Mao Tse-tung: “Die Frage der politischen Macht in den Stützpunktgebieten des Widerstands gegen die japanische Aggression”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

DIE FRAGE DER POLITISCHEN MACHT IN DEN STÜTZPUNKTGEBIETEN DES WIDERSTANDS GEGEN DIE JAPANISCHE AGGRESSION

Mao Tse-tung
06.03.1940

Ausgewählte Werke
Band 2
Reproduziert von
Die Rote Fahne

DIE FRAGE DER POLITISCHEN MACHT IN DEN STÜTZPUNKTGEBIETEN DES WIDERSTANDS GEGEN DIE JAPANISCHE AGGRESSION

Eine vom Vorsitzenden Mao Tse-tung im Namen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas ausgearbeitete parteiinterne Direktive.

1. Gegenwärtig tun die antikommunistischen Ultrakonservativen in der Kuomintang alles, was in ihrer Kraft liegt, um die Schaffung einer antijapanischen demokratischen Macht in Nordchina, Zentralchina und den anderen Gebieten des Landes zu verhindern, während wir eine solche Macht unbedingt errichten müssen und bereits die Möglichkeit haben, sie in den wichtigsten antijapanischen Stützpunktgebieten aufzubauen. Unser Kampf gegen die antikommunistischen Ultrakonservativen in der Frage der politischen Macht in Nord-, Zentral- und Nordwestchina kann zur Schaffung der Machtorgane der Einheitsfront im ganzen Land beitragen und fesselt die Aufmerksamkeit des ganzen Landes. Deshalb muss man diese Frage sehr behutsam behandeln.

2. Die politische Macht, die wir während des Widerstandskriegs gegen Japan schaffen, ist ihrem Charakter nach die Macht der nationalen Einheitsfront. Es ist das die Macht aller jener, die für den Widerstand gegen Japan und für die Demokratie sind, es ist das die gegen die Landesverräter und gegen die Reaktionäre gerichtete gemeinsame demokratische Diktatur einiger revolutionärer Klassen. Diese Macht unterscheidet sich von der konterrevolutionären Diktatur der Grundherrenklasse und der Bourgeoisie, unterscheidet sich auch von der demokratischen Diktatur der Arbeiter und Bauern in der Periode der Agrarrevolution. Klarheit über den Charakter dieser Macht und gewissenhafte Anstrengungen zu ihrer Verwirklichung werden die Demokratisierung des ganzen Landes in gewaltigem Masse fördern. „Linke“ wie auch rechte Überspitzungen werden auf das ganze Volk einen äusserst schlechten Einfluss ausüben.

3. Die Einberufung der Volksversammlung von Hopeh und die Wahl des Verwaltungsrats von Hopeh — die entsprechende Vorbereitungsarbeit hat jetzt begonnen — sind von ernsthafter Bedeutung. Ebenso bedeutungsvoll ist auch die Schaffung der neuen politischen Macht in Nordwestschansi, in der Provinz Schantung, im Gebiet nördlich des Huai-Flusses, in den Kreisen Suidö und Fuhsiän sowie in Ostkansu. Diese Arbeit muss in Übereinstimmung mit den oben dargelegten Prinzipien durchgeführt werden, wobei Abweichungen nach rechts oder nach „links“ auf jede Weise zu vermeiden sind. Eine ernstere Frage stellt gegenwärtig die „linke“ Abweichung dar, die darin zum Ausdruck kommt, dass die Gewinnung der mittleren Bourgeoisie und der aufgeklärten Schenschi vernachlässigt wird.

4. In Übereinstimmung mit dem Prinzip der Machtorgane der antijapanischen nationalen Einheitsfront muss bei der Verteilung der Plätze folgendes zahlenmässige Verhältnis bestehen: Die Kommunisten, die linken fortschrittlichen Nichtkommunisten und die Vertreter der mittleren Gruppe, die weder „links“- noch rechtsorientiert sind, besetzen je ein Drittel aller Plätze.

5. Den Kommunisten muss die führende Stellung in den Machtorganen gesichert sein, und deshalb ist es notwendig, dass die Kommunisten, die zahlenmässig ein Drittel ausmachen, hervorragende Qualitäten besitzen. Wenn diese Bedingung gegeben ist, wird die Führung der Partei gesichert sein, und eine grössere Anzahl der Plätze ist hierfür nicht erforderlich. Unter der führenden Rolle ist hier durchaus keine Losung zu verstehen, die von früh bis spät ausposaunt werden muss. Die führende Rolle bedeutet ebensowenig, dass man schroff und arrogant von den. anderen fordert, sie sollten uns gehorchen. Sie bedeutet, dass wir die Nichtkommunisten durch die Verwirklichung einer richtigen Politik der Partei und durch unsere eigene vorbildliche Arbeit überzeugen und erziehen müssen, so dass sie selbst gern unsere Vorschläge annehmen.

6. Den ausserhalb der Partei stehenden fortschrittlichen Kräften muss ein Drittel der Plätze eingeräumt werden, da sie mit den breiten Massen der Kleinbourgeoisie verbunden sind. Das wird für die Gewinnung der Kleinbourgeoisie von grosser Wirkung sein.

7. Die Überlassung eines Drittels der Plätze an die Vertreter der mittleren Gruppe verfolgt den Zweck, die mittlere Bourgeoisie und die aufgeklärten Schenschi zu gewinnen. Die Gewinnung dieser Schichten ist ein wichtiger Schritt zur Isolierung der Ultrakonservativen. Gegenwärtig müssen wir unbedingt mit der Stärke dieser Schichten rechnen und müssen sie behutsam und umsichtig behandeln.

8. Wir müssen uns auf den Standpunkt der Zusammenarbeit mit allen Nichtkommunisten stellen, unabhängig davon, ob sie anderen Parteien oder Gruppen angehören und welchen Parteien oder Gruppen sie angehören — wenn sie nur für den Widerstand gegen die japanische Aggression sind und sich bereit erklären, mit der Kommunistischen Partei zusammenzuarbeiten.

9. Das dargelegte Prinzip der Verteilung der Plätze in den Machtorganen bringt die wahre Politik unserer Partei zum Ausdruck, und man darf an seine Verwirklichung nicht mit halbem Herzen herangehen. Um diese Politik zu verwirklichen, ist es notwendig, die Mitglieder der Partei, die in den Machtorganen arbeiten, zu erziehen, jene Engstirnigkeit zu überwinden, die darin besteht, dass sie nicht gewillt und nicht gewohnt sind, mit Nichtkommunisten zusammenzuarbeiten; es ist notwendig, einen demokratischen Stil der Arbeit zu fördern, in allen Fragen zunächst mit den Nichtkommunisten zu beraten und nur dann zu handeln, wenn man sich des Einverständnisses der Mehrheit versichert hat. Gleichzeitig müssen die Nichtkommunisten in jeder Weise ermuntert werden, ihre Meinungen über alle Fragen zu äussern, und man muss ihrer Stimme Gehör schenken. Man darf keinesfalls meinen, dass — da sich die Armee und die politische Macht in unseren Händen befinden — alles vorbehaltlos nach unseren Entscheidungen gemacht werden müsse und dass man deshalb nicht darauf zu achten brauche, sich um die Überzeugung der Nichtkommunisten von der Richtigkeit unserer Ansichten zu bemühen und zu erreichen, dass sie sich mit ihnen einverstanden erklären und sie bereitwillig und gern in die Tat umsetzen.

10. Das dargelegte Prinzip der Verteilung der Plätze ist nur eine allgemeine Richtlinie, und man muss es je nach der realen Lage an jedem gegebenen Ort durchführen; man soll nicht mechanisch das angegebene Zahlenverhältnis zu erreichen suchen. Die Zusammensetzung der untersten Machtorgane kann man nach eigenem Ermessen regeln, um ein Einschleichen der Grundherren, Tuhao und Liäschen zu verhindern. Dort, wo die Machtorgane schon vor langer Zeit gebildet wurden — im Grenzgebiet Schansi-Tschahar-Hopeh, im Gebiet von Mittelhopeh, im Gebiet des Taihang-Gebirges und im Gebiet von Südhopeh — muss der bisher verfolgte Kurs im Sinne dieses Prinzips überprüft werden. Bei der Bildung neuer Machtorgane muss man sich unbedingt von diesem Prinzip leiten lassen.

11. In der Frage der Wahlen muss die Linie der antijapanischen Einheitsfront darin bestehen, dass das Recht, zu wählen und gewählt zu werden, jedem Chinesen zusteht, der das Alter von achtzehn Jahren erreicht hat und für den Widerstand gegen Japan sowie für die Demokratie eintritt — unabhängig von seiner Klassenzugehörigkeit, Nationalität, seinem Geschlecht, Glaubensbekenntnis, seiner Parteizugehörigkeit und seinem Bildungsgrad. Die Bildung der Machtorgane der antijapanischen Einheitsfront muss so erfolgen, dass sie von der Bevölkerung gewählt werden. Aufgebaut werden sie nach dem Prinzip des demokratischen Zentralismus.

12. Dem politischen Kurs, der von den Machtorganen der antijapanischen Einheitsfront befolgt wird, muss folgendes zugrunde liegen: Kampf gegen den japanischen Imperialismus; Schutz für das Volk, das den Widerstandskrieg gegen Japan führt; Regelung der Interessen aller antijapanischen Schichten; Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter und Bauern sowie Unterdrückung der Landesverräter und Reaktionäre.

13. Man darf nicht an die Nichtkommunisten, die in unseren Machtorganen mitarbeiten, die gleichen Forderungen bezüglich ihres Lebenswandels sowie ihrer Äusserungen und ihrer Tätigkeit stellen wie an die Kommunisten, sonst werden bei ihnen Unzufriedenheit und Unsicherheit auftreten.

14. Alle Regionalbüros des Zentralkomitees und dessen Zweigregionalbüros, alle Gebietsparteikomitees und die führenden Kader aller Truppenverbände sind verpflichtet, das eben Dargelegte allen Parteiorganisationen sorgfältig klarzumachen, damit die vorliegende Direktive in der Arbeit der Machtorgane restlos in die Tat umgesetzt wird.