Mao Tse-tung: “Organisieren!”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

ORGANISIEREN!

Mao Tse-tung
29.11.1943

Ausgewählte Werke
Band 3
Reproduziert von
Die Rote Fahne

ORGANISIEREN!

Eine Rede, die der Vorsitzende Mao Tse-tung bei einem Empfang zu Ehren der Arbeitshelden des Grenzgebiets Schensi-Kansu-Ningsia gehalten hat.

Im Namen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei möchte ich einige Worte bei dem heutigen Empfang sagen, den das Zentralkomitee für die von den Bauernmassen sowie für die in den Betrieben, Truppenteilen, Institutionen und Lehranstalten des Grenzgebiets Schensi-Kansu-Ningsia gewählten männlichen und weiblichen Helden der Arbeit und vorbildlichen Produktionsorganisatoren veranstaltet hat. Der Sinn dessen, was ich zu sagen habe, kann in einem Wort zusammengefasst werden: „Organisieren!“ Die Massen der Bauern, der Truppenteile, der Institutionen, Lehranstalten und Betriebe des Grenzgebiets haben in diesem Jahr, gemäss den Resolutionen der vom Nordwestbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) im vorigen Winter abgehaltenen Beratung der höheren Funktionäre, eine Produktionsbewegung entfaltet. In diesem Jahr sind auf jedem Gebiet der Produktion grosse Erfolge erzielt und grosse Fortschritte gemacht worden, und das Grenzgebiet hat ein neues Gesicht bekommen. Die Tatsachen bestätigen im vollen Ausmass, dass der Kurs, der auf der Beratung der höheren Funktionäre festgelegt wurde, richtig ist. Der Hauptpunkt dieses Kurses ist, die Massen zu organisieren, die Kräfte der Bevölkerung, die Kräfte in den Truppenteilen, Institutionen und Lehranstalten, Männer und Frauen, jung und alt, möglichst ausnahmslos alle Menschen, die arbeitsfähigen und auch die nur teilweise arbeitsfähigen, zu mobilisieren und zu einer grossen Armee der Arbeit zu organisieren. Wir haben Truppen für die Kriegführung und auch Truppen für die produktive Arbeit. Als kriegführende Truppen besitzen wir die 8. Route-Armee und die Neue 4. Armee; aber auch diese Armeen sollen für zweierlei Aufgaben eingesetzt werden: für die Kriegführung und für die Produktion. Da wir diese beiden Arten von Truppen besitzen, wobei die militärischen Truppen zu zweierlei Einsatz befähigt sind und überdies noch die Fähigkeit zur Arbeit unter den Massen haben, können wir unsere Schwierigkeiten überwinden und den japanischen Imperialismus zerschlagen. Waren die Erfolge der Produktionsbewegung im Grenzgebiet bis zum Vorjahr noch nicht gross genug oder noch nicht genügend auffällig, reichten sie noch nicht aus, um die obige Feststellung voll zu bestätigen, so liefern uns die diesjährigen Erfolge ihre volle Bestätigung, wovon wir alle uns mit eigenen Augen überzeugt haben.

In allen Truppeneinheiten des Grenzgebiets, die in diesem Jahr Boden zugeteilt erhielten, hat jeder Kämpfer im Durchschnitt 18 Mu Land bearbeitet; sie können praktisch alles selbst produzieren, selbst errichten: Nahrungsmittel (Gemüse, Fleisch, Speiseöl), Bekleidung (wattierte Kleidungsstücke, Wollstricksachen, Schuhe und Socken), Unterkünfte (Erdhütten, Wohnhäuser), grössere oder kleinere Versammlungslokale, Artikel des täglichen Bedarfs (Tische, Stühle, Bänke, Hocker, Papier und Schreibzeug), Heizmaterial (Brennholz, Holz- und Steinkohle). Nach der Methode, alles mit eigenen Händen zu schaffen, haben wir das Ziel, uns ausreichend mit Kleidung und Nahrung zu versorgen, erreicht. Jeder Soldat muss sich nur drei Monate im Jahr mit der Produktion befassen; die restlichen neun Monate hindurch kann er sich mit seiner Ausbildung beschäftigen oder sich an Kampfhandlungen beteiligen. Unsere Truppen brauchen weder von der Kuomintang-Regierung noch von der Regierung des Grenzgebiets, noch von der Bevölkerung versorgt zu werden, sie versorgen sich ganz und gar selbst. Welch grosse Bedeutung hat doch diese schöpferische Initiative für die Sache unserer nationalen Befreiung. In den abgelaufenen sechseinhalb Jahren des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression führte der Feind in den antijapanischen Stützpunktgebieten seine Politik des „dreifachen Total“ durch, der zufolge alles total niederzubrennen, total niederzumetzeln und total auszuplündern sei, und das Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia wurde von der Kuomintang mehrfach blockiert, so dass wir finanziell und ökonomisch in eine aussergewöhnlich schwierige Lage gerieten; hätten da unsere Truppen nichts verstanden als Krieg zu führen, dann wären wir nicht imstande gewesen, unsere Probleme zu lösen. Jetzt haben bereits unsere Truppen im Grenzgebiet zu produzieren gelernt; auch die an der Front stehenden Truppen haben es zum Teil gelernt, zum Teil sind sie dabei, es zu lernen. Wenn alle Soldaten unserer heroischen und kampfgeübten Truppen, der Achten Route-Armee und der Neuen Vierten Armee, nicht nur das Krieg führen und die Massenarbeit, sondern auch die Produktion meistern, dann werden wir keine Schwierigkeiten zu fürchten brauchen und, um mit Menzius zu sprechen, „unbesiegbar auf Erden“1 sein. Unsere Institutionen und Lehranstalten haben in diesem Jahr gleichfalls einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Nur ein kleiner Teil ihrer Ausgaben wird durch Regierungsmittel gedeckt, der grösste Teil wird aus der Eigenproduktion bestritten; haben sie noch im Vorjahr nur 50% ihres Gemüsebedarfs selbst erzeugt, so sind es bereits in diesem Jahr 100%; dank der Schweine- und Schafzucht ist ihr Fleischkonsum beträchtlich gestiegen; sie haben auch viele Werkstätten für die Erzeugung von Gegenständen des täglichen Bedarfs eingerichtet. Da die Armee, die Institutionen und die Lehranstalten für ihre materiellen Bedürfnisse ganz oder grösstenteils durch ihre Eigenproduktion aufkommen, ist jener Teil ihrer Bedürfnisse, der durch Besteuerung der Bevölkerung gedeckt wird, verringert worden, und diese kann jetzt einen grösseren Teil der Früchte ihrer Arbeit selbst geniessen. Armee und Volk, beide entwickeln die Produktion, daher haben alle genügend Kleidung und Nahrung, sind alle zufrieden. Weiter: Unsere Betriebe haben die Produktion entfaltet, sich von Geheimagenten gesäubert und die Arbeitsproduktivität beträchtlich erhöht. Überall im Grenzgebiet sind in der Landwirtschaft, in der Industrie, in den Institutionen und Lehranstalten viele Helden der Arbeit herangewachsen, und auch die Armee hat zahlreiche Arbeitshelden hervorgebracht; man kann sagen, dass im Grenzgebiet die Produktion ins Geleise gekommen ist. Das alles ist das Ergebnis der Organisierung der Kräfte der Volksmassen.

Die Organisierung der Kräfte der Volksmassen ist der eine Kurs. Gibt es denn auch einen entgegengesetzten Kurs? Ja, den gibt es. Dieser Kurs besteht darin, dass man sich nicht auf die Massen orientiert, sich nicht auf die Massen stützt, die Massen nicht organisiert, der Organisierung der breiten Massen im Dorf, in den Truppenteilen, Institutionen, Lehranstalten und Betrieben keine Beachtung schenkt, sondern sein Augenmerk lediglich auf die Organisierung einer kleinen Anzahl von Menschen richtet, die in den Finanz-, Versorgungs- und Handelsorganen arbeiten, dass man die wirtschaftliche Tätigkeit nicht als eine breite Bewegung, als eine breite Front betrachtet, sondern lediglich als provisorischen Notbehelf zur Auffüllung der Finanzen. Das eben ist der andere Kurs, ein falscher Kurs. Im Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia hat es früher einen solchen Kurs gegeben; nachdem er aber durch die richtige Anleitung in den letzten Jahren korrigiert worden ist, und besonders nach der vorjährigen Beratung der höheren Funktionäre sowie nach der diesjährigen Massenbewegung, dürfte die Zahl der Leute mit einer solchen falschen Denkungsart nunmehr gering sein. In den Stützpunktgebieten Nord- und Zentralchinas hat die Produktionsbewegung der Massen infolge der erbitterten Kampfhandlungen und auch wegen der ungenügenden Aufmerksamkeit, die ihr die leitenden Stellen zuwenden, noch keinen breiten Umfang angenommen. Doch auch dort werden seit der Direktive des Zentralkomitees vom 1. Oktober dieses Jahres2 überall Vorbereitungen getroffen, um im nächsten Jahr die Produktionsbewegung zu entfalten. Die Bedingungen in den Frontgebieten sind noch schwerer als im Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia, und zwar nicht nur wegen der heftigen Kriegshandlungen, sondern auch weil mancherorts noch ernste Naturkatastrophen dazugetreten sind. Nichtsdestoweniger müssen wir, um den Krieg aufrechtzuerhalten, um der vom Feind betriebenen Politik des „dreifachen Total“ zu begegnen und den durch die Naturkatastrophen Geschädigten zu helfen, die ganze Partei, alle Machtorgane, sämtliche Truppenteile und die gesamte Bevölkerung sowohl für den Kampf gegen den Feind als auch für die Teilnahme an der Produktion mobilisieren. Auf Grund der in den letzten Jahren in den Frontgebieten gewonnenen Erfahrungen in der Produktion und nach den in diesem Winter getroffenen ideologischen, organisatorischen und materiellen Vorbereitungen kann und muss im kommenden Jahr eine breite Produktionsbewegung entfaltet werden. Unter den Kriegsbedingungen, die in den Frontgebieten herrschen, kann man dort noch nicht „ausreichende Kleidung und Nahrung“ beschaffen; doch es ist durchaus möglich, ja absolut notwendig, „mit eigenen Händen die Schwierigkeiten zu überwinden“.

Die wichtigste Form der Organisierung der Massen auf dem Gebiet der Wirtschaft sind gegenwärtig die Genossenschaften. Obwohl man der Produktionstätigkeit der Massen in den Truppenteilen, Institutionen und Lehranstalten nicht unbedingt die Bezeichnung „genossenschaftlich“ anheften muss, trägt sie dennoch genossenschaftlichen Charakter, da sie unter zentralisierter Leitung durch die Methode der gegenseitigen Hilfe und der gemeinschaftlichen Arbeit die materiellen Bedürfnisse der betreffenden Kategorie, der einzelnen Dienststellen und jedes einzelnen Mitarbeiters befriedigt. Das ist eine Art von Genossenschaften.

Die Bauernmassen führen seit Jahrtausenden eine individuelle Wirtschaft; jede Familie, jeder Hof stellt eine Produktionseinheit dar.

Diese zersplitterte individuelle Produktion ist die ökonomische Grundlage des Feudalregimes, sie verurteilt die Bauern zu ewiger Armut. Es gibt nur ein einziges Mittel, diesen zustand zu beseitigen, nämlich die allmähliche Kollektivierung; und der einzige Weg zur Kollektivierung führt, Lenin zufolge, über die Genossenschaft.3 Im Grenzgebiet haben wir bereits viele bäuerliche Genossenschaften organisiert, doch ist dieser Genossenschaftstypus vorläufig erst eine Anfangsform, und die Genossenschaften werden noch mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen müssen, ehe sie sich zu Genossenschaften von dem sowjetischen, Kolchos genannten Typus entwickeln. Unsere Wirtschaft ist die der Neuen Demokratie, und unsere Genossenschaften sind Organisationen der kollektiven Arbeit, die sich gegenwärtig noch auf die Einzelwirtschaft (auf das Privateigentum) gründen. Ferner existieren diese Genossenschaften in mehreren Formen. Die eine, die unter Bezeichnungen wie „Arbeitsaustauschbrigade“ und „Arbeitsgemeinschaft“4 besteht, ist eine Organisation für gegenseitige Hilfe bei den landwirtschaftlichen Arbeiten; diese Organisationsform war seinerzeit in den roten Gebieten von Kiangsi unter dem Namen „Gruppe der gegenseitigen Arbeitshilfe“ oder „Feldbestellungsgruppe“5 bekannt und wird auch derzeit in manchen Gegenden der Frontzone „Gruppe der gegenseitigen Hilfe“ genannt. Gleichgültig, wie sie sich nennen, ob sie jeweils nur aus einigen wenigen oder aus Dutzenden oder Hunderten Personen bestehen, ob ihnen ausschliesslich voll einsatzfähige oder auch teilweise arbeitsfähige Mitglieder angehören, ob die Genossenschaftler einander mit ihrer Arbeitskraft, ihrem Arbeitsvieh und ihren Geräten Hilfe erweisen oder gar in der Hochsaison gemeinsam verpflegt und gemeinsam untergebracht werden, ob schliesslich die betreffenden Organisationen zeitweiligen oder ständigen Charakter tragen — kurz, wie dem immer auch sei, wenn es sich nur um Organisationen der kollektiven gegenseitigen Hilfe handelt, denen sich die Massen freiwillig anschliessen (und einen Zwang darf es dabei absolut nicht geben), sind sie alle gut. Diese Methode der kollektiven gegenseitigen Hilfe ist eine Erfindung der Massen selbst. Seinerzeit haben wir die Erfahrungen der Massen in Kiangsi zusammengefasst; und jetzt verallgemeinern wir wieder solche Erfahrungen, die in Nordschensi gesammelt wurden. Im Grenzgebiet ist die gegenseitige Arbeitshilfe dank der Förderung durch die vorjährige Beratung der höheren Funktionäre und dank der Durchführung der diesjährigen Kampagne viel systematischer organisiert und weiterentwickelt worden. Viele Arbeitsaustauschbrigaden im Grenzgebiet haben in diesem Jahr das Pflügen, die Aussaat, das Jäten und das Ernten kollektiv durchgeführt und eine doppelt so grosse Ernte eingebracht wie im Vorjahr. Die Massen haben sich von der so beträchtlichen Wirksamkeit dieser Methode überzeugt, und nächstes Jahr werden bestimmt noch mehr Menschen sie anwenden. Wir erwarten nicht, allein im nächsten Jahr Hunderttausende von voll oder teilweise arbeitsfähigen Menschen im ganzen Grenzgebiet genossenschaftlich organisieren zu können, aber innerhalb einiger Jahre kann dieses Ziel wohl erreicht werden. Man muss auch die ganze Masse der Frauen zur Produktionsarbeit im Rahmen ihrer Kräfte heranziehen. Alle Faulenzer müssen durch ihre Heranziehung zu produktiver Arbeit umerzogen und in nützliche Menschen umgewandelt werden. In allen antijapanischen Stützpunktgebieten Nord- und Zentralchinas sind solche Produktionsgenossenschaften der kollektiven gegenseitigen Hilfe in breitem Umfang auf der Grundlage der Freiwilligkeit der Volksmassen zu organisieren.

Ausser diesen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der kollektiven gegenseitigen Hilfe gibt es noch drei weitere Genossenschaftsformen, und zwar: Mehrzweckgenossenschaften wie die Genossenschaft des Süddistrikts von Yenan, in denen die Funktionen von Produktions-, Konsum-, Transport (Salztransport)- und Kreditgenossenschaften vereinigt sind; Transportgenossenschaften (Salzbeförderungsbrigaden); Handwerksgenossenschaften.

Da wir nun diese vier Arten von Genossenschaften der Volksmassen sowie die auf kollektiver Arbeit beruhenden Genossenschaften in den Truppenteilen, Institutionen und Lehranstalten besitzen, werden wir die Kräfte der Massen zu einer grossen Armee der Arbeit organisieren können. Das ist der einzige Weg zur Befreiung der Volksmassen, der einzige Weg von Armut zu Wohlstand und auch der einzige Weg zum Sieg im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression. Jeder Kommunist muss lernen, die Arbeit der Massen zu organisieren. Auch die aus den Kreisen der Intelligenz stammenden Parteimitglieder müssen das lernen; wenn sie nur den festen Willen dazu haben, können sie das in einem Zeitraum von einem halben Jahr oder einem Jahr schaffen. Die Kommunisten können den Massen helfen, die Produktion zu organisieren, sie können ihnen helfen, ihre Erfahrungen zusammenzufassen. Wenn unsere Kameraden lernen werden, die Arbeit der Massen zu organisieren, den Bauern bei der Aufstellung von individuellen Produktionsplänen für ihren einzelnen Hof zu helfen, Arbeitsaustauschbrigaden, Salzbeförderungsbrigaden und Mehrzweckgenossenschaften zu organisieren, in den Truppenteilen, Institutionen, Lehranstalten und Fabriken die Produktion zu organisieren, den Produktionswettbewerb zu entfalten, die Helden der Arbeit anzuspornen und auszuzeichnen, Produktionsausstellungen zu veranstalten sowie die Schaffenskraft und Aktivität der Massen in Schwung zu bringen, und wenn sie daneben noch über verschiedene weitere Fähigkeiten verfügen, dann werden wir unbedingt imstande sein, die japanischen Imperialisten hinauszutreiben und gemeinsam mit dem ganzen Volk einen neuen Staat zu erbauen.

Wir Kommunisten müssen imstande sein, uns in allen Dingen mit den Massen zu verbinden. Wenn unsere Parteimitglieder das ganze Leben hindurch in ihren vier Wänden hocken und nicht hinausgehen, um sich einmal den Sturmwind um die Ohren pfeifen zu lassen und zu erfahren, wie es in der Welt zugeht — welchen Nutzen bringen sie dann eigentlich dem chinesischen Volk? Gar keinen, und wir brauchen solche Menschen nicht in unserer Partei. Wir Kommunisten müssen uns Stürme um die Ohren pfeifen lassen, müssen kennenlernen, wie es draussen in der Welt aussieht; diese Stürme, das sind die gewaltigen Stürme der Massenkämpfe, und diese Welt, das ist die grosse Welt des Kampfes der Massen. Es heisst: „Drei einfachen Schustern im Verein gelingt, was der eine Dschugo Liangi allein vollbringt.“ Das bedeutet, dass den Massen eine gigantische Schöpferkraft innewohnt. In der Tat gibt es im chinesischen Volk Tausende und aber Tausende Dschugo Liangs, jedes Dorf und jedes Städtchen hat seine Dschugo Liangs. Wir müssen in die Massen gehen, von den Massen lernen, ihre Erfahrungen zu besseren, systematisierten Erkenntnissen und Methoden verallgemeinern, diese sodann wieder in die Massen tragen (sie propagieren), die Massen aufrufen, diesen Erkenntnissen und Methoden gemäss zu handeln, und die Probleme der Massen lösen, damit die Massen Befreiung und Glück erlangen. Wenn unsere Kameraden, die örtliche Arbeit leisten, sich von den Massen loslösen, die Stimmungen der Massen nicht begreifen, es nicht verstehen, ihnen bei der Organisierung der Produktion und bei der Verbesserung der Lebensbedingungen zu helfen, wenn sie nichts anderes verstehen, als lediglich von ihnen die Getreideablieferung an den Staat zur Rettung des Landes zu fordern, und es nicht verstehen, zuerst mit 90% ihrer Kräfte den Massen bei der Lösung des Problems ihres „privaten Getreides zur Rettung des Volkes“ zu helfen und dann erst mit nur 10% ihrer Kräfte die Frage der Getreideablieferung an den Staat zur Rettung des Landes zu lösen — wenn es so steht, dann sind diese Kameraden vom Arbeitsstil der Kuomintang angesteckt und mit dem Staub des Bürokratismus bedeckt. Die Kuomintang weiss nur von der Bevölkerung zu fordern, gibt ihr aber nichts. Wenn ein Mitglied der Kommunistischen Partei ebenso handelt, dann ist sein Arbeitsstil der Kuomintang-Stil, dann ist sein Gesicht vom Staub des Bürokratismus angeschmutzt, und es muss in einer Schüssel mit heissem Wasser reingewaschen werden. Meiner Ansicht nach findet sich dieser bürokratische Arbeitsstil in der örtlichen Arbeit jedes antijapanischen Stützpunktgebiets; überall dort gibt es zum Teil Kameraden, denen der Gesichtspunkt der Orientierung auf die Massen fehlt und die sich daher von den Massen losgelöst haben. Wir müssen einen solchen Arbeitsstil konsequent überwinden, nur dann können wir uns mit den Massen aufs innigste verbinden.

Überdies trifft man in unserer Arbeit in den Truppenteilen einen Stil des Militärmachthabertums an; auch das ist ein Kuomintang-Stil, denn die Kuomintang-Truppen sind von den Massen losgelöst. Unsere Truppen müssen sich in ihren Beziehungen zu den Volksmassen, zu den Machtorganen und zur Partei, in den Beziehungen zwischen Offizieren und Soldaten, in den Beziehungen zwischen der militärischen und der politischen Tätigkeit sowie in den Wechselbeziehungen unter den Funktionären an die richtigen Prinzipien halten und dürfen auf keinen Fall an den Übeln des Militärmachthabertums kranken. Die Offiziere müssen sich um die Soldaten kümmern, deren Wohlergehen darf ihnen nicht gleichgültig sein, eine physische Bestrafung darf nicht vorgenommen werden; die Truppenteile müssen sich um die Volksmassen kümmern, dürfen nie die Volksinteressen beeinträchtigen; die Armee muss die Machtorgane und die Partei respektieren, darf keine Unabhängigkeit beanspruchen. Unsere Truppen, die 8. Route-Armee und die Neue 4. Armee, sind Truppen des Volkes; sie waren und sind ausgezeichnete Truppen, die besten im ganzen Land. Es ist aber Tatsache, dass sich in den letzten Jahren in ihnen Symptome des Militärmachthabertumgebrechens gezeigt haben, manche Kameraden in der Armee haben sich ein arrogantes Verhalten zugelegt. Sie benehmen sich den Soldaten, der Bevölkerung, den Machtorganen und der Partei gegenüber grob und rücksichtslos, geben stets die Schuld an dem oder jenem den Kameraden, die die lokale Arbeit machen, niemals aber sich selbst, sie sehen nur ihre eigenen Erfolge, nicht aber ihre Mängel, lieben nur Lobhudelei, dulden aber keine Kritik. Solche Erscheinungen trifft man beispielsweise im Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia an. Als Ergebnis der Beratung der höheren Funktionäre und der Tagung der militärischen und politischen Kader, die beide im Vorjahr stattgefunden haben, sowie dank der während des diesjährigen Frühlingsfestesii durchgeführten Bewegungen zur „Unterstützung der Regierung und Sorge für das Volk“ beziehungsweise zur „Unterstützung der Armee“ sind diese Tendenzen im wesentlichen überwunden worden; doch sind noch einige Überreste davon vorhanden, und wir müssen unsere Bemühungen fortsetzen, sie auszumerzen. Solche Gebrechen gibt es auch in den Stützpunktgebieten Nord- und Zentralchinas, und die dortigen Parteiorganisationen und Truppeneinheiten müssen darauf achten, dass sie überwunden werden.

Beide Gebrechen, sowohl die Tendenz zum Bürokratismus in der örtlichen Arbeit als auch die Tendenz zum Militärmachthabertum bei der Arbeit in den Truppenteilen, sind ihrer Natur nach gleich: Loslösung von den Massen. Unsere Kameraden sind in ihrer überwältigenden Mehrheit vortreffliche Kameraden. Auch jene, die die erwähnten Gebrechen aufweisen, können sich bessern, sobald man sie kritisiert und ihre Fehler aufdeckt. Man muss aber Selbstkritik entfalten, den fehlerhaften Tendenzen ins Gesicht sehen und sie gewissenhaft korrigieren. Wenn jemand die Tendenz zum Bürokratismus bei der örtlichen Arbeit oder die Tendenz zum Militärmachthabertum bei der Arbeit in den Truppenteilen nicht kritisiert, so will er den Kuomintang-Stil konservieren, will er dabei bleiben, dass sich der Staub des Bürokratismus und des Militärmachthabertums auf sein sauberes Gesicht legt, ist er also kein guter Kommunist. Wenn diese beiden Tendenzen beseitigt sind, wird unsere ganze Arbeit glatt vonstatten gehen, darunter natürlich auch die Produktionsbewegung.

Die Produktion in unserem Grenzgebiet hat sowohl bei den Bauernmassen als auch in den Institutionen, Lehranstalten, Truppenteilen und Betrieben grosse Erfolge aufzuweisen, auch in den Beziehungen zwischen Armee und Volksmassen wurden grosse Fortschritte erzielt, das Aussehen des Grenzgebiets hat sich bedeutend verbessert. Das alles zeugt davon, dass sich unsere Kameraden den Gesichtspunkt der Orientierung auf die Massen stärker angeeignet und in ihrer Verbindung mit den Massen einen grossen Schritt vorwärts gemacht haben. Aber wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern wir müssen auch künftighin Selbstkritik üben und weitere Fortschritte anstreben. Auch auf dem Gebiet der Produktion müssen wir trachten, neue Fortschritte zu erzielen. Weil sich Staub aufs Gesicht legt, waschen wir es täglich; weil sich Staub auf den Fussboden legt, fegen wir ihn täglich. Obwohl wir die Tendenzen zum Bürokratismus in der örtlichen Arbeit und zum Militärmachthabertum bei der Arbeit in der Armee im wesentlichen überwunden haben, können diese üblen Tendenzen dennoch wieder aufkommen. Wir sind mehrfach eingekreist von dem japanischem Imperialismus und von den Kräften der chinesischen Reaktion, wir sind von der Kleinbourgeoisie mit seiner Disziplinlosigkeit umgeben, tagtäglich werden uns Wolken des widerlichen Staubes des Bürokratismus und des Militärmachthabertums ins Gesicht geblasen. Wir dürfen uns daher nicht selbstzufrieden mit dem jeweiligen Erfolg begnügen. Wir müssen die Selbstzufriedenheit niederhalten und beständig an unseren eigenen Mängeln Kritik üben, ebenso wie wir, um immer sauber zu sein und den Staub zu entfernen, tagtäglich unser Gesicht waschen und den Fussboden fegen.

Helden der Arbeit und vorbildliche Produktionsorganisatoren! Ihr seid Führer des Volkes, ihr habt mit grossem Erfolg gearbeitet, und ich hoffe, dass ihr auch bei euch keine Selbstzufriedenheit aufkommen lasst. Wenn ihr in eure Kreise in den Bezirken Guandschung, Lung-dung, Sanbiän, Suidö und Yenaniii zurückkehrt, wenn ihr wieder in euren Institutionen, Lehranstalten, Truppenteilen und Fabriken seid, dann werdet ihr, wie ich hoffe, das Volk, die Massen führen, erfolgreicher eure Arbeit leisten und vor allem die Massen nach dem Prinzip der Freiwilligkeit in Genossenschaften zusammenfassen, und zwar noch zahlreicher und noch besser organisiert. Ich hoffe, dass ihr, heimgekehrt, diese Arbeit in Angriff nehmen und propagieren werdet, so dass wir bei der Konferenz der Arbeitshelden im nächsten Jahr auf noch grössere Erfolge werden zurückblicken können.

1Aus Menzius, Buch 3, „Gungsun Tschou“, Teil 1.

2Es handelt sich um die Schrift „Die Bewegungen zur Pachtherabsetzung, zur Produktionssteigerung und zur Unterstützung der Regierung und Sorge für das Volk in den Stützpunktgebieten entfalten“, vorliegender Band, S. 150 ff.

3Siehe Lenin, „Über das Genossenschaftswesen“.

4„Arbeitsaustauschbrigade“ und „Arbeitsgemeinschaft“ — beide waren Arbeitsorganisationen für kollektive gegenseitige Hilfe in der landwirtschaftlichen Produktion im Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia. „Arbeitsaustausch“ war eine Methode, bei der die Bauern untereinander den Einsatz ihrer Arbeitskräfte regulierten; menschliche Arbeitszeit wurde gegen menschliche, tierische gegen tierische oder auch menschliche gegen tierische ausgetauscht usw. Die Bauern, die den „Arbeitsaustauschbrigaden“ beitraten, stellten diesen ihre Arbeitskräfte oder ihr Arbeitsvieh zur Verfügung, um die Felder der einzelnen Gruppenmitglieder nacheinander kollektiv zu bestellen; bei der Verrechnung galt als Austauscheinheit ein geleisteter Arbeitstag, und den Mitgliedern, welche mehr menschliche oder tierische Arbeitstage geleistet hatten, wurde von jenen die weniger beigesteuert hatten, die Differenz vergütet. Die „Arbeitsgemeinschaften“ wurden in der Regel von landarmen Bauern gebildet. Ihre Mitglieder tauschten nicht nur untereinander ihre Arbeitskräfte zur gegenseitigen Hilfe aus, sondern bildeten vor allem Kollektive, welche sich an jene Höfe verdingten, die knapp an Arbeitskräften waren.

5Siehe Anmerkung 2 zur Arbeit „Unsere Wirtschaftspolitik“, ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. 1, S. 166 f.

iDschugo Liang (181-234) war ein Staatsmann und Stratege der alten Zeit. In den chinesischen Volksüberlieferungen wurde er zu einem Symbol der Findigkeit und Weisheit.

iiDas Frühjahrsfest ist der Neujahrstag nach dem chinesischem Mondkalender.

iiiDas Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia war in diese fünf Bezirke unterteilt.