ausmass der Demokratie kleiner sein als in den örtlichen Parteiorganisationen. In den einen wie in den anderen soll die innerparteiliche Demokratie der Festigung der Disziplin und der Stärkung der Kampfkraft dienen und nicht ihrer Schwächung.

Die Erweiterung der innerparteilichen Demokratie muss als ein notwendiger Schritt zur Festigung der Partei und Erweiterung ihrer Reihen betrachtet werden, als eine wichtige Waffe, mit deren Hilfe die Partei in dem grossen Kampf ein pulsierendes Leben führt, ihren Aufgaben vollauf gerecht wird, neue Kräfte heranbildet und mit den Schwierigkeiten des Krieges fertig wird.

10. UNSERE PARTEI IST IM ZWEIFRONTENKAMPF GEFESTIGT WORDEN UND ERSTARKT

Allgemein gesagt hat es unsere Partei im Laufe von 17 Jahren gelernt, sich der marxistisch-leninistischen Waffe des ideologischen Kampfes zu bedienen, um falschen Ansichten innerhalb der Partei an zwei Fronten entgegenzutreten: einerseits gegen den Rechtsopportunismus, andererseits gegen den „linken“ Opportunismus.

Vor dem 5. Plenum des 6. Zentralkomitees2 bekämpfte unsere Partei den Rechtsopportunismus Tschen Du-hsius und den „linken“ Opportunismus des Kameraden Li Li-san. Dank dem Sieg in diesen beiden innerparteilichen Kämpfen machte die Partei grosse Fortschritte. Nach dem 5. Plenum kam es noch zweimal zu innerparteilichen Kämpfen von historischer Bedeutung, nämlich zu dem Kampf auf der Dsunyi-Tagung und zu dem Kampf im Zusammenhang mit dem Ausschluss Dschang Guo-taos aus der Partei.

Die Dsunyi-Tagung berichtigte die während des Kampfes gegen den fünften „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzug“ der Kuomintang begangenen schweren prinzipiellen Fehler „links“ opportunistischen Charakters, schloss die Partei und die Rote Armee zusammen und gab so dem Zentralkomitee und den Hauptkräften der Roten Armee die Möglichkeit, den Langen Marsch siegreich abzuschliessen, vorgeschobene Stellungen im Widerstandskrieg gegen Japan zu beziehen und die neue Politik der antijapanischen nationalen Einheitsfront durchzuführen. Die Tagungen von Bahsi3 und Yenan4 (der Kampf gegen die Linie Dschang Guo-taos wurde auf der Bahsi-Tagung begonnen und auf der Yenan-Tagung abgeschlossen) haben dadurch, dass sie den Rechtsopportunismus Dschang Guo-taos bekämpften, bewirkt, dass sich alle Teile der Roten Armee vereinigten und sich die ganze Partei noch fester zusammenschloss, um den heldenhaften Widerstandskampf gegen die japanische Aggression aufzunehmen. Die beiden Arten von opportunistischen Fehlern entstanden während des revolutionären Bürgerkriegs, und ihre Besonderheit lag darin, dass sie mit dem Krieg zusammenhingen.

Welche Lehren haben wir aus diesen beiden innerparteilichen Kämpfen zu ziehen? Es sind dies die folgenden:

1. Jene schweren prinzipiellen Fehler, die ihren Ausdruck im Kampf gegen den fünften „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzug“ der Kuomintang fanden und auf mangelndes Verständnis für die Besonderheiten des revolutionären Krieges in China zurückzuführen sind, enthielten eine Tendenz “linker” Fiebrigkeit, die sich um die subjektiven und objektiven Bedingungen nicht kümmert; diese Tendenz ist äusserst schädlich für einen revolutionären Krieg, und sie ist schädlich für jede revolutionäre Bewegung überhaupt.

2. Der Opportunismus Dschang Guo-taos war ein Rechtsopportunismus im revolutionären Krieg und stellte dem Inhalt nach eine Kombination der Rückzugspolitik Dschang Guo-taos, seines Militärmachthabertums und seiner parteifeindlichen Tätigkeit dar. Erst nach Überwindung dieses Opportunismus war es möglich, dass sich die breite Masse der Funktionäre und Parteimitglieder in den Reihen der 4. Frontarmee der Roten Armee, die ausgezeichnete Eigenschaften aufwies und einen langjährigen heldenhaften Kampf geführt hatte, aus der Gewalt des Opportunismus Dschang Guo-taos befreite und auf die richtige Linie des Zentralkomitees zurückkehrte.

3. Im zehnjährigen Agrarrevolutionären Krieg hat die grosse organisatorische Arbeit — ob beim militärischen Aufbau, in der Regierungsarbeit, in der Massenarbeit oder beim Parteiaufbau — grosse Erfolge gezeitigt. Wäre der heroische Kampf an der Front nicht durch eine solche organisatorische Arbeit unterstützt worden, dann hätten wir den erbitterten Krieg gegen Tschiang Kai-schek nicht durchhalten können. Aber in der letzten Periode dieses Krieges wurden in der Kader- und Organisationspolitik der Partei schwere prinzipielle Fehler begangen, die sich in Tendenzen zum Sektierertum, in einer Sucht, mit Strafmassnahmen vorzugehen, und in Überspitzungen bei ideologischen Kämpfen äusserten. Das war das Ergebnis dessen, dass man damals nicht vermocht hatte, die letzten Reste der Linie Li Li-sans auszumerzen, und dass man zu jener Zeit auf politischem Gebiet prinzipielle Fehler beging. Diese Fehler wurden ebenfalls auf der Dsunyi-Tagung berichtigt, und das ermöglichte der Partei, auf dem Gebiet der Kaderpolitik und der Organisationsprinzipien auf den richtigen Weg zurückzufinden. Was die organisatorische Linie Dschang Guo-taos betrifft, so bedeutete sie eine völlige Abkehr von sämtlichen Prinzipien der Kommunistischen Partei, eine Untergrabung der Parteidisziplin und eine fraktionelle Tätigkeit, die sich zu einem Kampf gegen die Partei, gegen ihr Zentralkomitee und gegen die Komintern entwickelte. Das Zentralkomitee machte alle nur möglichen Anstrengungen, um den hinsichtlich der Linie begangenen verbrecherischen Fehler Dschang Guo-taos zu überwinden und dessen parteifeindliche Tätigkeit zu unterbinden, und versuchte auch, ihn selbst zu retten. Da aber Dschang Guo-tao sich nicht nur hartnäckig weigerte, seine Fehler zu korrigieren, und eine doppelzünglerische Haltung einnahm, sondern in der Folge sogar die Partei verriet und zur Kuomintang überlief, musste die Partei entschlossen handeln und ihn aus ihren Reihen ausschliessen. Diese Disziplinarmassnahme wurde nicht nur von der ganzen Partei, sondern auch von all denen unterstützt, die der Sache der nationalen Befreiung ergeben sind. Auch die Kommunistische Internationale (KI) hat diese Massnahme bestätigt und Dschang Guotao als Deserteur und Verräter gebrandmarkt.

Diese dargelegten Lehren und Errungenschaften haben die notwendigen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir nunmehr die ganze Partei zusammenschliessen, ihre ideologische, politische und organisatorische Einheit festigen und den Widerstandskrieg siegreich ausfechten können. Unsere Partei ist im Zweifrontenkampf gefestigt worden und erstarkt.

11. DER GEGENWÄRTIGE KAMPF AN ZWEI FRONTEN

Unter den nunmehrigen Verhältnissen des Widerstandskriegs gewinnt auf politischem Gebiet der Kampf gegen den rechten Pessimismus überragende Bedeutung; gleichzeitig aber muss man nach wie vor den Kampf gegen die „linke“ Fiebrigkeit im Auge behalten. In Fragen der Einheitsfront sowie der Partei- und Massenorganisationen muss man den Kampf gegen die „linke“ Tendenz einer Politik der verschlossenen Tür fortsetzen, um die Zusammenarbeit mit allen antijapanischen Parteien und Gruppen zu verwirklichen sowie die Reihen der Kommunistischen Partei und die Massenbewegung zu erweitern; gleichzeitig aber muss man sein Augenmerk auf den Kampf gegen die rechtsopportunistische Tendenz einer bedingungslosen Zusammenarbeit und einer bedingungslosen Erweiterung richten, da andernfalls sowohl die Zusammenarbeit wie die Erweiterung behindert wären und sich in eine kapitulantenhafte Zusammenarbeit und eine prinzipienlose Erweiterung verwandeln würden.

Der ideologische Zweifrontenkampf muss in jedem Falle den konkreten Umständen angemessen sein; man darf keineswegs subjektiv an die Probleme herangehen und die üble Praxis der Vergangenheit, „Etiketten anzuhängen“, fortsetzen.

Im Kampf gegen Abweichungen muss man der Bekämpfung des Doppelzünglertums ernste Aufmerksamkeit zuwenden. Denn die grösste Gefahr des Doppelzünglertums besteht darin, dass es sich zu einer fraktionellen Tätigkeit entwickeln kann; die Geschichte mit Dschang Guo-tao ist gerade ein Beweis dafür. Öffentlich sich fügen; insgeheim sich widersetzen, mit den Lippen bejahen, im Herzen verneinen, ins Gesicht schönklingende Worte sagen, hinter dem Rücken stänkern – das eben ist es, worin sich das Doppelzünglertum äussert, Nur wenn die Funktionäre und Mitglieder der Partei ihre Wachsamkeit gegenüber dem Doppelzünglertum erhöhen, kann die Parteidisziplin gefestigt werden.

12. DAS STUDIUM

Allgemein gesagt müssen alle jene Kommunisten, die entsprechende Fähigkeiten haben, die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin sowie die Geschichte unserer Nation und die Bewegung der Gegenwart in ihrer augenblicklichen Verfassung und ihrer Entwicklungstendenz studieren; überdies müssen durch diese Kameraden die Parteimitglieder mit einem relativ niedrigen Bildungsniveau erzogen werden. Insbesondere die Funktionäre müssen das Schwergewicht auf dieses Studium legen, wobei vor allem die Mitglieder des Zentralkomitees und die hochgestellten Funktionäre es zu intensivieren haben. Eine politische Partei, die eine grosse revolutionäre Bewegung führt, kann nicht siegreich sein, wenn sie über keine revolutionäre Theorie verfügt, keine Geschichtskenntnisse besitzt, kein tiefes Verständnis für die praktische Bewegung hat.

Die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin hat universelle Geltung. Wir dürfen aber ihre Theorie nicht als ein Dogma, sondern müssen sie als eine Anleitung zum Handeln betrachten. Man darf sich nicht mit dem Erlernen der marxistisch-leninistischen Terminologie begnügen, sondern muss den Marxismus-Leninismus als die Wissenschaft von der Revolution studieren. Es genügt nicht, wenn wir die Schlussfolgerungen betreffend die allgemeinen Gesetzmässigkeiten begreifen, die Marx, Engels, Lenin und Stalin auf Grund eines umfassenden Studiums des realen Lebens und der revolutionären Erfahrungen gezogen haben, sondern wir müssen uns auch ihren Standpunkt und ihre Methode bei der Betrachtung und Lösung der Probleme zu eigen machen. Wohl ist es um die marxistisch-leninistische Schulung in unserer Partei jetzt etwas besser bestellt als früher, doch wird sie noch viel zu wenig umfassend und viel zu wenig eindringlich betrieben. Wir haben die Aufgabe, eine grosse, Hunderte Millionen Menschen zählende Nation in einem beispiellosen gewaltigen Kampf zu führen. Daher ist die Aufgabe einer Verbreitung und Vertiefung des Studiums der marxistisch-leninistischen Theorie für uns ein dringendes grosses Problem, das wir nur lösen können, wenn wir uns ernsthaft darum bemühen. Ich hoffe, dass nach diesem Plenum in der ganzen Partei ein Lernwettbewerb entfaltet wird, und wir werden dann sehen, wer wirklich etwas erlernt hat, wer mehr und besser lernt. Sofern es um die Übernahme der Hauptverantwortung in der Führung geht, wird die Kampfkraft unserer Partei viel grösser und unsere Aufgabe, den japanischen Imperialismus niederzuschlagen, schneller erfüllt sein, wenn ein- oder zweihundert Kameraden vorhanden sind, die sich den Marxismus-Leninismus systematisch und nicht fragmentarisch, in Verbindung mit der Praxis und nicht losgelöst von ihr angeeignet haben.

Eine weitere Aufgabe unseres Studiums besteht darin, unser historisches Erbe zu studieren und mit Hilfe der marxistischen Methode kritisch zusammenzufassen. Unsere Nation blickt auf eine mehrtausendjährige Geschichte zurück, weist ihre Besonderheiten auf, hat eine reiche Schatzkammer von Werten gesammelt. In bezug auf all das sind wir noch Schulkinder. Das heutige China ist das Entwicklungsprodukt der chinesischen Geschichte; wir sind Anhänger des marxistischen Historismus, wir dürfen den Faden der geschichtlichen Kontinuität nicht abschneiden. Wir müssen unsere Geschichte von Konfuzius bis Sun Yat-sen zusammenfassen und von diesem wertvollen Erbe Besitz ergreifen. Das wird uns in bedeutendem Masse helfen, die grosse Bewegung der Gegenwart zu lenken. Die Kommunisten sind internationalistische Marxisten, aber wir können den Marxismus nur dann in die Praxis umsetzen, wenn wir ihn mit den konkreten Besonderheiten unseres Landes integrieren und ihm eine bestimmte nationale Form geben. Die grosse Stärke des Marxismus-Leninismus liegt gerade in seiner Integration mit der konkreten revolutionären Praxis aller Länder. Für die KPCh bedeutet das, die Anwendung der Theorie des Marxismus-Leninismus auf die konkreten Verhältnisse Chinas zu erlernen. Für die chinesischen Kommunisten, die ein Teil der grossen chinesischen Nation, deren eigenes Fleisch und Blut sind, ist jedes von den Besonderheiten Chinas losgelöste Gerede über Marxismus bloss ein abstrakter, hohler Marxismus. Daher wird die konkrete Anwendung des Marxismus in China in der Weise, dass er in jeder seiner Äusserungen die erforderlichen chinesischen Charakterzüge aufweist, d. h. eine Anwendung des Marxismus im Lichte der Besonderheiten Chinas, zu einem dringenden Problem, das die ganze Partei verstehen und lösen muss. Man muss die ausländischen Schemata beseitigen, weniger hohle, abstrakte Phrasen dreschen und den Dogmatismus ruhen lassen; an ihre Stelle sollen der frische, lebhafte chinesische Stil und die frische, lebhafte chinesische Manier treten, die bei den einfachen Menschen Chinas beliebt sind. Den internationalistischen Inhalt von der nationalen Form loslösen können nur Leute, die nichts vom Internationalismus verstehen; wir jedoch müssen das eine mit dem anderen eng verbinden. In dieser Frage gibt es in unseren Reihen ernste Fehler, die wir gewissenhaft überwinden müssen.

Was sind nun die Besonderheiten der Bewegung der Gegenwart? Worin bestehen ihre Gesetzmässigkeiten? Wie soll man diese Bewegung lenken? All das sind Fragen der Praxis. Bis auf den heutigen Tag haben wir den japanischen Imperialismus noch nicht in vollem Masse begriffen, und wir haben auch noch keinen erschöpfenden Begriff von China. Die Bewegung entwickelt sich, Neues liegt vor uns, unaufhörlich entsteht Neues. Diese Bewegung allseitig und in ihrer Entwicklung studieren ist eine grosse Aufgabe, der wir beständig unsere Aufmerksamkeit widmen müssen. Wer sich weigert, das alles ernsthaft und sehr sorgfältig zu studieren, ist kein Marxist.

Selbstzufriedenheit ist der Feind des Studierens, und wenn man etwas gewissenhaft lernen will, muss man damit beginnen, dass man mit sich selbst unzufrieden ist. Selbst „unersättlich im Lernen“, anderen gegenüber „unermüdlich im Lehren“ — das müssen unsere Verhaltensregeln sein.

13. EINHEIT UND SIEG

Die Einheit innerhalb der KPCh ist die fundamentalste Voraussetzung dafür, dass wir das ganze chinesische Volk zusammenschliessen, um den Sieg im Widerstandskrieg zu erringen und ein neues China aufzubauen. Die im siebzehnjährigen Kampf gestählte Kommunistische Partei Chinas kennt schon viele Mittel und Wege, um ihre eigenen Reihen zusammenzuschliessen, sie ist weitaus erfahrener geworden. Somit sind wir imstande, inmitten des ganzen chinesischen Volkes einen festen Kern zu bilden, den Sieg im Widerstandskrieg zu erringen und ein neues China aufzubauen. Kameraden, wenn wir uns zusammenschliessen, werden wir unser Ziel gewiss erreichen.

1Im Januar 1934 sagte Stalin im Rechenschaftsbericht an den 17. Parteitag der KPSU(B): „Ist eine richtige politische Linie gegeben worden, so entscheidet die Organisationsarbeit alles, auch das Schicksal der politischen Linie selbst — ihre Durchführung oder ihr Scheitern.“ Im selben Bericht sprach er auch von der „richtigen Auswahl der Menschen“. Im Mai 1935 verkündete und erläuterte Stalin in einer Rede, die er im Kreml vor Absolventen der Akademien der Roten Armee hielt, die Losung: „Die Kader entscheiden alles.“ Vgl. auch Stalins Rechenschaftsbericht an den 18. Parteitag der KPSU(B) im März 1939. Stalin sagte darin: „Nachdem eine richtige politische Linie ausgearbeitet und in der Praxis erprobt ist, sind die Parteikader die entscheidende Kraft der Partei- und Staatsführung.“

2Gemeint ist die Periode zwischen der ausserordentlichen Tagung des Politbüros des 5. Zentralkomitees der Partei im August 1927 und dem 5. Plenum des 6. Zentralkomitees im Januar 1934.

3Die Bahsi-Tagung wurde vom Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas im August 1935 in Bahsi, nordwestlich der Szetschuaner Kreisstadt Sungpan, an der Grenze zwischen dem Nordwesten der Provinz Szetschuan und dem Südosten der Provinz Kansu veranstaltet. Damals brach Dschang Guo-tao, der einen Teil der Roten Armee führte, mit dem Zentralkomitee, befolgte nicht dessen Anordnungen und versuchte es zu unterminieren. Auf dieser Tagung beschloss das Zentralkomitee, das gefährliche Gebiet zu verlassen und die treu gebliebenen Truppenteile der Roten Armee nach Nordschensi zu führen. Dschang Guo-tao aber führte die von ihm betrogenen Einheiten der Roten Armee südwärts in den Raum von Tiäntjüan, Luschan, Dadjintschuan, Hsiaodjintschuan und Aba, wo er ein Pseudozentralkomitee gründete und die Fahne des Verrats an der Partei aufpflanzte.

4Die Yenan-Tagung war eine erweiterte Tagung des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, die im April 1937 in Yenan stattfand. Noch vorher war die breite Masse der Funktionäre und Kämpfer der von Dschang Guo-tao geführten Truppenteile der Roten Armee, nachdem sie seinen Betrug durchschaut hatte, nordwärts in das Schensi-Kansu-Grenzgebiet gezogen. Ein Teil dieser Verbände schwenkte jedoch wiederum infolge falscher Führung auf halbem Wege nach dem Westen, in den Raum von Gandschou, Liangdschou und Sudschou ab, wo er grösstenteils vom Feind aufgerieben wurde; die wenigen Überlebenden erreichten dann Sinkiang, von wo sie später in das Schensi-Kansu-Grenzgebiet gelangten. Der andere Teil dieser Verbände war schon früher in diesem Grenzgebiet eingetroffen und hatte sich mit der Zentralen Roten Armee vereinigt. Dschang Guo-tao selbst begab sich gleichfalls nach Nordschensi und nahm an der Yenan-Tagung teil. Diese Tagung erarbeitete eine systematische Zusammenfassung seines Opportunismus und seiner verräterischen Tätigkeit gegen die Partei. Dschang Guo-tao gab vor, sich fügen zu wollen, traf aber in Wirklichkeit Vorbereitungen zum endgültigen Verrat an der Partei.