Mao Tse-tung: “Wir müssen das Schwergewicht auf Zusammenschluss und Fortschritt legen”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

WIR MÜSSEN DAS SCHWERGEWICHT AUF ZUSAMMENSCHLUSS UND FORTSCHRITT LEGEN

Mao Tse-tung
10.02.1940

Ausgewählte Werke
Band 2
Reproduziert von
Die Rote Fahne

WIR MÜSSEN DAS SCHWERGEWICHT AUF ZUSAMMENSCHLUSS UND FORTSCHRITT LEGEN

Ein vom Vorsitzenden Mao Tse-tung für die Yenaner Zeitung „Hsindschungbua Bao“ anlässlich des 1. Jahrestags ihrer Gründung verfasster Artikel.

Widerstandskrieg, Zusammenschluss, Fortschritt — das sind die drei Hauptgrundsätze, die von der Kommunistischen Partei im Vorjahr, am Jahrestag der Ereignisse des 7. Juli, aufgestellt wurden. Diese drei Grundsätze bilden ein organisches Ganzes, kein einziger von ihnen kann entbehrt werden. Wenn man das Schwergewicht nur auf den Widerstandskrieg, nicht aber auf den Zusammenschluss und den Fortschritt legt, dann wird ein solcher „Widerstandskrieg“ unsicher und nicht von Dauer sein. Der Widerstandskrieg ohne ein Programm zum Zusammenschluss und Fortschritt muss früher oder später in Kapitulation umschlagen oder mit einer Niederlage enden. Wir Kommunisten halten es für notwendig, dass alle diese drei Aufgaben zu einer Einheit verschmolzen werden. Um des Widerstandskriegs willen muss man gegen die Kapitulation, gegen Wang Djing-wes landesverräterisches Abkommen mit Japan, gegen seine Marionettenregierung und gegen alle in den Reihen der antijapanischen Front verborgenen Landesverräter und Kapitulanten ankämpfen. Um des Zusammenschlusses willen muss man den Kampf führen gegen die Spaltertätigkeit, gegen die inneren Reibungen, gegen die Dolchstösse, die vom Rücken der antijapanischen Front her der 8. Route-Armee, der Neuen 4. Armee und allen fortschrittlichen Kräften versetzt werden, gegen die Störaktionen in den antijapanischen Stützpunktgebieten hinter den feindlichen Linien, gegen die Wühltätigkeit im Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia, das das Hinterland der 8. Route-Armee bildet, gegen die Nichtanerkennung des legalen Status der Kommunistischen Partei und gegen die Lawine von Dokumenten über die „Einschränkung der Tätigkeit fremder Parteien“. Um des Fortschritts willen muss man gegen den Rückschritt kämpfen, gegen die Tatsache, die Drei Volksprinzipien und das „Programm für den Widerstandskrieg und den Aufbau des Landes“ ad acta zu legen, gegen die Weigerung, die im Testament Sun Yat-sens enthaltene Weisung, „die Volksmassen zu wecken“, in die Tat umzusetzen, gegen das Einsperren der fortschrittlichen Jugend in Konzentrationslager, gegen die völlige Liquidierung jener kümmerlichen Krümel von Rede und Pressefreiheit, die es in der Anfangsperiode des Widerstandskriegs gegeben hat, gegen das Vorhaben, die Bewegung für eine konstitutionelle Regierungsform in ein Privatunternehmen von einer Handvoll hohen Beamten umzuwandeln, gegen die Überfälle auf die neuen Truppen, die Verfolgung der Liga der Selbstaufopferung und das Blutbad unter fortschrittlichen Menschen in Schansi1, gegen die Verhaftung auf offener Strasse, wie sie vom Jugendverband der Drei Volksprinzipien an der Landstrasse Hsiänyang-Yülin und an der Lunghai-Eisenbahn verübt wird,2 gegen das schamlose Treiben, neun Konkubinen zu halten und hundert Millionen Yüan an der nationalen Katastrophe zu verdienen, gegen die ungezügelte Willkür der korrupten Beamten und die Tyrannei der Tuhao und Liäschen. Ohne all dieses zu bekämpfen, ohne den Zusammenschluss und den Fortschritt bleibt der Widerstandskrieg leerer Schall und Rauch und wird der Sieg eine vergebliche Hoffnung sein. Was soll die politische Orientierung der Zeitung Hsindschunghua Bao im zweiten Jahr ihres Bestehens sein? Sie muss das Schwergewicht auf den Zusammenschluss und auf den Fortschritt legen und gegen alle verwerflichen, für den Widerstandskrieg schädlichen Praktiken vorgehen, damit weitere Erfolge in der Sache des Widerstandskriegs errungen werden können.

1„Liga der Selbstaufopferung“ — abgekürzte Bezeichnung für die „Liga der Selbstaufopferung zur Rettung des Vaterlands in Schansi“, eine lokale antijapanische Massenorganisation, die 1936 in der Provinz Schansi gegründet wurde. Diese Organisation arbeitete eng mit der Kommunistischen Partei zusammen und spielte im Widerstandskrieg in Schansi eine wichtige Rolle. Im Dezember 1934 ging Yän Hsischan in Westschansi offen dazu über, die Liga der Selbstaufopferung zu zerschlagen, und viele Kommunisten, Funktionäre der Liga und fortschrittliche Vertreter der Volksmassen wurden bestialisch ermordet.

2Von 1939 an errichtete die Kuomintang unter dem Aushängeschild „Gästehaus“ beim Jugendverband der Drei Volksprinzipien, einem fügsamen Werkzeug der Kuomintang, an der Landstrasse Hsiänyang-Yülin und an der Lunghai-Eisenbahn zahlreiche Sperren. An diesen Sperren nahmen Agenten des Geheimdienstes in Zusammenarbeit mit den Kuomintang-Truppen fortschrittliche Jugendliche und Intellektuelle fest, die nach dem Grenzgebiet Schensi-Kansu-Ningsia unterwegs waren oder aus diesem Gebiet kamen. Die Festgenommenen wurden in Konzentrationslager eingesperrt, dort grausam ermordet oder zu Spitzeldiensten gezwungen.