ÜBERSETZUNG: “Die politische Ökonomie und die Prostitution”

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Es gibt ein Ziel, die Eroberung der Macht!

DIE POLITISCHE ÖKONOMIE UND DIE PROSTITUTION

Kavga
14.01.2019

Kampf- und KritiksitzungenÜbersetzt und reproduziert von
Die Rote Fahne

DIE POLITISCHE ÖKONOMIE UND DIE PROSTITUTION

Worauf beruht die gegenwärtige, die bürgerliche Familie? Auf dem Kapital, auf dem Privaterwerb. Vollständig entwickelt existiert sie nur für die Bourgeoisie; aber sie findet ihre Ergänzung in der erzwungenen Familienlosigkeit der Proletarier und der öffentlichen Prostitution.

[…]

Es versteht sich übrigens von selbst, dass mit Aufhebung der jetzigen Produktionsverhältnisse auch die aus ihnen hervorgehende Weibergemeinschaft, d.h. die offizielle und nichtoffizielle Prostitution, verschwindet.“

MANIFEST DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI
Karl Marx und Friedrich Engels
Februar 1848

1. EINLEITUNG

Die Frage der Prostitution wird uns auch hier noch manches schwierige Problem aufwerfen. Zurückführung der Prostituierten zur produktiven Arbeit, Eingliederung in die soziale Wirtschaft. Darauf kommt es an. Aber bei dem jetzigen Stand unserer Wirtschaft und unter den gegebenen gesamten Umständen das durchzuführen, das ist schwer und kompliziert. Da haben Sie ein Stück Frauenfrage, das sich nach der Eroberung der Staatsmacht durch das Proletariat breit vor uns hinstellt und praktische Lösung fordert.“

GESPRÄCH MIT KAMERAD CLARA ZETKIN
W. I. Lenin
1920

Das Thema wird im Internet endlos debattiert — und Begriffe wie „Sexarbeit“ werden eingeschmuggelt, um Möchtegern-Marxisten davon abzulenken, die Frage der Prostitution zu untersuchen. Aber wir müssen mit der Feststellung beginnen, dass die Frage der Prostitution für Marxisten seit fast 200 Jahren geklärt ist, und es gibt diesbezüglich keine Zweideutigkeit. Sie wird dreimal im „Kommunistischen Manifest“ erwähnt — dem grundlegenden Einführungstext zum Kommunismus, um den sich alle Kommunisten versammeln. Ein Marxist zu sein, bedeutet, gegen Prostitution zu sein. Noch wichtiger ist, dass der Marxismus uns den Rahmen gibt, um genau zu analysieren, warum Marxisten historisch zu dieser Position gekommen sind, und warum Marxisten heute Begriffe wie „Sexarbeiter“ ablehnen, die versuchen, Prostitution zu sanieren, die wir als sexuelle Gewalt, hauptsächlich gegen Frauen, verstehen.

Es ist trendy, Prostitution mit Arbeit zu vergleichen — ohne jemals zu ergründen, was Marxisten überhaupt mit „Arbeiter“ meinen — und die grundlegendsten marxistischen Positionen als „rückständig“ zu bezeichnen. Ohne zu sehr auf die einzelnen Theoretiker einzugehen, die hinter der Sanierung sexueller Gewalt als „Sexarbeit“ stehen, reicht es aus, diese Tendenz als Erbe des Feminismus der dritten Welle zu identifizieren, der sich mit der postmodernen Analysemethode überschnitten hat. Engels selbst verglich die Prostitution mit der Sklaverei, und zwar aus sehr präzisen politökonomischen Gründen. Was Marx und Engels anfangs zusammenbrachte, waren Engels‘ scharfsinnige Beobachtungen zur politischen Ökonomie. Es genügt zu sagen, dass Engels eine grosse Autorität zu diesem Thema ist, die nur von Marx übertroffen wird. Engels schrieb:

Mit dem Aufkommen der Eigentumsverschiedenheit, also schon auf der Oberstufe der Barbarei, tritt die Lohnarbeit sporadisch auf neben Sklavenarbeit und gleichzeitig, als ihr notwendiges Korrelat, die gewerbsmässige Prostitution freier Frauen neben der erzwungnen Preisgebung der Sklavin.“1

Engels sah darin ein notwendiges Korrelat, also eine Einheit von Gegensätzen, bei der die Identität des einen von der Existenz des anderen abhängt.

Wenn wir den Trend der „Sexarbeiter-Lobby“ untersuchen, sehen wir vor allem zwei Dinge. Das erste ist die völlige Aushöhlung des Begriffs „Arbeiter“ von jeder seiner politisch-ökonomischen Definitionen. Das zweite ist, verschiedene Klassen und Schichten in eine einzige Kategorie zu packen — das bedeutet, dass sogar verschiedene Berufe, die von verschiedenen Klassen ausgeübt werden, zu einer einzigen „unterdrückten“ Gruppe zusammengefasst und abgeflacht werden. Durch den Defekt des ersten Fehlers, der das Verständnis der ökonomischen Identität des Arbeiters zerstört, kommen wir zum zweiten, dass Pornofilmdarsteller, exotische Tänzerinnen, Strassenprostituierte, „Cam-Girls“ und andere alle eine Sache sind. Apologeten behaupten dies, als ob der Tausch von Geld gegen eine Sexdienstleistung oder eine sexualisierte Dienstleistung irgendwie, an und für sich, eine solche ultimative Gemeinsamkeit unter diesen „Arbeitern“ darstellt, dass es die tiefgreifenden konkreten Unterschiede in jedem einzelnen Fall zu ihren tatsächlichen Beziehungen zur Produktion auslöscht. Eines der kritischsten Phänomene, das in ihrer Analyse ausgelöscht wird, ist die tiefgreifende Schichtung, die sogar innerhalb von Gruppierungen existiert, die eine ähnliche Beziehung zur Produktion haben. Ihre Position in die Praxis umzusetzen bedeutet, eine Klassenkollaboration zwischen Management, Entertainer und Sklave zu erzwingen.

2. EINE KURZE GESCHICHTE

Kamerad Mary Inman, eine der entschiedensten Antirevisionistinnen in der KPUSA der 30er- und 40er-Jahre, deren Beiträge später noch ausführlicher besprochen werden, bietet die folgende kraftvolle Passage an:

Die Prostitution hat nicht mit Volksbräuchen begonnen. Sie ist nicht aus Gruppenehen zwischen freien Menschen entstanden, denn die Stämme vor der Sklaverei hatten keine solche Institution. Sie ist weder aus mystischen Riten noch aus der Sexanbetung erwachsen. Es war immer eine Institution der Vergewaltigung. Selbst in den frühesten Aufzeichnungen über Prostitution zeigt sich, dass die Menschen in schrecklicher Erniedrigung lebten, die aus wirtschaftlicher Sklaverei erwuchs, und dass sie nicht die Freiheit hatten, solche Dinge zu entscheiden.“

Wir haben kein Interesse daran, die aufgezeichnete Geschichte der Prostitution auf der Erde durchzugehen, und werden diesen Abschnitt nur nutzen, um einige relevante Fakten bezüglich ihrer Geschichte in den USA festzustellen.

Im Krieg um die Kontrolle über die Kolonien, den manche als „Amerikanische Revolution“ bezeichnen, sowie während des gesamten US-Bürgerkriegs wurden Frauen inoffiziell als Prostituierte angeworben, die den Soldaten folgten, um „die Moral hochzuhalten“2 — zu dieser Zeit sah die herrschende Klasse darin eine Notwendigkeit, um den Krieg aufrechtzuerhalten. Es ist nützlich, die Verschiebungen und Veränderungen zu verstehen, die die herrschende Klasse in Bezug auf die Prostitution vornimmt. In Kriegszeiten verschwindet ihre puritanische, christliche Opposition zugunsten des kalten Pragmatismus dessen, was sie für nötig halten, um zu gewinnen.

Obwohl Prostitution im 19. Jahrhundert technisch gesehen illegal war, war sie weit verbreitet, und Bordelle waren alltäglich. Die Gesetze wurden einfach nicht durchgesetzt. Diese Periode war nicht ohne Krieg, wenn man bedenkt, dass die Siedler während der Expansion nach Westen immer mehr Völkermord an den Ureinwohnern verübten. Und diese koloniale Expansion bedeutete auch die Expansion der Bordelle.

In den frühen 1900er Jahren ging der Vorläufer des FBI, zum ersten Mal in der Geschichte der USA ernsthaft gegen die Prostitution vor.3 Ihr Grund, der nichts mit den Rechten der von sexueller Gewalt Betroffenen zu tun hatte, war, wie sie es ausdrückten, „sich der weissen Sklaverei entgegenzustellen“. In der Praxis handelte es sich dabei sowohl um ein politisches Manöver als auch um eine Propagandamassnahme. Um die soziale Segregation durchzusetzen und den Siedlerkolonialismus weiter zu festigen, versuchte die herrschende Klasse, weisse Frauen aus den Bordellen zu vertreiben. Diese Kampagne hatte lang anhaltende Auswirkungen: Auch heute noch ist die Mehrheit der Prostituierten nicht weiss. Das ist vergleichbar mit der Art und Weise, wie die imperialistische herrschende Klasse der USA den „Krieg gegen Drogen“ führt, in erster Linie, um den unterdrückten Nationen ihrer Bevölkerung zu schaden.

Was wir hier versucht haben zu skizzieren, ist, dass die Frage der Prostitution in den USA nicht von der US-Geschichte des Siedlerkolonialismus getrennt werden kann — dass diese Dinge im Gleichschritt marschieren als das, was Engels „notwendige Korrelate“ nennen könnte. Prostitution war, wie die Sklaverei und der Siedlerkolonialismus (Völkermord an den nordamerikanischen Ureinwohnern), ein Bestandteil des imperialistischen Projekts der USA, und sie diente ihrem Herrn gut. Dieses Argument, dass Prostitution und Kolonialismus in den USA notwendige Korrelate des jeweils anderen sind, verdient eine eigene Abhandlung, aber hier müssen wir davon abrücken.

In all diesen Fällen geben die ökonomischen Bedingungen den Anstoss zur Prostitution.

3. EINIGE GRUNDLEGENDE PROSTITUTIONSSTATISTIKEN

Eines der stärksten Beispiele für die untrennbare Verbindung zwischen der Tatsache, dass die USA ein Gefängnis der Nationen sind, das durch Siedlerkolonialismus und Sklaverei aufgebaut wurde, und der Prostitution ist die Tatsache, dass 40 % der Prostituierten in den USA schwarz sind4 (Schwarze machen nur 13,4 % der Gesamtbevölkerung aus), während die Mehrheit der Freier weiss ist.5 Und es ist allgemein bekannt, dass viele regelmässige Freier Polizisten sind.6

Laut Havocscope, einer Website, die sich der Erforschung des globalen Schwarzmarktes widmet, kostet ein Trick vielerorts durchschnittlich 20-50 Dollar, wobei Minderjährige weniger verdienen. Aufgrund der konstanten Bedingungen der nationalen Unterdrückung in den USA neigen Schwarze dazu, weniger zu verdienen als andere. Dieser Trend darf nicht vergessen werden, wenn wir die Prostitution bewerten. Dies ist eine weitere Art und Weise, wie die Stratifizierung des Gewerbes Gestalt annimmt. Während Prostituierte doppelt so viel verdienen wie der durchschnittliche US-Arbeiter und dreimal so viel wie die durchschnittliche Frau in den USA, wird ein grosser Teil dieses Einkommens von Zuhältern einbehalten.

Die sex-positiven Apologeten der Prostitution werden unweigerlich argumentieren, dass das Gewerbe irgendwie „ermächtigend“ ist oder sein kann. Aber statistisch gesehen ist die Mehrheit der Prostituierten Opfer von Kindesmissbrauch (eine Studie fand heraus, dass 73% als Kinder körperlich missbraucht wurden)7, und es gibt Beweise dafür, dass sie mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren in das Gewerbe einsteigen.8 Ein durchschnittliches Einstiegsalter von 15 Jahren oder auch nur annähernd, beseitigt den Mythos der einwilligenden Prostituierten. Minderjährige Prostituierte — als die die Mehrheit von ihnen anfängt — sind körperlicher Gewalt, emotionaler Manipulation und anderen Formen von geschlechtsspezifischem Missbrauch ausgesetzt, um sie zu zwingen, mit der Prostitution zu beginnen.

Es ist die wirtschaftliche Notwendigkeit, die die Bedingungen für Prostitution festlegt — es gibt keine Ausnahmen. Sex, auf den sich eine Frau sonst nur gegen Geld einlassen würde, ist nicht mehr „Sex“, sondern Vergewaltigung, da die Fähigkeit zur Zustimmung durch wirtschaftlichen Zwang aufgehoben wird — und eine Prostituierte wird immer wirtschaftlich gezwungen. Prostitution ist in den meisten Fällen Vergewaltigung.

Einige Männer prostituieren sich auch, aber 69% der Verhafteten sind Frauen, einschliesslich der verhafteten Freier und Zuhälter.9

Atlanta, eine der US-Städte mit mehrheitlich schwarzer Bevölkerung, beherbergt die umsatzstärksten Zuhälter des Landes, die im Durchschnitt etwa 33.000 Dollar pro Woche einnehmen.10 Einige dieser Zuhälter sind Frauen, die die Hierarchie und den Gehorsam unter den Prostituierten aufrechterhalten, eine weitere Art und Weise, wie sich Stratifizierung manifestiert. Dies macht auch deutlich, dass Prostitution durch ökonomische Bedingungen verursacht wird und nicht nur (wie manche behaupten) eine Folge persönlicher sexistischer Einstellungen ist.

Aus offensichtlichen Gründen wird die Mehrzahl der Übergriffe, die Prostituierte erleben, nicht angezeigt. 89% der erwachsenen Prostituierten wollen aussteigen, haben aber aufgrund wirtschaftlicher Zwänge das Gefühl, dass sie es nicht können.11 Die Abhängigkeit von einem Zuhälter, der alles kontrolliert und schwere psychische und manchmal auch körperliche Misshandlungen anwendet, macht es für die Opfer der Prostitution sehr viel unwahrscheinlicher, zuzugeben, dass sie aussteigen wollen, was wiederum die Statistiken verzerrt. Wenn wir verstehen, dass viele gefesselte Frauen nicht über ihren Missbrauch sprechen können, tun wir gut daran zu verstehen, dass die Dinge viel schlimmer sind als das Bild, das in den offiziellen Berichten gezeichnet wird.

4. WELCHE PROSTITUIERTE?

Im Gegensatz zu Arbeitern und genauer gesagt Proletariern verrichten Prostituierte keine produktive, gesellschaftlich-produktive oder reproduktive Arbeit. Sie erhalten keinen Lohn im proletarischen Sinne (einen Teil dessen, was sie produzieren, in einer Wertform/Geld zu erhalten, wobei der Grossteil ihrer Arbeit vom Eigentümer ausgebeutet wird) und sind nicht frei von den Werkzeugen ihrer Beschäftigung, die in diesem Fall die Körper der Prostituierten selbst sind. Um auf die Frage der Schichtung zurückzukommen, können wir feststellen, dass sich eine Frau, die in der Strassenprostitution ohne Zuhälter tätig ist, in ihrer Beziehung zur Produktion von denen unterscheidet, die einen Zuhälter haben, und beide unterscheiden sich von Frauen, die für Escort-Services oder durch Selbstvermarktung auf Websites arbeiten (frühere Beispiele sind Backpage und Craigslist).

Für die Mehrheit der Frauen, die in der Prostitution gefangen sind, zwingt die Realität eines Zuhälters sie in die untersten Schichten (dies ist in vielen Fällen mit nationaler Unterdrückung verbunden). Sie haben keine finanzielle Unabhängigkeit von ihrem Chef/Besitzer, der alle oder alle wichtigen Entscheidungen in Bezug auf ihre Tätigkeit trifft: was sie tun und was nicht, welcher Lebensunterhalt erlaubt ist und welche Unterbringungen gewährt oder verweigert werden. Aber diejenigen, die sich in dieser häufigsten Situation befinden, qualifizieren sich in keiner Weise als Proletarier, obwohl der Zuhälter sich wie ein Chef oder sogar wie ein Eigentümer verhält, weil er nicht einfach „das Geschäft besitzt“ — er besitzt die Frauen. Diese Frauen kommen dem Sklavendasein viel näher als dem einer Arbeiterin. Der Lohn eines Sklaven ist nichts anderes als der Lebensunterhalt; der Besitzer des Sklaven, in unserem Fall der Zuhälter, ist der Chef über jeden Aspekt des Lebens. Das schliesst Unterkunft, Essen, Kleidung, Werkzeuge und alles andere ein — alles, was der Zuhälter zur Verfügung stellt, um die Prostituierte zu subventionieren, damit sie leben kann und weiterhin Profit für ihn erwirtschaftet. Dies ist eine der extremsten Formen der Ausbeutung, um nicht zu sagen die unmenschlichste. Nichtsdestotrotz bestimmt der Grad der Unterdrückung und Brutalität, dem man ausgesetzt ist, nicht die Beziehung zur Produktion, und auch intensive Unterdrückung allein platziert einen nicht in die soziale Klasse des Proletariats. Ein weiterer Unterschied zur Arbeiterin ist die Tatsache, dass sie nicht einfach aus eigenem Antrieb kündigen kann; wie die Sklavin kann sie ihre Flucht nur organisieren.

Die einzige Methode der Organisation für einen Sklaven ist Rebellion und Flucht; so etwas wie reformistische Optionen gibt es für den Sklaven nicht. Diese Widersprüche sind ein Teil davon, warum die Sklaverei als weit verbreitete Produktionsweise durch den Feudalismus (der wiederum durch den Kapitalismus ersetzt wurde) abgelöst wurde, der besser handhabbar war, und warum der Kapitalismus selbst profitabler ist als die Sklaverei, was die Leistung und Kapazität der Produktivkräfte angeht.

Dies unterstreicht die Position, dass im Frauenkampf der einzige kommunistische Ansatz in Bezug auf die Mehrheit der Frauen in der Prostitution darin besteht, sie aus dieser heraus zu organisieren, und dass dies hauptsächlich durch den Volkskrieg und die sozialistische Revolution erreicht wird. Auf einer gewissen Stufe des revolutionären Kampfes bedeutet dies die Anwendung revolutionärer Gewalt gegen lumpenproletarische Banden, die die Zuhälter im militärischen Sinne unterstützen. In Ermangelung dieser Option besteht die einzig akzeptable Taktik darin, den Übergang der einzelnen Frauen in produktive Arbeit und die Möglichkeit, andere Fähigkeiten zu erwerben, eine völlige Veränderung des sozialen Umfelds und eine kontinuierliche politische Bildung und Gedankenreform sicherzustellen. Dies kann die Bedingungen einiger Prostituierter verbessern und sie als Proletarierinnen rehabilitieren, aber es kann sie nicht als Frauen emanzipieren oder die Prostitution beenden. Darüber hinaus erfordert es ein hohes Mass an Organisation: Es braucht Parteikomitees und Massenorganisationen, um die Bemühungen anzuführen, und eine Rote Armee und Milizen, um diese Arbeit zu verteidigen und die Ex-Prostituierte zu schützen, ihre Flucht aus dem Gewerbe zu sichern, Vergeltungsmassnahmen von Zuhältern zu verhindern und so weiter.

Jeder Versuch, die in Arbeiterkämpfen verwendeten Methoden auf den Bereich der Prostitution zu übertragen, greift hoffnungslos zu kurz. Ein Kampf gegen einen Zuhälter kann nicht auf dieselbe Weise geführt werden wie ein Kampf gegen einen Fabrikbesitzer oder einen regulären Chef. Zu argumentieren, dass er auf dieselbe Weise durchgeführt werden kann und muss — Prostituierte als Arbeiter und Zuhälter als Bosse zu betrachten, gegen die gekämpft werden muss — lässt in Wirklichkeit jedes marxistische Verständnis davon vermissen, warum Arbeiter gegen Bosse organisiert werden können, und verfällt so in einen subjektiv-moralistischen Ansatz zur Bekämpfung von Unterdrückung. Leute dieser Überzeugung versuchen, Prostituiertengewerkschaften einzuführen; wie die Syndikalisten träumen sie von einer Gewerkschaft für alles und sind der Illusion erlegen, dass Sklaven sich gewerkschaftlich organisieren und für Reformen gegen ihren Sklavenhalter kämpfen können.

Die sogenannten Maoisten, die den Rechtsopportunismus fördern, werden zwar zugeben, dass die Prostitution im Sozialismus nicht bestehen kann, aber sie machen oft Zugeständnisse, indem sie an den Aufbau von Prostituiertengewerkschaften glauben und ihn fördern.

Unter der Kontrolle eines Zuhälters zu stehen, hindert eine Prostituierte an jeder eigenständigen Tätigkeit und unabhängigem Denken. Die vom Zuhälter angekettete Frau kann nicht in einer Gewerkschaft organisiert werden. Eine Gewerkschaft von Prostituierten, die durch irgendeine unbekannte Kraft aufgehört haben, von Zuhältern gefesselt zu sein, wird durch das unvermeidliche Auftauchen einer Führung und von Leuten, die eine solche Gewerkschaft professionell leiten, unweigerlich nur ihre eigenen, internen Zuhälter erzeugen. Das ist wahr, denn wenn die Gewerkschaftsbürokratie nicht völlig ineffektiv ist (d.h. wenn die Gewerkschaft tatsächlich existiert und funktioniert), würden sie sich selbst dabei ertappen, wie sie Zahlungen von renitenten Freiern erzwingen, Wohnungen in Zeiten der Einkommensknappheit sichern, die Polizei bestechen oder mit ihr verhandeln und ihre professionellen Organisatoren mit den Mitgliedsbeiträgen unterhalten: Sie wären im Wesentlichen Zuhälter mit einer wohltätigeren Tochtergesellschaft. Die Anwendung gewaltsamer Repressalien oder das Fehlen derselben ist nicht der entscheidende Faktor bei der Bestimmung des Verhältnisses eines Zuhälters zur Produktion — entscheidend ist die Tatsache, dass er Prostituierte reproduziert. Die Wahrscheinlichkeit, eine solche Gewerkschaft erfolgreich zu organisieren — oder auch nur einen substanziellen Versuch dazu zu unternehmen — ist so gering, dass sie kaum eine Erwähnung jenseits des völlig Hypothetischen verdient. Wir schenken ihr hier nur Aufmerksamkeit, um die völlige Lächerlichkeit der rechtsopportunistischen Linie aufzuzeigen.

Im Falle der Prostituierten ohne Zuhälter (die in dem Moment, in dem sie organisiert werden, nicht mehr zuhälterisch sind), die im Grunde genommen selbständig Verträge abschliessen und vollen Zugriff auf ihr eigenes Einkommen haben, handelt es sich mehr oder weniger um die lumpenproletarische (deklassierte) Version der Kleinbourgeoisie, das seine eigenen Produktionsmittel besitzt. Für sie ist die Bildung einer Gewerkschaft unmöglich. Schliesslich wird eine „Gewerkschaft“ derjenigen, die ihre eigenen Produktionsmittel besitzen (Lumpen oder nicht), eigentlich als Kartell bezeichnet. Ausserdem gibt die Existenz eines Kartells den Anstoss, ein allgemeines Personal einzustellen — und die Schichtung der Prostitution würde es dem Kartell erlauben, andere Prostituierte unter seinem Schutz zu beschäftigen — was wiederum eine Rückkehr zur Zuhälterei ist. Prostituierte, die zu Zuhältern werden, sind keine Seltenheit, und einige Berichte zeigen, dass neue Zuhälter durch familiäre Verbindungen zu Prostituierten in das Gewerbe gezogen werden.12

Ein freier Markt hat immer einen Verlauf, der wissenschaftlich verstanden und beschrieben werden kann. In einem freien Markt, in dem sich Kartelle zur Steuerung des Marktes bilden, kommt es irgendwann zur Bildung von Konglomeraten und Monopolen. Für legalen und illegalen Handel führt dies unweigerlich zum Krieg. Für illegale Unternehmen ist es viel schwieriger, Konglomerate und Monopole zu etablieren, da der Wettbewerb auf diesen Märkten anders ist. In diesem Fall besteht der Wettbewerb um Kunden (Marktanteil), um Sklaven („Arbeiter“) und um andere Ressourcen. Die Organisation des Wettbewerbs führt bei illegalen Geschäften schneller und häufiger zum Krieg als bei legalen Geschäften. Diese Facette schränkt das Wachstum ein — nichtsdestotrotz würden diese Prostitutionskartelle den gleichen wirtschaftlichen Gesetzen unterliegen wie Drogenkartelle und bräuchten das gleiche Mass an Unterhalt (den Schutz der Geschäftsinteressen durch Gewalt).

Die Existenz aller sexualisierten Geschäfte fördert die Zuhälterei weiter, indem sie die sexuelle Leistung gegen Geld normalisiert. Dies wird durch die Linie, dass Sex Arbeit ist, noch verschlimmert.

5. „SEXARBEIT“ ALS SAMMELBEGRIFF

Selten wird das Wort „Arbeiter“ so willkürlich an ein Gewerbe (oder mehrere Gewerbe) angehängt, ohne Rücksicht auf die Klasse, wie es beim Sexgewerbe der Fall ist. Dennoch werden die bourgeoisen Feministen der „sexpositivistischen“ Sorte darauf bestehen, dass „Sexarbeiter“ eine legitime und nützliche Kategorie ist, wie „Arbeiter in der Dienstleistungsbranche“. Es stimmt zwar, dass sexualisierte Berufe entlang industrieller Linien organisiert sind (einschliesslich Aspekten der Reproduktionsarbeit), aber Prostitution, sexuelle Unterhaltung und so weiter bilden nicht einmal eine einzige Industrie, und diese Tatsache qualifiziert sicherlich nicht jeden in diesen Industrien als „Arbeiter“.

Versuche, „Sexarbeit“ als eine kohärente wissenschaftliche Kategorie zu behandeln, stossen sofort auf Schwierigkeiten. Im Fall der Prostituierten ist ein Sklave kein Arbeiter, und ein kleines Unternehmen macht einen auch nicht zu einem Arbeiter. Eine Stripperin ist letztlich eine Performerin. Niemand würde behaupten, dass ein professioneller Komiker oder Schauspieler ein „Arbeiter“ ist, genauso wie professionelle Sportler keine „Arbeiter“ sind und daher nicht in die Kategorie „sportlicher Arbeiter“ geworfen werden können. Eine Stripperin hat, wie alle Performer und Entertainer, ein völlig anderes Verhältnis zur Produktion als ein Arbeiter, wenn man die Kategorie der Arbeiter, wie sie von Marxisten verstanden wird, betrachtet. Selbst in Fällen, in denen sie nicht Eigentümer des Veranstaltungsortes oder der Website sind, besitzen diese Profis immer noch hauptsächlich ihre eigenen Produktionsmittel, was sie zu einem Teil der Kleinbourgeoisie und nicht des Proletariats macht. Im Falle derjenigen, die ihr Gewerbe in Stripclubs ausüben, gibt die Stripperin meist Trinkgeld an das Personal und zahlt dem Club einen Teil ihres Verdienstes. Bei den Arbeitern ist das Verhältnis umgekehrt: Eine Hostess in einem Club oder Restaurant wird, wie der Rest des allgemeinen Personals, vom Betrieb selbst bezahlt (auch wenn sie auf Trinkgeld angewiesen ist) und erfährt so die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft.

Wie ein Handwerker oder Kleinhändler, der eine Bude oder einen Stand mietet, zahlt das „Cam-Girl“, wie die Stripperin, lediglich eine Miete oder Servicegebühr an den Club oder die Website. Darüber hinaus machen sich diese Leute im Gegensatz zu Arbeitern eine Marke, indem sie eine Klientel kultivieren, die ihnen von Outlet zu Outlet folgt.

Frauen in der Pornografie werden in einigen Fällen gezwungen oder gehandelt und haben daher eine Beziehung zur Produktion, die eher der einer aufgemotzten Prostituierten gleicht. In anderen Fällen hat das Individuum einen Agenten und ist frei, Verträge anzunehmen, wie es eine Schauspielerin tun würde — und keine professionelle Schauspielerin kann als Arbeiterin eingestuft werden. Daher kann die überwältigende Mehrheit der Menschen, die in den USA in der Pornografie tätig sind und eine dieser beiden Beziehungen zur Produktion einnehmen, wissenschaftlich nicht als Arbeiter verstanden werden.

Es ist weitaus zutreffender zu sagen, dass von denjenigen, die (Apologeten des Sexismus) als „Sexarbeiter“ bezeichnen, die nicht in der Prostitution tätig sind, die Mehrheit kleine Sex-Kapitalisten der kleinbourgeoisen Klasse sind. Der Begriff hat für diese Apologeten nicht die gleiche Anziehungskraft wie „Sexarbeiterin“, eben weil er nicht dem Zweck dient, sexuelle Ausbeutung, Gewalt und Vergewaltigung zu sanktionieren. Während es viele Diskussionen über die Vergewaltigungskultur gibt, existiert ein massiver blinder Fleck in ihrer Organisation durch den Sexhandel.

6. SANITISIERUNG VON VERGEWALTIGUNG UND SEXUELLER GEWALT DURCH TERMINOLOGIE

Prostitution als Sexarbeit und eine Prostituierte als Sexarbeiterin zu bezeichnen, bedeutet, der sexuellen Ausbeutung von hilflosen Frauen und Kindern Legitimität zu verleihen. Es bedeutet, die grundlegenden Faktoren zu ignorieren, die Frauen und Kinder in die Prostitution treiben, wie Armut, Gewalt und Ungleichheit. Es versucht, den Beruf als würdevoll und als einen ‚Job wie jeden anderen‘ erscheinen zu lassen.“

VERLAG NEUE AUSSICHTEN
Ursprünglich abgedruckt in Volksmarsch, einem Organ der Kommunistischen Partei Indiens (Maoistisch)

Der Begriff „Sexarbeit“ wurde in den 1970er Jahren von Carol Leigh geprägt, für genau den Zweck, der im obigen Zitat genannt und kritisiert wird. Leigh leitet eine NGO namens BAYSWAN (Bay Area Sex Worker Advocacy Network). Ein grosser Teil der Finanzierung dieser Organisation stammt aus der Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden.

Wie bei allen Bemühungen, Vergewaltigung und andere Gewalt gegen Frauen mit dem Begriff „Sexarbeit“ zu säubern, benutzt BAYSWAN den Begriff als Aufhänger, um jeden in der „Erwachsenenunterhaltungsindustrie“ sowie Strassenprostituierte einzuschliessen. Die zweideutige Einbeziehung von „Angestellten in Massagesalons“ ist nur eine obskurantistische Art, Bordelle ideologisch zu legitimieren, die meist mit Menschenhandel und dem sexuellen Missbrauch von Frauen ohne Papiere in Verbindung gebracht werden. Während BAYSWAN behauptet, diesen Frauen Sozialleistungen und andere Arten von Hilfe zu bieten, spricht ihre Verbindungsarbeit mit der Polizei am lautesten für ihre tatsächliche Klassenposition. Die Polizei ist nichts anderes als der starke Arm des bourgeoisen Staates. Typisch für NGOs in imperialistischen Ländern, dient BAYSWAN als Managementabteilung, die Reste vom Tisch des Herrn an einige der Ärmsten verteilt. Dies geschieht nicht im Interesse des Volkes, sondern im Interesse der Aufrechterhaltung und Reproduktion der Herrschaft der imperialistischen Klasse im eigenen Land. Es ist wichtig festzustellen, dass der Hauptzweck von BAYSWAN und anderen NGOs wie dieser nicht darin besteht, Frauen aus der Prostitution zu rehabilitieren, sondern stattdessen den Missbrauch, dem sie ausgesetzt sind, zu normalisieren, so dass ihr Gewerbe als vergleichbar mit jedem normalen Job angesehen und wie jeder andere akzeptiert wird.

Die typischen liberalen und postmodernen Analysen der Unterdrückung, der Prostituierte ausgesetzt sind, gehen davon aus, dass ihre Wurzeln in der gesellschaftlich auferlegten „Stigmatisierung“ liegen und nicht in der ausbeuterischen Natur des Kapitalismus — als ob Arbeiter, die stolz auf ihre Fliessbandarbeit sind, weniger missbraucht und ausgebeutet würden. Selbst proletarische Jobs im Kapitalismus, die eine gewisse schäbige „Integrität“ im sozialen Sinne bewahren oder zumindest kein „Stigma“ aufweisen, sind immer noch entfremdend für den Arbeiter und beruhen auf der Ausbeutung seiner Arbeitskraft. Aber noch einmal: Prostitution ist anders als jede proletarische Arbeit, da nichts produziert oder reproduziert wird und die „Arbeit“ selbst nicht gesellschaftlich notwendig ist. Tatsächlich ist sie für Frauen insgesamt und besonders für Frauen des Proletariats gesellschaftlich destruktiv.

Für den Marxisten ist die Nichtanerkennung von Prostituierten und Entertainerinnen als Proletarierinnen eine Frage der politischen Ökonomie und nicht irgendeines überholten Moralismus. Der Marxismus gibt nicht den Opfern die Schuld, in diesem Fall den Frauen, die aufgrund wirtschaftlicher Nöte zu sexueller Gewalt und Ausbeutung gezwungen werden.

Marxisten haben Prostitution nie moralisch bewertet, sondern darauf bestanden, sie in politisch-ökonomischer Hinsicht und wie immer mit einer Klassenanalyse zu untersuchen. Aus diesem Grund betrachtete Lenin bourgeoise Frauen als in der Prostitution tätig. Lenin begriff auch den fortschrittlichen Aspekt dieser Möchtegern-Verteidiger der Prostituierten, aber er zog die Grenze bei der Verteidigung der Prostitution selbst. In seinen Gesprächen mit Clara Zetkin im Jahr 1920 erklärte er, wie sich dieser moralische Impuls in eine rückständige Idee verwandeln kann:

Darüber habe ich von russischen und deutschen Genossen Sonderbares gehört. Das muss ich sagen. Mir wurde erzählt, dass eine begabte Kommunistin in Hamburg eine Zeitung für die Prostituierten herausgibt und diese für den revolutionären Kampf organisieren will. Rosa hat als Kommunistin menschlich gefühlt und gehandelt, als sie sich in einem Artikel der Prostituierten annahm, die irgendein Vergehen gegen die Polizeivorschriften über die Ausübung ihres traurigen Gewerbes ins Gefängnis gebracht hat. Sie sind bedauernswerte doppelte Opfer der bürgerlichen Gesellschaft. Erst ihrer verfluchten Eigentumsordnung und dann noch ihrer verfluchten moralischen Heuchelei. Das ist klar. Nur ein roher und kurzsichtiger Mensch kann das vergessen. Aber es ist doch etwas ganz anderes, das zu begreifen, als die Prostituierten – wie soll ich gleich sagen – als eine besondere zünftige revolutionäre Kampfestruppe zu organisieren und eine Gewerbezeitung für sie herauszugeben. Gibt es in Deutschland wirklich keine Industriearbeiterinnen mehr, die zu organisieren sind, für die es ein Blatt geben sollte, die zu euren Kämpfen herangezogen werden müssten? Hier handelt es sich um einen krankhaften Auswuchs. Er erinnert mich stark an die literarische Mode, jede Prostituierte in eine süssliche Madonna umzudichten. Auch da war der Ursprung gesund: das soziale Mitgefühl, Auflehnung wieder die Tugendheuchelei der ehrenwerten Bourgeoisie. Aber das Gesunde wurde bürgerlich angefressen und entartete.“

Während er die Mittel ansprach, die die bourgeoisen Kräfte zur „Bekämpfung“ der Prostitution einsetzen (oder in Wirklichkeit, um sie in der Form aufrechtzuerhalten, die sie unter den gegebenen historischen Umständen brauchen), war Lenin ebenso kritisch: „Welche Kampfmittel wurden von den eleganten bürgerlichen Delegierten des Kongresses vorgeschlagen? Hauptsächlich zwei Methoden — Religion und Polizei. Sie sind, wie es scheint, die gültigen und zuverlässigen Methoden zur Bekämpfung der Prostitution.“

Lenin plädierte nicht für die rechtliche Anerkennung der Prostitution, um die soziale Stigmatisierung zu bekämpfen, sondern für ihre Beendigung durch die sozialistische Revolution, die die ökonomischen Ursachen der Prostitution zerstört. Wir müssen verstehen, dass auch nach einer sozialistischen Revolution die Ausbeutung nicht von heute auf morgen verschwindet; sie wird im Prozess der Diktatur des Proletariats und, kritisch, mit der Kulturrevolution beseitigt. Marxisten bestehen zwar darauf, dass Prostitution keine „Sexarbeit“ ist, stellen sich aber dennoch entschieden gegen die heuchlerische Moralisierung der Bourgeoisie, die genau die Bedingungen schafft und erhält, die Frauen in die Prostitution zwingen.

Das Entscheidende an der Position des grossen Lenin ist, dass er sich gleichzeitig gegen die Organisierung von Prostituierten als Prostituierte für die Revolution wandte und gleichzeitig den bourgeoisen Moralismus verurteilte, der zur Reproduktion der Prostitution beiträgt und die Unterdrückung der Prostituierten vertieft. Nach der Revolution arbeiteten Lenin und diejenigen, die nach seinem frühen Tod die revolutionäre Linie vertraten, unermüdlich an der Abschaffung der Prostitution. Wir werden in späteren Abschnitten mehr auf die Erfahrungen mit den Ansätzen der sozialistischen Projekte zur Prostitution eingehen.

7. ARGUMENTE FÜR DIE LEGALISIERUNG

Diejenigen, die sich am meisten für die Legalisierung von Vergewaltigung und sexueller Gewalt einsetzen, sind die lautstärksten Befürworter der Legalisierung von Prostitution, die Marxisten entschieden ablehnen. Die Legalisierung ist weit davon entfernt, „Arbeiterrechte“ im Fall der Prostitution zu sichern, und öffnet nur die Schleusen für grosse Kapitalinvestitionen seitens der Imperialisten. Mit der Legalisierung wird der Zuhälter durch das Gesetz geschützt — er nimmt eine neue Form an, und die Prostituierte schuldet ihm legal einen Teil ihres Verdienstes und zahlt ihm diesen. Mit der Legalisierung kommen die legale Anwerbung und die weit verbreitete Indoktrination von Frauen und Mädchen, um sie auf das Gewerbe vorzubereiten.

Argumente, dass die rechtliche Anerkennung den Angestellten schützt, basieren auf bourgeoisem Moralismus und nicht auf marxistischer politischer Ökonomie — und auf tiefer Naivität oder Ignoranz gegenüber der tatsächlichen Funktionsweise des Kapitalismus. Bergarbeiter, Fabrikarbeiter und Fast-Food-Beschäftigte haben alle Gesetze, die es gibt (in der Regel hart erkämpft durch Klassenkampf), die sie schützen sollen, doch solange der Kapitalismus besteht, werden sie gehetzt, zu Tode gearbeitet und gnadenlos ausgebeutet. Die gesetzliche Anerkennung dieser Berufe hat den Boss nicht davon abgehalten, uns auf den Hals zu treten.

Die Vorstellung, dass die rechtliche Anerkennung die Ausbeutung von gehandelten Mädchen und Frauen irgendwie einschränken wird, ist ebenfalls absurd. Pornografie ist seit Jahrzehnten legal, und der Strom von Schwarzmarktpornografie und gezwungenen Frauen ist nicht verschwunden. Im Übrigen werden viele Arbeiterinnen und Arbeiter für alle möglichen Berufe illegal angeworben, hyper-ausgebeutet und dann wie alte Schuhe weggeworfen. Dies würde sich mit legaler Prostitution noch verstärken. In Ländern, in denen Prostitution legal anerkannt ist, kann und wird der Sextourismus zunehmen;13 Menschen aus aller Welt können in diese Länder gehen, um Frauen auszubeuten und zu beherrschen, mit dem einzigen Unterschied, dass der bourgeoise Staat es dort offiziell besteuern kann und nicht inoffiziell durch Schmiergelder.

„Prostitution ist sexuelle Gewalt“, zuerst gedruckt im Volksmarsch, einem Organ der Kommunistischen Partei Indiens (Maoistisch), erklärt die globalen Kräfte hinter der Prostitution auf diese Weise:

Erstens ist das Sexgewerbe heute genauso global organisiert wie jedes andere multinationale Unternehmen. Er ist zu einer transnationalen Industrie geworden. Sie ist eine der am weitesten entwickelten und spezialisierten Industrien [und] bietet den Kunden eine breite Palette von Dienstleistungen an und verfügt über die innovativsten Marktstrategien, um Kunden in der ganzen Welt anzuziehen. Die Hauptakteure und Nutzniesser der Sexindustrie sind zusammenhängend und organisiert. Das komplizierte Geflecht der am Sexhandel beteiligten Akteure umfasst heute nicht nur die Prostituierten und die Kunden, sondern ein ganzes Syndikat, bestehend aus den Zuhältern, den Bordellbesitzern, der Polizei, den Politikern und den lokalen Ärzten. Die Hauptakteure des Sexhandels sind im Kontext einer globalisierten Welt nicht durch enge nationale oder territoriale Grenzen begrenzt. Sie operieren sowohl legal als auch klandestin, und es wird angenommen, dass die Gewinne […] für die Organisationen [der] Sex-Industrie derzeit denen entsprechen, die aus dem globalen illegalen Handel mit Waffen und Drogen fliessen. Ausserdem [ist sie] wie jedes [der] anderen multinationalen Unternehmen, wie die Tourismusindustrie, die Unterhaltungsindustrie, die Reise- und Transportindustrie, die internationale Medienindustrie, die unterirdische Drogen- und Kriminalitätsindustrie und so weiter.“

Daraus ziehen sie die folgende Schlussfolgerung:

Das Ausmass, die Ausdehnung, die Organisation, die Rolle der Kapitalakkumulation und die Bandbreite der Marktstrategien, die zum Verkauf sexueller Dienstleistungen eingesetzt werden, unterscheiden die zeitgenössische globale Sexindustrie qualitativ von der alten Praxis der Prostitution und des Sexhandels.“

Es genügt zu sagen, dass echte Marxisten darauf bestehen müssen, dass jede Legalisierung in den USA ein weiterer Fluch für die Frauen in den Nationen wäre, die vom US-Imperialismus unterdrückt werden. Wie „Prostitution ist sexuelle Gewalt“ es ausdrückt:

In Wirklichkeit wird dieses Argument [für die Legalisierung] angeführt, um den Import von Prostituierten in die imperialistischen Länder und andere Zentren des Tourismus zu legalisieren.“

Sie betonen die dialektische Beziehung zwischen dem Sexgewerbe der imperialistischen und der unterdrückten Nationen. Wir zitieren das Pamphlet ausführlich:

Wie Engels es lapidar formulierte, ist es ‚die absolute Herrschaft des männlichen über das weibliche Geschlecht als Grundgesetz der Gesellschaft‘. Sie ist ein Opfer der patriarchalischen Unterdrückung innerhalb des Berufsstandes. Sobald eine Frau in den Beruf eintritt, gibt es keinen Ausweg mehr. Sie ist dem sexhungrigen Kunden, dem Zuhälter und der Polizei völlig ausgeliefert. Körperliche Übergriffe und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Mehr als die Hälfte der prostituierten Frauen in den Ländern der Dritten Welt hat sich mit HIV/AIDS infiziert. Ein kanadischer Bericht über die Sexindustrie aus dem Jahr 1985 berichtete, dass die Frauen in der Prostitution in diesem Land [eine] 40-fache Sterblichkeitsrate im Vergleich zum nationalen Durchschnitt aufweisen. In Ländern wie Indien könnte es noch schlimmer sein. All dies beweist, dass das Argument, dass Prostitution, sobald sie legalisiert ist, effektiver reguliert werden kann[,] was sie für alle Beteiligten sicher macht, dass die Ausbreitung von HIV verlangsamt werden kann, dass Sexarbeiterinnen Zugang zu medizinischer Versorgung haben können und so weiter, reiner Betrug ist. Tatsache ist, dass alle Formen der sexuellen Kommerzialisierung, ob legalisiert oder nicht, zu einem Anstieg des Niveaus missbräuchlicher und ausbeuterischer Aktivitäten führen.

Das Interesse des Staates an der Legalisierung ist nicht die Prostituierte und ihre Rechte, sondern die Eindämmung der Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten. Es beinhaltet eine starke Regulierung der Prostitution durch eine ganze Reihe von Zoneneinteilungs- und Lizenzierungsgesetzen. Die Zoneneinteilung sondert die Prostituierten in eine separate Lokalität ab und ihre bourgeoisen Freiheiten werden ausserhalb der festgelegten Zone eingeschränkt. Lizenzierung bedeutet die Ausstellung von Lizenzen, die Registrierung und die Auszahlung von Gesundheitskarten an die Frauen. Durch die Legalisierung werden die Frauen verpflichtet, sich regelmässig medizinisch untersuchen zu lassen, sonst droht ihnen eine Gefängnisstrafe.

Legalisierung von Prostitution ist Legalisierung von Gewalt.“

Wir müssen über die ideologischen Sanierer sexueller Gewalt, die aus akademischen, aktivistischen und „Schadensminderung“-Kreisen lautstark zu Wort kommen, hinausschauen und uns die tatsächlichen wirtschaftlichen Kräfte hinter diesen Befürwortern genauer ansehen. Es ist die kommerzielle Sexindustrie, die am meisten von der Legalisierung der Prostitution profitiert, und deshalb sind sie ihre grössten Befürworter. Die Legalisierung ist nur ein moralisches Schutzschild, um grössere Profite aus dem fortgesetzten sexuellen Missbrauch von Frauen zu sichern. Mit der Legalisierung können kleine Bordelle zu grossen Ketten werden, und ganze Konzerne können aufgebaut werden; diejenigen, die legal und illegal in der Sexindustrie tätig sind und das meiste Kapital besitzen, sind in der besten Position, um die Gewinne zu ernten. Das gleiche Problem besteht bei der Legalisierung des Freizeitgebrauchs von Marihuana: Der kleine Anbauer/Händler wird von der weissen Konzernelite geschluckt, während Menschen aus unterdrückten Völkern für ihre Rolle im Handel inhaftiert bleiben. Die Legalisierung kommt in letzter Instanz nur der herrschenden Klasse zugute.

Die indischen Maoisten sprechen die Frage der Legalisierung kurz und bündig an:

Die Legalisierung der Prostitution ist keine Lösung, weil die Legalisierung das selbstverständliche Recht der Männer impliziert, Kunden zu sein. Die Annahme von Dienstleistungen, die durch einen normalen Beruf angeboten werden, ist weder gewalttätig noch missbräuchlich. Sie als normalen Beruf zu legalisieren, wäre eine Akzeptanz der von Männern geschaffenen Arbeitsteilung, einer Teilung, bei der die reale Berufswahl von Frauen viel enger ist als die von Männern. Die Legalisierung wird die schädlichen Auswirkungen, die die Frauen erleiden, nicht beseitigen. Frauen werden immer noch gezwungen sein, sich gegen eine massive Invasion fremder Männer zu schützen, ebenso wie gegen die physische Gewalt.

Legalisierung bedeutet [die Auferlegung] einer Regulierung durch den Staat, um die Fortsetzung und den Fortbestand der Prostitution zu gewährleisten. Es bedeutet, dass sie Steuern zahlen müssen, d.h. die Prostituierte muss mehr Kunden bedienen, um das nötige Geld zu bekommen. Legalisierung bedeutet, dass mehr Männer zu Kunden werden und mehr Frauen als Prostituierte gebraucht werden, und dass mehr Frauen, insbesondere Frauen in Armut, in die Prostitution gezwungen werden. Die Legalisierung der Prostitution wird die Chancen der Ausbeutung nur erhöhen. Die Erfahrungen der Länder, in denen Prostitution legalisiert wurde, zeigen auch, wie dies dem Gewerbe einen grossen Auftrieb gegeben [hat] und den sexuellen Missbrauch erhöht [hat]. Zum Beispiel wurde in Australien und in einigen Bundesstaaten der USA, in denen die Legalisierung umgesetzt wurde, festgestellt, dass es neben einer Zunahme des legalen Gewerbes auch einen alarmierenden Anstieg der Zahl der illegalen Bordelle gab.“

Prostitution schadet allen Frauen, nicht nur denjenigen, die in diesem Gewerbe tätig sind, da sie den Zugang zu ihren Körpern ermöglicht — die Legalisierung ist weit davon entfernt, Schadensbegrenzung zu betreiben, und vergrössert den sozialen Schaden für alle Frauen. Die Anwerbung ist einer der Eckpfeiler der Zuhälterei. Mit der Legalisierung nehmen die Schrecken der Anwerbung und der Druck, angeworben zu werden, dystopische Ausmasse an.

8. AMERIKANISCHER EXZEPTIONALISMUS: DAS VERMÄCHTICHNIS VON REVISIONISMUS UND SIEDLERKOLONIALISMUS

Der Kampf der Frauen war in der Kommunistischen Partei der USA stark — bis Earl Browder Generalsekretär der Partei wurde und begann, seine erzrevisionistische Linie umzusetzen. Die revisionistische Ideologie, die die KPUSA überrollte — Browderismus und dann William Z. Fosters Fortsetzung davon — war wie ein Prototyp des Revisionismus, der sich in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion durchsetzen würde. Auch wenn der letztere den ersteren vollständig aufzehren würde, war der erstere in vielerlei Hinsicht sein Vorläufer. Foster, wie Breschnew, würde sich gegen seinen Vorgänger aussprechen — und genau wie bei Breschnews Verurteilungen war dies nur oberflächliche Politik, die immer noch die revisionistische Position weiterführte und in der Tat verstärkte. Dieser Revisionismus fügte der Frauenbewegung tiefen Schaden zu und hinterlässt heute in der US-Linken einen bleibenden Makel, der weit über die Schale, die sich KPUSA nennt, hinausgeht.

Der Browderismus liquidierte 1944 erfolgreich nicht nur das Programm der Partei, sondern die Partei selbst. Es ist kein Schock, dass Browders Frau die Liquidierung des Frauenkampfes gegen antirevisionistische Frauen in der Partei wie Mary Inman anführte. Inman schrieb viel über die Frage der Prostitution und widmete ihr drei Kapitel in ihrem Buch „Zur Verteidigung der Frauen“. Um die Frage der Prostitution heute zu verstehen, ist es wichtig, die nachhallenden Auswirkungen des Browderismus zu begreifen. Rechte Linien, die versuchen, Prostitution entweder zu reinigen, indem sie sie als „Sexarbeit“ verkleiden, oder Prostituierte als revolutionäres Subjekt missverstehen, resultieren alle zum Teil aus dem Glauben an den amerikanischen Exzeptionalismus — erstens, weil sie alle versuchen, einen reformistischen, klassenkollaborationistischen Ansatz zur Prostitution zu etablieren; und zweitens, und das ist noch wichtiger, weil sie das Phänomen vom Imperialismus trennen. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die bourgeoise Definition von „Arbeit“ alles ist, was man für Geld tut. Auf diese Weise können sie Eigentümer und Bosse als Arbeiter neben denen, die sie ausbeuten, darstellen, da jede Arbeit (legal oder illegal) als Arbeit missverstanden werden kann.

Viele dieser Rechten (die es sowohl in progressiven Kämpfen als auch in jeder revisionistischen Organisation zuhauf gibt) werden zugeben, dass Sextourismus in der Dritten Welt und Menschenhandel zumindest prinzipiell etwas sind, das man bekämpfen muss. Sie haben keine grossen Einwände gegen die Schriften zu diesem Thema von den Maoisten in Indien, einschliesslich des Textes „Prostitution ist sexuelle Gewalt“. Aber wenn es darum geht, diese universellen Prinzipien zu Hause in ihrem imperialistischen Land anzuwenden, schüren sie das Gespenst des amerikanischen Exzeptionalismus. Aus Gründen, die sie ohne ihren Glauben an diesen Exzeptionalismus nicht erklären können. Sie erzwingen eine künstliche Trennung: hier in der Ersten Welt (nicht nur in den USA, sondern eindeutig auch in Kanada, mit den Opportunisten in der falschen RKP Kanadas) sind Prostituierte jetzt Arbeiterinnen, und ausserdem ein wichtiger Teil des Proletariats! — und zum Teufel mit dem tatsächlichen Studium von fast 200 Jahren kommunistischer Agitation und Propaganda zu diesem Thema! Sie beschuldigen diejenigen, die die korrekte historische Position vertreten, überholte Dogmatiker zu sein. Die Prostitution von der marxistischen Position aus zu bekämpfen, so wie Marxisten sie immer bekämpft haben, bringt einem eine Salve von Schlagwörtern und die Verurteilung als SWERF (d.h. „Sexarbeiter ausschliessende radikale Feministin“) ein — obwohl (a) „Sexarbeit“ ein erfundener Begriff ist, der der marxistischen politischen Ökonomie zuwiderläuft, und (b) Marxisten den radikalen Feminismus ausdrücklich auf einer fundamentalen Ebene ablehnen. Ohne jede ökonomische Analyse haben die amerikanischen Exzeptionalisten die Verteidigung der Prostitution zu einer Voraussetzung dafür gemacht, ein Linker zu sein, wobei sie sie nicht nur von einem moralischen Standpunkt aus verteidigen, sondern sogar so weit gehen, dass sie Erniedrigung und Missbrauch als ermächtigend darstellen. Der Revisionismus spielt immer noch seine Rolle dabei, eine Sache in ihr Gegenteil zu verwandeln.

Mary Inman hat das Kontinuum des Revisionismus treffend beschrieben:

Darüber hinaus hat sich die Zerstörung der Frauenfrage seit der Absetzung Browders nicht nur fortgesetzt, sondern wurde unter der Führung von Dennis sogar noch beschleunigt (unterstützt von Foster, der vor einer ‚Überkorrektur von Fehlern‘ warnte, als nichts getan wurde, um ihre liquidatorischen Praktiken zu stoppen, die die kommunistische Arbeit unter den Frauen beeinträchtigten).“ (13 Jahre Irreführung durch die CPUSA in der Frauenfrage)

Die Liquidierung der kommunistischen Arbeit unter Frauen wird heute enorm vom Postmodernismus unterstützt, der sich praktisch als „gesunder Menschenverstand“ für die Linke etabliert hat und eine nahezu hegemoniale Position in den Mainstream-Bewegungen der US-Aktivisten einnimmt. Und natürlich stimmen postmodernistische Kretins mit Browder darin überein, dass der Klassenkampf selbst in einem Land wie den USA abgemildert wird, wo „freie Frauen“ die Prostitution „frei wählen“ können und es rückständig ist, ein kritisches Urteil über den Handel mit Frauen abzugeben.

Inman bezeichnete dieses Denken als die „Kultur der Prostitution“:

Die Prostitution wird den Frauen in die Schuhe geschoben, und es wird gesagt, dass sie sich aus freien Stücken in diese Praxis begeben, weil es ihrer Natur entspricht und eine der Eigenschaften Evas ist. Auch das ist nicht alles. Die Prostitution hat ihre eigene entartete Philosophie geschaffen, die in Kreise eingedrungen ist, die nicht direkt von ihr betroffen sind.“ (Zur Verteidigung der Frauen)

Die zeitgenössischen Apologeten behaupten immer noch, dass Prostitution eine Wahl ist, indem sie darauf bestehen, dass sie Arbeiterinnen wie jede andere sind, die frei sind, einen Beruf zu wählen (innerhalb der Grenzen ihrer Klasse und Umstände). Auch wenn sie sich nicht auf die Heilige Schrift berufen, um ihre Ansichten zu rechtfertigen, findet dieselbe Metaphysik Anklang.

Inman leistet einen wertvollen Beitrag zur Kritik der bourgeoisen Kultur an der Darstellung von Prostituierten in Filmen als freigeistige Reisende, die sich ihre Freier selbst aussuchen. Als sie in den 1930er und 40er Jahren schrieb, schildert Inman diesen Überbau, der seit der Zeit, in der sie schrieb, immer noch aktuell ist:

Personen, die ihre Meinung über Prostitution aus solchen Filmen wie Mae West gewonnen haben, in denen der talentierte Star die Frau mit fragwürdigem Charakter darstellte, die frei durch das Land zog, Abenteuer erlebte, Romantik kannte, prächtige Kleidung trug und die Situation, in der sie sich befand, beherrschte, ihre Liebhaber sorgfältig auswählte und jene Männer mied, die ihrem ästhetischen Geschmack nicht entsprachen, in Wirklichkeit umherreisend, klugscheissend, freiberuflich, von niemandem ausgebeutet, werden ein falsches Bild vom wirklichen Leben solcher Frauen haben.“ (Zur Verteididung der Frauen)

Wir können offensichtliche Beispiele wie den Film Pretty Woman anführen, aber die Botschaft wird in den aktuelleren postmodernen Ansätzen in Filmen und Fernsehsendungen nach Hause getrieben, wo der Begriff „Sexarbeiterin“ den Begriff „Prostituierte“ vollständig ersetzt hat und „Prostituierte“ nun als nichts weiter als eine sexistische Beleidigung angesehen wird. Die Kultur der Prostitution existiert immer noch und findet ihre Nische im falschen Progressivismus der Postmoderne, die unermüdlich versucht, eine phantasievolle Illusion als die Wahrheit auszugeben.

Auf der Website Mel Magazine finden wir Artikel wie „Die realistischsten Sex-Arbeiter-Darstellungen in der Popkultur, laut Sex-Arbeiterinnen“ („The Most Realistic Sex-Worker Portrayals in Pop Culture, According to Sex Workers“). In diesem Artikel finden wir solche Perlen wie die folgende: „‚Das Deuce‘ ist ein verschwitztes Buffet der Ausschweifung, das an die Art von heroingetränkter Freiheit erinnert, von der Janis Joplin sang.“ Nur der zutiefst verblendete kleinbourgeoise Dilettant würde Heroin mit Freiheit in Verbindung bringen, da es hauptsächlich als Waffe existiert, um die unteren Klassen in Ketten zu halten und sie selbst der grundlegendsten Freiheiten zu berauben.

Der Autor fährt fort: „Die Protagonistin ist Candy, eine clevere Veteranen-Escort, gespielt von der exzellenten, aber seltsam gecasteten Maggie Gyllenhaal, die ohne Zuhälter auf den Strassen unterwegs ist. Unbeeindruckt und sichtlich gelangweilt arbeitet Candy allein, während ihre Kollegen — meist grosse und hübsche schwarze Frauen — von ihren weissen Stammkunden herumgeschubst und von ihren Zuhältern schikaniert werden. Zu einer schnell redenden Hoffnungsträgerin sagt sie: ‚Niemand ausser mir verdient Geld mit dieser Muschi.‘ Candys Optimismus in dieser Hinsicht ist bewundernswert, aber naiv (zum Beispiel in Bezug auf den Kapitalismus); dennoch hat sie mehr Handlungsmacht als die meisten anderen Figuren der Serie.“

Die Tokenisierung und der Missbrauch schwarzer Frauen ist nur ein unangenehmes Hintergrundgeräusch für die freigeistige „Candy“, die der Autor sofort sympathisch findet. Dass sich dieser Teufelskerl im Laufe der Serie zu einem gut bezahlten Pornographen und Ausbeuter anderer Frauen entwickelt, wird nicht erwähnt. Die einzige wirkliche Kritik an der Serie, die in dem Artikel vorgebracht wird, basiert auf kruder Identitätspolitik — sie beschweren sich darüber, dass die Serie von Männern geschrieben wurde und nicht von „Sexarbeiterinnen“ mitgeschrieben wurde. Das ist das Beste, was ihnen einfällt, wenn sie die heutige Kultur der Prostitution nachplappern.

Für den kleinbourgeoisen Dilettanten werden „Sexarbeiterinnen“ oft als kämpfende Heldinnen imaginiert, in der Regel weisse Frauen, die die Prostitution als einen cleveren Weg wählen, sich gegen das System aufzulehnen, und sie somit als einen rebellischen Akt gegen den Kapitalismus selbst betrachten. Sie sind weit entfernt von der Massentragödie und dem Völkermord, dem die Frauen in der Dritten Welt ausgesetzt sind. Ebenso wenig können sie die Qualen der Menschen in den internen Kolonien der USA ergründen, wo die Prostitution am weitesten verbreitet ist.

Das von bourgeoisen Intellektuellen konstruierte Bild der „Sexarbeiterin“ hat für die Kleinbourgeoisie eine besondere Anziehungskraft: Es beschwört den Mythos des Klassenaufstiegs herauf (wie den der oben erwähnten fiktiven Candy). Bei diesem Mythos handelt es sich um ein Mädchen — höchstwahrscheinlich aus schwierigen Verhältnissen — das sich zu einer Kleinunternehmerin durchschlägt. Vielleicht wird sie eine Pornografin, die die Filme produziert, nachdem sie in ihnen mitgespielt hat. Für die Identitätspolitiker ist das aufregend, weil jetzt die ausgebeuteten Frauen diejenigen sind, die die Frauen ausbeuten. Es kümmert sie überhaupt nicht, dass die Ausbeutung intakt bleibt und jetzt einfach einen besseren Weg gefunden hat, sich zu entschuldigen. Diese so oft erzählte „rags-to-riches“-Geschichte ist ein mächtiges Mittel im Dienste der herrschenden Klasse, um die Klassenverhältnisse im Kapitalismus zu verwalten. Schliesslich, so ihr Argument, ist dies nur die entfesselte Handlungsfähigkeit freier moderner Frauen.

In der folgenden Passage könnte Inman genauso gut in der Gegenwart über die Frage derjenigen schreiben, die für die Existenz von Handlungsfähigkeit in der Prostitution argumentieren, indem sie sie in „Sexarbeit“ umbenennen:

Es gibt eine auffällige Tendenz in einem grossen Teil der Literatur über Prostitution, einen gewollten Sexualakt mit Prostitution zu verwechseln, und es werden Anstrengungen unternommen, durch Umwege oder auf andere Weise zu zeigen, dass sie entweder dasselbe sind oder dass das Erstere in das Letztere mündet.“ (Zur Verteidigung der Frauen)

Natürlich erkannte sie auch, dass das Phänomen nicht nur Frauen aus der Arbeiterklasse betrifft:

Der Bereich der Prostitution ist breiter als der der Frauen aus der Arbeiterklasse, denn keineswegs sind alle Töchter aus den Familien der Mittelklasse abgesichert, ebenso wenig wie die Töchter aus den Familien der Berufs- und Oberschicht, deren Vermögen vom wirtschaftlichen Zusammenbruch betroffen war.“ (Zur Verteidigung der Frauen)

Jeder, der sich „frei“ für „Sexarbeit“ entscheidet, ohne den Druck der wirtschaftlichen Bedingungen, erlebt nicht die Realität der deklassierten Frauen, über die Inman schreibt, oder der Mehrheit der Frauen, die in den USA in der Prostitution gefangen sind, was das betrifft.

Der Browderismus beschränkte seine Angriffe nicht nur auf den Kampf der Frauen. Er richtete auch Angriffe gegen die nationalen Befreiungskämpfe der inneren Kolonien, und ein grosses Opfer dieser Zeit war die kommunistische Arbeit unter der schwarzen Nation. Die Arbeit unter der schwarzen Nation wurde durch die Volksfrontperiode der Kommunistischen Internationale mehr oder weniger ausgehöhlt, und es war nichts anderes als der Volksfrontismus, der den Rechten in der Partei, angeführt von Browder und dann Foster, starke Impulse gab.

Die nationale Frage ist aus dem Programm der KPUSA so gut wie verschwunden, und nur einige wenige der revisionistischen Relikte der neuen kommunistischen Bewegung halten sie noch aufrecht, und sei es nur oberflächlich. Und selbst wenn sie die Notwendigkeit dieser Arbeit anerkennen, werden keine sinnvollen Kämpfe geführt, um das Selbstbestimmungsrecht für die inneren Kolonien zu erobern. Und es ist ganz natürlich, dass diese Typen, die darauf bestehen, die Prostitution vom Kolonialismus abzukoppeln, in den Sumpf der Prostitutions-Apologetik verführt werden. Keine ehrliche Studie über den Kolonialismus kann ohne die Erwähnung der Siedler auskommen, die die Kolonisierten zur Prostitution zwangen, sowohl durch direkten gewaltsamen Zwang als auch durch die Gewalt des wirtschaftlichen Zwangs, die beide in ihrer Grausamkeit gleich sind.

Selbst flüchtige Untersuchungen der realen Bedingungen, mit denen die indigene Bevölkerung in den USA und die Menschen in den internen Kolonien konfrontiert sind — selbst Studien, die von bourgeoisen Forschern durchgeführt wurden — können die Art und Weise aufzeigen, wie sich der Siedlerkolonialismus in der Prostitution manifestiert, wie die folgende Passage zeigt:

Viele AI/AN [Amerikanische Indianer und Ureinwohner Alaskas] leben in ungünstigen sozialen und physischen Umgebungen, die sie einem hohen Risiko aussetzen, traumatischen Ereignissen ausgesetzt zu sein, mit Raten von Gewaltviktimisierung, die mehr als doppelt so hoch sind wie der nationale Durchschnitt. Hohe Armutsraten, Obdachlosigkeit und chronische Gesundheitsprobleme in AI/AN-Gemeinschaften machen AI/AN-Frauen anfällig für Prostitution und Menschenhandel, indem sie den wirtschaftlichen Stress erhöhen und die Fähigkeit, sich gegen Räuber zu wehren, verringern. AI/AN-Frauen sind einer hohen Rate von sexuellen Übergriffen in der Kindheit, häuslicher Gewalt und Vergewaltigung ausgesetzt, sowohl in den Reservaten als auch ausserhalb. Die überwiegende Mehrheit der prostituierten Frauen wurde als Kinder sexuell missbraucht, in der Regel von mehreren Tätern, und wurde als Erwachsene in der Prostitution reviktimisiert, da sie erlebten, dass sie von Sexkäufern, Zuhältern und Menschenhändlern gejagt, dominiert, belästigt, zurechtgewiesen, angegriffen, misshandelt und manchmal ermordet wurden.“ (Farley, Deer, Golding, et al., „Prostitution and Trafficking of American/Indian Alaska Native Women in Minnesota“; Zitate der Kürze halber aus dem Zitat entfernt)

Das Argument, dass Prostitution eine freie Wahl ist, kombiniert mit der unverhältnismässig hohen Repräsentation von schwarzen und einheimischen Frauen in der Prostitution, ist nichts weniger als der dünn verschleierte Rassismus der Kleinbourgeoisie.

Es ist ebenso absurd und grausam, diese Tatsachen vom US-Siedlerkolonialprojekt zu trennen, wie es wäre, so zu tun, als hätte die südafrikanische Apartheid nichts mit der Prostitution in diesem Land zu tun, wie hier ausgeführt wird:

Indigene südafrikanische Frauen sind allen Faktoren ausgesetzt, die die Anfälligkeit für Prostitution erhöhen: Gewalt in der Familie und in der Gemeinschaft, einschliesslich einer Epidemie von sexueller Gewalt, lebensbedrohliche Armut, Mangel an Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, Mangel an Gesundheitsdiensten während ihres gesamten Lebens und Mangel an kulturell angemessenen sozialen Diensten, die ihnen helfen würden, der Prostitution zu entkommen. Wenn es keine Alternativen zur Prostitution gibt — auch wenn es den Anschein hat, dass sie eine Wahlmöglichkeit ist — wird die Prostitution durch soziale Missstände wie Kindesmissbrauch, Rassismus, Sexismus und Armut erzwungen. Alle diese Formen der Gewalt gegen Frauen, einschliesslich der Prostitution, sind miteinander verbunden.“ (Madlala-Routledge, Farley, Barengayabo, et al., „‚I feel like I‘m still living under apartheid‘: Racialized Sexual Exploitation of 100 Women in South African Prostitution“)

Während bourgeoise feministische Forscherinnen mit keiner tatsächlichen Methode zur Abschaffung der Prostitution aufwarten können, können sie insofern nützlich sein, als ihre Daten verifiziert werden können. Der Sozialismus hingegen hat direkte Mittel, um Prostitution sowohl erfolgreich zu bekämpfen als auch abzuschaffen.

Lenin zufolge „kann keine noch so grosse ‚moralische Entrüstung‘ (die in 99 von 100 Fällen heuchlerisch ist) über die Prostitution etwas gegen diesen Handel mit weiblichem Fleisch ausrichten; solange die Lohnsklaverei existiert, wird zwangsläufig auch die Prostitution existieren. Alle unterdrückten und ausgebeuteten Klassen in der Geschichte der menschlichen Gesellschaften sind immer gezwungen gewesen (und darin besteht ihre Ausbeutung), erstens ihre unbezahlte Arbeit und zweitens ihre Frauen als Konkubinen für die ‚Herren‘ an ihre Unterdrücker abzutreten.“

9. DIE ANSÄTZE DER GROSSEN SOZIALISTISCHEN PROJEKTE ZUR BEKÄMPFUNG UND ABSCHAFFUNG DER PROSTITUTION

Nun gehn wir einer gesellschaftlichen Umwälzung entgegen, wo die bisherigen ökonomischen Grundlagen der Monogamie ebenso sicher verschwinden werden wie die ihrer Ergänzung, der Prostitution.“

DER URSPRUNG DER FAMILIE, DES PRIVATEIGENTUMS UND DES STAATS
Friedrich Engels
1884

Nicht nur in der Sowjetunion hat das Volk die Prostitution abgeschafft, sondern überall dort, wo das Volk die dominierende Wirtschaftsmacht geworden ist, auch in Teilen des Landes, hat es die Prostitution abgeschafft, zum Beispiel in den von den Volksbewegungen kontrollierten Bezirken in China.“

ZUR VERTEIDIGUNG DER FRAUEN
Mary Inman
1940

Engels sprach von einer hypothetischen sozialistischen Revolution, die aber aufgrund einer konkreten Analyse der konkreten Verhältnisse unweigerlich stattfinden würde. Diese soziale Revolution würde 1917 in Russland ausbrechen und weltverändernde Folgen haben:

Die Arbeiterrevolution in Russland hat die Grundlagen des Kapitalismus erschüttert und der bisherigen Abhängigkeit der Frau vom Mann einen Schlag versetzt. Alle Bürger sind vor dem Arbeitskollektiv gleich. Sie sind gleichermassen verpflichtet, für das Gemeinwohl zu arbeiten und haben gleichermassen Anspruch auf die Unterstützung des Kollektivs, wenn sie diese benötigen. Die Frau sorgt für sich selbst nicht durch Heirat, sondern durch ihren Anteil an der Produktion und ihren Beitrag zum Volksvermögen.“ (Kollontai: „Prostitution und Wege zu ihrer Bekämpfung“)

Kollontai — in dem Bewusstsein, dass die Gesellschaft nach der Revolution noch viel von ihrer alten Überstruktur beibehielt, ebenso wie weit verbreitete Bedingungen wirtschaftlicher Not, geringe Produktionskapazitäten und andere Schwierigkeiten, die sich aus der sich noch entwickelnden wirtschaftlichen Basis ergaben – erkannte, dass die Revolution, obwohl sie die Hauptursachen dieser Dinge (Privateigentum usw.) abgeschafft hatte, noch viel im Kampf gegen die Prostitution zu tun hatte, die unter diesen Bedingungen fortbestand.

Sie nahm die Aufgabe auf sich, die Kommunistische Partei der Sowjetunion in diesem Bemühen zu führen:

Einige Leute mögen sagen, dass, da Prostitution keinen Platz mehr haben wird, sobald die Macht der Arbeiter und die Basis des Kommunismus gestärkt sind, keine besondere Kampagne notwendig ist. Diese Art von Argumenten berücksichtigt nicht die schädliche und spaltende Wirkung, die Prostitution auf den Aufbau einer neuen kommunistischen Gesellschaft hat.“

Das obige Zitat sollte besonders für Maoisten von Bedeutung sein, die begreifen, dass die Revolution unter der Diktatur des Proletariats fortgesetzt werden muss, um die Gesellschaft auf die neue sozialistische Basis auszurichten.

Sie bestand ausserdem darauf, dass die Prostitution, die unter der proletarischen Diktatur fortbestand, eine grosse Gefahr für die soziale Einheit, die Klasseneinheit und den wirtschaftlichen Aufbau der Sowjetunion darstellte. Sie vertrat den Standpunkt, dass Prostitution ein privates Unternehmen sei, das der Arbeiterrepublik zuwiderlaufe und daher abgeschafft werden müsse.

Und tatsächlich begannen in der Arbeiterrepublik grosse Veränderungen stattzufinden, die sowohl die Basis als auch den Überbau revolutionierten. Kaufleute jeglicher Art galten nun als Spekulanten, und alle Bürger sollten in die produktive Arbeit einbezogen werden. Kollontai schreibt:

Wir verurteilen also nicht die Prostitution und bekämpfen sie als eine besondere Kategorie, sondern als einen Aspekt der Arbeitsverweigerung. Für uns in der Arbeiterrepublik ist es nicht wichtig, ob eine Frau sich an einen Mann oder an viele verkauft, ob sie als professionelle Prostituierte eingestuft wird, die ihre Gefälligkeiten an eine Reihe von Kunden verkauft, oder als Ehefrau, die sich an ihren Mann verkauft. Alle Frauen, die sich der Arbeit entziehen und sich nicht an der Produktion oder an der Kinderbetreuung beteiligen, können auf der gleichen Grundlage wie Prostituierte zur Arbeit gezwungen werden.“

In der Zeit des zaristischen Russlands, kurz vor der Revolution, war die Prostitution geregelt, aber nicht illegal. Es gab Strafen für Zuhälterei und Kuppelei, aber nicht für Prostitution. Die Revolution trat ein, um die Welt zu erschüttern und alles zu verändern. Dazu gehörte auch das Leben der Frauen in der Prostitution, denen nun produktive Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden sollten.

Da die Bedingungen, die zur Prostitution führten, bekämpft wurden, ehemalige Prostituierte eine politische Ausbildung erhielten und zur Arbeit herangezogen wurden, konnte die Prostitution nicht die Kraft bleiben, die sie im zaristischen Russland gewesen war. Die Frauen wurden in der sowjetischen Gesellschaft mobilisiert, und die Prostitution kam erst mit der kapitalistischen Restauration nach Chruschtschow wieder in Kraft.

China, das über die ältesten Bordelle der Welt verfügte, die sogar die der Niederlande übertrafen, hatte nach der Befreiung 1949 viel zu tun, Ansätze, die in den befreiten Gebieten entwickelt worden waren, wo die Prostitution abgeschafft worden war, mussten nun landesweit angewendet werden. Das vorrevolutionäre China hatte, wie das zaristische Russland, die Prostitution nur reguliert und nicht gesetzlich verboten. Im vorrevolutionären China gab es „lizenzierte Prostituierte“, die zu den schlimmsten Opfern der sozialen Unterdrückung gehörten. Diese wurden „Nebel- und Blumenmädchen“ genannt. Nach dem Sieg der Revolution wurden diese Frauen in sozialistischen Besserungsanstalten untergebracht und ausgebildet. Vor allem aber wurden diese Frauen befreit und über die Unterschiede zwischen der alten und der neuen Gesellschaft aufgeklärt.

Eine der ersten Handlungen des sozialistischen Staates in der Volksrepublik China war die Abschaffung der alten Ehegesetze, die Frauen als Eigentum ihrer Ehemänner behandelten. Der Umsturz dieser Gesetze kam den ehemaligen Prostituierten zugute, von denen viele Frauen und Kinder waren, die von ihren Ehemännern oder Vätern in ein Leben der sexuellen Sklaverei verkauft wurden, um dem Hungertod zu entgehen. Die Befreiung Chinas vom Joch der imperialistischen und kolonialen Herrschaft hallte durch die gesamte chinesische Gesellschaft (und in der Tat durch die ganze Welt), wobei Maos grosse Erklärung, dass „die Frauen die Hälfte des Himmels halten“, ein neues Zeitalter signalisierte, in dem Frauen die Hälfte der Produktion übernehmen würden.

Die Frauenbewegung fand ihre Fortsetzung und blühte in der Grossen Proletarischen Kulturrevolution weiter auf, als Tschiang Tsching half, einen Angriff auf die alte Kultur zu führen, die Frauen bestenfalls als Komplizen der männlichen Revolutionäre darstellte — und schlimmstenfalls als Eigentum. Dies zeigt sich insbesondere in der Neuverfilmung des chinesischen Klassikers „Die Braut mit den weissen Haaren“, in der die Heldin, statt sich wie im Original auf einen männlichen Soldaten zu verlassen, für ihre eigene Befreiung sorgt. Und auch die Vorstellungen der alten Gesellschaft von Prostitution gerieten unter Beschuss.

Mit der Verfolgung der Kamerad Tschiang und ihrer drei Kameraden, die die kommunistische Linie gegen die reaktionäre Linie Deng Hsiao-pings und seiner Clique vertraten, kam es zu einem Angriff auf die Frauenbewegung von noch grösserem Ausmass als in den USA.

Neben vielen anderen vergleichbaren Massnahmen entfernte Deng Frauen aus Berufen wie Fabrikarbeiterin und Zugführerin und warf sie in Büroverwaltungspositionen.14 Die geschlechtsspezifische Arbeit, die während der Kulturrevolution bekämpft worden war, fand in den Deng-Jahren ihren vollen Ausdruck.15 Sexbasierte Werbung und Prostitution erlebten ein grosses Comeback.16 Weibliche Stereotypen kehrten sogar in Kinderbüchern zurück und trainierten eine neue Generation für die wiederhergestellte kapitalistische Produktionsweise.17 Der japanische Film „Sehnsucht nach Heimat“, der Prostituierte darstellte, wurde im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt und von der von Deng geleiteten Beijing Review gegen Kritiker verteidigt, die darauf bestanden, dass der Film jungen Frauen schade und der Revolution zuwiderlaufe. Die alten Opern, die verboten worden waren — wie „Die betrunkene Schönheit“ über einen Kaiser und seine Konkubinen — wurden in der Peking-Oper aufgeführt. Pornografie und Prostitution wurden mit dem Kapitalismus wieder eingeführt.

Natürlich bieten die bestehenden Volkskriege in Peru, der Türkei, Indien und den Philippinen lebendige Beispiele dafür, wie man Prostitution betrachtet, wie man sie in kommunistisch kontrollierten Basisgebieten beendet und wie man Frauen aus dem Gewerbe und in die Volksarmee organisiert. Im Gegensatz zu bourgeoisen oder imperialistischen Armeen hat die Volksarmee keinen Bedarf an Prostitution, um die „Moral“ der männlichen Truppen zu stärken, und deshalb folgen den Soldaten keine Banden von Prostituierten. Volkssoldaten sind aufrecht und wehrhaft gegen solch niedriges Verhalten.

Bevor sie eine ausgewachsene Revisionistin wurde, beschrieb Parvati die Wirkung des Volkskriegs auf die Bäuerinnen in Nepal:

Der Volkskrieg hat jungen aufstrebenden Männern und Frauen eine revolutionäre Lebensalternative gegeben. Das Leben der Frauen, besonders in den ländlichen Gebieten, ist so eintönig, eingebettet in ein sich wiederholendes Muster von reproduktiven Aktivitäten. Da die Heirat in einem viel jüngeren Alter arrangiert wird, haben sie keine Möglichkeit, diesem ausgetretenen Lebensweg zu entkommen. Für aufstrebende Frauen, die sich aus dem Dorf herauswagen, bedeutet das, dass sie fast in die Prostitution geraten oder nach Indien verschleppt werden (man schätzt, dass etwa 150‘000 Frauen aus Nepal in die städtischen Zentren Indiens verschleppt werden!) oder in [schlecht bezahlte] Sweatshops, wo sexuelle Belästigung an der Tagesordnung ist. Für solche aufstrebenden Frauen bietet der Volkskrieg also [eine] herausfordernde Gelegenheit, Seite an Seite mit Männern unter gleichen Bedingungen zu arbeiten und sich geistig und körperlich zu beweisen.“ („Die Teilnahme von Frauen am Volkskrieg in Nepal“)

10. SCHLUSSFOLGERUNG

Viele Apologeten der Prostitution weigern sich, Analysen zu dieser Frage von jemandem zu hören, der nicht „ein Sexarbeiter“ ist. Andere wiederum behaupten, dass sie selbst „Sexarbeiterinnen“ sind oder waren und daher jenseits der Notwendigkeit einer objektiven Klassenanalyse sind. Nur wenige haben tatsächlich die ökonomischen Kräfte hinter der Prostitution untersucht und sind tiefer in die Frage eingestiegen, was tatsächlich gekauft und verkauft wird, wem das Geschäft gehört, welche Klassenkräfte im Widerspruch zueinander stehen und so weiter. Viele weigern sich immer noch, Prostitution als ein ökonomisches Phänomen zu untersuchen — noch dazu in einer Welt, die im Bann des Imperialismus steht. Sie sind (wahrscheinlich schon vor der Lektüre dieses Artikels) zu dem Schluss gekommen, dass die einzig mögliche Kritik an der Prostitution eine moralische ist, eine, die darauf abzielt, die Prostituierte dafür zu stigmatisieren, dass sie es wagt, sich über die Keuschheit hinwegzusetzen, die Frauen manchmal auferlegt wird. Wie der bourgeoise religiöse Heuchler können sie die Prostitution nicht jenseits moralischer Einwände ergründen — die Moral ist der einzige Rahmen, den sie finden können.

Wie oben besprochen, betrachten Marxisten, im Gegensatz zu allen oben genannten Lagern, Prostitution (oder fast alles andere) nicht in Begriffen der Moral, sondern in Begriffen des Klassenkampfes — das heisst, wir kritisieren sie auf der Grundlage einer ökonomischen Analyse. Es sind schliesslich die ökonomischen Bedingungen, die dem Gewerbe überhaupt erst den Anstoss geben. Der moralische Einwand zählt hier nicht.

Es gibt diejenigen, die sagen werden, dass sie Marxisten sind, aber dass sie „keine Dogmatiker“ sind — und damit ihren klaren Bruch mit 200 Jahren Analyse in dieser Sache rechtfertigen. Sie mögen keine dogmatischen Marxisten sein, aber sie sind trotzdem Dogmatiker: Dogmatiker der Postmoderne, der Identitätspolitik, des Feminismus der dritten Welle und anderer degenerierter bourgeoiser Ideologie. Sie lehnen nicht so sehr die Schlussfolgerungen des Marxismus ab (zumindest nicht die meiste Zeit), und sie haben vielleicht sogar eine starke Abneigung gegen den Kapitalismus. Was sie ablehnen, ist die marxistische Methode — dieselbe Methode, die universell ist und sich ständig verbessert, die die Genossen im Laufe der Geschichte dazu gebracht hat, klare Linien in der Frage der Prostitution zu entwickeln. Diese Methode und dieser Analyserahmen wurden durch Entdeckungen und vor allem durch gewaltsamen Klassenkampf geschärft. Sie hat auf ihrem Weg neue Entdeckungen gemacht (eine wissenschaftliche Analyse des modernen Imperialismus, ein Verständnis für die Notwendigkeit und die Formen der proletarischen Diktatur, der Kulturrevolution usw.). Keiner der Apologeten der Prostitution kann eine einzige Entwicklung, Entdeckung oder Bedingung anbieten, die die historische marxistische Analyse der Prostitution grundlegend verändert.

Marxisten haben Prostitution nie einfach als die Notlage „gefallener Frauen“ verstanden, die in Slums oder anderen schädlichen Bedingungen einfach „falsch erzogen“ wurden. Der Marxismus hat nie versucht, Frauen die Schuld für die Bedingungen zu geben, die sie in die Prostitution zwingen. Doch allen Kritikern der Prostitution dieses Denken zu unterstellen, ist die reflexartige Reaktion der Apologeten. Das ist die einzige Reaktion, die sie sich von denen vorstellen können, die das Gewerbe nicht als „ermächtigend“ oder „ein Job wie jeder andere“ sehen. Kein Job, legal oder illegal im kapitalistischen System, ist ermächtigend; alle Jobs ohne Ausnahme sind entfremdend.

Wie also kommen die Sanierer der frauenfeindlichen Gewalt zu ihren verzerrten Ansichten? Nun, wenn eine abenteuerlustige und impulsive kleinbourgeoise Dilettantin, wie eine der Figuren von Mae West, sich freiwillig für „Sexarbeit“ entscheidet (wie es eine wachsende Zahl von Kleinbourgeoisen behauptet) und das „Stigma“ als den einzigen unangenehmen Teil empfindet, während sie nie die rohe und unmenschliche Erniedrigung erfährt, die den meisten Frauen in diesen Berufen auferlegt wird — dann kann ihr Ziel nur sein, die ganze Sache zu entschärfen. In ihrem Bestreben, als etwas Besseres als die Mehrheit angesehen zu werden, arbeiten sie daran, jedes Gewerbe, das mit Sex zu tun hat oder sexualisiert wurde, umzubenennen — sie bezeichnen jetzt Entertainer und Performer und sogar versklavte Frauen als „Arbeiterinnen“ und verteidigen jetzt nicht nur Prostitution als Gewerbe, sondern predigen sogar ihre Tugendhaftigkeit gegenüber jedem, den sie zum Zuhören bewegen können. Einige von ihnen werden sogar gegen jede Vernunft darauf bestehen, dass diese Berufe unter dem sozialistischen System weitergeführt werden dürfen. Aber natürlich kann eine sozialistische Gesellschaft Prostitution nicht „legalisieren“ oder „verstaatlichen“, ohne dass der Staat zu einem Zuhälter wird. Diese Frauen, die behaupten, dass „Sexarbeit“ sie ermächtigt, geben gleichzeitig zu, dass reguläre Jobs der Arbeiterklasse entmächtigend sind. Das spricht Bände über ihren Klassenstandpunkt und ihre Ambitionen und ihre Abscheu gegenüber der Arbeiterklasse. Sie würden sich lieber sexuell ausbeuten lassen, als sich an der Seite des Proletariats in der Produktion zu engagieren — man kann sie nur als Scheinmarxisten bezeichnen und mit den Kompradoren unter den Frauen vergleichen. Für sie ist es nicht die wirtschaftliche Armut oder der niedrige soziale Status oder der Kolonialismus, der sie in den Handel treibt — es ist die blosse Bedrohung, mit der alle Kleinbourgeoisen konfrontiert sind, nämlich die Zwangsintegration in das Proletariat. Sie sind in Solidarität mit dem Rest ihrer Klasse in der Arbeitsdesertion.

Der Feminismus ist mit dem Doppelaspekt von Fortschritt und Reaktion entstanden. Er existiert seither mit diesen Widersprüchen und ist vor allem ein Werkzeug der Bourgeoisie geworden, in einem Buffet von bourgeoiser Feminismen. Die schlimmsten von ihnen nehmen Facetten der Frauenunterdrückung und kleiden sie einfach in ihr Gegenteil, die Ermächtigung der Frauen, um. Jetzt werden die entwürdigendsten Berufe, die den Frauen auferlegt werden, am meisten verfochten. Die kleinbourgeoise Sexabenteurerin wird damit prahlen, dass sie mehr verdient als die dummen Frauen, die im Dienstmädchen-Service, in der Gastronomie, im Transportwesen und in der Fabrikarbeit arbeiten. Sie wird sagen, dass sie klüger ist und es geschafft hat, aus dem Rattenrennen auszusteigen. Sie bezeichnet ihren Beruf als Arbeitsverweigerung, und sie hat recht. Aber sie irrt, dass dies irgendwie ihre Wahl zur richtigen macht, während die Frauen des Proletariats nur Schafe sind. Es ist eine Sache, eine falsche Idee zu haben — es ist eine andere, sie wie ein Evangelium zu verbreiten.

Die kleinbourgeoise Sex-Kapitalistin hat nichts mit den arbeitenden Frauen gemein. Sie lebt ein Leben der bourgeoisen Dekadenz und ist eine Werbung für Frauenfeindlichkeit. Sie besteht darauf, dass es gut und normal ist, dass Frauen vermietet werden können. Sie gibt den Männern einen fairen Preis, um in ihnen selbst und bei den Männern im Allgemeinen die Vorstellung zu reproduzieren, dass Frauen eine Ware sind. Alle Frauen, die sich dagegen wehren, bilden gemeinsam eine Art Streikpostenkette, und die kleinbourgeoise Sex-Kapitalistin überschreitet sie genüsslich. Sie ist hemmungslos.

Für den Kommunisten im Kampf der Frauen ist die Linie ganz klar: Wir müssen dem Volk dienen. Inman schreibt,

Der Kampf gegen Prostitution ist der Kampf gegen die Kapitalistenklasse. Da die Prostitution eine ökonomische Grundlage hat und die Frau aufgrund ökonomischer Unsicherheit in sie eintritt, muss eine Form des Kampfes ökonomisch sein: Forderungen nach einem existenzsichernden Lohn für alle Frauen, die arbeiten.

Und für diejenigen, denen eine Rolle in der Industrie oder der gesellschaftlichen Produktion verweigert wird, entweder direkt oder indirekt in legitimen Diensten, müssen Forderungen erhoben werden, dass sie eine Entschädigung erhalten. Die gesellschaftliche Produktion im Allgemeinen muss dazu gebracht werden, die Verantwortung für ihren Unterhalt zu tragen, bis ihnen eine Rolle in einer solchen Arbeit gegeben werden kann.

Aber ein wirksamer Kampf gegen die Prostitution muss auch die ganze zynische, dekadente moralische Struktur angreifen und entlarven, die die Unterwerfung der Frauen unterstützt, und die Rolle der Sexualwächter, die dann die Fussstapfen der unterworfenen Frauen verfolgen.“ (Inman, „Zur Verteididung der Frauen“)

Unser Ziel ist es also nicht, die zur Prostitution gezwungenen Frauen zu stigmatisieren, sondern ihre Befreiung aus der Sklaverei mit einer marxistischen Klassenanalyse zu begründen.

1Friedrich Engels: „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“, 1884.

2Sarah Handley-Cousins: „Prostitutes!“ National Museum of Civil War Medicine Website.

3Melissa Gira Grant: „When Prostitution Wasn‘t a Crime“, AlterNet.

4rights4girls.org: „Racial & Gender Disparities in the Sex Trade“.

5Devon D. Brewer, John J. Potterat, und Stephen Q. Muth: „Clients of Prostitute Women“.

6Matthias Gafni: „Oakland Police Scandal: How Often Are Cops Having Sex with Prostitutes?“ Mercury News (Bay Area).

7Jo-Anne Madeleine Stoltz, Kate Shannon, Thomas Kerr, et al., „Associations between Childhood Maltreatment and Sex Work in a Cohort of Drug-Using Youth“, Social Science & Medicine 65, Nr. 6, 1214–21.

8Janie Har: „Is the Average Age of Entry into Sex Trafficking between 12 and 14 Years Old?“ PolitiFact; Emi Koyama: „The Average Age of Entry into Prostitution Is NOT 13“, eminism.com.

9Howard N. Snyder: „Arrest in the United States, 1990-2010“, U.S. Dept. of Justice, Bureau of Justice Statistics.

10Erin Fuchs: „Atlanta‘s Underground Sex Trade Is Booming“, Business Insider.

11Melissa Farley: „Risks of Prostitution“, Journal of the Association for Consumer Research 3, no. 1, 97–108.

12Meredith Dank, Bilal Khan, P. Mitchell Downey, et al. „Estimating the Size and Structure of the Underground Commercial Sex Economy in Eight Major US Cities“, Urban Institute.

13Barbara Kavemann: „Findings of a Study on the Impact of the German Prostitution Act“, Social Science Women’s Research Institute at the Protestant University of Applied Sciences Freiburg.

14Hong Guo: „The Impacts of Economic Reform on Women in China“, MA thesis, University of Regina, 1997.

15New Vistas Publications: „Women in the Chinese Revolution“ (1921–1950).

16Elaine Jeffreys: „China, Sex and Prostitution“.

17New Vistas Publications: „Women in the Chinese Revolution“.