Mao Tse-tung: “Über den Kurs für Operationen auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatz”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

ÜBER DEN KURS FÜR OPERATIONEN AUF DEM NORDWESTLICHEN KRIEGSSCHAUPLATZ

Mao Tse-tung
15.04.1947

Ausgewählte Werke
Band 4
Reproduziert von
Die Rote Fahne

ÜBER DEN KURS FÜR OPERATIONEN AUF DEM NORDWESTLICHEN KRIEGSSCHAUPLATZ

Ein Telegramm von Vorsitzenden Mao Tse-tung an die Nordwest-Feldarmee, die damals aus Truppen der Volksbefreiungsarmee der befreiten Gebiete Schensi-Kansu-Ningsia und Schansi-Suiyüan — unter dem Kommando von Peng Dö-huai, Ho Lung, Hsi Dschung-hsün und anderen Kameraden — bestand.

1. Der Feind ist nun ziemlich ermattet, aber noch nicht völlig erschöpft. Seine Lebensmittelversorgung bereitet ihm beachtliche, aber noch nicht extreme Schwierigkeiten. Obwohl unsere Armee seit der Vernichtung der 31. Brigade des Feindes1 bislang keine grosse Anzahl seiner Truppen zerschlagen hat, haben wir jedoch in den vergangenen zwanzig Tagen das Ziel erreicht, den Feind weitgehend zu ermatten und seine Lebensmittelversorgung bedeutend zu erschweren; auf diese Weise haben wir günstige Voraussetzungen geschaffen, ihn zur vollständigen Erschöpfung zu bringen, von der Proviantzufuhr abzuschneiden und endgültig zu vernichten.

2. Trotz seiner Ermattung und seines Mangels an Lebensmitteln verfolgt der Feind gegenwärtig die Politik, unsere Hauptkräfte auf das Ostufer des Gelben Flusses zu werfen, dann Suidö und Midschi zu blockieren und mit verteilten Kräften einen „Säuberungs- und Ausrottungsfeldzug“ gegen uns zu unternehmen. Die feindlichen Truppen erreichten am 31. März Tjingdjiän, zogen aber nicht gleich nach Norden; ihre Absicht war, uns einen Weg offen zu lassen. Mit ihrem Vormarsch in westlicher Richtung nach Wayaobao wollten sie uns nach Suidö und Midschi treiben. Da der Feind unsere Truppen entdeckt hat, schwenkt er jetzt süd- und westwärts von Wayaobao ab, um dann nochmals in Richtung auf diese Stadt vorzurücken und uns nach Norden zu treiben.

3. Unsere Politik besteht darin, unsere frühere Methode beizubehalten, den Feind in diesem Gebiet noch einige Zeit (ungefähr einen Monat) umherzuhetzen, um dann, wenn seine Erschöpfung und sein Lebensmittelmangel einen maximalen Grad erreicht, eine Gelegenheit zu suchen, ihn zu vernichten. Unsere Hauptkräfte brauchen weder nach Norden zu eilen, um Yülin zu attackieren, noch nach Süden, um den Feind von hinten anzugreifen. Es muss den Kommandeuren und Kämpfern und auch den Volksmassen klargemacht werden, dass diese Methode unserer Armee der unumgängliche Weg zum endgültigen Sieg über den Feind ist. Wenn wir den Feind nicht zur völligen Ermattung und bis an den Rand des Verhungerns bringen, können wir den endgültigen Sieg nicht erringen. Diese Methode kann man Erschöpfungs-Taktik nennen, d. h. den Feind bis zur vollständigen Erschöpfung ermatten und dann vernichten.

4. Da Ihr Euch nun in Gegenden östlich und nördlich von Wayaobao befindet, wäre es am besten, den Feind in den Raum nördlich von Wayaobao zu locken; dann könntet Ihr den schwächeren Teil der Truppen von Liao Ang2 angreifen und den Feind nach Osten locken; hierauf könntet Ihr in die Richtung Ansai umschwenken und den Feind dazu verleiten, nach Westen zu ziehen.

5. Ihr müsst aber unverzüglich den Befehl geben, dass die 359. Brigade (die ganze Brigade) ihre Vorbereitungen für einen Überraschungsangriff in südlicher Richtung binnen weniger Tage abschliesst, damit sie nach einer Woche nach Süden in den Raum südlich der Linie Yäntschang-Yenan und nördlich der Linie Yitschuan-Luotschuan geschickt werden kann, um den Feind dort zu überrumpeln und von der Proviantzufuhr abzuschneiden.

6. Bitte um Bescheid, ob obige Darlegungen zutreffend sind.

1Nachdem die Volksbefreiungsarmee des Nordwestens aus eigener Initiative Yenan geräumt hatte, sandte sie eine kleine Streitmacht aus, um die Hauptkräfte des Feindes bis nach Ansai (nordwestlich von Yenan) zu locken, während ihre eigenen Hauptkräfte im Raum von Tjinghuabiän, nordöstlich von Yenan, im Hinterhalt lagen, um bei günstiger Gelegenheit den Feind zu vernichten. Am 15. März 1947 marschierte ein Regiment der 31. Brigade der reorganisierten 27. Division der Kuomintang-Truppen unter Hu Dsung-nan, mit dem Stab der Brigade an der Spitze, direkt in diese Falle und wurde in einem etwas über eine Stunde dauernden Gefecht vollständig vernichtet.

2Liao Ang, Kommandeur der reorganisierten 76. Division der Kuomintang-Truppen unter Hu Dsung-nan, wurde später, am m. Oktober 1947, im Gefecht bei Tjingdjiän gefangengenommen.