Mao Tse-tung: “Eine Anfrage an die Kuomintang”

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Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

EINE ANFRAGE AN DIE KUOMINTANG

Mao Tse-tung
12.07.1943

Ausgewählte Werke
Band 3
Reproduziert von
Die Rote Fahne

EINE ANFRAGE AN DIE KUOMINTANG

Ein vom Vorsitzenden Mao Tse-tung für die Yenaner Tageszeitung „Djiäfang Jibao“ geschriebener Leitartikel.

In den letzten Monaten hat sich innerhalb des antijapanischen Lagers in China ein äusserst anomales und ungeheuerliches Ereignis zugetragen, nämlich die Tatsache, dass eine Reihe von Partei-, Regierungs- und Militärorganen, die unter Führung der Kuomintang stehen, eine Kampagne entfacht haben, die darauf gerichtet ist, den Zusammenschluss und den Widerstandskrieg zu untergraben. Diese Kampagne nimmt die Form eines Kampfes gegen die Kommunistische Partei an, in der Tat aber ist sie gegen die chinesische Nation, gegen das chinesische Volk gerichtet.

Betrachten wir zunächst die Kuomintang-Armee. Von sämtlichen Truppen des Landes, die unter Führung der Kuomintang stehen, befinden sich im Nordwesten drei zu den Hauptkräften gehörende Armeen — die 34., die 37. und die 38., die alle vom stellvertretenden Oberbefehlshaber der 8. Kriegszone Hu Dsung-nan kommandiert werden. Davon sind zwei zur Einkreisung des Grenzgebiets Schensi-Kansu-Ningsia eingesetzt und nur eine zur Verteidigung der Stellung am Gelben Fluss zwischen Yitschuan und Tungguan gegen die japanischen Eindringlinge. Diese Sachlage hält schon mehr als vier Jahre an, und man gewöhnte sich bereits an sie — solange es nicht zu militärischen Zusammenstössen kam. Aber vor einigen Tagen ist plötzlich folgende Veränderung vor sich gegangen: Von den drei Korps — das 1., das 16. und das 90. Korps — die die Stellung den Gelben Fluss entlang verteidigen, wurden zwei verlegt: das 1. in das Gebiet von Bindschou-Tschunhua und das 90. in das Gebiet von Luotschuan, wobei diese Truppen sich aktiv zum Angriff gegen das Grenzgebiet zu rüsten begannen; die Verteidigungsfront am Gelben Fluss gegen die japanischen Eindringlinge wurde somit zum grössten Teil entblösst.

Das muss unbedingt die Frage aufkommen lassen: Welche Beziehungen bestehen denn nun letzten Endes zwischen diesen Kuomintang Leuten und den Japanern?

Viele Kuomintang-Leute posaunen Tag für Tag unverfroren aus, dass die Kommunistische Partei „den Widerstandskrieg hintertreibt“ und „den Zusammenschluss untergräbt“. Kann man aber den Abzug der Hauptkräfte von der Verteidigungsfront am Gelben Fluss vielleicht als eine Aktivierung des Widerstandskriegs bezeichnen? Kann man den Angriff auf das Grenzgebiet vielleicht als eine Stärkung des Zusammenschlusses bezeichnen?

Es sei uns erlaubt, an die Kuomintang-Leute, die das alles angezettelt haben, folgende Frage zu richten: Sie haben den Japanern den Rücken zugekehrt, während die Japaner mit dem Gesicht zu Ihnen stehen; was werden Sie tun, wenn die Japaner Ihnen einen Stoss in den Rücken versetzen?

Und was soll das bedeuten, dass Sie einen grossen Verteidigungsabschnitt am Gelben Fluss aufgeben, während die Japaner das alles stillschweigend vom gegenüberliegenden Ufer beobachten und nicht vorstossen, sondern nur mit grosser Freude Ihre sich entfernenden Silhouetten durch das Fernglas betrachten? Warum ist den Japanern der Anblick Ihrer Rücken so angenehm, warum haben Sie so leichten Herzens die Verteidigungsfront am Gelben Fluss aufgegeben, einen grossen Abschnitt dieser Front entblösst?

In einer Gesellschaft, die auf dem Privateigentum beruht, ist es üblich, nachts das Tor zu verschliessen, bevor man zu Bett geht. Allen ist bekannt, dass man das nicht aus übertriebener Geschäftigkeit tut, sondern um sich vor Dieben zu schützen. Sie aber haben jetzt das Tor weit aufgestossen. Fürchten Sie sich denn nicht vor Dieben? Und wenn das Tor weit offen ist, die Diebe jedoch nicht eindringen, was ist dann der Grund dafür?

Wie Sie behaupten, ist es in ganz China die Kommunistische Partei, die „den Widerstandskrieg hintertreibt“, sind Sie es aber, für die „die Nation“ so gewaltig „über allem“ steht — welche Erwägungen standen denn für Sie „über allem“, als Sie dem Feind den Rücken zukehrten?

Wie Sie behaupten, ist es auch die Kommunistische Partei, die „den Zusammenschluss untergräbt“, sind Sie aber Anhänger eines so „aufrichtigen Zusammenschlusses“ — kann man es dann auch als „aufrichtigen Zusammenschluss“ betrachten, dass Sie starke Kräfte dreier Armeen (mit Ausnahme eines Korps) mit aufgepflanztem Bajonett und schwerer Artillerie zu einem Feldzug gegen die Bevölkerung des Grenzgebiets ausrücken liessen?

Oder nehmen wir eine andere Ihrer Behauptungen, dass Sie so etwas wie einen Zusammenschluss durchaus nicht mögen und Ihre ganze Liebe vielmehr einer „Vereinigung“ gilt. Sie wollen also das Grenzgebiet dem Erdboden gleichmachen, Sie wollen das — wie Sie es nennen „feudale Separatregime“ liquidieren, und Sie wollen die Kommunisten ausrotten. Gut, fürchten Sie denn nicht, dass nun die Japaner die chinesische Nation und Sie selbst obendrein „vereinen“ werden?

Wenn die Ereignisse dazu geführt hätten, dass Sie auf einen Schlag erfolgreich das Grenzgebiet „vereint“ und den Kommunisten den Garaus gemacht hätten, während die Japaner, von Ihnen durch irgendein „Betäubungsmittel“ betäubt oder durch einen „Zauberbann“ gebannt, so gelähmt wären, dass sie weder die Nation noch Sie selbst „vereinen“ könnten — wenn dem so ist, könnten Sie uns dann, unsere lieben Herren von der Kuomintang, etwas über dieses Ihr „Betäubungsmittel“, diesen Ihren „Zauberbann“ verraten?

Wenn Sie aber kein „Betäubungsmittel“ und keinen „Zauberbann“ gegen die Japaner besitzen, wenn Sie auch nicht in einem stillen Einvernehmen mit ihnen stehen, dann gestatten Sie uns, Ihnen allen Ernstes zu sagen: Sie dürfen das Grenzgebiet nicht überfallen und können das nicht tun. Denken Sie daran: „Als die Schnepfe und die Venusmuschel ineinander gerieten, hatte der Fischer den Nutzen“ und „Die Gottesanbeterin pirschte sich an die Zikade heran, doch hinter der Gottesanbeterin lauerte die Meise“; in diesen zwei Fabeln steckt eine Wahrheit. Darum sollten Sie gemeinsam mit uns die von Japan besetzten Gebiete vereinen und die japanischen Teufel vertreiben. Das wird das Richtige sein. Wozu beeilen Sie sich so mit der „Vereinigung“ des Grenzgebiets, das alles in allem handflächengross ist? Wie viele herrliche Landstriche unserer Heimat sind dem Feind in die Hände gefallen! Doch da zeigen Sie keine Hast, keine Eile: Sie hasten, das Grenzgebiet zu überfallen, Sie eilen, die Kommunistische Partei zu vernichten. Wie traurig! Welche Schande!

Gehen wir jetzt zur Parteitätigkeit der Kuomintang über. Zum Kampf gegen die Kommunistische Partei hat die Kuomintang Hunderte von Geheimdienstabteilungen geschaffen, denen alle möglichen Lumpen und Schurken angehören. Zum Beispiel brachte die Zentrale Nachrichtenagentur der Kuomintang am 6. Juli 1943 — im zweiunddreissigsten Jahr der Republik China, am Vorabend des Tages, an dem sich der Beginn des Widerstandskriegs zum sechsten Male jährte eine Meldung, in der es hiess, dass in Sian, Provinz Schensi, irgendwelche „Kulturorganisationen“ eine Versammlung abgehalten und den Beschluss gefasst hätten, an Mao Tse-tung ein Telegramm mit der Aufforderung zu richten, er solle die Gelegenheit der Auflösung der 3. Internationale benutzen, auch die Kommunistische Partei Chinas „aufzulösen“, und ausserdem „das Separatregime des Grenzgebiets abschaffen“. Dem Leser kann das wohl als eine „Neuigkeit“ erscheinen, in Wirklichkeit aber ist das eine alte Geschichte.

Es stellt sich heraus, dass das Ganze in einer der Hunderte von Geheimdienstabteilungen seinen Ursprung hat. Auf Grund einer Direktive der Geheimdienstzentren (das heisst des „Untersuchungs- und Statistischen Büros des Militärrats der Nationalregierung“ und des „Untersuchungs- und Statistischen Büros des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang“) liess diese Abteilung einen gewissen Kerl namens Dschang Di-fe, einen Trotzkisten und Landesverräter — bekannt durch seine antikommunistischen Artikelchen in der von der Kuomintang finanzierten Zeitschrift der Landesverräter Widerstandskrieg und Kultur und gegenwärtig Leiter der Disziplinarabteilung des Arbeitslagers in Sian — am 12. Juni, das heisst 25 Tage vor der Veröffentlichung der erwähnten Meldung durch die Zentrale Nachrichtenagentur, eine Sitzung einberufen, an der gerade neun Personen teilnahmen und die insgesamt eben zehn Minuten dauerte. In dieser Sitzung wurde der Text des sogenannten Telegramms „angenommen“.

Dieses Telegramm ist in Yenan bis auf den heutigen Tag nicht eingegangen, aber sein Inhalt ist schon bekanntgeworden. Darin heisst es: Da die 3. Internationale aufgelöst ist, müsse die Kommunistische Partei Chinas ebenfalls „aufgelöst“ werden; weiter heisst es, dass der „Marxismus-Leninismus Bankrott gemacht“ habe usw. usf.

So sprechen die Kuomintang-Leute! Wir waren uns stets dessen bewusst, dass Kuomintang-Leute dieser Sorte (gleich und gleich gesellt sich gern) jede beliebige Gemeinheit von sich geben können. Wie zu erwarten war, kam dann auch ein nettes Larifari dabei heraus.

In China gibt es jetzt viele politische Parteien und Gruppen. Es gibt sogar zwei Kuomintangs. Die eine davon ist die Kuomintang der Wang-Djing-we-Firma, die in Nanking und anderswo ihren Sitz hat und deren Flagge ebenfalls einen blauen Himmel mit weisser Sonne zeigt; sie hat auch irgendein eigenes Zentralexekutivkomitee und eine ganze Menge von Geheimdienstabteilungen. Ausserdem gibt es überall in den besetzten Gebieten von Japanern gegründete faschistische Parteien. Unsere lieben Herren von der Kuomintang! Seit der Auflösung der 3. Internationale können Sie nicht von Ihren eifrigen Versuchen loskommen, die Kommunistische Partei „aufzulösen“, jedoch wollen Sie keinen Finger krumm machen, um etliche von den Landesverrätern und den Japanern aufgezogene Parteien aufzulösen. Warum ist das so? Warum ist in dem Telegramm, das Dschang Di-fe nach Ihrem Diktat schrieb, der Forderung nach Auflösung der Kommunistischen Partei nicht wenigstens ein Satz darüber hinzugefügt, dass die Parteien der Landesverräter und der Japaner ebenfalls aufzulösen seien?

Sollten Sie wirklich der Meinung sein, dass die Kommunistische Partei überflüssig ist? In ganz China gibt es doch nur eine einzige Kommunistische Partei, von der Kuomintang aber im ganzen zwei. Wer ist da wohl schliesslich und endlich überflüssig?

Herren von der Kuomintang! Haben Sie sich einmal über folgende Frage Gedanken gemacht: Warum wird die Vernichtung der Kommunistischen Partei aus Leibeskräften und einmütig ausser von Ihnen auch von den Japanern und von Wang Djing-we gefordert, warum trompeten die Japaner und Wang Djing-we einmütig aus, nur die Kommunistische Partei sei überflüssig und müsse deshalb zerschlagen werden, warum halten sie die Kuomintang nicht für überflüssig, sondern sind umgekehrt der Meinung, dass eine Kuomintang zu wenig sei, und gründen deshalb überall die Kuomintang der Wang-Djing-we-Firma und päppeln sie gross? Was kann die Ursache dafür sein?

Herren von der Kuomintang! Gestatten Sie, dass wir uns nicht die Mühe ersparen, Ihnen klarzumachen: Die Japaner und Wang Djing-we hegen eben darum eine besondere Liebe für die Kuomintang und die Drei Volksprinzipien, weil sie sich von dieser Partei und von diesen Prinzipien manches zunutze machen können. Nach dem ersten Weltkrieg wurde diese Partei nur in der Periode von 1924. bis 1927 in der Periode, da sie von Dr. Sun Yat-sen reorganisiert wurde und Kommunisten in ihren Bestand aufnahm und sich dadurch ein nationaler Block in der Form der Zusammenarbeit zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei bildete — von allen Imperialisten und Landesverrätern tödlich gehasst, nicht geliebt, und diese setzten alles daran, sie aus der Welt zu schaffen. Und nur in dieser Periode wurden die Drei Volksprinzipien – nachdem sie, von Sun Yat-sen umgearbeitet, zu den im Manifest des 1. Nationalkongresses der Kuomintang dargelegten Drei Volksprinzipien, also zu den revolutionären Drei Volksprinzipien geworden waren — von allen Imperialisten und Landesverrätern tödlich gehasst, nicht geliebt, und diese setzten alles daran, sie aus der Welt zu schaffen. Mit Ausnahme dieses Zeitabschnitts genossen diese Partei und diese Prinzipien infolge der Ausstossung der Kommunisten und Ausmerzung des revolutionären Geistes Sun Yat-sens stets die Liebe aller Imperialisten und Landesverräter. Das ist der Grund, weshalb auch die japanischen Faschisten und der Landesverräter Wang Djing-we sie so lieben und wie einen unermesslichen Schatz hegen und pflegen. Früher gab es auf der Flagge der Kuomintang der Wang-Djing-we-Firma noch ein Unterscheidungsmerkmal: ein gelbes Symbol in der oberen linken Ecke. Jetzt verzichtete man ganz einfach auf dieses Symbol — die Flaggen sind völlig gleich geworden — um peinliches Aufsehen zu vermeiden. Welche grosse Liebe!

Nicht nur in den besetzten Gebieten, sondern auch im Grossen Hinterland machen sich eine Menge von Kuomintang-Organisationen der Wang-Djing-we-Firma breit. Die einen von ihnen sind geheim das ist die fünfte Kolonne des Feindes. Andere sind offen, ihnen gehören Menschen an, die von der Kuomintang, vom Geheimdienst ausgehalten werden, aber nichts tun, um die japanischen Eindringlinge abzuwehren, und sich nur auf den Antikommunismus spezialisieren. Obgleich diese Leute die Firmenmarke Wang Djing-wes nicht an der Stirn tragen, gehören sie in Wirklichkeit seiner Firma an. Auch sie sind Leute der fünften Kolonne des Feindes. Zwischen ihnen und der ersten Gruppe besteht nur ein geringer, rein formaler Unterschied, der nichts anderes als Tarnung und Täuschung bezweckt.

Jetzt ist die Frage bereits völlig klar. Als Sie Dschang Di-fe beauftragten, das Telegramm abzufassen, wollten Sie unter keinen Umständen, dass der Forderung nach „Auflösung“ der Kommunistischen Partei auch nur ein Satz hinzugefügt werde; wonach die Parteien der Japaner und der Landesverräter ebenfalls aufgelöst werden sollten, weil es doch zwischen Ihnen und jenen in ideologischer, politischer und organisatorischer Hinsicht viel Gemeinsames gibt. Und die allem anderen zugrunde liegende gemeinsame Ideologie ist die Ideologie des Antikommunismus und der Feindschaft gegen das Volk.

Es gibt noch eine andere Frage, die wir an die Kuomintang-Leute stellen möchten: Stimmt es wirklich, dass in der ganzen Welt und in China ausgerechnet der Marxismus-Leninismus „Bankrott gemacht“ hätte, während alles übrige grossartig wäre? Von den Drei Volksprinzipien Wang Djing-wes war vorher bereits die Rede. Nun, und wie steht es um den Faschismus Hitlers, Mussolinis und Hideki Tojos? Wie steht es um den Trotzkismus Dschang Di-fes? Wie steht es schliesslich in China um die konterrevolutionären „Ismen“ der Geheimdienste, die — von welchen Firmen auch immer — zur Bekämpfung der Revolution eingesetzt werden?

Unsere lieben Herren von der Kuomintang! Warum haben Sie, als Sie Dschang Di-fe beauftragten, das Telegramm abzufassen, all diese „Ismen“, die das gleiche sind wie Pest, Wanzen oder Hundedreck, mit keinem einzigen Wort erwähnt oder kein Aber vorgebracht? Glauben Sie etwa, dass — wie Sie es sehen — wirklich all diese konterrevolutionären Dinge vollständig, makellos, also ganz grossartig wären und ausgerechnet der Marxismus-Leninismus total „Bankrott gemacht“ hätte?

Sagen wir es offen heraus: Wir haben den sehr starken Verdacht, dass Sie in geheimem Einvernehmen mit den Parteien der Japaner und der Landesverräter stehen; deshalb atmen Sie durch dieselben Nüstern, deshalb stimmen Ihre Worte und Taten mit den Worten und Taten des Feindes und der Landesverräter überein, weichen von ihnen in keiner Weise ab, unterscheiden sich nicht um ein Jota von ihnen. Der Feind und die Landesverräter wollten die Auflösung der Neuen Vierten Armee, und Sie gingen daran, sie aufzulösen; der Feind und die Landesverräter wollen die Auflösung der Kommunistischen Partei, und Sie wollen dasselbe; der Feind und die Landesverräter wollen die Liquidierung des Grenzgebiets, und Sie wollen das ebenfalls tun; der Feind und die Landesverräter sahen im Traum, dass Sie den Gelben Fluss nicht verteidigen; und Sie haben diese Verteidigung aufgegeben; der Feind und die Landesverräter greifen das Grenzgebiet an (sechs Jahre lang nehmen feindliche Truppen, die auf dem der Linie Suidö-Midschi-Djiahsiän-Wubao-Tjingdjiän gegenüberliegenden Flussufer stehen, die Verteidigungsstellungen der 8. Route-Armee am Gelben Fluss unaufhörlich unter Artilleriebeschuss), und Sie beabsichtigen ebenfalls, einen Angriff auf das Grenzgebiet zu beginnen; der Feind und die Landesverräter führen den Kampf gegen die Kommunisten, und Sie führen ihn auch; der Feind und die Landesverräter schmähen den Kommunismus und die liberalen Ideen, und Sie tun das gleiche1; der Feind und die Landesverräter greifen Kommunisten auf und zwingen sie dann, in den Zeitungen Erklärungen abzugeben, sie seien freiwillig mit einem Schuldgeständnis erschienen, und Sie tun das gleiche; der Feind und die Landesverräter schleusen Agenten des konterrevolutionären Geheimdienstes zur Wühlarbeit in die Kommunistische Partei, in die Achte Route-Armee und die Neue Vierte Armee ein, und Sie handeln ebenso. Warum diese Gleichartigkeit, dieses völlige Fehlen von Nichtübereinstimmung, diese absolute Unterschiedslosigkeit? Wenn Sie in so vielen Worten und Taten dem Feind und den Landesverrätern gleichen, nicht im geringsten von ihnen abweichen und sich durch nichts von ihnen unterscheiden, wie kann man Sie nicht verdächtigen, dass Sie eine geheime Verbindung mit dem Feind und den Landesverrätern unterhalten oder zu irgendeinem stillen Einvernehmen mit ihnen gekommen sind?

Wir legen beim Zentralexekutivkomitee der Kuomintang unseren offiziellen Protest ein: Der Abzug einer grossen Anzahl von Truppen von der Verteidigungsfront am Gelben Fluss, die Vorbereitung des Angriffs auf das Grenzgebiet und die Entfesselung des Bürgerkriegs das ist in höchstem Masse falsch und unzulässig. Die von der Zentralen Nachrichtenagentur am 6. Juli veröffentlichte Meldung untergräbt die Einheit und beleidigt die Kommunistische Partei. Dieses Vorgehen ist in höchstem Masse falsch und ebenfalls unzulässig. Beide Handlungen sind zum Himmel schreiende Verbrechen, die sich in nichts von denen des Feindes und der Landesverräter unterscheiden. Sie müssen diese Fehler korrigieren.

Wir richten offiziell an Herrn Tschiang Kai-schek, das Oberhaupt der Kuomintang, die Forderungen: den Truppen Hu Dsung-nans befehlen, in die Verteidigungslinie am Gelben Fluss zurückzukehren, die Zentrale Nachrichtenagentur massregeln und den Landesverräter Dschang Di-fe bestrafen.

Wir wenden uns an alle Mitglieder der Kuomintang, die wahre Patrioten sind und den Abzug der Truppen von der Verteidigungsfront am Gelben Fluss sowie den Angriff gegen das Grenzgebiet ebensowenig billigen wie die Forderung nach Auflösung der Kommunistischen Partei, mit dem Appell: Beginnt zu handeln, wendet diese Bürgerkriegskrise ab. Wir sind bereit, mit euch bis zum Ende zusammenzuarbeiten, um gemeinsam die Nation vor dem Untergang zu retten.

Wir sind überzeugt, dass alle diese Forderungen absolut berechtigt sind.

1Vorsitzender Mao Tse-tung meint hier das Buch Tschiang Kai-scheks Die Geschicke Chinas. In diesem Buch erhebt Tschiang Kai-schek offen die unverschämte Forderung nach Kampf gegen den Kommunismus und gegen liberale Ideen.