Mao Tse-tung: “Zwei Telegramme des Oberkommandierenden der 18. Armee an Tschiang Kai-schek”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

ZWEI TELEGRAMME DES OBERKOMMANDIERENDEN DER 18. ARMEE AN TSCHIANG KAI-SCHEK

Mao Tse-tung
August 1945

Ausgewählte Werke
Band 4
Reproduziert von
Die Rote Fahne

ZWEI TELEGRAMME DES OBERKOMMANDIERENDEN DER 18. ARMEE AN TSCHIANG KAI-SCHEK

Zwei vom Vorsitzenden Mao Tse-tung abgefasste Telegramme des Oberkommandierenden der 18. Armee. Die Regierung Tschiang Kai-scheks hatte damals, als die japanischen Aggressoren zwar die Kapitulation angeboten, aber noch nicht verwirklicht hatten, mit der Waffenhilfe des USA-Imperialismus das Recht der Entgegennahme der Kapitulation Japans für sich allein in Anspruch genommen und überdies unter dem Vorwand, Japans Kapitulation entgegenzunehmen, starke Truppenverbände gegen die befreiten Gebiete in Bewegung gesetzt und eifrige Vorbereitungen für einen konterrevolutionären Bürgerkrieg getroffen. Mit dem ersten Telegramm verfolgte Vorsitzender Mao Tse-tung den Zweck, das konterrevolutionäre Gesicht Tschiang Kai-scheks zu enthüllen und das ganze Volk zur Wachsamkeit gegenüber den Bürgerkriegsintrigen Tschiang Kai-scheks zu erziehen. Im zweiten Telegramm deckte er die Machenschaften der Tschiangkaischek-Clique zur Vorbereitung des Bürgerkriegs noch mehr auf und unterbreitete den Sechs-Punkte-Vorschlag der Kommunistischen Partei Chinas zur Verhinderung eines Bürgerkriegs. Zu dem gleichen Zweck schrieb Vorsitzender Mao Tse-tung zwei Kommentare für die Hsinhua-Nachrichtenagentur, die in diesem Band enthalten sind: „Tschiang Kai-schek provoziert den Bürgerkrieg“ und „Zur Erklärung eines Sprechers Tschiang Kai-scheks“. Dank der festen und entschlossenen Haltung der Kommunistischen Partei Chinas, die sich durch die reaktionäre Renommisterei Tschiang Kai-scheks nicht einschüchtern Iiess, nahmen die befreiten Gebiete sowie die Befreiungsarmee rasch an Umfang zu, und Tschiang Kai-schek musste unter dem starken politischen Druck, der im In- und Ausland einem chinesischen Bürgerkrieg entgegengesetzt wurde, seine Taktik ändern: Er setzte eine friedfertige Miene auf und lud Vorsitzender Mao Tse-tung zu Friedensverhandlungen nach Tschungking ein.

1. TELEGRAMM VOM 13. AUGUST

Über Radio Tschungking haben wir zwei Meldungen der Zentralen Nachrichtenagentur erhalten. Die eine enthält Ihren Befehl an uns, die andere den Befehl, den Sie den Offizieren und Soldaten in den verschiedenen Kriegszonen erteilt haben. In Ihrem an uns adressierten Befehl heisst es: „Alle Einheiten der 18. Armee haben bis auf weitere Anordnungen in ihren Stellungen zu verharren.“ Daneben ist noch davon die Rede, dass es uns verboten sei, den Feind zu entwaffnen. Ihren an die Offiziere und Soldaten der diversen Kriegszonen gerichteten Befehl meldete die Zentrale Nachrichtenagentur am 11. August aus Tschungking wie folgt: „Das Oberste Kommando hat heute den Offizieren und Soldaten der verschiedenen Kriegszonen telegraphisch befohlen, mit aller Kraft die Kampfhandlungen zu verstärken und gemäss den festgelegten militärischen Plänen und erteilten Befehlen energisch vorzustossen, ohne im mindesten nachzulassen.“ Wir halten die beiden Befehle für einander widersprüchlich. Nach dem ersten Befehl soll man „bis auf weitere Anordnungen in den Stellungen verharren“, nicht mehr angreifen, alle Kampfhandlungen einstellen. Bis jetzt haben die japanischen Aggressoren noch immer nicht die Kapitulation durchgeführt; sie sind vielmehr jede Stunde und jede Minute dabei, Chinesen zu töten und die chinesischen Truppen sowie die sowjetischen, amerikanischen und englischen Truppen zu bekämpfen, während die sowjetischen, amerikanischen und englischen Streitkräfte gleichfalls jede Stunde und jede Minute gegen die japanischen Aggressoren kämpfen. Warum verlangen Sie dann von uns, dass wir keine Kämpfe führen? Den zweiten Befehl halten wir für sehr gut. „Die Kampfhandlungen zu verstärken und energisch vorzustossen, ohne im mindesten nachzulassen“ — das lässt sich hören! Leider haben Sie diesen Befehl nicht uns, sondern nur Ihren eigenen Truppen erteilt, uns aber einen ganz anderen geschickt. Der Sinn des Befehls Tschu Tehs vom 10. August an alle antijapanischen Streitkräfte der befreiten Gebiete Chinas1 war gerade der, dass „die Kampfhandlungen zu verstärken“ seien. In diesem Befehl wurde weiter angeordnet, dass die Streitkräfte, während sie „die Kampfhandlungen verstärken“, zugleich die japanischen Aggressoren zur Kapitulation auffordern und den feindlichen und Marionettentruppen die Waffen und die sonstige militärische Ausrüstung abnehmen. Ist das denn nicht sehr gut? Zweifellos ist es sehr gut, zweifellos entspricht es den Interessen der chinesischen Nation. „Bis auf weitere Anordnungen in den Stellungen verharren“, das entspricht jedoch gewiss nicht den Interessen der Nation. Wir halten Ihren diesbezüglichen Befehl für falsch, und zwar für so falsch, dass wir nicht umhinkönnen, Ihnen zu erklären: Wir lehnen ihn entschieden ab. Denn dieser von Ihnen an uns gerichtete Befehl ist nicht nur ungerecht, sondern er widerspricht den Interessen der chinesischen Nation und gereicht lediglich den japanischen Aggressoren und den Vaterlandsverrätern zum Vorteil.

2. TELEGRAMM VOM 16. AUGUST

In einem Augenblick, da unser gemeinsamer Feind, die japanische Regierung, wohl die Potsdamer Deklaration akzeptiert und die Kapitulation verkündet, jedoch die Übergabe noch nicht tatsächlich vollzogen hat, übermittle ich Ihnen hiermit im Namen aller antijapanischen bewaffneten Kräfte und der 260‘000‘000 zählenden Bevölkerung in den befreiten Gebieten Chinas sowie auf dem von Japan besetzten chinesischen Territorium die nachstehende Erklärung und unsere Forderungen:

Jetzt, da der Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression bald seine siegreiche Beendigung findet, mache ich Sie auf die Tatsachen auf den gegenwärtigen Kriegsschauplätzen in China aufmerksam: In den vom Feind und von den Marionetten besetzten ausgedehnten Gebieten, die von Ihnen verlassen worden waren, wurden gegen Ihren Willen dank dem harten Krieg, den wir acht Jahre lang geführt haben, rund 1‘000‘000 Quadratkilometer zurückerobert, mehr als 100‘000‘000 Menschen befreit, reguläre Truppeneinheiten mit insgesamt über 1‘000‘000 Mann aufgestellt und mehr als 2‘200‘000 Kämpfer in der Volksmiliz organisiert, in 19 Provinzen — Liaoning, Jehol, Tschahar, Suiyüan, Hopeh, Schansi, Schensi, Kansu, Ningsia, Honan, Schantung, Kiangsu, Anhui, Hupeh, Hunan, Kiangsi, Tschekiang, Fukien und Kuangtung — 19 grosse befreite Gebiete2 geschaffen; die meisten dieser Gebiete — mit Ausnahme einiger weniger — haben die vom Feind und von den Marionetten seit den Ereignissen vom 7. Juli 1937 okkupierten chinesischen Städte, Marktflecken, Hauptverkehrswege und Küstenstriche eingekreist. Ausserdem haben wir in den von Japan besetzten Gebieten Chinas (mit einer Bevölkerungszahl von 160‘000‘000) in grossem Umfang Untergrundtruppen organisiert, um Schläge gegen den Feind und die Marionetten zu führen. Durch unsere Kampfhandlungen fesseln wir noch immer 69% der in China eingedrungenen japanischen Streitkräfte (nicht eingerechnet die in Nordostchina stationierten) und 95% der Marionettentruppen, die wir in Abwehr- und Angriffsoperationen verwickelt oder eingekreist haben. Doch Ihre Regierung und Ihre Armee betreiben die ganze Zeit eine Politik, die darin besteht, mit verschränkten Armen zuzuschauen und auf den Sieg zu warten, die Kräfte zu bewahren und einen Bürgerkrieg vorzubereiten, wobei sie sich nicht darauf beschränken, unsere befreiten Gebiete und deren Streitkräfte nicht anzuerkennen und nicht zu versorgen, sondern sie auch noch mit einer Riesenstreitmacht von 940‘000 Mann einkreisen und attackieren. Obwohl die Armee und die Bevölkerung der befreiten Gebiete Chinas unter den sowohl von seiten des Feindes und der Marionetten wie von seiten Ihrer Truppen geführten Angriffen genug zu leiden hatten, ist ihr Wille, am Widerstandskrieg, am Zusammenschluss und an der Demokratie festzuhalten, nicht im mindesten erlahmt. Das Volk der chinesischen befreiten Gebiete und die Kommunistische Partei Chinas haben Ihnen und Ihrer Regierung oftmals die Einberufung einer Konferenz aller Parteien und Gruppen und die Bildung einer vom ganzen Volk unterstützten demokratischen Koalitionsregierung vorgeschlagen, damit den inneren Zerwürfnissen ein Ende gesetzt, die antijapanischen Kräfte des ganzen chinesischen Volkes mobilisiert und zusammengeschlossen, der Widerstandskrieg zum Sieg geführt und der Frieden nach Kriegsende gesichert werde; alle unsere Vorschläge wurden jedoch von Ihnen und Ihrer Regierung abgelehnt. Mit all dem sind wir höchst unzufrieden.

Das Feindesland schickt sich jetzt an, die Kapitulation zu unterzeichnen, doch Sie und Ihre Regierung missachten nach wie vor unsere Meinung. Mehr noch, Sie übersandten mir am 11. August einen überaus widersinnigen Befehl und wiesen Ihre Truppen an, unter dem Vorwand der Entwaffnung des Feindes einen gewaltigen militärischen Druck auf die befreiten Gebiete auszuüben. Die Gefahr eines Bürgerkriegs ist daher ernster denn je. Angesichts alles dessen sehen wir uns gezwungen, Ihnen und Ihrer Regierung nachstehende Forderungen zu unterbreiten:

1. Ich verlange, dass Sie uns zwecks Erzielung eines Einvernehmens konsultieren, ehe Sie, Ihre Regierung und ihr Oberstes Kommando die Kapitulation der Japaner und der Marionetten entgegennehmen und nach erfolgter Übergabe irgendwelche Abkommen oder Verträge schliessen. Denn das Volk ist mit Ihnen und Ihrer Regierung unzufrieden, und Sie und Ihre Regierung können weder die breiten Volksmassen noch die antijapanischen bewaffneten Kräfte des Volkes in den befreiten Gebieten und auf dem von Japan besetzten Territorium Chinas vertreten. Wenn die von Ihnen und Ihrer Regierung geschlossenen Abkommen oder Verträge irgend etwas enthalten werden, was sich auf die antijapanischen bewaffneten Kräfte des Volkes in den befreiten Gebieten und auf dem von Japan besetzten Territorium Chinas bezieht, ohne dass Sie und Ihre Regierung vorher unser Einverständnis eingeholt hätten, dann behalten wir uns das Recht auf unsere Stellungnahme vor.

2. Alle antijapanischen bewaffneten Kräfte des Volkes in den befreiten Gebieten und auf dem von Japan besetzten Territorium Chinas haben das Recht, gemäss der Potsdamer Deklaration und den von den Alliierten Mächten festgelegten Modalitäten für die Entgegennahme der Übergabe3 die Kapitulation der von uns eingekreisten japanischen und Marionettentruppen entgegenzunehmen, von ihren Waffen und ihrem Material Besitz zu ergreifen und die Verantwortung für die Durchführung aller Bestimmungen zu tragen, die von den Alliierten nach der Entgegennahme der Kapitulation Japans festgelegt werden. Ich habe am 10. August den Truppen der befreiten Gebiete Chinas den Befehl gegeben, die feindlichen Truppen energisch anzugreifen und zur Entgegennahme der Kapitulation des Feindes bereit zu sein. Am 15. August habe ich den Oberbefehlshaber der feindlichen Armee, Yasuji Okamura, angewiesen, sich mit seinen Truppen zu ergeben;4 diese Weisung gilt jedoch nur für den Operationsraum der Streitkräfte der befreiten Gebiete und nicht für andere Räume. Ich halte diese Befehle für durchaus sinnvoll und den gemeinsamen Interessen Chinas und der Alliierten in jeder Hinsicht entsprechend.

3. Die breiten Volksmassen und alle antijapanischen bewaffneten Kräfte in den befreiten Gebieten und auf dem von Japan besetzten Territorium Chinas müssen das Recht haben, ihre Vertreter zur Beteiligung an der Entgegennahme der Kapitulation des Feindes durch die Alliierten und an der Regelung aller Angelegenheiten nach der Kapitulation des Feindeslands zu entsenden.

4. Die befreiten Gebiete Chinas und alle antijapanischen bewaffneten Kräfte müssen das Recht haben, ihre Delegation zu wählen, die an der künftigen Friedenskonferenz mit Japan sowie an künftigen Japan betreffenden Konferenzen der Vereinten Nationen teilnehmen soll.

5. Ich fordere Sie auf, den Bürgerkrieg zu verhindern. Der Weg dazu: Die Kapitulation aller jener feindlichen und Marionettentruppen, die von den Streitkräften der befreiten Gebiete eingekreist sind, wird von den Streitkräften der befreiten Gebiete entgegengenommen, während Ihre Truppen nur die Kapitulation jener feindlichen und Marionettentruppen, die von Ihren Truppen eingekreist sind, entgegennehmen. Das entspricht nicht nur der allgemeinen Gepflogenheit in jedem Krieg, sondern ist vorallem eine Notwendigkeit, um den Bürgerkrieg zu vermeiden. Falls Sie anders handeln, wird das schlimme Konsequenzen haben. Ich fordere Sie auf, diese ernste Warnung, die ich jetzt an Sie richte, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

6. Ich fordere Sie auf, sofort mit der Feindparteiendiktatur Schluss zu machen, eine Konferenz aller Parteien und Gruppen einzuberufen, eine demokratische Koalitionsregierung zu bilden, die korrupten Beamten und alle Reaktionäre ihrer Posten zu entheben, die Landesverräter zu bestrafen, die Geheimdienste abzuschaffen, die Legalität der verschiedenen Parteien und Gruppen anzuerkennen (die Kommunistische Partei Chinas und alle demokratischen Parteien und Gruppen werden bis heute von Ihnen und Ihrer Regierung als illegal angesehen), alle reaktionären Gesetze und Dekrete, durch welche die Freiheiten des Volkes unterdrückt werden, zu annullieren, die vom Volk gewählten Machtorgane und die antijapanischen Streitkräfte in den befreiten Gebieten Chinas anzuerkennen, Ihre Truppen, welche die befreiten Gebiete eingekreist haben, zurückzuziehen, die politischen Häftlinge freizulassen sowie wirtschaftliche und andere demokratische Reformen durchzuführen.

Ausserdem habe ich Ihnen am 13. August als Antwort auf Ihren Befehl an mich vom 11. August ein Telegramm geschickt, das Sie bereits erhalten haben dürften. Ich erkläre hiermit abermals, dass Ihr Befehl ganz und gar falsch ist. Sie haben am 15. August meine Truppen angewiesen, „bis auf weitere Anordnungen in ihren Stellungen zu verharren“ und den Feind nicht mehr anzugreifen. Jedoch nicht nur am 11. August, sondern bis zum heutigen Tag (dem 26. August) hat die japanische Regierung bloss in Worten, nicht aber in der Tat kapituliert; die Kapitulationsakte sind noch immer nicht unterzeichnet, eine wirkliche Übergabe ist noch nicht erfolgt. Meine Auffassung ist mit der Auffassung der Alliierten Mächte — Grossbritannien, USA, Sowjetunion — völlig identisch. An dem Tag (dem 11. August), an dem Sie nur Ihren Befehl zukommen liessen, haben die britischen Armeebehörden an der Burma-Front erklärt: „Der Krieg gegen Japan geht weiter.“ Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte, Nimitz5, erklärte: „Nicht nur der Kriegszustand dauert an, sondern der Krieg mit all seinen verheerenden Folgen muss fortgesetzt werden.“ Das fernöstliche Kommando der Roten Armee der Sowjetunion gab bekannt: „Der Feind muss schonungslos zerschmettert werden.“ Der Generalstabschef der Roten Armee, Generaloberst Antonow, gab am 7. August folgende Erklärung ab:

Das vom japanischen Kaiser am 14. August bekanntgegebene Kapitulationsangebot Japans ist auf eine allgemeine Erklärung über die bedingungslose Übergabe. An die Streitkräfte ist noch nicht der Befehl ergangen, die Feindseligkeiten einzustellen, und die japanischen Truppen setzen noch den Widerstand fort. Die tatsächliche Kapitulation der japanischen Streitkräfte ist daher noch nicht erfolgt. Erst wenn der japanische Kaiser seinen Truppen befiehlt, die Feindseligkeiten einzustellen und die Waffen niederzulegen, und wenn dieser Befehl auch wirklich durchgeführt wird, werden wir anerkennen, dass sich die japanischen Truppen tatsächlich ergeben haben. In Anbetracht des oben Gesagten werden die fernöstlichen Streitkräfte der Sowjetunion ihre Offensivoperationen gegen Japan fortsetzen.“

Daraus ist zu ersehen, dass Sie als einziger unter den Oberkommandierenden der Alliierten einen absolut falschen Befehl erlassen haben. Meiner Meinung nach rührt Ihr Fehler von Ihrer Eigensucht her und ist von überaus schwerwiegendem Charakter; das will heissen, dass Ihr Befehl dem Feind nützt. Ich widersetze mich deshalb, vom Standpunkt der gemeinsamen Interessen Chinas und der Alliierten Mächte ausgehend, entschieden und kategorisch Ihrem Befehl, solange Sie nicht öffentlich Ihren Fehler eingestanden und Ihren irrigen Befehl zurückgezogen haben. Ich gebe den mir unterstehenden Truppen weiterhin die Anweisung, im Zusammenwirken mit den sowjetischen, amerikanischen und englischen Streitkräften den Feind entschlossen anzugreifen, bis er tatsächlich die Feindseligkeiten eingestellt und die Waffen gestreckt hat, bis das gesamte Territorium unseres Vaterlands völlig wiedergewonnen ist. Ich erkläre Ihnen: Ich bin ein patriotischer Soldat, ich kann nicht anders handeln.

Ich ersuche um rasche Beantwortung der vorstehenden Ausführungen.

1Siehe Anmerkung 1 zur Arbeit „Tschiang Kai-schek provoziert den Bürgerkrieg“, vorliegender Band, S. 28 f.

2Die 19 befreiten Gebiete waren: Schensi-Kansu-Ningsia, Schansi-Suiyüan, Schansi-Tschahar-Hopeh, Hopeh-Jehol-Liaoning, Schansi-Hopeh-Honan, Hopeh-Schantung-Honan, Schantung, Nordkiaugsu, Mittelkiansu, Südkiangsu, das Gebiet nördlich des Huai-Flusses, das Gebiet südlich des Huai-Flusses, Mittelanhui, Tschekiang, Kuangtung, Insel Hainan, Hunan-Hapeh-Kiangsi, Hupeh-Honan-Anhui und Honan.

3Am 20. August 1941 richtete die japanische Regierung an die Sowjetunion, China, die USA und Grossbritannien ihr Kapitulationsangebot. Am 20. August erwiderten die Regierungen der vier Mächte, dass „alle Kommandostellen der japanischen Land-, See- und Luftstreitkräfte sowie alle von ihnen kontrollierten Truppen, wo immer sie sich befinden“, „alle aktiven Operationen einstellen und ihre Waffen niederlegen“ müssten.

4Yasuji Okamura war damals Oberbefehlshaber der japanischen Aggressionsstreitkräfte in China. Der Befehl des Oberkommandierenden Tschu Teh an Yasuji Okamura lautete wie folgt: 1) Die japanische Regierung hat die Bestimmungen der Potsdamer Deklaration akzeptiert und ihre Kapitulation erklärt. 2) Sie haben alle Ihrem Befehl unterstehenden Truppen anzuweisen, dass sie jegliche militärische Operation einstellen; alle diese Truppen, mit Ausnahme jener, die von den Streitkräften der Kuomintang-Regierung eingereist sind, müssen sich uns gemäss den Befehlen der 8. Route-Armee, der Neuen 4. Armee und der Südchinesischen Antijapanischen Kolonne der befreiten Gebiete Chinas ergeben. 3) Bezüglich der Übergabe der japanischen Truppen in Nordchina haben Sie General Sadamu Shimomura anzuweisen, dass er einen Vertreter ernennt, der sich in das Fuping-Gebiet der 8. Route-Armee begeben soll, um die Befehle des Generals Niä Jung-dschen zu empfangen; bezüglich der Übergabe der japanischen Truppen in Ostchina haben Sie selbst einen Vertreter zu bestimmen, der sich in das Gebiet Tiäntschang begeben soll, wo die Neue Vierte Armee ihr Hauptquartier hat, um die Befehle des Generals Tschen Yi entgegenzunehmen; bezüglich der Übergabe der japanischen Truppen in den Provinzen Hupeh und Honan haben Sie Ihren Vertreter in Wuhan zu beauftragen, dass er sich in das von der 5. Division der Neuen 4. Armee gehaltene Gebiet im Dabiä-Gebirge begibt, um die Befehle des Generals Li Hsiän-niän zu empfangen; bezüglich der Übergabe der japanischen Truppen in Kuangtung haben Sie Ihren Vertreter in Kanton anzuweisen, dass er sich in das Dungguan-Gebiet der Südchinesischen Antijapanischen Kolonne begibt, um die Befehle des Generals Dseng Scheng entgegenzunehmen. 4) Alle japanischen Truppen in Nord-, Ost-, Zentral- und Südchina (mit Ausnahme der von den Kuomintang-Streitkräften eingekreisten) müssen ihre sämtlichen Waffen und ihr ganzes Material unversehrt halten, solange ihre Kapitulation von unserer Armee noch nicht entgegengenommen worden ist, und dürfen keine anderen Befehle als die von der 8. Route-Armee, der Neuen 4. Armee und der Südchinesischen Antijapanischen Kolonne annehmen. 5) Alle Flugzeuge und Schiffe in Nord- und Ostchina haben dort zu verbleiben, wo sie sich derzeit befinden, doch müssen die Längs der chinesischen Küste im Gelben Meer und im Golf von Bohai vor Anker liegenden Schiffe in den Häfen Liänyüngang, Tsingtao, Wehaiwe und Tientsin konzentriert werden. 6) Es darf keinerlei Zerstörungen von Material oder Einrichtungen geben. 7. Für die Durchführung dieses Befehls tragen Sie und die Ihnen unterstehenden Befehlshaber der japanischen Armee in Nord-, Ost-, Zentral- und Südchina die volle Verantwortung.

5Chester W. Nimitz war damals Oberbefehlshaber der amerikanischer. Pazifik-Flotte und des pazifischen Kriegsschauplatzes.