Mao Tse-tung: “Probleme des Krieges und der Strategie”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

PROBLEME DES KRIEGES UND DER STRATEGIE

Mao Tse-tung
06.11.1938

Ausgewählte Werke
Band 2
Reproduziert von
Die Rote Fahne

PROBLEME DES KRIEGES UND DER STRATEGIE

Teil des Schlussworts des Vorsitzenden Mao Tse-tung auf dem 6. Plenum des auf 6. Parteitag gewählten Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas. Der Vorsitzende Mao Tse-tung hatte schon in seinen Arbeiten „Strategische Probleme des Guerillakriegs gegen die japanische Aggression“ und „Über den langwierigen Krieg“ Frage der Führung der Partei im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression. Aber Kameraden, die in rechtsopportunistische Fehler verfielen, bestritten Notwendigkeit der Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Kommunistischen Partei in der Einheitsfront; deshalb zweifelten sie die Linie der Partei in den Fragen Krieges und der Strategie an und traten gegen sie auf. Damit dieser Rechtsopportunismus in der Partei überwunden und allen Parteimitgliedern geholfen wird, die primäre Bedeutung der Probleme des Krieges und der Strategie in dem gesamten Fragenkomplex der chinesischen Revolution besser zu verstehen, und damit die ganze Partei zur gewissenhaften Beschäftigung mit der diesbezüglichen Arbeit mobilisiert wird, kehrte der Vorsitzende Mao Tse-tung auf dem 6. Plenum des 6. Zentralkomitees der Partei zu dieser Frage zurück, beleuchtete sie prägnant auf der Grundlage der Geschichte des politischen Kampfes in China und analysierte gleichzeitig die Entfaltung der militärischen Arbeit und die konkreten Änderungen im strategischen Kurs der Partei. Dadurch wurde die Einheit der Partei sowohl im Denken ihrer Führung als auch in ihrer praktischen Arbeit erreicht.

1. DIE BESONDERHEITEN CHINAS UND DER REVOLUTIONÄRE KRIEG

Die zentrale Aufgabe der Revolution und ihre höchste Form ist die bewaffnete Machtergreifung, ist die Lösung der Frage durch den Krieg. Dieses revolutionäre Prinzip des Marxismus-Leninismus hat allgemeine Gültigkeit, es gilt überall, in China wie im Ausland.
Wenn jedoch das Prinzip auch ein und dasselbe bleibt, so kommt doch seine Verwirklichung durch die Partei des Proletariats gemäss den verschiedenen Bedingungen auf verschiedene Weise zum Ausdruck. In den kapitalistischen Ländern besteht — abgesehen von Perioden, da dort der Faschismus herrscht und Kriege im Gange sind — folgende Situation: Innenpolitisch gibt es keine Feudalordnung mehr, sondern die bourgeoise Demokratie, aussenpolitisch werden diese Länder nicht national unterdrückt, sondern unterdrücken selbst andere Nationen. Entsprechend diesen Besonderheiten besteht die Aufgabe der proletarischen Parteien in den kapitalistischen Staaten darin, durch einen legalen Kampf während eines langen Zeitabschnitts die Arbeiter zu erziehen, Kräfte zu sammeln und so zum endgültigen Sturz des Kapitalismus zu rüsten. Dort geht es um einen langwierigen legalen Kampf, um die Ausnutzung des Parlaments als Tribüne, um wirtschaftliche und politische Streiks, die Organisierung der Gewerkschaften und die Schulung der Arbeiter. Die Formen der Organisation sind dort legal, die Formen des Kampfes unblutig (nicht militärisch). Was die Frage des Krieges betrifft, so kämpft die Kommunistische Partei eines solchen Landes dagegen, dass ihr Land imperialistische Kriege führt; falls jedoch ein solcher Krieg ausbricht, besteht die Politik der Partei darin, für die Niederlage der reaktionären Regierung des eigenen Landes zu kämpfen. Der einzige Krieg, den die Partei braucht, ist der Bürgerkrieg, auf den sie sich vorbereitet.1 Aber solange die Bourgeoisie nicht wirklich versagt hat, solange die Mehrheit des Proletariats nicht von der Entschlossenheit durchdrungen ist, den bewaffneten Aufstand zu beginnen und den Bürgerkrieg zu führen, solange die Bauernmassen dem Proletariat nicht freiwillig zu helfen beginnen, soll man den bewaffneten Aufstand und den Bürgerkrieg nicht beginnen. Und wenn die Zeit für Aufstand und Krieg gekommen ist, bemächtigt man sich in erster Linie der Städte und führt dann erst den Angriff gegen die Dörfer und nicht umgekehrt. All das haben die Kommunistischen Parteien der kapitalistischen Länder getan, und all das wurde durch die Oktoberrevolution in Russland bestätigt.
Anders ist es aber in China. Die Besonderheiten Chinas bestehen darin, dass es kein unabhängiger, demokratischer Staat ist, sondern ein halbkoloniales, halbfeudales Land, dass innerhalb des Landes keine Demokratie herrscht, sondern feudale Unterdrückung, während das Land aussenpolitisch keine nationale Unabhängigkeit besitzt, sondern unter dem Joch des Imperialismus leidet. Deshalb gibt es in China kein Parlament, das wir ausnutzen könnten, kein legales Recht, die Arbeiter zur Durchführung von Streiks zu organisieren. Die Aufgabe der Kommunistischen Partei besteht hier im wesentlichen nicht darin, über einen langwierigen legalen Kampf zu Aufstand und Krieg zu kommen, und auch nicht darin, zunächst die Städte zu erobern und dann die Dörfer zu gewinnen. Sie muss völlig anders vorgehen.

Für die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) steht die Frage so: Wenn der Imperialismus keinen bewaffneten Überfall auf China unternimmt, führt sie entweder zusammen mit der Bourgeoisie einen Bürgerkrieg gegen die Militärmachthaber (die Lakaien des Imperialismus), wie das in den Jahren 1924 bis 1927 zur Zeit des Krieges in der Provinz Kuangtung2 und des Nordfeldzugs der Fall war, oder einen Bürgerkrieg im Bündnis mit der Bauernschaft und der städtischen Kleinbourgeoisie gegen die Grundherrenklasse und die Kompradorenbourgeoisie (ebenfalls Lakaien des Imperialismus), wie das zur Zeit des Agrarrevolutionären Krieges in den Jahren 1927 bis 1936 der Fall war. Wenn aber der Imperialismus einen bewaffneten Überfall auf unser Land unternimmt, führt die Partei im Bündnis mit allen Klassen und Schichten des Landes, die den ausländischen Aggressoren entgegentreten, einen nationalen Krieg gegen den äusseren Feind, wofür der gegenwärtige Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge ein Beispiel ist.
All das zeigt den Unterschied zwischen China und den kapitalistischen Ländern. In China ist die Hauptform des Kampfes der Krieg und die Hauptform der Organisation die Armee. Alle übrigen Formen, wie beispielsweise die Organisation der Volksmassen, der Kampf der Volksmassen usw., sind von ausserordentlich grosser Bedeutung, sind alle unbedingt notwendig, und man darf sie keineswegs übersehen, aber sie sind alle den Interessen des Krieges untergeordnet. Bevor ein Krieg ausbricht, dienen alle Organisationen und alle Kämpfe der Vorbereitung zum Krieg, wie das beispielsweise in der Periode zwischen der Bewegung des 4. Maii (1919) und der Bewegung des 30. Mai (1925) der Fall war. Nach Ausbruch des Krieges sind alle Organisationen und alle Kämpfe direkt oder indirekt mit dem Krieg koordiniert. Diese Koordinierung aller Organisationen und Kämpfe mit dem Krieg galt beispielsweise in der Periode des Nordfeldzugs unmittelbar für das Hinterland der Revolutionären Armee und mittelbar für die von den Militärmachthabern des Nordens beherrschten Gebiete, in der Periode des Agrarrevolutionären Krieges unmittelbar für die roten Gebiete und mittelbar für die ausserhalb derselben gelegenen Gebiete. Und schliesslich jetzt, in der Periode des Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge, sind alle Organisationen und alle Kämpfe im Hinterland der antijapanischen Armeen und in den vom Feind besetzten Gebieten ebenfalls unmittelbar oder mittelbar mit dem Krieg koordiniert.

In China kämpft die bewaffnete Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution. Das ist eine der Besonderheiten und einer der Vorzüge der chinesischen Revolution.“3 Diese These des Kameraden Stalin ist völlig richtig. Sie ist richtig sowohl für den Nordfeldzug als auch für den Agrarrevolutionären Krieg und für den gegenwärtigen Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge. Alle diese Kriege sind revolutionäre Kriege, sie sind gegen die Konterrevolution gerichtet, und die Hauptkraft in ihnen ist das revolutionäre Volk. Sie unterscheiden sich voneinander lediglich dadurch, dass es entweder Bürgerkriege oder nationale Kriege sind; entweder Kriege, deren Führung die Kommunistische Partei allein innehat, oder Kriege, an deren Spitze die Kuomintang und die Kommunistische Partei gemeinsam stehen. Gewiss ist das ein bedeutender Unterschied. In ihm zeigen sich die unterschiedliche Zusammensetzung der den Krieg führenden Hauptkräfte (Bündnis der Arbeiter und Bauern oder Bündnis der Arbeiter, der Bauern und der Bourgeoisie), die Verschiedenheit der Feinde, gegen die jeweils der Krieg geführt wird (innerer Feind oder äusserer Feind, wobei der innere Feind wiederum einmal die Militärmachthaber des Nordens waren, ein andermal die Kuomintang), und die Tatsache, dass in China die revolutionären Kriege in den verschiedenen Perioden ihres historischen Verlaufs einen unterschiedlichen Inhalt haben. Aber all diese Kriege sind ein Kampf der bewaffneten Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution, sind revolutionäre Kriege, und sie weisen die Besonderheiten und Vorzüge der chinesischen Revolution auf. Der revolutionäre Krieg ist „eine der Besonderheiten und einer der Vorzüge der chinesischen Revolution“ — diese These entspricht voll und ganz den Gegebenheiten Chinas. Die Hauptaufgabe der Partei des chinesischen Proletariats — eine Aufgabe, der sich die Partei fast seit Beginn ihres Bestehens gegenübersah — besteht darin, eine möglichst grosse Anzahl von Verbündeten zu vereinen und den Umständen entsprechend den bewaffneten Kampf gegen die innere oder die äussere bewaffnete Konterrevolution für die nationale und soziale Befreiung zu organisieren. In China hätten das Proletariat und die Kommunistische Partei ohne den bewaffneten Kampf keine Geltung gehabt, hätte keine einzige der revolutionären Aufgaben gelöst werden können.

Unsere Partei hatte das in den fünf bis sechs Jahren, die zwischen der Gründung unserer Partei im Jahre 1921 und ihrer Teilnahme am Nordfeldzug im Jahre 1926 lagen, nicht genügend erkannt. Damals begriff sie noch nicht die ausserordentliche Wichtigkeit des bewaffneten Kampfes in China, befasste sich nicht ernstlich mit der Vorbereitung zum Krieg und mit der Organisierung der Armee, legte kein Gewicht auf das Studium der militärischen Strategie und Taktik. Während des Nordfeldzugs hielt sie es nicht für wichtig, die Armee für sich zu gewinnen, und legte das Schwergewicht einseitig auf die Massenbewegung, was dazu führte, dass die ganze Massenbewegung zusammenbrach, sobald die Kuomintang reaktionär geworden war. Nach 1927 sahen viele Kameraden lange Zeit hindurch die zentrale Aufgabe der Partei noch immer darin, Aufstände in den Städten vorzubereiten und in den weissen Gebieten zu arbeiten. Erst nach der siegreichen Zerschlagung des dritten „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzugs“ des Feindes im Jahre 1931 änderten manche Kameraden von Grund auf ihre Haltung in dieser Frage. Das bedeutete aber noch keine Wandlung der gesamten Partei, und es gab Kameraden, die noch immer nicht so dachten, wie wir jetzt denken.

Die Erfahrung zeigt uns, dass Chinas Probleme ohne bewaffneten Kampf nicht gelöst werden können. Das zu begreifen ist nützlich, wenn man von jetzt an den Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge erfolgreich führen will. Die konkrete Tatsache, dass im Krieg gegen die japanischen Eindringlinge das ganze Volk bewaffneten Widerstand leistet, wird die Partei lehren, die Wichtigkeit dieser Frage noch besser zu begreifen. Jedes Parteimitglied muss jederzeit bereit sein, zum Gewehr zu greifen und an die Front zu gehen. Mehr noch, das gegenwärtige Plenum hat durch seinen Beschluss, dass der Hauptabschnitt der Parteiarbeit die Arbeit in den Frontgebieten und hinter den feindlichen Linien ist, eine klare Richtlinie zu diesem Punkt gegeben. Das ist übrigens eine ausgezeichnete Arznei dagegen, dass einige Parteimitglieder nur organisatorische Parteiarbeit leisten oder in den Massenbewegungen arbeiten möchten, aber für das Studium des Krieges und für die Teilnahme am Krieg nichts übrig haben, sowie dagegen, dass einige Lehranstalten keinen Wert darauf legten, die Schüler zu ermuntern, an die Front zu gehen, und gegen andere Erscheinungen. Im grössten Teil des chinesischen Territoriums sind die organisatorische Arbeit der Partei und ihre Arbeit in den Massenbewegungen unmittelbar mit dem bewaffneten Kampf verbunden; hier gibt es keine Parteiarbeit und keine Massenbewegung, die vom bewaffneten Kampf isoliert und losgelöst wären, und kann es auch keine geben. Aber auch im Hinterland, das von den Frontgebieten relativ weit entfernt ist (wie die Provinzen Yünnan, Kueitschou, Szetschuan), und in den Gebieten, die unter der Kontrolle des Feindes stehen (wie Peiping, Tientsin, Nanking und Schanghai), sind die organisatorische Arbeit der Partei und ihre Arbeit in den Massenbewegungen ebenfalls mit dem Krieg koordiniert, sie können und müssen allein den Erfordernissen der Front untergeordnet sein. Mit einem Wort, die ganze Partei muss ihre Aufmerksamkeit auf den Krieg konzentrieren, das Militärwesen studieren und zum Kampf rüsten.

2. DIE KRIEGSGESCHICHTE DER KUOMINTANG

Es wird für uns nützlich sein, einen Blick auf die Geschichte der Kuomintang zu werfen und zu sehen, welche Beachtung diese Partei dem Krieg gewidmet hat.

Schon zu jener Zeit, als Sun Yat-sen eine kleine revolutionäre Organisation geschaffen hatte, führte er mehrere bewaffnete Aufstände gegen die Tjing-Dynastie durch4 Die Periode der Chinesischen Revolutionären Liga war noch reicher an bewaffneten Aufständen,5 und schliesslich wurde die Tjing-Dynastie in der Revolution von 1911 mit Waffengewalt gestürzt. In der Periode der Chinesischen Revolutionären Partei führte Sun Yat-sen bewaffnete Aktionen gegen Yüan Schi-kai durch.6 Die späteren Aktionen wie die Flottenaktion gegen den Süden,7 der Nordfeldzug von Guilin aus8 und die Gründung der Militärakademie Huangpu9 zählten alle zur militärischen Tätigkeit Sun Yat-sens.

Nachdem Tschiang Kai-schek an die Stelle Sun Yat-sens getreten war, leitete er die Periode ein, in der die militärische Macht der Kuomintang im Zenit stand. Für Tschiang Kai-schek ist die Armee sein Leben; er hat drei Kriege erlebt, nämlich den Nordfeldzug, den Bürgerkrieg und die Anfangsperiode des Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge. In den letzten zehn Jahren war Tschiang Kai-schek konterrevolutionär. Zu konterrevolutionären Zwecken hat er die riesige „Zentralarmee“ geschaffen. Er hat sich fest an die lebenswichtigen Grundsätze gehalten: „Wer die Armee hat, hat die Macht“ und „Der Krieg entscheidet alles“. In dieser Hinsicht müssen wir von ihm lernen. In dieser Hinsicht sind sowohl Sun Yat-sen als auch Tschiang Kai-schek unsere Lehrer.
Seit der Revolution von 1911 war die Armee allen Militärmachthabern stets so teuer wie ihr eigenes Leben; sie legten grosses Gewicht auf das Prinzip: „Wer die Armee hat, hat die Macht.“

Tan Yän-kai10 war ein kluger hoher Beamter; er gewann und verlot mehrmals leitende Posten in der Provinz Hunan und wollte niemals bloss Zivilgouverneur sein: Er bestand darauf, sowohl Militärgouverneur als auch Zivilgouverneur zu werden. Später, als er Vorsitzender der Nationalregierung zunächst in Kuangtung und dann in Wuhan geworden war, gelang es ihm, auch den Posten des Kommandeurs des 2. Korps zu bekleiden. In China gibt es viele solche Militärmachthaber, die diese Besonderheit Chinas erfassen.
China kennt auch solche Parteien, die keine Armee haben wollten; eine der bedeutendsten unter ihnen war die Progressive Partei.11 Aber auch sie begriff, dass man Staatsposten nur erhalten kann, wenn man sich auf irgendeinen Militärmachthaber stützt, und sie fand ihre Gönner in Gestalt von Yüan Schi-kai, Duan Tji-jui12 und Tschiang Kaischek (diesem hat sich die Gruppe „Politische Wissenschaft“,13 eine Splittergruppe der Progressiven Partei, angeschlossen).

Einige kleine Parteien mit einer kurzen Geschichte wie die Jugendpartei Chinas14 haben keine Truppen und bringen deshalb auch nichts zustande.

In anderen Ländern haben es die bourgeoisen Parteien nicht nötig, Truppen zu ihrer unmittelbaren Verfügung zu haben. Anders ist es aber in China: Infolge seiner feudalen Zersplitterung erlangen jene Gruppen oder Parteien der Grundherren oder der Bourgeoisie die Macht, die die Gewehre haben, und die grössere Macht erlangt der, der mehr Gewehre hat. Die Partei des Proletariats, die unter solchen Bedingungen wirkt, muss das Wesen der Dinge erkennen.

Die Kommunisten erstreben nicht die militärische Macht für ihre Person (sie dürfen das auf keinen Fall anstreben, und sie dürfen nie und nimmer Dschang Guo-tao nachahmen), aber sie müssen eine Militärmacht für die Partei, für das Volk erkämpfen. Da nun ein nationaler Widerstandskrieg vor sich geht, müssen sie auch für die Nation die militärische Macht erstreben. Wer von der Kinderkrankheit in der Frage der Militärmacht befallen ist, wird sicherlich zu nichts kommen. Dem arbeitenden Volk, das jahrtausendelang ein Opfer des Betrugs und der Einschüchterung seitens der reaktionären herrschenden Klassen war, fällt es nicht leicht, sich zu der Erkenntnis aufzuschwingen, dass es wichtig ist, Gewehre in den eigenen Händen zu haben. Das Joch des japanischen Imperialismus und der Widerstandskrieg der ganzen Nation gegen die japanische Aggression haben das werktätige Volk auf den Schauplatz des Krieges treten lassen, und die Kommunisten müssen sich als politisch höchst bewusste Führer dieses Krieges erweisen. Jeder Kommunist muss diese Wahrheit begreifen: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.“ Unser Prinzip lautet: Die Partei kommandiert die Gewehte, und niemals darf zugelassen werden, dass die Gewehre die Partei kommandieren. Hat man aber Gewehre, dann kann man wirklich Parteiorganisationen schaffen, und die 8. Route-Armee hat in Nordchina eine mächtige Parteiorganisation geschaffen. Dann kann man auch noch Kader hervorbringen, Schulen errichten, eine Kultur schaffen, Massenbewegungen ins Leben rufen. Alles, was es in Yenan gibt, ist mit Hilfe der Gewehre geschaffen worden. Alles kommt aus den Gewehrläufen. Vom Standpunkt der marxistischen Lehre vom Staat ist die Armee die Hauptkomponente der Staatsmacht. Wer die Staatsmacht ergreifen und behaupten will, der muss eine starke Armee haben. Manche Leute bezeichnen uns höhnisch als Anhänger der „Theorie von der Allmacht des Krieges“; jawohl, wir sind Anhänger der Theorie von der Allmacht des revolutionären Krieges, und das ist nicht schlecht, sondern gut, das ist marxistisch. Die Gewehre der Kommunistischen Partei Russlands haben den Sozialismus geschaffen. Wir wollen eine demokratische Republik schaffen. Die Erfahrungen des Klassenkampfes im Zeitalter des Imperialismus lehren uns: Die Arbeiterklasse und die übrigen werktätigen Massen können nur mit der Macht der Gewehre die bewaffneten Bourgeois und Grundherren besiegen; in diesem Sinne können wir sagen, dass die ganze Welt nur mit Hilfe der Gewehre umgestaltet werden kann. Wir treten dafür ein, dass der Krieg abgeschafft wird, wir wollen keinen Krieg; man kann aber den Krieg nur durch Krieg abschaffen, und wenn man will, dass es keine Gewehre mehr geben soll, muss man das Gewehr in die Hand nehmen.

3. DIE KRIEGSGESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS

Obwohl unsere Partei drei bis vier Jahre lang — von 1921 (Gründungsjahr der KPCh) bis 1924 (1. Nationalkongress der Kuomintang) — die Wichtigkeit der unmittelbaren Vorbereitung zum Krieg und der Organisierung der Armee nicht begriff, obwohl sie das von 1924 bis 1927 und sogar im Laufe einer gewissen nachfolgenden Periode immer noch nicht genügend begriff, trat sie doch von 1924 an, da sie sich an der Organisierung und an der Arbeit der Militärakademie Huangpu beteiligte, in ein neues Stadium ein und begann die Wichtigkeit des Militärwesens zu begreifen. Dadurch, dass sie die Kuomintang im Krieg in der Provinz Kuangtung unterstützte und sich am Nordfeldzug beteiligte, nahm die Partei einen Teil der Armee in ihre Hände.15 Die Niederlage der Revolution war für die Partei eine bittere Lehre, und sie organisierte sodann den Aufstand von Nantschang, den Herbsternte-Aufstand und den Aufstand von Kanton und trat in eine neue Periode ein — in die Periode der Schaffung der Roten Armee. Das war eine entscheidende Periode, in der unsere Partei die Wichtigkeit der Armee völlig begriffen hat. Hätte es nicht in dieser Periode die Rote Armee und die von ihr geführten Kriege gegeben, mit anderen Worten, hätte sich die Kommunistische Partei das Liquidatorentum Tschen Du-hsius zu eigen gemacht, dann wäre der heutige Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge undenkbar, und man könnte diesen Krieg auch keineswegs lange durchhalten.

Auf seiner ausserordentlichen Tagung am 7. August I927 nahm das Zentralkomitee der Partei den Kampf gegen den politischen Rechtsopportunismus auf, und das ermöglichte es ihr, einen grossen Schritt vorwärts zu tun. Auf dem 4. Plenum des 6. Zentralkomitees der Partei im Januar 1931 bekämpfte man angeblich den „linken“ Opportunismus in der Politik, wiederholte aber in Wirklichkeit die Fehler des „linken“ Opportunismus. Der Inhalt und die historische Rolle dieser beiden Tagungen sind verschieden, aber weder die eine noch die andere ging nachdrücklich auf die Probleme des Krieges und der Strategie ein. Das war eine Widerspiegelung der Tatsache, dass der Schwerpunkt der Parteiarbeit damals noch nicht auf den Krieg verlagert war. Nachdem das Zentralkomitee der Partei im Jahre 1933 in die roten Gebiete übergesiedelt war, änderte sich die Lage von Grund auf, aber in der Frage des Krieges (sowie in allen übrigen wichtigsten Fragen) wurden erneut Fehler prinzipiellen Charakters gemacht, die dem revolutionären Krieg ernsten Schaden zufügten.16 Auf der Tagung von Dsunyi im Jahre 1935 wurde hauptsächlich der Opportunismus auf militärischem Gebiet bekämpft, und die Frage des Krieges wurde an die erste Stelle gerückt; das war eine Widerspiegelung der Kriegssituation. Heute können wir nunmehr voller Gewissheit sagen, dass die KPCh im Verlauf des siebzehnjährigen Kampfes nicht nur eine feste marxistische politische Linie, sondern auch eine feste marxistische militärische Linie ausgearbeitet hat. Wir sind nicht nur imstande, den Marxismus anzuwenden, um politische Fragen zu lösen, sondern wir sind auch imstande, ihn anzuwenden, um die militärischen Fragen zu lösen; wir haben nicht nur einen mächtigen Stamm von Funktionären geschaffen, der die Partei und den Staat zu lenken vermag, sondern auch einen mächtigen Grundstock, der die Armee lenken kann. Das sind frische Blüten der Revolution, gewachsen auf einem Boden, der mit dem heissen Blut unzähliger gefallener Helden getränkt worden ist, das gereicht nicht nur der KPCh und dem chinesischen Volk, sondern auch den kommunistischen Parteien und den Völkern der ganzen Welt zum Ruhm. In der Welt gibt es vorläufig nur drei Armeen, die dem Proletariat und dem werktätigen Volk gehören, das sind die Armeen, die von den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, Chinas und Spaniens geführt werden. Die Kommunistischen Parteien der anderen Länder haben noch keine militärische Erfahrung, und deshalb sind unsere Armee und unsere militärischen Erfahrungen von besonderem Wert.

Für die siegreiche Durchführung des gegenwärtigen Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge sind die zahlenmässige Vergrösserung und die Festigung der 8. Route-Armee, der Neuen 4. Armee und aller von unserer Partei geführten Guerillaabteilungen von ausserordentlich grosser Bedeutung. Von diesem Prinzip ausgehend, muss die Partei eine ausreichende Anzahl ihrer besten Mitglieder und Funktionäre an die Front entsenden. Alles für den Sieg an der Front! Die organisatorischen Aufgaben müssen den politischen Aufgaben untergeordnet sein.

4. WENDUNGEN IN DER MILITÄRSTRATEGIE DER PARTEI IM BÜRGERKRIEG UND IM NATIONALEN KRIEG

Die Frage der Wendungen in der militärischen Strategie unserer Partei verdient sorgfältiges Studium. Wir wollen sie getrennt nach den zwei Prozessen, dem Bürgerkrieg und dem nationalen Krieg, betrachten.

Der Verlauf des Bürgerkriegs kann im allgemeinen in zwei strategische Perioden eingeteilt werden. In der ersten Periode nahm der Guerillakrieg, in der zweiten die reguläre Kriegführung den ersten Platz ein. Der hier gemeinte reguläre Krieg war jedoch eine Kriegführung chinesischen Typs: Sein regulärer Charakter trat nur in der Durchführung von Operationen des Bewegungskriegs mit konzentrierten Kräften sowie in einer Zentralisierung und Planmässigkeit gewissen Grades im Kommando und in der Organisation zutage; in anderer Hinsicht jedoch behielt er einen Guerillacharakter bei und stand auf einer niedrigen Stufe, war Operationen ausländischer Armeen nicht gleichzustellen und unterschied sich auch etwas von den Operationen der Kuomintang-Armee. Deshalb stellte ein solcher regulärer Krieg in gewissem Sinne einen auf ein höheres Niveau gehobenen Guerillakrieg dar.

Betrachtet man den Verlauf des Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge vom Standpunkt der militärischen Aufgaben unserer Partei, dann kann man diesen Krieg im allgemeinen ebenfalls in zwei strategische Perioden einteilen: die erste (die zwei Etappen die der strategischen Verteidigung und die des strategischen Gleichgewichts — umfasst), in der der Guerillakrieg an erster Stelle steht, und die zweite (die Etappe der strategischen Gegenoffensive), in der die reguläre Kriegführung den ersten Platz einnehmen wird. Der Guerillakrieg in der ersten Periode des Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge unterscheidet sich jedoch seinem Inhalt nach beträchtlich von dem Guerillakrieg in der ersten Periode des Bürgerkriegs, weil jetzt zur Durchführung der Guerillaaktionen die 8. Route-Armee, die (bis zu einem gewissen Grad) den Charakter einer regulären Armee hat, aufgelockert eingesetzt wird. Die reguläre Kriegführung in der zweiten Periode des Widerstandskriegs wird sich ebenfalls von der regulären Kriegführung in der zweiten Periode des Bürgerkriegs unterscheiden. Wir gehen hier von der Annahme aus, dass nach Ausrüstung der Truppen mit modernen Waffen eine grosse Umwälzung in der Armee und in ihren Operationen vollzogen werden wird. Dann werden die Truppen einen hohen Grad der Konzentriertheit und Organisiertheit erreichen, ihre Operationen werden in hohem Masse regulären Charakter annehmen, ihr Guerillacharakter wird stark abnehmen; was jetzt auf einer niedrigen Stufe steht, wird auf eine höhere Stufe gehoben werden, und der chinesische Typ der regulären Kriegführung wird in den Typ, der in der Welt üblich ist, verwandelt werden. Das wird unsere Aufgabe in der Etappe der strategischen Gegenoffensive sein.

Somit sehen wir, dass die zwei Prozesse — der Bürgerkrieg und der Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge — mit ihren vier strategischen Perioden insgesamt drei Wendungen in der Strategie enthalten. Die erste war der Übergang vom Guerillakrieg zur regulären Kriegführung im Bürgerkrieg; die zweite — der Übergang von der regulären Kriegführung im Bürgerkrieg zum Guerillakrieg im Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge; die dritte wird der Übergang vom Guerillakrieg zur regulären Kriegführung im Widerstandskrieg sein.

Bei der ersten dieser drei Wendungen sind wir auf sehr grosse Schwierigkeiten gestossen. Hier waren zweierlei Aufgaben zu erfüllen. Einerseits musste gegen die rechte Abweichung — Lokalpatriotismus und Guerillatum — gekämpft werden, die darin zum Ausdruck kam, dass man sich an den Guerillacharakter der Operationen klammerte und sich nicht auf den regulären Charakter der Operationen umstellen wollte. Diese Abweichung resultierte daraus, dass unsere Kader die Veränderungen unterschätzten, die hinsichtlich der Situation beim Feind und unserer eigenen Aufgaben vor sich gegangen waren. Nehmen wir das Zentrale Rote Gebiet als Beispiel: Hier gelang es erst nach Durchführung einer sehr mühevollen Erziehungsarbeit, diese Abweichung nach und nach zu korrigieren. Andererseits musste auch gegen eine „linke“ Abweichung — übermässige Konzentration und Abenteurertum — gekämpft werden, die darin zum Ausdruck kam, dass man allzu viel Gewicht auf die Regularität legte. Diese Abweichung resultierte daraus, dass ein Teil der leitenden Kader die Veränderungen der Situation beim Feind überschätzte, sich zu weitgehende Aufgaben stellte und, ohne die konkreten Bedingungen zu berücksichtigen, die Erfahrungen des Auslands mechanisch anwandte. Wegen dieser Abweichung brachte das Zentrale Rote Gebiet im Laufe von drei langen Jahren (bis zur Dsunyi-Tagung) gewaltige Opfer, und sie wurde erst nach diesen blutigen Lehren korrigiert. Diese Korrektur war das Verdienst der Tagung von Dsunyi.

Die zweite Wendung vollzog sich zwischen den beiden voneinander verschiedenen Kriegen im Herbst 1937 (nach den Ereignissen bei Lugoutjiao). Jetzt haben wir einen neuen Gegner, den japanischen Imperialismus, und der frühere Gegner, die Kuomintang (die sich nach wie vor feindselig zu uns verhält), ist unser Verbündeter geworden; das Schlachtfeld sind die riesigen Weiten Nordchinas (vorläufig ist das noch unsere Front, es kann jedoch bald für lange Zeit zum Hinterland des Feindes werden). Die Wendung in unserer Strategie war unter diesen besonderen Umständen eine ausserordentlich ernste Wendung. In dieser besonderen Lage war es erforderlich, unsere frühere reguläre Armee in Guerillatruppen (im Sinne ihres Einsatzes in aufgelockerten Formationen, aber keineswegs im Sinne ihrer Organisiertheit und Disziplin) zu verwandeln und vom früheren Bewegungskrieg zum Guerillakrieg überzugehen. Erst dadurch konnte eine Übereinstimmung mit der Situation beim Feind und unseren Aufgaben erzielt werden. Nach aussen hin sah eine solche Wendung jedoch wie eine Kehrtwendung aus und musste daher ausserordentlich schwerfallen. Dabei konnte sowohl eine Abweichung, bei welcher der Feind unterschätzt wird, als auch eine krankhafte Furcht vor Japan entstehen, und bei der Kuomintang ist tatsächlich sowohl das eine als auch das andere vorgekommen. Als die Kuomintang vom Bürgerkrieg zum nationalen Krieg überging, erlitt sie viele unnötige Verluste, in der Hauptsache deshalb, weil sie den Feind unterschätzte, aber auch infolge der krankhaften Furcht vor Japan (zum Beispiel Han Fu-djü und Liu Dschi17). Wir dagegen haben diese Wendung ziemlich erfolgreich vollzogen und haben nicht nur keine Misserfolge erlitten, sondern sogar bedeutende Siege errungen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die grosse Masse unserer Kader die richtige Anleitung durch das Zentralkomitee rechtzeitig akzeptierte und geschmeidig an die Einschätzung der Lage heranging, wenn es dabei auch zwischen dem Zentralkomitee und einem Teil der Militärfunktionäre zu ernsthaften Auseinandersetzungen kam. Diese Wendung ist äusserst wichtig für die beharrliche Führung des ganzen Widerstandskriegs, für seine Entfaltung und siegreiche Beendigung sowie für die Zukunft der KPCh. Das wird begreiflich, wenn man die historische Bedeutung des antijapanischen Guerillakriegs für das Schicksal der nationalen Befreiung Chinas bedenkt. Der chinesische Guerillakrieg gegen die japanischen Eindringlinge ist seiner eigenartigen Ausdehnung und Langwierigkeit nach nicht nur im Osten, sondern wohl in der Geschichte der ganzen Menschheit beispiellos.

Was die dritte Wendung — von dem Guerillakrieg zu der regulären Kriegführung im Widerstandskrieg gegen die japanischen Eindringlinge — anbelangt, so ist das eine Sache der zukünftigen Entwicklung des Krieges, und da sich dann vermutlich eine neue Lage herausbilden wird und neue Schwierigkeiten entstehen werden, ist es nicht nötig, jetzt darüber zu sprechen.

5. DIE STRATEGISCHE ROLLE DES GUERILLAKRIEGS GEGEN DIE JAPANISCHE AGGRESSION

Im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression in seiner Gesamtheit spielt die reguläre Kriegführung die Hauptrolle, der Guerillakrieg eine Hilfsrolle, da der endgültige Ausgang dieses Krieges nur durch die reguläre Kriegführung entschieden werden kann. Im Massstab des ganzen Landes spielt in der ersten und dritten der drei strategischen Etappen des Gesamtprozesses des Widerstandskriegs (Verteidigung, Kräftegleichgewicht und Gegenoffensive) die reguläre Kriegführung die Hauptrolle und der Guerillakrieg nur eine Hilfsrolle. In der zweiten Etappe — der Feind hält das besetzte Territorium, während wir zur Gegenoffensive rüsten, ohne sie jedoch vorläufig unternehmen zu können — wird der Guerillakrieg zur Hauptform und die reguläre Kriegführung zur Hilfsform werden. Aber das wird nur in einer der drei Etappen des ganzen Krieges geschehen, wenn auch diese Etappe möglicherweise die längste sein wird. Deshalb wird die reguläre Kriegführung in dem Krieg als Ganzes die Hauptrolle und der Guerillakrieg eine Hilfsrolle spielen. Wenn wir das nicht erkennen, wenn wir nicht begreifen, dass die reguläre Kriegführung der Schlüssel zum endgültigen Ausgang des Krieges ist, wenn wir dem Aufbau der regulären Armee sowie dem Studium der regulären Kriegführung und deren Leitung keine Aufmerksamkeit schenken, dann werden wir Japan nicht besiegen können. Das ist die eine Seite der Sache.
Der Guerillakrieg nimmt jedoch im Verlauf des ganzen Krieges einen wichtigen strategischen Platz ein. Wenn es keinen Guerillakrieg gibt, wenn wir der Aufstellung von Guerillaabteilungen, einer Guerillaarmee sowie dem Studium des Guerillakriegs und dessen Leitung keine Aufmerksamkeit widmen, dann werden wir Japan ebenfalls nicht besiegen können. Das erklärt sich daraus, dass der grössere Teil Chinas zum Hinterland des Feindes werden wird; wenn es keinen äusserst breit entfalteten und äusserst hartnäckigen Guerillakrieg geben und der Feind so auf dem von ihm besetzten Territorium festen Fuss fassen wird, ohne dass er sich die geringsten Sorgen um sein Hinterland zu machen braucht, dann werden unsere regulären Truppen an der Front unweigerlich hohe Verluste erleiden, wird der Angriff des Feindes unvermeidlich noch erbitterter werden, wird es schwerfallen, das Gleichgewicht der Kräfte herbeizuführen, und der weitere Widerstand gegen die japanischen Eindringlinge kann gefährdet sein; aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, werden dennoch verschiedene ungünstige Erscheinungen auftreten: Die Vorbereitung unserer Kräfte für die Gegenoffensive könnte sich als unzureichend erweisen, während der Gegenoffensive könnten unterstützende Aktionen ausbleiben, der Feind könnte seine Verluste ersetzen usw. Falls derartige Erscheinungen auftreten, wir sie aber nicht durch die rechtzeitige breite Entfaltung und hartnäckige Führung eines Guerillakriegs überwinden werden, dann wird es auch unmöglich sein, Japan zu besiegen. Deshalb nimmt der Guerillakrieg, obwohl er im Verlauf des Krieges als Ganzes eine Hilfsrolle spielt, faktisch aber einen äusserst wichtigen strategischen Platz ein, und es wäre zweifellos ein überaus schwerer Fehler, den Guerillakrieg im Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression zu vernachlässigen. Das ist die andere Seite der Sache.

Ein Guerillakrieg ist schon allein dann möglich, wenn das gegebene Land ein grosses Land ist, und deshalb gab es auch in alter Zeit Guerillakriege. Ein hartnäckiger Guerillakrieg ist jedoch nur unter Führung einer Kommunistischen Partei möglich. Das ist der Grund, weshalb die Guerillakriege in alter Zeit meistens mit einer Niederlage endeten und weshalb ein Guerillakrieg nur heutzutage in einem grossen Land mit dem Sieg enden kann, wo es eine Kommunistische Partei gibt, beispielsweise in solchen Ländern wie die Sowjetunion während ihres Bürgerkriegs oder wie China in der Gegenwart. Was den Krieg betrifft, so ist vom Standpunkt der Bedingungen des gegenwärtigen Augenblicks sowie der allgemeinen Bedingungen eine Arbeitsteilung zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei im Widerstandskrieg gegen Japan, bei welcher die Kuomintang die regulären Operationen an der Front und die Kommunistische Partei die Guerillaoperationen im Rücken des Feindes auf sich nimmt, notwendig und zweckmässig; das wäre eine den Bedürfnissen beider Seiten entsprechende, die Anstrengungen der einen und der anderen Seite koordinierende Arbeitsteilung der gegenseitigen Hilfe.

Daraus kann man ersehen, wie wichtig und notwendig es für unsere Partei ist, den Kurs ihrer militärischen Strategie von der regulären Kriegführung der zweiten Periode des Bürgerkriegs auf den Guerillakrieg der ersten Periode des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression umzuschalten. Dieser Kurswechsel bringt insgesamt folgende achtzehn Vorteile mit sich:

1. Das vom Feind besetzte Gebiet wird verkleinert;

2. die Stützpunktgebiete unserer Armee werden erweitert;

3. in der Verteidigungsetappe werden die Operationen mit denen an der Front koordiniert, damit der Feind in Schach gehalten wird;

4. in der Etappe des Gleichgewichts werden die Stützpunktgebiete hinter den feindlichen Linien fest behauptet und somit die Ausbildung und Reorganisierung der an der Front operierenden Truppen erleichtert;

5. in der Etappe der Gegenoffensive werden die Operationen mit denen an der Front koordiniert, damit man verlorenes Territorium zurückgewinnt;

6. unsere Armee wird aufs schnellste und wirksamste vergrössert;

7. die Kommunistische Partei wächst in breitestem Umfang, so dass in jedem Dorf eine Parteizelle gebildet werden kann;

8. Massenbewegungen werden in breitestem Umfang entfaltet, so dass die gesamte Bevölkerung im Hinterland des Feindes, mit Ausnahme seiner Stützpunkte, organisiert werden kann;

9. Organe der antijapanischen demokratischen Macht werden in breitestem Massstab geschaffen;

10. im Dienst des Widerstandskriegs gegen Japan werden in breitestem Massstab Kultur- und Bildungswesen entwickelt;

11. die Lebensbedingungen des Volkes werden in breitestem Massstab verbessert;

12. für die Zersetzung der feindlichen Truppen werden die günstigsten Bedingungen geschaffen;

13. auf die Stimmung des ganzen Volkes wird in breitestem Umfang die nachhaltigste Wirkung ausgeübt, und seine Kampfmoral wird gehoben;

14. die breiteste Förderung eines Fortschritts der befreundeten Armeen und der befreundeten Parteien wird ermöglicht;

15. bei Anpassung an die Verhältnisse, da der Feind stark ist, wir aber schwach sind, können wir weniger Verluste erleiden und mehr Siege erringen;

16. unter der Berücksichtigung des Umstands, dass China ein grosses und Japan ein kleines Land ist, können wir dem Feind mehr Verluste zufügen, mehr Niederlagen beibringen;

17. eine grosse Anzahl leitender Kader wird aufs schnellste und wirksamste geschmiedet;

18. günstigste Bedingungen zur Lösung der Versorgungsfragen werden geschaffen.

In dem langen Kampf dürfen weder die Guerillaabteilungen noch der Guerillakrieg auf einem Fleck stehenbleiben. Sie müssen sich entwickeln, eine Stufe höher steigen, sich allmählich in eine reguläre Armee und in eine reguläre Kriegführung verwandeln. Das steht ebenfalls ausser jedem Zweifel. Im Verlauf des Guerillakriegs werden wir Kräfte sammeln und uns selbst zu einem der entscheidenden Faktoren bei der Zerschlagung des japanischen Imperialismus gestalten.

6. DEM STUDIUM DER MILITÄRFRAGEN BEACHTUNG SCHENKEN

Alle Fragen der Beziehungen zwischen zwei einander feindlich gegenüberstehenden Armeen müssen durch Krieg gelöst werden, und Sein und Nichtsein Chinas hängt von dem Ausgang des gegenwärtigen Krieges ab. Deshalb duldet das Studium der Militärtheorie, das Studium der Strategie und Taktik, das Studium der politischen Arbeit in der Armee keinen Aufschub. Wenn wir auch die Taktik ungenügend studiert haben, so haben dennoch die Kameraden, die mit militärischer Tätigkeit beschäftigt sind, im Laufe von 10 Jahren grosse Erfolge erzielt und auf der Grundlage der chinesischen Verhältnisse bereits viel Neues ausgearbeitet; eine Lücke auf diesem Gebiet ist die fehlende Verallgemeinerung. Mit dem Studium der Fragen der Strategie und der Fragen der Kriegstheorie befasst sich bisher nur eine sehr geringe Anzahl Menschen. Beim Studium der Fragen politischer Arbeit haben wir erstklassige Leistungen aufzuweisen. Was den Reichtum an Erfahrungen, die Anzahl und die Qualität neuer Vorhaben anbelangt, stehen wir in der Welt nach der Sowjetunion an erster Stelle. Aber unser Mangel liegt in einer ungenügenden Synthese und Systematisierung. Um die Bedürfnisse der gesamten Partei und des ganzen Landes zu befriedigen, wird die Popularisierung militärischer Kenntnisse zur vordringlichen Aufgabe. All dem muss man von nun an Aufmerksamkeit widmen; im Mittelpunkt aber muss die Theorie des Krieges und der Strategie stehen. Ich halte es für notwendig, ausgehend vom Studium der Militärtheorie das Interesse für militärische Fragen zu wecken und darauf die Aufmerksamkeit der ganzen Partei zu lenken.

1Vgl. W. I. Lenin, „Der Krieg und die russische Sozialdemokratie“, „Die Konferenz der Auslandssektionen der SDAPR“, „Über die Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Krieg“, „Die Niederlage Russlands und die revolutionäre Krise“. Diese Arbeiten wurden von Lenin in den Jahren 1914-19 im Zusammenhang mit dem damaligen imperialistischen Krieg verfasst. Siehe ferner Geschichte der KPSU(B), Kurzer Lehrgang, Kapitel 6, Abschnitt: „Theorie und Taktik der bolschewistischen Partei in den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution“.

2Im Jahre 1924 zerschlug Sun Yat-sen im Bündnis mit der Kommunistischen Partei und mit den revolutionären Arbeitern und Bauern die „Kaufmannswehren“, die bewaffneten Abteilungen der Kompradoren und Feudalherren, die in Kanton konterrevolutionäre Tätigkeit im Komplott mit den englischen Imperialisten ausübten. Anfang 1925 unternahm die Revolutionäre Armee, die auf der Basis der Zusammenarbeit zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei gegründet worden war, von Kanton aus einen Feldzug ostwärts, brachte mit Unterstützung der Bauern den Truppen des Militärmachthabers Tschen Djiung-ming eine Niederlage bei, kehrte sodann nach Kanton zurück und vernichtete die Kräfte der Yünnan- und KuangsiMilitärmachthaber, die sich dort eingenistet hatten. Im Herbst des gleichen Jahres führte diese Revolutionäre Armee einen zweiten Feldzug nach dem Osten durch und zerschlug endgültig die Armee Tschen Djiung-mings. Durch diese Operationen, in denen die Mitglieder der Kommunistischen Partei und die Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbands heroisch in den vordersten Linien gekämpft hatten, wurde die Einigung der Provinz Kuangtung zustandegebracht und die Grundlage für den Nordfeldzug geschaffen.

3J. W. Stalin, „Über die Perspektiven der Revolution in China“.

4Im Jahre 1899 gründete Sun Yat-sen in Honolulu eine kleine revolutionäre Organisation, die „Vereinigung zur Erneuerung Chinas“ genannt wurde. Nach der Niederlage der Tjing-Regierung im Chinesisch-Japanischen Krieg im Jahre 1898 organisierte Sun Yat-sen, auf die damals im Volk existierenden „Geheimbünde“ gestützt, in der Provinz Kuangtung zwei bewaffnete Aufstände gegen die Tjing-Regierung: in Kanton im Jahre 1895 und in Huidschou im Jahre 1900.

5Im Jahre 1909 vereinigte sich die „Vereinigung zur Erneuerung Chinas“ mit zwei Organisationen, die gegen die Tjing-Regierung auftraten: dem „Verein zum Wiederaufbau Chinas“ und dem „Bund zur Wiedergeburt Chinas”. Durch die Vereinigung entstand die Chinesische Revolutionäre Liga (eine Organisation der vereinigten Front der Bourgeoisie, der Kleinbourgeoisie und eines Teils der gegen die Tjing-Regierung auftretenden Schenschi), die ein politisches Programm der bourgeoisen Revolution mit folgenden Forderungen aufstellte: „Vertreibung der Tataren (Mandschu), Wiedergeburt Chinas, Gründung einer Republik, Ausgleich der Bodenrechte“. In der Periode der Chinesischen Revolutionären Liga organisierte Sun Yat-sen im Bund mit den „Geheimbünden“ und einem Teil der Neuarmee der Tjing-Regierung eine Reihe bewaffneter Aufstände gegen das Tjing-Regime. Die grösseren davon waren: die Aufstände im Jahre 1906 in den Kreisen Pinghsiang (Provinz Kiangsi), Liuyang und Liling (Provinz Hunan); die Aufstände im Jahre 1907 in Huanggang im Gebiet Tschaodschou, in Tjindschou (Provinz Kuangtung) und in Dschennanguan (heute Yuyiguan — der Übers.), Provinz Kuangsi; der Aufstand im Jahre 1908 in Hokou in der Provinz Yünnan und die Aufstände im Jahre 1911 in Kanton und Wutschang.

6Im Jahre 1912 wurde die Chinesische Revolutionäre Liga in die Kuomintang umgewandelt und ging mit dem Regime des Militärmachthabers im Norden, Yüan Schi-kai, einen Kompromiss ein. Die Truppen Yüan Schi-kais rückten im Jahre 1913 nach dem Süden vor, um die Kräfte zu unterdrücken, die in den Provinzen Kiangsi, Anhui und Kuangtung als Folge der Revolution von 1911 entstanden waren. Sun Yat-sen organisierte einen bewaffneten Widerstand, der aber bald scheiterte. Da sich die Kompromisspolitik als falsch erwiesen hatte, organisierte Sun Yat-sen im Jahre 1914 in Tokio eine neue Partei und nannte sie Chinesische Revolutionäre Partei, um zu zeigen, dass sie sich von der damaligen Kuomintang unterschied. Faktisch war die neue Partei ein Bund der politischen Vertreter eines Teils der Kleinbourgeoisie und eines Teils der Bourgeoisie für den Kampf gegen Yüan Schi-kai. Auf dieses Bündnis gestützt, hat Sun Yat-sen im Jahre 1914 einen kleinen Aufstand in Schanghai organisiert. Im Jahre 1915, als sich Yin Schi-kai zum Kaiser ausrufen liess, führten Tsai O und andere, die gegen Yüan Schi-kai auftraten, von der Provinz Yünnan aus einen Feldzug gegen ihn durch, und Sun Yat-sen war auch einer der aktiven Agitatoren und Organisatoren des bewaffneten Kampfes gegen Yüan Schi-kai.

7Im Jahre 1917 kam Sun Yat-sen an der Spitze des unter seinem Einfluss stehenden Teils der Kriegsflotte von Schanghai nach Kanton. Er benutzte die Provinz Kuangtung als Stützpunktgebiet und organisierte im Bund mit den Militärmachthabern des Südwestens, die in jener Periode gegen den Militärmachthaber des Nordens Duan Tji-jui kämpften, eine Militärregierung, welche gegen diesen auftrat.

8Im Jahre 1911 rüstete Sun Yat-sen in Guilin, Provinz Kuangsi, zum Nordfeldzug; aber infolge des Verrats seines Untergebenen Tschen Djiung-ming, der sich mit den Militärmachthabern des Nordens verschworen hatte, blieben seine Bemühungen fruchtlos.

9Im Jahre 1924, nach der Reorganisierung der Kuomintang, gründete Sun Yat-sen mit Unterstützung der Kommunistischen Partei Chinas und der Sowjetunion in Huangpu bei Kanton eine Militärakademie, die unter der Bezeichnung Huangpu-Militärakademie bekannt ist. Vor dem Verrat Tschiang Kai-scheks an der Revolution im Jahre 1927 stand die Akademie unter der gemeinsamen Leitung der Kuomintang und der Kommunistischen Partei. Die Kommunisten Tschou En-lai, Yä Djiän-ying, Yün Daiying, Hsiao Tschu-nü und viele andere Kameraden hatten an ihr zu verschiedenen Zeiten verantwortliche Funktionen inne; auch unter den Studenten waren viele Mitglieder der Kommunistischen Partei und des Kommunistischen Jugendverbands. Sie bildeten das revolutionäre Rückgrat dieser Militärakademie.

10Tan Yän-kai aus Hunan war ein Mitglied der kaiserlichen Akademie unter der Tjing-Dynastie. Er setzte sich ursprünglich für die Einführung der konstitutionellen Monarchie ein und versuchte in der Revolution von 1911 Karriere zu machen. Sein späterer Übergang in das Lager der Kuomintang spiegelte die Widersprüche zwischen den Hunaner Grundherren und den Militärmachthabern des Nordens wider.

11Die Progressive Partei wurde von Liang Tji-tschao und anderen in den ersten Jahren der Republik China in Anlehnung an Yüan Schi-kai gegründet.

12Duan Tji-jui, lange Jahre ein Untergebener Yüan Schi-kais, war das Haupt der Anhui-Clique, einer Gruppe von Militärmachthabern des Nordens. Nach dem Tod Yüan Schi-kais riss er wiederholt die Macht in der Pekinger Regierung an sich.

13Die Gruppe „Politische Wissenschaft“ war eine extrem rechte politische Gruppierung, die im Jahre 1916 von einem Teil der Mitglieder der Progressiven Partei und der Kuomintang gegründet wurde. Auf der Jagd nach Staatsposten lavierten diese Leute zwischen den Militärmachthabern des Südens und des Nordens. In der Periode des Nordfeldzugs 1926-27 begann ein Teil der Mitglieder der Gruppe „Politische Wissenschaft“, wie die projapanischen Politiker Huang Fu, Dschang Tjün und Yang Yung-tai, mit Tschiang Kai-schek gemeinsame Sache zu machen; sie halfen ihm unter Ausnutzung ihrer reaktionären politischen Erfahrungen, die konterrevolutionäre Macht zu errichten.

14Über die Jugendpartei Chinas oder den Etatiltischen Jugendverband Chinas siehe Anmerkung 1 zur Schrift „Analyse der Klassen in der chinesischen Gesellschaft“, Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. 1, S. 17.

15Hier ist vor allem das selbständige Regiment gemeint, an dessen Spitze in der Periode des Nordfeldzugs der Kommunist General Yä Ting stand. Siehe Anmerkung 14 zur Schrift „Der Kampf im Djinggang-Gebirge“, Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. 1, S. 117.

16Vgl. „Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China“, Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. 1, S. 209 ff.

17Han Fu-djü war ein Militärmachthaber der Kuomintang in der Provinz Schantung. Der Militärmachthaber Liu Dschi, der zur Clique Tschiang Kai-scheks gehörte, regierte in der Provinz Honan und nach Ausbruch des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression wurde ihm die Verteidigung des Gebiets um Baoding in der Provinz Hopeh übertragen. Im Augenblick der Offensive der japanischen Eindringlinge flüchteten diese beiden Militärmachthaber, ohne den Kampf aufgenommen zu haben.

iDie Bewegung des 4. Mai war eine antiimperialistische und antifeudale revolutionäre Bewegung, die am 4. Mai 1919 begann. In der ersten Hälfte dieses Jahres trafen sich die Sieger des ersten Weltkriegs in Paris — es waren Grossbritannien, Frankreich, die Vereinigten Staaten, Japan, Italien und andere imperialistische Staaten — um sich die Beute zu teilen. Man entschied, dass Japan alle Privilegien übernehmen sollte, die vorher Deutschland in der chinesischen Provinz Schantung besessen hatte. Die Studenten von Peking waren die ersten, die in Versammlungen und durch Demonstrationen am 4. Mai entschieden dagegen auftraten. Die Regierung der Militärmachthaber im Norden verhaftete über dreissig Studenten, um diese Opposition zu unterdrücken. Zum Protest traten die Pekinger Studenten in den Streik, und eine grosse Zahl Studenten in anderen Teilen des Landes folgten nach und nach ihrem Beispiel. Am 3. Juni begann die Regierung der Militärmachthaber im Norden damit, immer mehr Pekinger Studenten zu verhaften. Innerhalb von zwei Tagen sassen etwa tausend von ihnen im Gefängnis. Das Ereignis vom 3. Juni löste eine noch grössere Empörung unter dem Volk aus. Vom 5. Juni an traten die Arbeiter in Schanghai und in vielen anderen Städten nacheinander in den Streik, die Kaufleute in diesen Städten schlossen ihre Geschäfte. Das, was zunächst eine patriotische Bewegung hauptsächlich der Intellektuellen war, wuchs sodann schnell zu einer patriotischen Bewegung im ganzen Land an, die das Proletariat, die Kleinbourgeoisie und die Bourgeoisie erfasste. Und mit dem Anwachsen dieser patriotischen Bewegung entwickelte sich die neue Kulturbewegung, welche bereits vor dem 4. Mai als eine Bewegung gegen den Feudalismus und zur Hebung der Wissenschaft und der Demokratie begonnen hatte, zu einer kraft- und machtvollen revolutionären Kulturbewegung, deren Hauptströmung die Propagierung des Marxismus-Leninismus war.