Mao Tse-tung: “Über das 11. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang und die 2. Tagung des Politischen Nationalrats (3. Einberufung)”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

ÜBER DAS 11. PLENUM DES ZENTRALEXEKUTIVKOMITEES DER KUOMINTANG UND DIE 2. TAGUNG DES POLITISCHEN NATIONALRATS (3. EINBERUFUNG)

Mao Tse-tung
05.10.1943

Ausgewählte Werke
Band 3
Reproduziert von
Die Rote Fahne

ÜBER DAS 11. PLENUM DES ZENTRALEXEKUTIVKOMITEES DER KUOMINTANG UND DIE 2. TAGUNG DES POLITISCHEN NATIONALRATS (3. EINBERUFUNG)

Ein vom Vorsitzenden Mao Tse-tung für die Yenaner Tageszeitung „Djiäfang Jibao“ geschriebener Leitartikel.

Vom 6. bis 13. September hielt das Zentralexekutivkomitee der Kuomintang seine m. Plenartagung ab, und vom 18. bis 27. September fand die 2. Tagung des Politischen Nationalrats (3. Einberufung) der Kuomintang-Regierung statt. Jetzt verfügen wir bereits über alle Materialien der beiden Tagungen und können eine allgemeine Einschätzung machen.

Was die internationale Lage betrifft, so befinden wir uns am Vorabend einer grossen Veränderung, die man jetzt schon auf allen Seiten spürt. Die europäischen Achsenmächte spüren sie; Hitler schlägt eine Verzweiflungspolitik ein. Diese Veränderung wurde in der Hauptsache durch die Sowjetunion herbeigeführt. Die Sowjetunion macht sie sich zunutze: Die Rote Armee ist — alles aus ihrem Weg hinwegfegend bis zum Dnepr vorgestossen; noch eine Winteroffensive, und sie wird, wenn nicht die neue, dann auf jeden Fall die alte Staatsgrenze der Sowjetunion erreichen. England und die USA machen sich diese Veränderung ebenfalls zunutze: Roosevelt und Churchill warten den Augenblick ab, da Hitler zu stürzen droht, um in Frankreich einzudringen. Kurz gesagt, die deutsche faschistische Kriegsmaschinerie wird bald zusammenbrechen, die Frage des antifaschistischen Krieges in Europa steht am Vorabend ihrer totalen Lösung, wobei die Hauptkraft, die den Faschismus vernichtet, die Sowjetunion ist. Der Angelpunkt des antifaschistischen Weltkriegs befindet sich in Europa; wenn die Frage in Europa gelöst ist, wird auch die Zukunft der beiden Weltlager — des faschistischen und des antifaschistischen — entschieden sein. Die japanischen Imperialisten fühlen bereits die ganze Ausweglosigkeit ihrer Lage, und ihre Politik kann auch nichts anderes sein, als all ihre Kräfte für einen letzten verzweifelten Kampf zu sammeln. In China besteht ihre Politik in „Säuberungsfeldzügen“ gegen die Kommunistische Partei sowie in Versuchen, die Kuomintang zur Kapitulation zu verlocken.

Auch die Kuomintang-Leute spüren diese Veränderung. Angesichts dieser Lage empfinden sie sowohl Freude als auch Furcht. Sie freuen sich, da sie annehmen, dass England und die USA mit der Entscheidung der Frage in Europa die Hände freibekommen würden, um für sie Japan zu zerschlagen, und sie selbst dann mühelos nach Nanking zurückkehren könnten. Sie fürchten sich, weil mit dem Zusammenbruch der drei faschistischen Staaten eine in der Geschichte der Menschheit beispiellose grosse Ära der Befreiung anbrechen und das kopradorisch-feudalistische, faschistische diktatorische Regime der Kuomintang zu einer winzigen isolierten Insel in dem riesigen Weltozean der Freiheit und der Demokratie werden wird. Sie fürchten, dass ihr eigener Faschismus mit seiner „einzigen Partei, einzigen Lehre und seinem einzigen Führer“ von der Brandung hinweggespült würde.

Die Absichten der Kuomintang-Leute bestanden ursprünglich darin, die Sowjetunion, allein auf sich gestellt, den Kampf gegen Hitler austragen zu lassen und die japanischen Aggressoren zum Überfall auf die Sowjetunion zu hetzen, um so den Untergang oder die Schwächung dieser sozialistischen Macht herbeizuführen, England und die USA zu veranlassen, sich in Europa nicht mit der Eröffnung einer zweiten oder dritten Front abzugeben, sondern all ihre Kräfte nach dem Osten zu verlegen, um zunächst Japan zu zerschlagen, dann die Kommunistische Partei Chinas hinwegzufegen und sich erst dann mit allem übrigen zu befassen. Gerade dieses Zieles wegen, über das offen zu sprechen sie sich scheuten, schrien die Kuomintang-Leute zunächst lauthals „Erst Asien, dann Europa“ und dann ebenso laut „Gleiche Beachtung für Europa und Asien“. Nachdem Roosevelt und Churchill im August dieses Jahres, gegen Ende der Quebec-Konferenz, den Aussenminister der Kuomintang-Regierung, Sung Dsi-wen, zu sich gerufen und mit ihm ein paar Worte gewechselt hatten, schrien die Kuomintang-Leute erneut, dass sich „die Blicke Roosevelts und Churchills nach dem Osten gewandt“ hätten, dass „der Plan ,Erst Europa, dann Asien‘ einem anderen gewichen“ sei und dass „die Quebec-Konferenz eine Konferenz der drei Grossmächte England, USA und China“ wäre und dergleichen; dabei brachen sie mit einer lärmenden Selbstreklame in Jubel aus. Doch das war ihr letzter Jubel. Seitdem hat sich ihre Stimmung etwas verändert, „Erst Asien, dann Europa“ und „Gleiche Beachtung für Europa und Asien“ sind bereits im Archiv der Geschichte abgelegt worden, und die Kuomintang-Leute werden wohl neue Pläne schmieden müssen. Möglicherweise stellen das 11. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang und die jüngste von der Kuomintang manipulierte Tagung des Politischen Nationalrats eben den Anfang solcher neuen Pläne dar.

Das 11. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang erhob gegen die Kommunistische Partei die verleumderische Beschuldigung, dass sie „den Widerstandskrieg hintertreibt und den Staat gefährdet“, sprach sich aber gleichzeitig für eine „Lösung der Frage mit politischen Mitteln“ und für die „Vorbereitung zur Einführung einer konstitutionellen Regierungsform“ aus. Die 2. Tagung des Politischen Nationalrats (3. Einberufung) nahm unter der Kontrolle der Kuomintang-Mehrheit und mit Hilfe ihrer Manipulation eine gegen die Kommunistische Partei gerichtete Entschliessung an, die im wesentlichen mit den Beschlüssen des 11. Plenums des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang übereinstimmt. Ausserdem „wählte“ das 11. Plenum zur Festigung des Diktaturmechanismus Tschiang Kai-schek zum Vorsitzenden der Kuomintang-Regierung.

Welche Pläne können nun die Kuomintang-Leute nach dem Plenum ersinnen? Es gibt nur drei Möglichkeiten: 1. vor dem japanischen Imperialismus kapitulieren, 2. sich im alten Trott dahinschleppen, 3. den politischen Kurs ändern.

Die Defätisten und Kapitulanten in den Reihen der Kuomintang sind in Anpassung an die Absicht des japanischen Imperialismus „Schläge gegen die Kommunistische Partei und Liebäugeln mit der Kuomintang“ — nach wie vor für die Kapitulation. Sie versuchen die ganze Zeit, einen antikommunistischen Bürgerkrieg zu entfachen; denn der Bürgerkrieg braucht nur zu beginnen, und schon wird natürlich der Widerstand gegen Japan unmöglich, und es bleibt nur ein Weg übrig, der Weg der Kapitulation. Die Kuomintang hat im Nordwesten eine riesige Armee von 400‘000 bis 500‘000 Mann konzentriert und verlegt auch jetzt noch insgeheim Truppen von den anderen Fronten nach dem Nordwesten. Man sagt, die Generäle wären sehr kriegerisch gestimmt. Sie erklären: „Yenan einnehmen ist kein Problem.“ Und das wird gesagt, nachdem sie auf dem 11. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang die Rede des Herrn Tschiang Kai-schek gehört haben, in der es hiess, dass die Frage der Kommunistischen Partei „eine politische Frage ist, die mit politischen Mitteln gelöst werden muss“, und das Plenum einen Beschluss gefasst hat, der im wesentlichen mit dem, was Tschiang sagte, übereinstimmt. Im übrigen hatte auch das 10. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang im vergangenen Jahr eine analoge Resolution angenommen, doch die Tinte, mit der sie geschrieben wurde, war noch nicht trocken, als die Generäle auf Befehl von oben militärische Pläne zur Liquidierung des Grenzgebiets ausarbeiteten. Im Juni-Juli dieses Jahres erfolgte die Verlegung der Truppen, wurde ein Blitzkrieg gegen das Grenzgebiet vorbereitet, und nur weil die öffentliche Meinung sowohl innerhalb des Landes als auch im Ausland dagegen war, wurde die Verwirklichung dieser heimtückischen Pläne vorübergehend vertagt. Nun aber hat das 11. Plenum seine Resolution kaum fertiggestellt, und schon hört man erneut von prahlerischen Reden der Generäle und von Truppenverschiebungen. Was bedeutet das: „Yenan einnehmen ist kein Problem“? Das bedeutet den Entschluss zur Kapitulation vor dem japanischen Imperialismus. Nicht jedes Kuomintang-Mitglied, das den „Feldzug gegen Yenan“ billigt, ist subjektiv unbedingt ein entschlossener Kapitulant. Manche von ihnen denken möglicherweise so: Wir werden gleichzeitig sowohl gegen die Kommunisten kämpfen als auch den Widerstand gegen Japan fortsetzen. So denken möglicherweise viele Militärs, die der Huangpu-Gruppierung1 angehören. Doch wir Kommunisten wollen diesen Herren einige Fragen stellen: Haben Sie etwa schon die Lehren des zehnjährigen Bürgerkriegs vergessen? Wenn der Bürgerkrieg beginnt, werden Ihnen dann etwa die entschlossenen Kapitulanten erlauben, den Widerstandskrieg gegen Japan fortzusetzen? Werden Ihnen das etwa die Japaner und Wang Djing-we erlauben? Und reichen denn Ihre Kräfte überhaupt aus, den Bürgerkrieg zu führen und gleichzeitig gegen den äusseren Feind zu kämpfen? Jetzt haben Sie — wie Sie angeben — eine 3‘000‘000 Mann starke Armee, aber faktisch ist diese Armee bereits völlig demoralisiert; manche Leute vergleichen sie mit zwei Körben Eier an den beiden Enden einer Tragstange: ein Stoss — und sie gehen alle kaputt. So war es denn auch ausnahmslos in allen Operationen im Dschungtiao-Gebirge, im Taihang-Gebirge, an der Grenze der Provinzen Tschekiang und Kiangsi, im Westteil der Provinz Hupeh und im Dabiä-Gebirge. Der Grund ist einfach der, dass Sie zwei verhängnisvolle politische Richtlinien verfolgen: „aktiven Kampf gegen die Kommunisten“ und „passiven Widerstand gegen Japan“. Je mehr Sie jetzt, da der nationale Feind tief in unser Land vorgestossen ist, Ihren aktiven Kampf gegen die Kommunisten und den passiven Widerstand gegen Japan durchführen werden, desto tiefer wird die Moral Ihrer Truppen sinken. Und wenn Sie sich dem äusseren Feind gegenüber so verhalten, werden da etwa Ihre Truppen im Kampf gegen die Kommunisten, im Kampf gegen das Volk plötzlich tapfer werden? Das ist unmöglich. Sie brauchen nur den Bürgerkrieg zu entfesseln, und schon müssen Sie sich diesem völlig widmen und sich den Gedanken an einen „gleichzeitigen Widerstand gegen Japan“ aus dem Kopf schlagen. Als Ergebnis wird Ihnen nur ein Kurs bleiben, nämlich der Kurs auf Kapitulation: Sie werden unweigerlich einen Vertrag über bedingungslose Kapitulation vor dem japanischen Imperialismus unterzeichnen. Was alle jene Mitglieder der Kuomintang betrifft, die wirklich keine Kapitulation wünschen, so sagen wir ihnen: Wenn Sie aktiv den Bürgerkrieg entfesseln oder an ihm teilnehmen, so werden Sie unweigerlich zu Kapitulanten werden. Das wird unvermeidlich der Fall sein, wenn Sie sich von der Kapitulantengruppe aufhetzen lassen und damit beginnen, die Beschlüsse des 11. Plenums des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang und der Tagung des Politischen Nationalrats als ein Instrument zur Mobilisierung der öffentlichen Meinung sowie zur Vorbereitung auf die Entfesselung des Bürgerkriegs gegen die Kommunisten zu benutzen. Auch wenn Sie selbst ursprünglich nicht zu kapitulieren beabsichtigten, wird Ihnen, falls Sie sich von der Kapitulantengruppe aufhetzen lassen und den falschen Schritt tun, letzten Endes nichts anderes übrigbleiben, als mit ihr zusammen zu kapitulieren. Das ist die erste mögliche Richtung, die die Kuomintang nach dem 11. Plenum einschlagen kann, und diese Gefahr ist äusserst ernst. Für die Kapitulantengruppe ist die „Lösung der Frage mit politischen Mitteln“ und die „Vorbereitung zur Einführung einer konstitutionellen Regierungsform“ die beste Methode zur Tarnung ihrer Bürgerkriegsvorbereitungen, das heisst ihrer Vorbereitung zur Kapitulation. Alle Kommunisten, alle patriotisch gesinnten Mitglieder der Kuomintang, alle antijapanischen Parteien und Gruppen sowie alle Landsleute, die Widerstand gegen Japan leisten, müssen mit wachsamen Augen die äusserst ernste Lage verfolgen und sich nicht durch irgendwelche Tarnungstricks von der Kapitulantengruppe den Kopf verdrehen lassen. Man muss dessen eingedenk sein, dass die Bürgerkriegskrise gerade nach dem 11. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang so gross geworden ist wie noch nie. Die Beschlüsse des 11. Plenums und der Tagung des Politischen Nationalrats können auch in eine andere Richtung führen, die darauf hinausliefe, „vorläufig eine Verschleppungspolitik zu betreiben und dann den Bürgerkrieg zu entfesseln“. Diese Richtung unterscheidet sich etwas von der Richtung der Kapitulantengruppe. Das ist die Richtung derjenigen, die geneigt sind, den äusseren Schein des Widerstands gegen Japan noch aufrechtzuerhalten, gleichzeitig aber unter keinen Umständen den Antikommunismus und das Diktaturregime aufgeben wollen. Diese Leute können eine solche Richtung einschlagen, weil sie die Unvermeidlichkeit einer grossen Veränderung in der internationalen Lage, die Unvermeidlichkeit der Niederlage des japanischen Imperialismus sehen, weil sie sehen, dass der Bürgerkrieg Kapitulation bedeutet, dass das Volk im ganzen Land für den Widerstand gegen Japan und gegen den Bürgerkrieg ist, weil sie den ganzen Ernst der Krise der Kuomintang sehen, die — losgelöst von den Volksmassen das Vertrauen der Menschen eingebüsst hat und in eine nie dagewesene Isolierung geraten ist, weil sie sehen, dass die USA, England und die Sowjetunion einmütig gegen die Entfesselung des Bürgerkriegs durch die chinesische Regierung sind; das alles zwingt diese Leute, die Verwirklichung ihrer Bürgerkriegsintrigen hinauszuschieben und zum leeren Gerede über eine „Lösung der Frage mit politischen Mitteln“ und über die „Vorbereitung zur Einführung einer konstitutionellen Regierungsform“ als einem Werkzeug der Verschleppungspolitik ihre Zuflucht zu nehmen. Diese Leute verstehen sich von jeher auf das Mittel des Betrugs und der Verschleppung. Selbst im Schlaf lässt sie der Gedanke an die „Einnahme von Yenan“ und an die „Vernichtung der Kommunistischen Partei“ nicht los. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich in nichts von der Kapitulantengruppe. Nur sind sie noch geneigt, sich hinter dem Aushängeschild des Widerstandskriegs gegen Japan zu verstecken, möchten die internationale Geltung der Kuomintang noch nicht verlieren und fürchten sich zuweilen noch vor dem Tadel der öffentlichen Meinung im Ausland und innerhalb des Landes; sie werden deshalb möglicherweise vorläufig eine Verschleppungspolitik betreiben und günstige Bedingungen abwarten, wobei sie das Gerede über die „Lösung der Frage mit politischen Mitteln“ und über die „Vorbereitung zur Einführung einer konstitutionellen Regierungsform“ als Deckmantel benutzen werden. Sie haben nicht den aufrichtigen Wunsch, die „Lösung der Frage mit politischen Mitteln“ zu erreichen und „eine konstitutionelle Regierungsform einzuführen“ zumindest fehlt ihnen gegenwärtig ganz und gar ein solcher Wunsch. Im vergangenen Jahr, in der Zeit vor und nach dem 10. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang, entsandte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas Kameraden Lin Biao zu einer Zusammenkunft mit Herrn Tschiang Kai-schek nach Tschungking. Er wartete in dieser Stadt ganze zehn Monate, aber Herr Tschiang und das Zentralexekutivkomitee der Kuomintang waren nicht gewillt, mit ihm auch nur eine einzige konkrete Frage zu erörtern. Im März dieses Jahres veröffentlichte Herr Tschiang das Buch Die Geschicke Chinas, in dem er den Kampf gegen den Kommunismus und die liberalen Ideen betont, die Verantwortung für den zehnjährigen Bürgerkrieg auf die Kommunistische Partei abwälzt, die Kommunistische Partei, die 8. Route-Armee und die Neue 4. Armee als „Militärmachthaber neuen Typus“ und „Separatisten neuen Typus“ verleumdet und andeutet, dass er in den nächsten zwei Jahren die Kommunistische Partei unbedingt erledigen werde. Am 28. Juni dieses Jahres erlaubte Herr Tschiang den Kameraden Tschou En-lai, Lin Biao und anderen, nach Yenan zurückzukehren; gleichzeitig erliess er aber den Befehl über den Vormarsch der Truppen, die die Stellungen am Gelben Fluss verteidigten, in Richtung auf das Grenzgebiet und ordnete an, dass überall im Land die Auflösung der 3. Internationale zum Anlass genommen werde, im Namen der „Massenorganisationen“ die Forderung nach Auflösung der Kommunistischen Partei Chinas zu erheben. Unter diesen Umständen waren wir Kommunisten gezwungen, uns an die Kuomintang und an das ganze Volk mit dem Aufruf zur Verhinderung des Bürgerkriegs zu wenden, waren wir gezwungen, alle Machenschaften und dunklen Pläne der Kuomintang zu entlarven, die darauf abzielen, den Widerstandskrieg zu hintertreiben und den Staat zu gefährden. Dass wir ein Höchstmass an Geduld aufgebracht haben, wird durch historische Tatsachen bezeugt. Seit dem Fall von Wuhan hören in Nord- und Zentralchina die grossen und kleinen Kämpfe gegen die Kommunisten nicht auf. Es ist schon zwei Jahre seit dem Ausbruch des Krieges im Stillen Ozean her, und die ganze Zeit hindurch greift die Kuomintang in Zentral- und Nordchina die Kommunistische Partei an; abgesehen von den dort schon früher operierenden Truppen verlegte die Kuomintang die beiden Armeen Wang Dschung-liäns und Li Hsiän-dschous in die Provinzen Kiangsu und Schantung für Angriffe gegen die Kommunisten. Der Armee Pang Bing-hsüns im Gebiet des Taihang-Gebirges wurde befohlen, sich ausschliesslich mit dem Kampf gegen die Kommunisten zu befassen; die Kuomintang-Truppen in den Provinzen Anhui und Hupeh erhielten ebenfalls den Befehl, gegen die Kommunisten zu kämpfen. Über das alles haben wir lange Zeit nicht einmal den Tatbestand an die Öffentlichkeit gebracht. Alle Zeitungen und Zeitschriften der Kuomintang, grosse oder kleine, beleidigten und schmähten ununterbrochen die Kommunistische Partei, wir aber haben ihnen lange Zeit mit keinem Wort geantwortet. Ohne den geringsten Grund löste die Kuomintang die Neue Vierte Armee auf, die heroisch gegen die japanischen Eindringlinge kämpfte, vernichtete mehr als 9‘000 Mann aus den in Südanhui stehenden Einheiten der Neuen Vierten Armee, verhaftete Yä Ting, tötete Hsiang Ying und warf Hunderte von Kadern der Neuen Vierten Armee ins Gefängnis. Das war ein himmelschreiendes Verbrechen, ein Verrat am Volk, ein Verrat an der Nation, und dennoch haben wir im Interesse des Vaterlands auch das hingenommen und uns lediglich auf einen Protest an die Kuomintang und auf die Unterbreitung von Bedingungen für eine Wiedergutmachung beschränkt. In den Monaten Juni-Juli 1937, während der Zusammenkünfte des Vertreters der Kommunistischen Partei, Kameraden Tschou En-lai, mit Herrn Tschiang Kai-schek in Luschan, versprach dieser, einen Befehl über die Umwandlung des Grenzgebiets Schensi-Kansu-Ningsia in eine administrative Einheit zu erlassen, die dem Exekutivrat der Nationalregierung unmittelbar unterstellt wäre, und die entsprechenden Amtspersonen zu bestätigen. Aber Herr Tschiang Kai-schek hat nicht nur das von ihm gegebene Wort gebrochen, sondern auch eine 400‘000 bis 500‘000 Mann starke Armee entsandt, um das Grenzgebiet einzukesseln und über dieses eine militärische und wirtschaftliche Blockade zu verhängen, wobei er sich nie und nimmer zufriedengeben wird, ehe er die Bevölkerung des Grenzgebiets und die Hinterlandsverwaltungen der 8. Route-Armee vernichtet hat. Mehr noch, die völlige Einstellung der Versorgung der 8. Route-Armee, die Bezeichnung der Kommunistischen Partei als „Verräterpartei“, der Neuen 4. Armee als „Meutererarmee“ und der 8. Route-Armee als „Verräterarmee“ usw. usf. — diese Tatsachen sind jedermann bekannt. Kurzum, die Kuomintang-Leute, die das alles vom Stapel lassen, behandeln die Kommunistische Partei als ihren Feind. Die Kommunistische Partei ist in den Augen der Kuomintang zehn- und hundertmal hassenswerter als die Japaner. Die Kuomintang konzentriert ihren Hass maximal auf die Kommunisten; für die Japaner hat sie nur noch ein ganz kleines bisschen Hass übrig, wenn da überhaupt noch von Hass gesprochen werden kann. Hier besteht eine volle Analogie zur unterschiedlichen Einstellung der japanischen Faschisten gegenüber der Kuomintang und der Kommunistischen Partei. Die japanischen Faschisten konzentrieren ihren Hass grösstenteils auf die Kommunistische Partei Chinas, der Kuomintang aber stehen sie von Tag zu Tag freundlicher gegenüber; von den beiden Losungen „Kampf gegen die Kommunisten“ und „Vernichtung der Kuomintang“ ist bei ihnen jetzt nur die eine — „Kampf gegen die Kommunisten“ — übriggeblieben: Keine Zeitung oder Zeitschrift der Japaner und Wang Djing-wes erwähnt mehr solche Losungen wie „Nieder mit der Kuomintang“; „Nieder mit Tschiang Kai-schek“. Japan richtet seinen Druck gegen die Kommunistische Partei Chinas, indem es sie mit 58% seiner Streitkräfte in China bekämpft, während es nur 9,2% dieser Truppen zur Beaufsichtigung der Kuomintang einsetzt. Um diese leichter zur Kapitulation zu bewegen, hat Japan kürzlich auch diese Aufsichtstruppen verringert, indem es eine weitere Reihe von Truppenverbänden aus den Provinzen Tschekiang und Hupeh abzog. Die japanischen Imperialisten wagen die Kommunistische Partei mit keinem einzigen Wort zur Kapitulation zu überreden, an die Adresse der Kuomintang aber zögern sie nicht, ganze Stösse von Botschaften zu richten, und reden fortwährend auf sie ein, sie solle doch kapitulieren. Nur vor der Kommunistischen Partei und vor dem Volk spielt die Kuomintang noch den Tapferen, vor Japan aber ist sie nicht mehr im geringsten fähig, den starken Mann zu markieren. Sie ist nicht nur, was Taten anbelangt, schon längst vom Widerstand gegen die japanischen Eindringlinge zur Rolle des passiven Beobachters im Krieg übergegangen, sondern wagt es nicht einmal in Worten, die Versuche der japanischen Imperialisten, sie zur Kapitulation zu überreden, und ihre verschiedensten beleidigenden Äusserungen in einem oder zwei Punkten auch nur einigermassen scharf zurückzuweisen. Die Japaner erklären: „An dem Gedankengang in Tschiang Kai-scheks Buch Die Geschicke Chinas ist nichts Falsches.“ Sind Herr Tschiang und seine Parteigänger irgendwie diesen Worten entgegengetreten? Nein, das haben sie nicht getan, und sie wagen es ja auch gar nicht. Die japanischen Imperialisten sehen, dass Herr Tschiang und die Kuomintang nur gegen die Kommunistische Partei „militärische Befehle und Regierungsanordnungen“ erlassen und „Disziplinarverfahren“ einleiten wollen, was aber die 20 Mitglieder des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang und die 58 Kuomintang-Generäle anbelangt, die auf die Seite des Feindes übergegangen sind, da wollen, ja wagen es Herr Tschiang und die Kuomintang nicht, solche Massnahmen zu treffen; wie sollen da nicht die japanischen Imperialisten die Kuomintang geringschätzig behandeln. Das gesamte chinesische Volk und die befreundeten Länder in der ganzen Welt sehen nur, dass Herr Tschiang und die Kuomintang die Neue 4. Armee auflösen wollen, die 8. Route-Armee angreifen, das Grenzgebiet einkreisen, verleumderische Bezeichnungen wie „Verräterpartei“, „Verräterarmee“, „Militärmachthaber neuen Typus“, „Separatisten neuen Typus“ gebrauchen, diese Kräfte beschuldigen, dass sie „den Widerstandskrieg hintertreiben“ und „den Staat gefährden“, und ihnen gegenüber immer wieder die Frage der „militärischen Befehle und Regierungsanordnungen“ sowie der „Disziplin“ aufwerfen; in bezug auf die 20 Mitglieder des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang und die 58 Kuomintang-Generäle, die auf die Seite des Feindes übergegangen sind, werden aber weder militärische Befehle noch Regierungsanordnungen erlassen, werden keinerlei Disziplinarmassnahmen ergriffen. Selbst auf dem neulichen 11. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang und auf der jüngsten Tagung des Politischen Nationalrats wurden nach wie vor nur gegen die Kommunistische Partei gerichtete Entschliessungen angenommen, aber es wurde kein einziger Beschluss gefasst, der gegen jenen Haufen von Mitgliedern des Zentralexekutivkomitees beziehungsweise von Kuomintang-Generälen gerichtet wäre, die am Vaterland Verrat geübt haben und auf die Seite des Feindes übergegangen sind. Wie muss denn danach die Kuomintang in den Augen unseres Volkes und der befreundeten Länder in der ganzen Welt aussehen? Auf dem 11. Plenum wurde, wie zu erwarten war, wieder von der „Lösung der Frage mit politischen Mitteln“ und von der „Vorbereitung zur Einführung einer konstitutionellen Regierungsform“ gesprochen. Nun, das ist ausgezeichnet, und wir begrüssen derartige Erklärungen. Doch auf Grund der politischen Linie, die von der Kuomintang seit vielen Jahren konsequent verfolgt wird, sind wir der Meinung, dass das alles nichts als verlogenes Geschwätz ist, das in Wirklichkeit dem Ziel dient, die notwendige Zeit zu gewinnen, um den Bürgerkrieg vorzubereiten und das volksfeindliche diktatorische Regime zu verewigen.

Aber kann denn die Entwicklung der Ereignisse nicht in einer dritten Richtung verlaufen? Sie kann es, und ein Teil der Kuomintang-Mitglieder, unser ganzes Volk und wir Kommunisten hoffen, dass gerade das geschehen wird. Was verstehen wir unter der dritten Richtung? Das ist eine gerechte und vernünftige Regelung der gegenseitigen Beziehungen zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei durch politische Mittel, die aufrichtige Verwirklichung einer wahrhaft demokratischen, freien konstitutionellen Regierungsform, die Beseitigung des faschistischen diktatorischen Regimes einer „einzigen Partei, einer einzigen Lehre, eines einzigen Führers“ sowie die Einberufung einer wirklich vom Volk gewählten Nationalversammlung während des Widerstandskriegs. Wir Kommunisten waren und sind stets für diesen Kurs. Diesem Kurs wird auch ein Teil der Kuomintang-Mitglieder zustimmen. Während einer langen Zeit haben wir ständig gehofft, dass sogar Herr Tschiang Kai-schek nebst der ihm unmittelbar unterstellten Gruppierung in der Kuomintang ebenfalls diesen Kurs einschlagen würde. Doch weder die Geschichte der letzten Jahre noch die gegenwärtige Wirklichkeit enthalten auch nur eine Tatsache, die dafür zeugte, dass Herr Tschiang sowie die Mehrheit der an der Macht stehenden Kuomintang-Leute irgendwie bereit wären, diesen Kurs zu verwirklichen.

Um diesen Kurs zu verwirklichen, ist eine Reihe internationaler sowie innenpolitischer Voraussetzungen notwendig. Gegenwärtig begünstigen die internationalen Bedingungen (der Faschismus in Europa steht am Vorabend des völligen Zusammenbruchs) den Widerstandskrieg Chinas gegen die japanische Aggression, aber die Kapitulantengruppe ist besonders begierig, gerade jetzt den Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen, um sich die Kapitulation zu ermöglichen; die Japaner und Wang Djing-we sind auch besonders begierig, gerade jetzt den Bürgerkrieg anzuzetteln, um die Kapitulantengruppe leichter zur Kapitulation veranlassen zu können. Wang Djing-we erklärte: „Leibliche Brüder bleiben schliesslich Brüder, Tschungking wird gewiss den gleichen Weg wie wir gehen, aber wir hoffen, dass dieser Tag so rasch wie möglich kommt“ (aus einer Meldung der Nachrichtenagentur Domei vom 1. Oktober). Welche Herzlichkeit, Zuversicht, aber auch Ungeduld! Deshalb ist gegenwärtig von der Kuomintang bestenfalls eine Verschleppungspolitik zu erwarten, und die Gefahr einer krassen Verschlechterung der Lage ist sehr ernst. Die für die dritte Richtung notwendigen Bedingungen sind vorläufig noch nicht gegeben; sie können nur errungen werden, wenn die Patrioten aller Parteien und Gruppen, das ganze Volk auf allen Gebieten Anstrengungen unternehmen.

Herr Tschiang Kai-schek sagte auf dem 2. Plenum des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang:

Man muss mit aller Deutlichkeit erklären, dass die Zentralregierung an die Kommunistische Partei keine anderen Forderungen stellt und lediglich die Hoffnung hegt, dass sie auf ihr bewaffnetes Separatregime verzichtet und die Überfälle auf die Nationalarmee, die sie überall zur Hintertreibung des Widerstandskriegs unternimmt, einstellt und dass sie ihre Deklaration von 1937 über die Vereinigung der Anstrengungen zur Rettung des Vaterlands verwirklicht und die in ihr enthaltenen vier Versprechen einlöst.“

Die Beschuldigung, „Überfälle auf die Nationalarmee zur Hintertreibung des Widerstandskriegs“ unternommen zu haben, sollte Herr Tschiang an die Kuomintang richten; leider hat er voreingenommen und böswillig die Kommunistische Partei verleumdet. In der Tat war es doch die Kuomintang, die seit dem Fall von Wuhan drei antikommunistische Kampagnen gestartet hat, in deren Verlauf die unter Führung der Kommunistischen Partei stehenden Truppen jedesmal von Kuomintang-Truppen überfallen wurden. Das erste Mal geschah das im Winter 1939-40 und Frühjahr 1940, als Kuomintang-Truppen fünf Städte des Grenzgebiets Schensi-Kansu-Ningsia überfielen und einnahmen, und zwar die Städte Tschunhua, Hsünyi, Dschengning, Ninghsiän und Dschenyüan, wo Einheiten der Achten Route-Armee in Garnison lagen; dabei setzte die Kuomintang die Luftwaffe ein. In Nordchina wurden die Truppen Dschu Huai-bings für den Überfall auf Einheiten der 8. Route-Armee im Gebiet des Taihang-Gebirges eingesetzt, wobei sich die letzteren auf Selbstverteidigung beschränkten. Das zweite Mal geschah das im Januar 1941. Es begann damit, dass Ho Ying-tjin und Bai Tschung-hsi in einem an Tschu Teh; Peng Dö-huai, Yä Ting und Hsiang Ying gerichteten Telegramm vom 19. Oktober 1940 in kategorischer Form befahlen, dass sämtliche südlich vom Gelben Fluss befindlichen Einheiten der 8. Route-Armee und der Neuen 4. Armee innerhalb Monatsfrist in die Gebiete nördlich des Flusses abmarschieren. Wir haben damals der Verlegung der in Südanhui stehenden Einheiten nach Norden zugestimmt; was aber die übrigen Einheiten anbelangt, so gab es praktisch keine Möglichkeit, ihre Verlegung durchzuführen. Trotzdem versprachen wir, auch diese nach dem Sieg im Widerstandskrieg in die für sie angewiesenen Orte zu verlegen. Als sich jedoch am 5. Januar die in Südanhui stehenden Truppen in Stärke von mehr als 9‘000 Mann befehlsgemäss auf den Marschweg begaben, hatte Herr Tschiang schon längst einen anderen Befehl erlassen, nämlich diese Truppen „in einem Schleppnetz restlos zu fangen“. Vom 6. bis 14. Januar führten alle Kuomintang-Truppen in Südanhui in der Tat diesen Befehl aus. Ferner erliess Herr Tschiang am 17. Januar den Befehl, die gesamte Neue Vierte Armee aufzulösen und Yä Ting vor das Kriegsgericht zu stellen. Seitdem gab es in allen antijapanischen Stützpunktgebieten in Zentral- und Nordchina, wo Kuomintang-Truppen standen, keine Einheit der 8. Route-Armee oder der Neuen 4. Armee, die nicht von den Kuomintang-Truppen überfallen worden wäre; die 8. Route-Armee und die Neue 4. Armee dagegen beschränkten sich lediglich auf die Selbstverteidigung. Zum dritten Mal hat das im März dieses Jahres begonnen und dauert bis auf den heutigen Tag an. Während die Überfälle von Kuomintang-Truppen in Zentral- und Nordchina auf Einheiten der 8. Route-Armee und der Neuen 4. Armee fortgesetzt wurden, veröffentlichte Herr Tschiang das antikommunistische, volksfeindliche Buch Die Geschicke Chinas; er nahm die Verlegung einer grossen Anzahl von Truppen vor, die die Verteidigungsstellungen am Gelben Fluss besetzt hielten, damit sie blitzartig gegen das Grenzgebiet vorstossen; im ganzen Land stiftete er die sogenannten Massenorganisationen dazu an, die Auflösung der Kommunistischen Partei zu fordern; er mobilisierte die Kuomintang-Mitglieder, die im Politischen Nationalrat die Mehrheit bilden, den von Verleumdung der Achten Route-Armee strotzenden militärischen Bericht Ho Ying-tjins zu billigen und eine antikommunistische Entschliessung anzunehmen; auf diese Weise wurde der Politische Nationalrat, der ein Symbol des Zusammenschlusses für den Widerstand gegen die japanischen Eindringlinge sein sollte, in ein Privatorgan der Kuomintang verwandelt, das dazu dient, antikommunistische Stimmungen zu schüren und den Bürgerkrieg vorzubereiten, wodurch das Ratsmitglied der Kommunistischen Partei, Kamerad Dung Bi-wu, gezwungen war, zum Zeichen des Protestes die Tagung zu verlassen. All diese drei antikommunistischen Kampagnen wurden von der Kuomintang planmässig und nach entsprechender Vorbereitung durchgeführt. Man gestatte also die Frage, was das denn sein soll, wenn nicht „Aktionen zur Hintertreibung des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression“?

Am 22. September 1937 veröffentlichte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas eine Deklaration, die dazu aufrief, die Anstrengungen zur Rettung des Vaterlands zu vereinen. In dieser Deklaration hiess es:

Um jeden Vorwand, der vom Feind für seine Intrigen ausgenutzt werden könnte, zu beseitigen, um die Zweifel jener, die im guten Glauben irren, zu beseitigen, erachtet es das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas für notwendig, in aller Öffentlichkeit seine Hingabe an die Sache der nationalen Befreiung zu bekunden. Deshalb erklärt das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas noch einmal feierlich unserem ganzen Volk: 1. Die Drei Volksprinzipien Dr. Sun Yat-sens sind für das heutige China unerlässlich, und unsere Partei ist bereit, für ihre restlose Verwirklichung zu kämpfen. 2. Die Durchführung der Politik des Aufstands zum Sturz des Kuomintang-Regimes sowie der Politik der gewaltsamen Beschlagnahme des Grund und Bodens der Grundherren wird eingestellt. 3. Um die Staatsmacht im Land zu vereinheitlichen, wird die gegenwärtige rote Regierung zur demokratischen Regierung eines Sondergebiets reorganisiert. 4. Der Name ‚die Rote Armee‘ und ihre Truppenbezeichnungen werden geändert. Die Rote Armee wird zur Nationalrevolutionären Armee umgebildet, dem Militärrat der Nationalregierung unterstellt und erwartet den Befehl zum Ausrücken an die Front des Widerstandskriegs gegen die japanischen Eindringlinge, um ihre Pflicht zu erfüllen.“

Diese vier Versprechen haben wir voll und ganz erfüllt; weder Herr Tschiang Kai-schek noch irgendein anderes Kuomintang-Mitglied kann auch nur einen einzigen Punkt nachweisen, der von uns nicht erfüllt worden wäre. Erstens entspricht die von der Kommunistischen Partei im Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia und in allen antijapanischen Stützpunktgebieten hinter den feindlichen Linien durchgeführte Politik voll und ganz den Drei Volksprinzipien Sun Yat-sens, und keine einzige politische Massnahme läuft diesen zuwider. Zweitens halten wir stets unser Versprechen, das Kuomintang-Regime nicht mit Gewalt zu stürzen und den Grund und Boden der Grundherren nicht gewaltsam zu beschlagnahmen, unter der Bedingung, dass die Kuomintang nicht vor dem nationalen Feind kapituliert, die Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei nicht abbricht und keinen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten entfacht. So haben wir in der Vergangenheit gehandelt, so handeln wir auch heute, und wir sind bereit, auch in Zukunft so zu handeln. Das heisst, dass wir nur in dem Fall, dass die Kuomintang vor dem Feind kapituliert, die Zusammenarbeit abbricht und den Bürgerkrieg entfacht, gezwungenermassen nicht mehr in der Lage sein werden, unser Versprechen weiter zu erfüllen. Nur in einem solchen Fall hätten wir also nicht mehr die Möglichkeit dazu. Drittens wurde die rote Macht, wie sie früher bestand, schon im ersten Jahr des Widerstandskriegs reorganisiert; die auf dem „Drei-Drittel-System“ beruhende demokratische Ordnung ist ebenfalls schon längst verwirklicht, während die Kuomintang ihr Versprechen, das Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia anzuerkennen, bis auf den heutigen Tag nicht eingelöst hat und uns überdies noch eines „feudalen Separatismus“ bezichtigt. Herr Tschiang Kai-schek und andere Mitglieder der Kuomintang! Sie müssen wissen, dass der Zustand, den Sie „Separatismus“ nennen — die bisherige Nichtanerkennung des Grenzgebiets Schensi-Kansu-Ningsia und der antijapanischen Stützpunktgebiete durch die Kuornintang-Regierung — nicht von uns gewollt ist; er ist uns ganz und gar von Ihnen aufgezwungen worden. Sie haben Ihr Wort gebrochen. Sie haben dieses Gebiet, das Sie früher doch selbst anzuerkennen versprochen hatten, nicht anerkannt, Sie haben diese demokratische Ordnung nicht anerkannt, und zu alldem beschimpfen Sie uns auch noch mit Ausdrücken wie „Separatismus“. Gestatten Sie doch die Frage, was das für eine Logik ist? Wir ersuchen Sie tagaus, tagein um die Anerkennung, Sie aber lehnen sie noch immer ab; wer soll denn schliesslich die Verantwortung dafür tragen? Was ist das für eine Logik, wenn Herr Tschiang Kai-schek als Oberhaupt der Kuomintang und Verantwortlicher für die Kuomintang-Regierung in seinem Buch Die Geschicke Chinas auch über den „Separatismus“ zetert und sich selbst dafür nicht im geringsten verantwortlich fühlt? Jetzt nutzen wir die Gelegenheit, dass Herr Tschiang auf dem 11. Plenum von uns erneut die Erfüllung unserer Versprechungen gefordert hat, und fordern unsererseits, dass Herr Tschiang sein Versprechen einlöst: durch einen gesetzgeberischen Akt das Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia, wo das Prinzip der Demokratie schon längst verwirklicht ist, sowie die antijapanischen demokratischen Stützpunktgebiete hinter den feindlichen Linien anzuerkennen. Wenn Sie aber Ihre Politik der Nichtanerkennung fortsetzen, dann wird das bedeuten, dass Sie uns den „Separatismus“ fortzusetzen heissen, und die Verantwortung dafür lastet nach wie vor ganz auf Ihnen, keineswegs auf uns. Viertens sind der Name „die Rote Armee“ und ihre Truppenbezeichnungen schon längst abgeändert, die Rote Armee ist schon längst „zur Nationalrevolutionären Armee umgebildet“, ist schon längst „dem Militärrat der Nationalregierung unterstellt“; folglich ist dieses unser Versprechen schon längst erfüllt. Einzig und allein die Neue Vierte Armee der Nationalrevolutionären Armee ist gegenwärtig unmittelbar dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und nicht dem Militärrat der Nationalregierung unterstellt. Das geschah, weil der Militärrat der Nationalregierung am 17. Januar 1941 einen den Widerstandskrieg hintertreibenden und den Staat gefährdenden konterrevolutionären Befehl erliess, in welchem diese Armee als eine „Meutererarmee“ bezeichnet und für „aufgelöst“ erklärt wurde, wodurch diese Armee tagaus, tagein den Überfällen der Kuomintang-Truppen ausgesetzt ist. Und nichtsdestoweniger hat diese Armee nicht nur konsequent gegen die japanischen Eindringlinge in Zentralchina gekämpft, sondern sie erfüllt unbeirrbar die ersten drei unserer vier Versprechen, ist willens, erneut „dem Militärrat der Nationalregierung unterstellt“ zu werden, und fordert, dass Herr Tschiang den Befehl über ihre Auflösung aufhebt, die Bezeichnung dieser Armee wiederherstellt und es ihr dadurch ermöglicht, auch den vierten Punkt unserer Versprechen zu erfüllen.

In den Dokumenten des 11. Plenums des Zentralexekutivkomitees der Kuomintang, die die Frage der Kommunistischen Partei betreffen; finden wir ausser den dargelegten Punkten noch folgende Erklärung:

Was die übrigen Fragen anbelangt, so hat das Plenum den Beschluss gefasst, innerhalb eines Jahres nach Beendigung des Krieges eine Nationalversammlung einzuberufen sowie eine Verfassung auszuarbeiten und zu verkünden, so dass man alle diese Fragen der Nationalversammlung zur Erörterung und Entscheidung unterbreiten kann.“

Was hier als „übrige Fragen“ bezeichnet wird, ist die Beseitigung des diktatorischen Regimes der Kuomintang, die Abschaffung des faschistischen Geheimdienstes, die Errichtung einer demokratischen Ordnung im Landesmassstab, die Aufhebung der Wirtschaftskontrolle sowie der drückenden Abgaben und mannigfaltigen Steuern — was dem Wohle des Volkes im Wege steht — die Durchführung einer in der Herabsetzung der Pacht- und Darlehenszinsen bestehenden Bodenpolitik sowie einer auf die Unterstützung der mittleren und kleinen Industrie und auf die Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter gerichteten Wirtschaftspolitik im ganzen Land. In der Deklaration unserer Partei vom 22. September 1937, die dazu aufruft, die Anstrengungen zur Rettung des Vaterlands zu vereinigen, wird gesagt:

Eine Politik der Demokratie ist durchzuführen, eine Nationalversammlung einzuberufen, damit eine Verfassung ausgearbeitet und der Kurs zur Rettung des Vaterlands festgelegt wird. Um dem chinesischen Volk ein glückliches und frohes Leben zu gewährleisten, muss man in erster Linie durch wirksame Massnahmen den von Hungersnot Betroffenen Hilfe erweisen, dem Volk ein stabiles Leben sichern, die für die Landesverteidigung wichtigen Wirtschaftszweige entwickeln, das Volk von seinen Leiden befreien und seine Lebensbedingungen verbessern.“

Da Herr Tschiang Kai-schek diese Deklaration in einer am Tag nach deren Verkündung (23. September) veröffentlichten Erklärung voll und ganz billigte, sollte er nicht nur von der Kommunistischen Partei die Erfüllung der in dieser Deklaration enthaltenen vier Versprechen, sondern auch von sich selbst, von der Kuomintang und der KuomintangRegierung fordern, die dargelegten Punkte der Deklaration zu erfüllen. Herr Tschiang ist gegenwärtig nicht nur das Oberhaupt der Kuomintang, sondern auch der Vorsitzende der Kuomintang-Regierung (die sich „Nationalregierung“ nennt), und er sollte gewissenhaft die Erfüllung der dargelegten Punkte über die Demokratie und das Volkswohl sowie die Erfüllung all der unzähligen Versprechen, die Herr Tschiang selbst uns Kommunisten und dem ganzen Volk gegeben hat, in Angriff nehmen; er sollte nicht länger alle seine Versprechen Lügen strafen und bei seiner Politik der grausamen Unterdrückung verbleiben, er sollte nicht das eine reden und etwas ganz anderes tun. Wir Kommunisten und unser ganzes Volk wollen Tatsachen sehen und möchten nicht länger leeres verlogenes Geschwätz hören. Wenn es Tatsachen geben sollte, werden wir uns freuen; mit einem leeren Geschwätz aber, hinter dem keine Tatsachen stehen, kann man das Volk nicht lange hinters Licht führen. Den Widerstandskrieg bis zu Ende ausfechten und die Gefahr der Kapitulation bannen, die Zusammenarbeit fortsetzen und die Bürgerkriegskrise abwenden, die demokratische Ordnung im Grenzgebiet und in den antijapanischen Stützpunktgebieten hinter den feindlichen Linien anerkennen, die Neue 4. Armee wieder in ihre Rechte einsetzen, den antikommunistischen Kampagnen Einhalt gebieten, die 400‘000 bis 500‘000 Mann starke Armee, die das Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia eingekesselt hält, zurückziehen, mit dem Missbrauch des Politischen Nationalrats als eines Privatorgans der Kuomintang zur Schürung antikommunistischer Stimmungen aufhören, dem Volk die Freiheit der Rede, der Versammlung und der Vereinigung gewähren, die Einparteiendiktatur der Kuomintang abschaffen, die Pacht- und Darlehenszinsen herabsetzen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter verbessern, die mittlere und kleine Industrie unterstützen, den Geheimdienst abschaffen, mit der Faschisierung der Schulbildung Schluss machen und eine demokratische Volksbildung einführen — das sind unsere Forderungen an Herrn Tschiang und an die Kuomintang. Der grössere Teil davon sind eben Ihre eigenen Versprechen. Wenn Sie diese Forderungen und Versprechen erfüllen, garantieren wir Ihnen, dass wir auch unsere Versprechen weiter erfüllen werden. Wenn Herr Tschiang und die Kuomintang es wünschen, sind wir bereit, die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien zu jeder Zeit wiederaufzunehmen.

Kurz gesagt, von den drei Richtungen, für die sich die Kuomintang entscheiden kann, ist die erste Richtung — Kapitulation und Bürgerkrieg — für Herrn Tschiang Kai-schek und die Kuomintang der Weg des Todes. Die zweite Richtung — Volksbetrug durch leeres Geschwätz, um Zeit zu gewinnen, wobei man aber insgeheim unentwegt auf die Erhaltung der faschistischen Diktatur bedacht ist und aktiv den Bürgerkrieg vorbereitet — ist ebenfalls kein Weg des Überlebens für Herrn Tschiang und die Kuomintang. Nur die dritte Richtung der völlige Verzicht auf den falschen Weg der faschistischen Diktatur und des Bürgerkriegs, die Beschreitung des richtigen Weges der Demokratie und der Zusammenarbeit — das ist der Weg der Rettung für Herrn Tschiang und die Kuomintang. Aber Herr Tschiang und die Kuomintang haben bis auf den heutigen Tag noch nichts getan, was die Menschen davon überzeugen würde, dass sie sich anschicken, diese Richtung einzuschlagen. Deshalb muss das ganze Volk weiterhin vor der äusserst ernsten Gefahr einer Kapitulation und des Bürgerkriegs auf der Hut sein.

Alle patriotisch gesinnten Mitglieder der Kuomintang müssen sich zusammenschliessen, um die Kuomintang-Machthaber daran zu hindern, dass sie die erste Richtung einschlagen, um ihnen nicht zu gestatten, dass sie in der zweiten Richtung weitergehen, und um zu fordern, dass sie die dritte Richtung wählen.

Alle patriotischen Parteien und Gruppen sowie alle Menschen, die gegen die japanischen Eindringlinge kämpfen, müssen sich zusammenschliessen, damit sie die Kuomintang-Machthaber daran hindern, die erste Richtung einzuschlagen, ihnen nicht gestatten, in der zweiten Richtung weiterzugehen, und von ihnen fordern, die dritte Richtung zu wählen.

In der Welt stehen grosse, beispiellose Veränderungen bevor, und wir hoffen, dass sich Herr Tschiang Kai-schek und die Mitglieder der Kuomintang in diesem grossen Augenblick unserer Epoche richtig verhalten werden. Wir hoffen, dass alle patriotischen Parteien und Gruppen sowie alle Patrioten an diesem bedeutsamen historischen Wendepunkt eine richtige Haltung einnehmen.

1Gemeint sind die Kuomintang-Generäle und -Offiziere, die seinerzeit an der Huangpu-Militärakademie gelehrt bzw. studiert haben. Die Huangpu-Gruppierung ist die Gruppierung der persönlichen Anhänger Tschiang Kai-scheks in der Kuomintang-Armee.